Beiträge von Printus

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    Original geschrieben von Timba69
    Nicht wirklich. Wie würde Deutschland heute ohne Internet/DSL/ISDN-Versorgung aussehen? Lies dir mal die Forderungen von 1987 genau durch, mein Lieber.


    Du ziehst einen Vergleich zwischen einem Atomunfall und der Internet-Vernetzung. Das eine hat mit dem anderen überhaupt nichts zu tun und es gibt auch keine Parallelen in den Auswirkungen etc. Insofern weiß ich nicht, was dieser Vergleich nun soll.


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    Original geschrieben von Timba69
    Nunja, das kann man so und so sehen. Sie haben sich eher verbogen, um an der Macht zu bleiben. Sieht man auch daran, das sie ihr Wählerpotenzial ausgeschöpft haben.


    Die Grünen sind erst Anfang der 1980er Jahre entstanden, ursprünglich aus Initiativen gegen Umweltverschmutzung und Atomkraft. Mit der Wiedervereinigung kamen sie in den Bundestag und waren ab 1994 an der Bundesregierung beteiligt. Der Wandel von einer Aktivistenbewegung zu einer Partei mit politischer Verantwortung in heutiger Form hat sich also in gerade mal 3 Jahrzehnten vollzogen und dazu waren gewaltige Entwicklungen im Selbstverständnis nötig - ich hatte die innerparteilichen Richtungskämpfe zwischen Realos und Fundis ja schon erwähnt.
    So, nun kommst du mit der Aussage, die Grünen seien "Umfaller" und hätten ihre Meinungen verbogen. Du kannst denken was du willst, keine Frage. Nur empfinde ich diesen deinen Vorwurf als unsinnig, denn man kann von einer heterogenen Gruppierung mit diesem Werdegang in gerade mal 33 Jahren nicht erwarten, dass sich da keine Entwicklungen vollziehen, dass sich keine Meinungen ändern oder Personen mit unterschiedlichen Denkweisen die Grundlinien der Partei verändern.
    Das passiert in vergleichbarer Form in jeder Partei. CDU, SPD und die FDP haben nur eine längere Geschichte und deren wesentliche Veränderungen sind vor unserer Zeit passiert, das haben wir beide nicht erlebt. Bei den Piraten läuft die Selbstfindung jetzt gerade erst ab. Das sind aber normale Entwicklungsprozesse politischer Gruppierungen, die nichts mit "Umfallerei" zu tun haben.


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    Original geschrieben von Timba69
    Ach, kuck an....und die gleichen Realos verweigern sich der Atomkraft? Man sollte schon bei seinem Wahlprogramm bleiben, und nicht umfallen.


    Die Grünen waren IMMER gegen Atomkraft und schon IMMER für Umweltschutz. In der Frage sauberer Energieversorgung lässt sich nicht beides unter einen Hut bringen. Deswegen ist dein Vorwurf auch hier "unsachlich", denn egal wie sich die Grünen positionieren, sie verstoßen zwangsläufig IMMER gegen eine ihrer Grundansichten.
    Andere Parteien tun sich im Falle der Atomkraft leichter weil die in dieser Fragestellung eine andere Linie fahren. Die stehen dafür bei anderen Themen vor dem Problem interner Richtungskämpfe. Vielleicht setzen sich Kräfte durch, die anders agieren als diejenigen, die vorher die Richtung der Partei bestimmten. Sowas kann man aber nicht, wie du es machst, als "umfallen" abtun.


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    Original geschrieben von Timba69
    Hört sich an, wie BlaBla. Beispiel: Özdemir regt sich über Boni, Gehälter und Co. auf. Der gleiche Özdemir, der über die Flugmeilenaffäre gefallen ist?
    Zu Herrn Trittin gibt es auch genug Beispiele.


    Solche Beispiele und Verfehlungen findest du in jeder Partei. Das kann deswegen nicht die Grundlage der Bewertung sein, sonst kannst du keine größere politische Gruppierung mehr ernst nehmen. Ab einer gewissen Größenordnung und Geschichte wird man systemimmanent überall irgendwen mit Fehlverhalten finden. Du könntest in letzter Konsequenz nur noch Anarchie akzeptieren weil es nie gelingen wird, die in einer Demokratie nötigen Mehrheiten so zu gestalten, dass da keine angreifbaren Personen oder Meinungsveränderungen vorhanden sind.


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    Original geschrieben von Timba69
    Und um deinen Reflex vorzubeugen, die Grünen wieder verteidigen zu müssen: In anderen Parteien gibt es diese Beispiele auch, und ja, es gibt auch gute Seiten an den Grünen.


