ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Nicht wirklich. Wie würde Deutschland heute ohne Internet/DSL/ISDN-Versorgung aussehen? Lies dir mal die Forderungen von 1987 genau durch, mein Lieber.
Du ziehst einen Vergleich zwischen einem Atomunfall und der Internet-Vernetzung. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun und es gibt auch keine Parallelen in den Auswirkungen etc. Insofern weiß ich nicht, was dieser Vergleich nun soll.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Nunja, das kann man so und so sehen. Sie haben sich eher verbogen, um an der Macht zu bleiben. Sieht man auch daran, das sie ihr Wählerpotenzial ausgeschöpft haben.
Die Grünen sind erst Anfang der 1980er Jahre entstanden, ursprünglich aus Initiativen gegen Umweltverschmutzung und Atomkraft. Mit der Wiedervereinigung kamen sie in den Bundestag und waren ab 1994 an der Bundesregierung beteiligt. Der Wandel von einer Aktivistenbewegung zu einer Partei mit politischer Verantwortung in heutiger Form hat sich also in gerade mal 3 Jahrzehnten vollzogen und dazu waren gewaltige Entwicklungen im Selbstverständnis nötig - ich hatte die innerparteilichen Richtungskämpfe zwischen Realos und Fundis ja schon erwähnt.
So, nun kommst du mit der Aussage, die Grünen seien "Umfaller" und hätten ihre Meinungen verbogen. Du kannst denken was du willst, keine Frage. Nur empfinde ich diesen deinen Vorwurf als unsinnig, denn man kann von einer heterogenen Gruppierung mit diesem Werdegang in gerade mal 33 Jahren nicht erwarten, dass sich da keine Entwicklungen vollziehen, dass sich keine Meinungen ändern oder Personen mit unterschiedlichen Denkweisen die Grundlinien der Partei verändern.
Das passiert in vergleichbarer Form in jeder Partei. CDU, SPD und die FDP haben nur eine längere Geschichte und deren wesentliche Veränderungen sind vor unserer Zeit passiert, das haben wir beide nicht erlebt. Bei den Piraten läuft die Selbstfindung jetzt gerade erst ab. Das sind aber normale Entwicklungsprozesse politischer Gruppierungen, die nichts mit "Umfallerei" zu tun haben.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Ach, kuck an....und die gleichen Realos verweigern sich der Atomkraft? Man sollte schon bei seinem Wahlprogramm bleiben, und nicht umfallen.
Die Grünen waren IMMER gegen Atomkraft und schon IMMER für Umweltschutz. In der Frage sauberer Energieversorgung lässt sich nicht beides unter einen Hut bringen. Deswegen ist dein Vorwurf auch hier "unsachlich", denn egal wie sich die Grünen positionieren, sie verstoßen zwangsläufig IMMER gegen eine ihrer Grundansichten.
Andere Parteien tun sich im Falle der Atomkraft leichter weil die in dieser Fragestellung eine andere Linie fahren. Die stehen dafür bei anderen Themen vor dem Problem interner Richtungskämpfe. Vielleicht setzen sich Kräfte durch, die anders agieren als diejenigen, die vorher die Richtung der Partei bestimmten. Sowas kann man aber nicht, wie du es machst, als "umfallen" abtun.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Hört sich an, wie BlaBla. Beispiel: Özdemir regt sich über Boni, Gehälter und Co. auf. Der gleiche Özdemir, der über die Flugmeilenaffäre gefallen ist?
Zu Herrn Trittin gibt es auch genug Beispiele.
Solche Beispiele und Verfehlungen findest du in jeder Partei. Das kann deswegen nicht die Grundlage der Bewertung sein, sonst kannst du keine größere politische Gruppierung mehr ernst nehmen. Ab einer gewissen Größenordnung und Geschichte wird man systemimmanent überall irgendwen mit Fehlverhalten finden. Du könntest in letzter Konsequenz nur noch Anarchie akzeptieren weil es nie gelingen wird, die in einer Demokratie nötigen Mehrheiten so zu gestalten, dass da keine angreifbaren Personen oder Meinungsveränderungen vorhanden sind.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Und um deinen Reflex vorzubeugen, die Grünen wieder verteidigen zu müssen: In anderen Parteien gibt es diese Beispiele auch, und ja, es gibt auch gute Seiten an den Grünen.
Ich bin kein Grünen-Sympathisant und verteidige nicht diese Partei. Ich sehe nur realistisch, dass JEDE große Partei oder Gruppierung verschiedene interne Meinungen hat und wenn sich im Laufe der Zeit Vertreter unterschiedlicher Denkrichtungen durchsetzen ist das normal und kann nicht den Vorwurf mangelnder Gradlinigkeit begründen.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
und die Kosten der Energiewende. Da waren die Grünen auch mit im Boot. Also zu behaupten, das sie die einzigen sind, die rechnen können, ist mir zu platt.
Verdrehe mir bitte nicht das Wort im Munden. Meine Aussage war, dass man nicht mal in der Lage ist, die Kosten eines Bahnhofs (S21) zu berechnen. Zur Energiewende habe ich nichts geschrieben, allerdings impliziert meine Aussage, dass, wenn man "einfache" Dinge nicht rechnen kann, man komplexe Dinge erst Recht nicht berechnen kann.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Schau an. Wie senst du dann die Subventionierung von Solar- und Windenergie bei Privaten und Unternehmen? Sollten nicht allle für ihre Betriebsrisiken (auch der Verdienstausfall gehört dazu) selbst geradestehen?
