Ich habe das weiter oben auch schon mal in den Raum gestellt und die Situation von Leuten beschrieben, die von 345 EUR leben müssen.
Es geht bei den Vergleichen zu Frankreich nicht darum ob oder daß gleiche Bevölkerungsgruppen bei uns Randale machen. Klar, genau dieselben Mechanismen wie in Frankreich werden bei uns so nicht unbedingt ablaufen.
Ihr macht den Fehler zu sehr darüber zu reden wie schlimm oder nicht schlimm es ist 5 oder 10 EUR weniger zu haben, aber das ist gar nicht der entscheidende Punkt.
Es geht vielmehr darum daß sich zunehmend eine Aufspaltung in Arm und Reich vollzieht, bei der es nicht nur um Geld, sondern auch sozialen Status und Chancen im Leben geht. Gerade vor ein paar Tagen zeigte sich in der PISA-Studie daß die Chancen von Schülern inzwischen in starkem Maße davon abhängen wie wohlhabend die Eltern sind.
"Arm" zu sein ist nicht nur ein finanzielles Problem, sondern stempelt Menschen hierzulande zu Versagern, macht sie teilweise würdelos. Man muß sich ja nur mal die Wortwahl des werten Herrn Clement anhören oder auf die Wortwahl allein schon hier in diesem Thread achten... Bei 3/4 aller ALGII-Empfänger zerbricht ihre Beziehung durch Probleme, die in direktem Zusammenhang mit ihrer Lebenssituation gesehen werden müssen.
Und DAS birgt langfristig einen enormen Sprengstoff. Wer schon in der Schule die schlechteren Chancen hatte wird es auch später nur schwer schaffen sich gesellschaftlich zu verbessern. Wer ein gewisses Alter überschritten hat, ist biologisch gerade mal in der Mitte seines Lebens angelangt, wird auf dem deutschen Arbeitsmarkt aber behandelt wie ein nutzloser, ausgebrannter Depp.
Kinder oder eine Trennung mit Unterhaltsansprüchen sind ein Armutrisiko, neben der menschlichen Katastrophe.
Wenn man all dieses analysiert - dann versteht ihr hoffentlich endlich was gemeint ist wenn manche hier unken daß wir französische Verhältnisse bekommen könnten - weil sich die Gesellschaft radikalisiert, weil es im Gegensatz zur bundesdeutschen Vergangenheit auch in D immer mehr Menschen gibt, die keinerlei Perspektive haben einfach nur ein sorgenfreies Leben führen zu können und Chancengleichheit zu haben. Hier baut sich langsam aber sicher eine Gruppe von Leuten auf, die fast nichts zu verlieren haben, die in ganz vielen Lebensbereichen - und nicht mur beim Geld - benachteiligt und Menschen zweiter Klasse sind. Darin liegt längerfristig eine reale Gefahr.
Es geht nicht allein um die EUR, sondern einfach die Zielrichting, in die wir gesellschaftlich steuern.