    Ich bin kein Grünen-Sympathisant und verteidige nicht diese Partei. Ich sehe nur realistisch, dass JEDE große Partei oder Gruppierung verschiedene interne Meinungen hat und wenn sich im Laufe der Zeit Vertreter unterschiedlicher Denkrichtungen durchsetzen ist das normal und kann nicht den Vorwurf mangelnder Gradlinigkeit begründen.


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    Original geschrieben von Timba69
    und die Kosten der Energiewende. Da waren die Grünen auch mit im Boot. Also zu behaupten, das sie die einzigen sind, die rechnen können, ist mir zu platt.


    Verdrehe mir bitte nicht das Wort im Munden. Meine Aussage war, dass man nicht mal in der Lage ist, die Kosten eines Bahnhofs (S21) zu berechnen. Zur Energiewende habe ich nichts geschrieben, allerdings impliziert meine Aussage, dass, wenn man "einfache" Dinge nicht rechnen kann, man komplexe Dinge erst Recht nicht berechnen kann.


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    Original geschrieben von Timba69
    Schau an. Wie senst du dann die Subventionierung von Solar- und Windenergie bei Privaten und Unternehmen? Sollten nicht allle für ihre Betriebsrisiken (auch der Verdienstausfall gehört dazu) selbst geradestehen?


    Und woher kommt nochmal der Gewinn der Panelaufsteller auf Einfamlienhäusern und Co?


    Wenn man realistische Kosten für Solarbranche ansetzt (incl. Subventionen) und die um 50% kürzt, hätte man sich zwei Super-Gaus leisten können.


    Zum einen: einen kompletten Landstrich zu evakuieren hätte unermessliche finanzielle und vor allem emotionale Folgen. Dagegen sind Solarsubventionen ein absolutes Nichts. Das ist also rein sachlich eine ziemlich schwachsinnige Aussage.


    Zum anderen stellst du die Frage nach Subventionen. Darüber kann man trefflich streiten weil es ein Grundproblem ist wenn staatlicherseits in Märkte eingegriffen wird. Es kann sinnvoll sein wenn man bestimmte, als gut definierte, Entwicklungen fördern will.
    Im Einzelfall kann man immer diskutieren welche Subvention sinnvoll ist, welche nicht, in welcher Höhe, wie lange etc. Wie man über eine Subvention denkt hängt meist davon ab, auf welcher Seite man steht. Ein Nutznießer von Subventionen wird immer dafür, derjenige, der das Nachsehen hat, immer dagegen sein.


    Auch hier unterliegst du dem "Denkfehler", deine Sichtweise als die richtige anzunehmen während Andersdenkende falsch lägen. Die haben aber nur eine andere Meinung in einer Sache, die man unterschiedlich betrachten kann. Bei manchen Themen sind verschiedene Sichtweisen legitim weil beide Ansichten moralisch gleich unproblematisch sind. Bei anderen Themen ist es nicht so, da muss man mit einer Position zugleich etwas vertreten, was moralisch angreifbar ist.


    Und das ist in der Atomstrom-Diskussion eines der Probleme: es geht nicht nur darum, welcher Strom preiswert oder gut verfügbar ist, oder sauber wenn man nur das Kraftwerk sieht. Man muss auch das "Was wäre, wenn etwas schief geht?"-Szenarium durchdenken. Die bisherigen Atomunfälle haben uns gezeigt, welche Apokalyse dann droht, welche Folgen das für Menschen im Umland hat...
    Natürlich sind Kohlekraftwerke, Windenergie oder Solarstrom als Formen der Energiegewinnung auch nicht ohne Nachteile, aber eine so massive Bedrohung für das Leben und die Gesundheit von Menschen in einer Region sind sie nicht.


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    Original geschrieben von Timba69
    Ich habe an der Stelle den Eindruck, das DEINE Rethorik eher "Grünengefärbt"ist (siehe: Atomlobby), was per se ja nicht schlimm ist.
    Anderen aber politische Motivation zu unterstellen, ist aber in Ordnung, oder wie?


