Zitat
Original geschrieben von dham
Man kann auch entwickeln, weil man einen bestimmten Fortschritt erreichen will.
Klar. Aber trotzdem glaube ich nicht, daß Google hier rein altruistisch handelt.
Googles Geschäftsmodell ist hochinteressant und, zumindest für mich, immer noch schwer zu durchschauen. Google läßt mich kostenlos seine Suche nutzen, seinen Mail-Dienst, Maps, Kalender etc. Google verschenkt Applikationen, selbst entwickelte wie den Browser Chrome, zugekaufte wie Picasa. Google verschenkt ganze Betriebssysteme. Wie zur Hölle verdienen die Geld?
Einer der Eckpfeiler der Google-Strategie scheint identisch zu der von Amazon zu sein: Marktmacht aufbauen, Mitbewerber verdrängen und dann aus ungefährdet starker Position Partnern und Kunden die Bedingungen diktieren - Amazon macht das mindestens in den USA ausgesprochen erfolgreich mit Verlagen wie auch direkt mit Autoren, und es gibt gar nicht wenige, die Apple bei dem Deal mit den amerikanischen Verlagen als "Weißen Ritter" sahen, der die Knechtschaft unter Amazon beinahe beendet hätte.
Unumschränkte Marktkontrolle zu erreichen könnte auch bei WebM erstmal der Antrieb sein, gerade im Zusammenspiel mit den schon marktmächtigen Google-Produkten YouTube und Android - den Codec am Markt etablieren, für lau möglichst viele Endkunden versorgen damit, dann irgendwann in YouTube und Android H.264 abklemmen, woraufhin alle anderen Smartphone-Plattformen WebM implementieren müssen, damit ihre Clients noch YouTube gucken können, und alle Video-Portale ihren Content auf WebM umcoden dürfen, um die Android-Kundschaft nicht zu verlieren. Zum Finale etabliert Google dann ein Sperrfeuer an WebM-Updates in so schneller Folge, daß keine Plattform mehr hinterherkommt, bietet gleichzeitig aber einen feinen Transcoding Proxy an, den die gehetzten Plattform-Betreiber gegen eine durchaus annehmbare Gebühr für ihren Content verwenden dürfen, die aber gar keinen signifikanten Teil des WebM Revenue einbringt. Der kommt über die Metadaten rein, die der Transcoding Proxy abgreift und den User-Profilen hinzufügt, die Google schon über Suche, Maps, Mail etc. anlegt... Nur ein Gedankenspiel und ohne jeglichen Anspruch, Googles Geschäftsmodell wirklich verstanden zu haben, wie gesagt.
Tja, muß mich das als Endanwender überhaupt kümmern, falls das so kommt? Ich genieße Amazons Politik günstiger Preise bei gleichzeitig erstklassigem Service. Trotzdem hab' ich mich für einen E-Book Reader abseits des Kindle-Universums entschieden und kaufe meine E-Books bei anderen Händlern. Sony als Hersteller des Readers und Adobe als Lizenzgeber des DRM-Schutzes sind alles andere als gemeinnützige Einrichtungen, wahrscheinlich keinen Deut fairer zu ihren Mitarbeitern als Amazon, aber im Vergleich kleine Fische und bei weitem nicht in der Position, in absehbarer Zeit ein marktbeherrschendes Monopol/Oligopol zu errichten. Auch mein Arbeitgeber will Profit machen, u.a. um mich bezahlen zu können. Deshalb hab' ich grundsätzlich nichts gegen ein bißchen Profitstreben. Die Unternehmen hinter H.264 sind allesamt keine Engelchen, die Lizenzgebühren aber ausgesprochen fair. Wenn Googles WebM irgendwann H.264 den Rang abläuft, haben wir, fürchte ich, ein paar kleine Teufelchen ausgetrieben mit einem richtig dicken Beelzebub.