Und woher kommt nochmal der Gewinn der Panelaufsteller auf Einfamlienhäusern und Co?
Wenn man realistische Kosten für Solarbranche ansetzt (incl. Subventionen) und die um 50% kürzt, hätte man sich zwei Super-Gaus leisten können.
Zum einen: einen kompletten Landstrich zu evakuieren hätte unermessliche finanzielle und vor allem emotionale Folgen. Dagegen sind Solarsubventionen ein absolutes Nichts. Das ist also rein sachlich eine ziemlich schwachsinnige Aussage.
Zum anderen stellst du die Frage nach Subventionen. Darüber kann man trefflich streiten weil es ein Grundproblem ist wenn staatlicherseits in Märkte eingegriffen wird. Es kann sinnvoll sein wenn man bestimmte, als gut definierte, Entwicklungen fördern will.
Im Einzelfall kann man immer diskutieren welche Subvention sinnvoll ist, welche nicht, in welcher Höhe, wie lange etc. Wie man über eine Subvention denkt hängt meist davon ab, auf welcher Seite man steht. Ein Nutznießer von Subventionen wird immer dafür, derjenige, der das Nachsehen hat, immer dagegen sein.
Auch hier unterliegst du dem "Denkfehler", deine Sichtweise als die richtige anzunehmen während Andersdenkende falsch lägen. Die haben aber nur eine andere Meinung in einer Sache, die man unterschiedlich betrachten kann. Bei manchen Themen sind verschiedene Sichtweisen legitim weil beide Ansichten moralisch gleich unproblematisch sind. Bei anderen Themen ist es nicht so, da muss man mit einer Position zugleich etwas vertreten, was moralisch angreifbar ist.
Und das ist in der Atomstrom-Diskussion eines der Probleme: es geht nicht nur darum, welcher Strom preiswert oder gut verfügbar ist, oder sauber wenn man nur das Kraftwerk sieht. Man muss auch das "Was wäre, wenn etwas schief geht?"-Szenarium durchdenken. Die bisherigen Atomunfälle haben uns gezeigt, welche Apokalyse dann droht, welche Folgen das für Menschen im Umland hat...
Natürlich sind Kohlekraftwerke, Windenergie oder Solarstrom als Formen der Energiegewinnung auch nicht ohne Nachteile, aber eine so massive Bedrohung für das Leben und die Gesundheit von Menschen in einer Region sind sie nicht.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Ich habe an der Stelle den Eindruck, das DEINE Rethorik eher "Grünengefärbt"ist (siehe: Atomlobby), was per se ja nicht schlimm ist.
Anderen aber politische Motivation zu unterstellen, ist aber in Ordnung, oder wie?
Nö, dann hast du mich komplett missverstanden. Ich bin überhaupt kein Fan der Grünen, auch wenn ich bzgl. Atomkraft genauso denke wie sie. Wenn ich die Grünen hier "in Schutz nehme" dann nur, weil ich ihnen, wie jeder Partei, Entwicklungen zugestehe. Und ich verstehe, dass im politischen Geschäft manchmal Antworten gefunden werden müssen, die in der Realität funktionieren, sich aber blöderweise mit schönen Theorien eines Parteiprogramms beißen.
Das gestehe ich - ganz unabhängig von meiner politischen Präferenz - jeder Partei zu. Wenn es hier nicht um die Grünen sondern die FDP, die CDU oder die SPD, die Linke oder die Piraten gehen würde, würde ich denen genauso nachsehen, dass sie an bestimmten Stellen in einen Zwiespalt zwischen praktischen Anforderungen des Lebens und parteieigenem Wunschdenken geraten.
Beispiel: als die Linken in Berlin in die Regierung kamen gerieten sie vor das Problem, wie eine hoch verschuldete Pleite-Stadt mit Geldproblemen ihren Angestellten nun die Gehälter zahlen soll, für die sich die Linken normalerweise stark machen. Da gerieten die Berliner Linken in einen Konflikt, der nicht lösbar war. Vor einem solchen Dilemma steht regelmäßig jede Partei.
ZitatOriginal geschrieben von Timba69
Versteh mich nicht falsch, ich würde mir auch eine saubere und billige Energiequelle wünschen. Aber die haben wir (noch) nicht. Deshalb reflexartig nach dem Ende von AKWs zu brüllen, ist billig und nicht seriös.
Es ist ja nicht reflexartig weil man zufällig ausgewürfelt hat, dass Atomstrom böse ist. Das Argument ist das Bedrohungspotential von Atomanlagen. Aufgrund der nicht beherrschbaren Folgen eines GAUs wünschen sich viele Menschen ein schnelles Ende von AKWs, denn wir hantieren da mit einer Technologie, die wir nicht im Griff haben. Wir sind nicht in der Lage einen GAU mit absoluter Sicherheit zu verhindern, wir können auch die Folgen eines GAUs nicht überblicken und nicht händeln, wir belasten mit einem Strahlenmüll-Problem nachfolgende Generationen über hunderte, vielleicht tausende Jahre. Das führt zu der Ansicht, dass wir diese Verantwortung nicht tragen können und nicht mit dem Feuer spielen dürfen wenn wir nicht löschen können. Und wir spielen hier nicht nur mit Streichhölzern, sondern Flammenwerfern...
Verstehe du auch nicht falsch, dass Atomkraft-Gegner anderen Formen der Energiegewinnung nicht unkritisch gegenüberstehen. Dass es da auch Schwierigkeiten und keine Ideallösungen gibt, weiß jeder. In der Abwägung sind das aber kleinere und überschaubarere Risiken, die wir halbwegs im Griff haben.