    Nö, dann hast du mich komplett missverstanden. Ich bin überhaupt kein Fan der Grünen, auch wenn ich bzgl. Atomkraft genauso denke wie sie. Wenn ich die Grünen hier "in Schutz nehme" dann nur, weil ich ihnen, wie jeder Partei, Entwicklungen zugestehe. Und ich verstehe, dass im politischen Geschäft manchmal Antworten gefunden werden müssen, die in der Realität funktionieren, sich aber blöderweise mit schönen Theorien eines Parteiprogramms beißen.
    Das gestehe ich - ganz unabhängig von meiner politischen Präferenz - jeder Partei zu. Wenn es hier nicht um die Grünen sondern die FDP, die CDU oder die SPD, die Linke oder die Piraten gehen würde, würde ich denen genauso nachsehen, dass sie an bestimmten Stellen in einen Zwiespalt zwischen praktischen Anforderungen des Lebens und parteieigenem Wunschdenken geraten.
    Beispiel: als die Linken in Berlin in die Regierung kamen gerieten sie vor das Problem, wie eine hoch verschuldete Pleite-Stadt mit Geldproblemen ihren Angestellten nun die Gehälter zahlen soll, für die sich die Linken normalerweise stark machen. Da gerieten die Berliner Linken in einen Konflikt, der nicht lösbar war. Vor einem solchen Dilemma steht regelmäßig jede Partei.


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    Original geschrieben von Timba69
    Versteh mich nicht falsch, ich würde mir auch eine saubere und billige Energiequelle wünschen. Aber die haben wir (noch) nicht. Deshalb reflexartig nach dem Ende von AKWs zu brüllen, ist billig und nicht seriös.


    Es ist ja nicht reflexartig weil man zufällig ausgewürfelt hat, dass Atomstrom böse ist. Das Argument ist das Bedrohungspotential von Atomanlagen. Aufgrund der nicht beherrschbaren Folgen eines GAUs wünschen sich viele Menschen ein schnelles Ende von AKWs, denn wir hantieren da mit einer Technologie, die wir nicht im Griff haben. Wir sind nicht in der Lage einen GAU mit absoluter Sicherheit zu verhindern, wir können auch die Folgen eines GAUs nicht überblicken und nicht händeln, wir belasten mit einem Strahlenmüll-Problem nachfolgende Generationen über hunderte, vielleicht tausende Jahre. Das führt zu der Ansicht, dass wir diese Verantwortung nicht tragen können und nicht mit dem Feuer spielen dürfen wenn wir nicht löschen können. Und wir spielen hier nicht nur mit Streichhölzern, sondern Flammenwerfern...


    Verstehe du auch nicht falsch, dass Atomkraft-Gegner anderen Formen der Energiegewinnung nicht unkritisch gegenüberstehen. Dass es da auch Schwierigkeiten und keine Ideallösungen gibt, weiß jeder. In der Abwägung sind das aber kleinere und überschaubarere Risiken, die wir halbwegs im Griff haben.

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    Original geschrieben von Timba69
    Das heist, 25 Jahre warten, und wir(!) und die Grünen sehen die Sache mit den AKW anders und überdenken ihre Haltung und sagen: AKW doch gut?


    Wenn wir über Atomstrom reden hat das eine ganz andere Dimension als das Beispiel, mit dem du um die Ecke kamst. Es gibt da keine Parallelen, weder thematisch noch von den potentiellen Auswirkungen her, noch sonst irgendwie. Das Beispiel passt überhaupt nicht und scheint mir eher daher zu kommen, dass du die Grünen nicht magst und nun irgendein Negativbeispiel bringen willst. Das sollte dann aber auch "passen"...


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    Original geschrieben von Timba69
    Und warum sollten Politiker, insbesondere die Grünen, heute rationaler und weniger ideologisch argumentieren, wie damals? Ich denke eher, das es heute genauso, wie damals ist. Zeigt die Erfahrung.


    Die Grünen haben sich im Laufe mehrerer Jahrzehnte von "linken Öko-Protestlern" zu Realpolitikern im etablierten Parteienspektrum entwickelt. Die früheren "Fundis", wie sie im Grünen-Jargon hießen, orientierten sich weniger am realistisch Machbaren als an ideologischen Grundsätzen. Durchgesetzt haben sich aber die "Realos", weil die Partei insbesondere mit dem Eintritt in eine Regierungskoalition oder als es um Kampfeinsätze der Bundeswehr zu humanitären Zwecken (Jugoslawien-Krieg) ging, praktische Politik machen und belastbare Entscheidungen treffen musste. Da half kein Weltverbesserer-Gerede mancher Fundis mehr weil konkret anstehende Fragen adäquat zu beantworten waren.
    Die heutigen Grünen sind nicht die gleichen Köpfe wie damals und einer Partei heute Standpunkte irgendwelcher Parteivorderen von vor 25 oder 30 Jahren vorzuhalten ist nicht valide. Wie auch jede andere Institution haben sich auch die Grünen personell und programmatisch entwickelt.


