Ui, jetzt gehts um Moral, mein Lieblingsthema! 
Ich denke, wenn man BigBlues Ansatz weiter verfolgt, dann würde das bedeuten, dass keiner irgendetwas sagen darf, weil wir ja alle moralisch dazu nicht in der Lage sind. Diese These vertrete ich selber gerne bei allen Moralaposteln, die glauben, die Welt und deren Sünder verbessern zu müssen. Aber, dies beziehe ich z.B. nur auf kleine, in meinen Augen nichtige Sünden!
Hier gehts aber um Leben und Tod (und nicht um ein paar Mark eines Netzanbieters). Und da finde ich, dass jeder seinen moralischen Standpunkt vertreten kann und auch muss. Sinn einer gesellschaftlichen Ordnung muss auch sein, sich zumindest jede Meinung über sowas anzuhören.
Und über Leben und Tod kann meiner Meinung nach wirklich keiner entscheiden, denn eine Fehlentscheidung wäre moralisch eine Katastrophe, mit der ich als Richter oder Henker kaum normal weiterleben könnte.
Um diesen GAU auszuschließen, bleibt nur, es gar nicht zu riskieren.
Mein Verdacht ist, dass Todesstrafen-Befürworter dies u.a. deshalb akzeptieren, weil sie vielleicht von der bisherigen Rechtssprechung enttäuscht wurden oder sie zumindest so erleben.
Und da liegt der Haken: man hört von Sicherheitsverwahrung und Co., aber auch dauernd von gefassten Tätern, die dies bereits mehrfach getan haben. Man verliert dadurch irgendwann den Glauben an unser Recht und tendiert dann u. U. zu rabiateren Methoden a la Todesstrafe.
Würde sich also an unserer Rechtsprechnung etwas ändern und Täter ab einer zu definierenden Tatschwere tatsächlich ein Leben lang weg von der Gesellschaft sein - und dies bei der ERSTEN Tat, dann würde sich die ganze Debatte verlaufen!
Warum empfinden Menschen das Recht als ungerecht. Vielleicht, weil sie hören, dass Gelddelikte mit scheinbar größeren Strafen belegt werden als Körperverletzungen und Mord, die dann vergleichsweise gering bestraft werden und so als schlechter Witz rüberkommen.
Warum Freigang für Mörder (aus Gier etc.)? Warum Freigang für Kinderschänder (sind zwar geistig krank, aber eben deshalb der Gesellschaft nicht mehr zuzumuten)? Dies ist das Problem - und nicht die Frage nach der Todesstrafe.
BTW: Wieso ist eine Giftspritze mit "humaner" Verabreichung teurer als ein Leben lang zahlen für Unterkunft und Verpflegung? Dies leuchtet mir nicht ein.
Dies trifft vielleicht für die USA zu, weil dort die Insassen des Todestraktes zehn Jahre auf ihre Hinrichtung warten dürfen, aber allgemein kann man dies nicht folgern.