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    Original geschrieben von Timba69
    Eben. Den gleichen Politikern billigst du aber zu, die Kosten der Energiewende und deren Probleme realistisch zu taxieren? Also bitte.....


    Wo habe ich das getan?


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    Original geschrieben von Timba69
    Warum sollten die Kosten die AKW Betreiber tragen? Im Gesetz steht nun einmal, es trägt der Staat. Dafür gibt es eine erhöhte Stromsteuer an den Staat. Wenn diese Zweckentfremdet wird, tja dann.....


    Die Atomlobby und die Regierungskoalition ziehen an einem Strang. Deswegen diese Ungerechtigkeit. Ein gängiges Rechtsprinzip ist, dass jeder selbst für seine Betriebsrisiken haftbar ist. Wie kann es sein, dass die Stromkonzerne privatwirtschaftlich Gewinne aus ihrem Produkt beziehen, zugleich aber die einhergehenden Risiken sozialisieren?

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    Original geschrieben von Timba69
    naja, wenn ich mir so die Produktionsstandort ansehe, dann sind in China weit mehr wie Landstriche verwüstet, und die Gesundheit ist da wohl auch nicht die beste.....


    Das spielt aber nicht in der gleichen Liga wie ein GAU im AKW. Ich halte nicht viel von Größenvergleichen, für die Betroffenen hat es immer schlimme Auswirkungen. Dennoch muss man bei gesamtwirtschaftlicher Betrachtung differenzieren ob es um ein lokales Problem in China geht oder eine Bedrohung für alles Leben in 80 km Umkreis für Millionen Jahre.

    schmidt3: Ich empfinde die Kommentare nicht als hysterisch. Nicht, weil sie inhaltlich meistens meiner Meinung entsprechen, sondern allein vom Tonfall und der Argumentationsweise her.


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    Original geschrieben von Timba69
    Hier mal ein Auszug aus dem Programm der Grünen von 1987, bezogen auf unser Forum:


    26 Jahre sind eine lange Zeit und dass sich die Welt währenddessen verändert, also auch andere Meinungen und Themen aufkommen, kann man angesichts eines so langen Zeitraumes verstehen. Man liest außerdem sehr deutlich heraus, dass die Grünen damals ideologisch argumentiert haben und weniger aus der Position von Realpolitikern.


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    Original geschrieben von Timba69
    Und für einen GAU mussten bis jetzt direkt keine Bürger aufkommen, wenn in der UDSSR, noch in Japan. Wir zahlen aktuell für die Energiewende, nicht vergessen! Zudem: Ein Risko bleibt immer.


    AKWs können nicht versichert werden - verständlich, denn wer kann die Wahrscheinlichkeit und die finanziellen Auswirkungen eines GAUs realistisch kalkulieren und im Falle eines Falles tragen? Man schafft es ja nicht mal die Kosten von S21 oder dem Hauptstadtflughafen realistisch zu taxieren...


    Wir zahlen allerdings schon jetzt für die Endlagerung atomaren Mülls und die Kosten rund um Castor-Transporte. Eigentlich müssten diese Aufwendungen von den AKW-Betreibern bestritten werden...


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    Original geschrieben von Timba69
    Weist du eigentlich, was für Giftstoffe bei der Solarpanelherstellung entstehen? Incl. Uran?!
    Du tauscht ein Risiko gegen ein anderes.


    Da ist aber noch ein "kleiner" Unterschied, ob man einen kompletten Landstrich auf unendliche Zeit verseucht oder in der Solarpanelherstellung ein eng begrenztes, isoliertes Problem hat.

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    Original geschrieben von mws55
    Das ist doch - sorry - einfach nur Geschwätz. Wo bitte hat die friedliche Nutzung der Atomkraft denn wirklich irgendwelche Menschenleben gekostet? Bitte Quellen. In Fukushima jedenfalls nicht, wie nun die WHO berichtet (siehe auch Zeit). Kein einziger Krebsfall bei Einwohnern oder Rettungskräften. Und Tschernobyl zählt nicht, da war militärische Nutzung im Spiel.


    Wo also hat die friedliche Atomkraft tausende Menschenleben gefordert? Oder meinst du mittelbar durch Armut, weil auf Druck der linksradikalen Grünen binnen Tagen der Atomausstieg vollzogen werden musste (und Angie natürlich pflichtbewusst sofort umfiel) und der Strompreis ins Perverse stieg und steigt?


    Geschwätz ist wenn man behauptet "Tschernobyl zählt nicht, da war militärische Nutzung im Spiel." Natürlich zählt es! Menschenleben sind Menschenleben...


    Bzgl. Fukushima sagt deine Quelle: "...hat die Weltgesundheitsorganisation ihren ersten Risikobericht nach der Katastrophe in Japan veröffentlicht. " Ein Risikobericht ist "nichts", das ist nur eine Vermutung in die Zukunft. Der Unfall ist gerade 2 Jahre her, da können Langzeitfolgen naturgemäß noch nicht zum Tragen gekommen sein.


    Weiterhin besagt deine Quelle: "Unabhängige Forscher errechneten im vergangenen Juni höchstens 2.500 Fälle und maximal 1.300 Todesopfer." Hey, vielleicht nur 1300 Tote, naja dann... oder wie darf ich dich interpretieren?


    Und eines ist doch sowieso klar: eine Diskussion um Zahlen ist müßig weil man im Einzelfall nie wissen kann ob ein Todesfall ursächlich auf einen Atomunfall oder eine körperliche Disposition zurückzuführen ist. Es ist deswegen nicht das wirklich entscheidende Thema ob wir über 13.000, 1300 oder 130 Strahlentote sprechen. Es bewegt sich immer in einer unerträglichen Größenordnung.


    Dazu kommen die "indirekten" Opfer: beispielsweise bettlägerige Menschen, die im Chaos nach dem GAU nicht evakuiert werden konnten und unversorgt in einem Krankenhaus starben. Oder Menschen, die durch den Verlust von Heimat, Hab und Gut in den Suizid getrieben wurden etc. etc. etc. Man könnte eine lange Liste anfertigen, wo all diese Leute berücksichtigt werden müssen. Man wird nie eine wirklich belastbare Zahl haben, wo ein einfacher Zusammenhang zwischen Atomunfall und dem jeweiligen Tod herzustellen ist. Zu den noch nicht erkennbaren Strahlen-Langzeitfolgen rechnet man im Augenblick etwa 600 Tote, die durch das (unvermeidliche) Chaos der Evakuierungen in einer durch Tsunami zerstörten Infrastruktur zu Tode kamen. Ursächlich waren hier, wohlgemerkt, nicht die Tsunami-Folgen, sondern die durch den Atomunfall ausgelösten Probleme.


    Und ein Weiteres: wieviele Menschen durch Krebs, psychische Erkrankungen oder Vertreibung die Folgen von Tschernobyl oder Fukushima ausbaden, ist eine rein philosophische Betrachtung weil das nicht mehr zu ändern ist. Fakt ist aber: es gab, gibt und wird auch weiter Tote geben, die im Zusammenhang mit dem GAU zu sehen sind. Ihre Anzahl liegt in Fukushima MINDESTENS im 3stelligen Bereich, in Tschernobyl sind es tausende, wobei die Vertuschungspolitik der damaligen Sowjetunion wenig Wissen durchließ. Deine Aussage, es habe kein einziges Todesopfer durch Atomkraft gegeben, ist jedenfalls völlig unhaltbar.


    Im Hinblick auf die weitere (Nicht)nutzung der Atomkraft in Mitteleuropa stellt sich nun die Frage, wieviele Menschen in diesem extremen Ballungsraum gefährdet sind.
    In Fukushima evakuierte die Regierung über 60.000 Menschen in einem Radius von 20 Kilometern um das Kraftwerk, später kam die Empfehlung an weitere 60.000+ Menschen, den Bereich um das Kraftwerk zu verlassen. Es gab Empfehlungen, einen Radius von bis zu 80 Kilometern zu evakuieren, was 1,9 Millionen Menschen betroffen hätte. Fukushima liegt günstigerweise in einer mäßig besiedelten Gegend und dazu direkt am Meer, d. h. auf einer Seite der Szenerie wohnten gar keine Menschen und auf der anderen verhältnismäßig wenige.
    Überträgt man das Szenario aber gedanklich auf Kernkraftwerke inmitten Europas kann man sich ja mal überlegen, wieviele Menschen hier betroffen wären...


    So lappidar wie Du zu behaupten "alles gar nicht so schlimm, kein Toter bisher", ist definitiv komplett falsch, und wir reden eben auch über das zukünftige Gefährdungspotential, nicht nur die nicht mehr zu ändernde Vergangenheit. Wer kann denn verantworten, wieviele Menschen hier betroffen wären? Und was ist, wenn es beim nächsten Mal nicht so "glimpflich", wie du es darstellst, abläuft, sondern wenn es dann "ungünstig" läuft weil "Glück im Unglück" fehlt?
    Wer kann die finanziellen Folgen verantworten, wenn ein europäischer Ballungsraum evakuiert werden müsste, Millionen Menschen ihre Existenz verlieren und dazu die wirtschaftliche Wertschöpfung einer ganzen Region zusammenbricht?


    Ich respektiere andere Meinungen, auch zur Atomkraft. Aber ich erwarte von Befürwortern, dass sie Antworten auf diese "Was wäre wenn...?"-Fragen geben. Und da zeigt sich dann, dass die Sache nicht beherrschbar ist...

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    Original geschrieben von Felsen2000
    Ich hatte schon mal in einem anderen Strang vorgeschlagen, statt einer Betroffenheitsdiskussion eine Sachdiskussion zu führen.
    - Was betrachten Sie als "immer rauer"?
    - Was genau wurde denn bzw. sollte gestrichen werden? Und mit welcher Begründung?


    klick klick


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    Original geschrieben von Felsen2000
    In Deutschland gibt es eine linke Partei, eine sehr linke Partei und zwei radikal-linke Parteien. Sowie mehrere offen kommunistische Parteien. Es gibt eine halbe liberale Partei und weder eine bürgerliche noch eine konservative Partei. Deutschlands Parteienspektrum ist bei weitem linker als Frankreich, Schweden oder Italien.


    Richtig. Nur splittet sich das linke Spektrum, wie du ja auch selber erkennst, in diverse Gruppierungen, die - jede für sich - nur eine geringe politische Schlagkraft entwickeln. Hätte die SPD die linke Wählerschaft nicht durch die Agendapolitik vergrault und zu den zahlreichen kleineren Alternativen getrieben, könnte sie ein riesengroßes linkes Wählerpotential bei sich vereinen. Es ist schon bemerkenswert wie eine Partei es seit Jahren nicht schafft, ein günstiges gesellschaftliches Klima für sich zu nutzen.


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    Original geschrieben von Felsen2000
    Womit wir wieder beim Thema "Ihre Wahrheit"/"Meine Wahrheit" wären. Denn ich halte Kernkraft für die in der Massenproduktion bei weitem umweltfreundlichste Energiequelle und die Risiken für Minimal. Lediglich Wasserkraft ist noch umweltfreundlicher, aber nur begrenzt verfügbar. Und wenn ich Sie nur halbwegs richtig einschätze, dann sind Sie ein "typischer Deutscher" in dem Sinne, dass Sie mir nicht mal zugestehen werden, gute Gründe und vor allem ein RECHT auf eine eigene Meinung zu haben.


    Dann schätzt du mich falsch ein. Ich gestehe dir selbstverständlich eine eigene Meinung zu. Ich respektiere auch, wenn jemand die Kernkraft befürwortet. Ich erwarte aber, dass er dann auch klar zu den Risiken steht. Denn die sind nicht so klein wie es von Befürwortern gerne dargestellt wird. Wir haben in Tschernobyl und Fukushima erleben müssen, welche Folgen ein GAU hat.
    Bzgl. Tschernobyl kann man vielleicht noch anführen, dass man die Kernkraft bis dahin für unproblematisch hielt, dass man es mit suboptimaler Ostblock-Technik zu tun hatte und dass adäquate Maßnahmen von Anfang an durch die Propaganda-Maschinerie des Kalten Krieges verhindert wurden. Spätestens Fukushima hat aber gezeigt, dass auch moderne Industrienationen diese Technik nicht vollends beherrschen. Der Punkt, an dem nicht erwartete Umstände einen GAU initiieren können, liegt auch bei hochtechnisierten Ländern relativ nahe. Man kann dieses Risiko als Kernkraftgegner oder -befürworter nun unterschiedlich stark betonen; Fakt ist aber, dass ein gewaltiges Risiko dabei ist und die Folgen für hunderte Kilometer Umkreis dramatisch sind wenn's knallt.


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    Original geschrieben von Felsen2000
    Bis jetzt habe ich kaum einen Kernkraft-Gegner kennengelernt, der nicht derart missionarisch von seiner Idee überzeugt gewesen wäre, dass er/sie alle Kernkraftbefürworter nicht von vorne herein als a) von der bösen Industrie gekauft und b) geisteskrank gehalten hätte.


    Dann diskutierst du mit den falschen Leuten. :D Der Eifer vieler Gegner rührt daher, dass es in diesem Diskurs nicht um Kinderkram geht, sondern um die Gesundheit und das Leben von Menschen. Verstrahlung hat allein durch die beiden bisherigen GAU's tausende Menschenleben gefordert und vielen die Gesundheit geraubt. Die ganze Diskussion dreht sich im Falle der Kernenergie also nicht allein darum, ob der Strom mit Technik A oder B erzeugt wird, sondern es geht auch um die moralische und ethische Fragestellung, ob und wieviele Menschenleben uns Atomstrom wert ist. Als Atomkraft-Befürworter ist man zu entsprechenden Zugeständnissen bereit, was halt eben entsprechende Gegnerschaft hervorruft.


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    Original geschrieben von Felsen2000
    Allgemein gesagt (nicht auf sie bezogen) ist der Respekt in Deutschland für Meinungen abseits des Mainstreams unterhalb der Grasnarbe. Eine "falsche" Meinung in Deutschland zu haben, ist in etwa gleichbedeutend mit Mobbing und sozialer Ausgrenzung. Im Moment ist aber "linke" Politik der absolute Mainstream - jede andere Politik sei sie liberal, konservativ oder bürgerlich kann damit nur unter Inkaufnahme extremer persönlicher Angriffe geäußert werden.


    Das sehe ich aber bei simplen Themen nicht so. Reflexhafte Histerie entsteht hierzulande nur wenn jemand den Themenkomplex "3. Reich/Nazis" berührt und dabei nicht zerknirscht schamhaft redet, sondern sich die Ungeheuerlichkeit leistet, irgendeinen positiven Nebenaspekt der sonstigen Unrechtsdiktatur zu nennen. Oder wenn jemand überhaupt einen Nazi-Vergleich bringt - das geht IMMER in die Hose weil reflexhaft skandalisiert wird.


    Die politische Deutungshoheit sehe ich nicht links. Nur weil die zusammengefasste rechnerische Mehrheit linker Parteien größer ist als das Mitte-rechts-Lager, werden die Regeln der Politik dennoch von einer CDU-FDP-Koalition bestimmt, die keine linke Politik betreibt. Und auch die andere Regierungspartei der letzten Jahre, die SPD, hat unter Schröder und in der großen Koalition alles andere als linke Politik gemacht.


    Den gesellschaftlichen Mehrheiten zum Trotz erlebt Deutschland spätestens seit Helmut Kohl eine Politik, die nicht mehr auf die Bedürfnisse der Bevölkerungsmehrheit ausgerichtet ist.

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    Original geschrieben von Felsen2000
    In Deutschland ist es ja nicht mal möglich, technische und physikalische Aussagen zu akzeptieren, wie die Entwicklung und Politik zur "Energiewende" gezeigt hat.


    Doch, es ist möglich die Wahrheit zu sagen. Nur müsste das parteiübergreifend sein, denn wenn der eine Einschnitte verkündet, der andere aber blühende Landschaften verspricht, hören die Leute lieber die zweite Meinung.


    Hier ist die gesamte politische Klasse aufgefordert realistisch zu sein und nicht nur, weil es gut ankommt, Positives zu erzählen.

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    Original geschrieben von iStephan
    Das kann ja kein Argument gegen ihn sein zumal die Konservativen den Schmarren ja erst recht gefordert haben damals und jetzt unter dem Druck schrumpfender Bevölkerungszahl und Arbeitermangel ihrerseits umdenken und mühsam die menschliche Arbeitskraft neu wertschätzen lernen müssen. Siehe Kampagne / Studie der Frau v.d. Leyen gegen Vorurteile gg. H4-Empfänger, auch diese entwickeln sich in ihren Anschauungen weiter. Lernfähigkeit ist doch nichts negatives..


    "Der Kopf ist rund damit das Denken die Richtung ändern kann". (Bert Brecht).


    Darüber dass sich jemand positiv weiterentwickelt muss man doch froh sein, anstatt darüber zornig zu sein (oder hast du dich damit schon gemütlich eingerichtet dass die Welt böse ist und bleibt?)


    Das ist eine Platitüde, die immer gerne hergenommen wird wenn jemand sein Fähnchen im Winde dreht - und mir war schon beim posten klar, dass sowas von irgendwem kommen würde.


    Es war auch in der Schröder-Ära schon sonnenklar, dass die Agenda-Politik sich stark gegen klassisches SPD-Klientel auswirken würde. Eine Partei und Politiker, die ihre eigenen Wähler verraten, werden bei Wahlen zu Recht abgestraft. Steinbrück und die SPD insgesamt haben in den letzten Jahren nicht "dazugelernt" weil sich die Welt verändert hat und ein Umdenken nötig war, sondern sie vergessen ihre Wurzeln, ihre Position in der Parteienlandschaft und sie sind nicht in der Lage einfach nur die Interessen ihrer Wählerschaft zu vertreten.


    Die SPD kam bei der Bundestagswahl 2009 auf blamable 23% der Wählerstimmen, ein Verlust von 11,2%, nachdem sie 2005 schon mal 4,3% eingebüsst hatte. Das ist die logische Folge des Verrats am Wähler.


    In Zeiten, in denen der Wind den Menschen immer rauher ins Gesicht weht und der Armutsbericht der Bundesregierung die - gestrichenen - Passagen von einer gesellschaftlichen Ungleichverteilung enthält, müsste eine gemäßigte "linke" Partei normalerweise seit Jahren einen bombastischen Höhenflug erleben. Genau das Gegenteil ist aber der Fall - und zwar deshalb, weil Schröder, Clement, Steinbrück und andere Verräter keine Politik für das SPD-Klientel gemacht haben, sondern für FDP-Wähler und die Finanz- und sonstige Industrie.


    Dass die CDU unter Merkel ebenso opportunistisch umkippt ist nicht weniger verwerflich. Auch da: dass die Atomenergie gefährlich ist erkannte man nicht erst nach Fukushima, sondern allerspätestens seit Tschernobyl 1986 ist jedem klar, mit welchen Gefahren man hier hantiert. Ich kann also auch hier kein Hinzulernen erkennen, sondern nur Opportunismus.
    Die CDU kann sich das aber eher leisten weil deren Wähler eine unternehmensfreundliche Politik besser tolerieren... Dementsprechend regt es die auch weniger auf, dass die CDU die Agenda-Politik noch weiter treiben wollte.

    Frank,


    lag es an der Uhrzeit oder wie kommst du auf das schmale Brett, Steinbrück sei sachlich und sage die Wahrheit?


    Steinbrück hat sich als Finanzminister der großen Koalition zunächst sehr für die Finanzwirtschaft engagiert, auf Asmussen wurde hier ja schon verwiesen. Als sich der Wind dann drehte gerierte sich Steinbrück plötzlich als der große Bankenkritiker.


    Zu Zeiten der Agenda 2010-Erfindung war Steinbrück komplett auf der Schröder-Clement-Linie, jetzt auf einmal setzt sich der Kanzlerkandidat für preiswerten Wohnraum und die Schwachen der Gesellschaft ein.


    Der Mann will soll das SPD-Wählerklientel hinter sich schaaren, während er zugleich Spitzenabzockerverdiener bei Vortragshonoraren war. Er scheute sich nicht, 25.000 EUR Honorar für 2 Stunden Gelaber von einer verschuldeten Stadt zu kassieren.


    Diese 25.000 EUR, die er für einen einzigen Vortrag bekam, übersteigen das Jahresgehalt (!!!) sehr vieler Menschen, insbesondere der klassischen SPD-Wählerschaft. Bei diversen anderen Veranstaltungen kassierte er in 1, 2 Stunden mal eben das halbe Jahresgehalt eines einfachen Angestellten. Und dieser Mensch will jetzt Glauben machen, dass er künftig die Sorgen und Nöte "des kleinen Mannes" vertritt?


    Ich habe noch nie einen unglaubwürdigeren Politiker als Steinbrück erlebt! Daran ändern ein paar markige Sprüche, bei denen er sich gefällt, absolut gar nichts.

    Wenn ich richtig informiert bin war Grillos Einsatz eher eine Protestaktion, man könnte fast sagen die Kunstaktion eines Clowns, und weniger an dem Ziel orientiert ganz ernsthaft Politik zu gestalten.


    Insofern ist auch Steinbrücks Aussage über Grillo nicht nur sachlich auf den wahren Beruf bezogen, sondern ein Wortspiel und zweideutig. Damit kann man manchen Lacher auf seine Seite bringen, aber Peer ist nicht Comedian, sondern will angeblich Kanzler werden.


    Die Medien bauschen diese Dinge auf. Man hat sich auf Peer eingeschossen, er wurde definiert als der raffgierige Fettnäpfchentreter und kann reden, was er will, medial wird es immer wieder in den entsprechenden Skandal-Zusammenhang gerückt und das Klischee "ein Raffgeier, der obendrein nicht das diplomatische Format für das Kanzleramt hat" bedient.


    Ich fand die Clown-Bemerkung nicht schlimm und durchaus pointiert. Aber so denken nicht alle Leute. Peer und die SPD müssen sich deswegen überlegen wie man sein Image, bei dem gerade fast alles negativ ausgelegt wird, verbessern kann. Vielleicht, indem er solche Sprüche vermeidet...