Beiträge von Bino-Man

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    Original geschrieben von bernbayer
    Als links würde ich die "FAZ" zwar nicht einstufen, trotzem handelt es sich bei den zitierten Artikel vorwiegend um Spekulation und Vermutungen.


    Richtig...sehe ich auch so. Ich habe den Artikel auch nicht wegen des "investigativen Journalismuses" zitiert, sondern wegen des Phänomens, dass sich inzwischen auch eher "unlinke" Medien auf das "Guttenberg-Bashing" einschießen.

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    Mal abgesehen davon, dass der Kommandant nur so lange von seinem Posten genommen ist wie Vorwürfe gegen ihn im Raum stehen. Das ist ein absolut normaler Vorgang, der in der öffentlichen Verwaltung jeden Tag dutzendfach stattfindet.


    Richtig...das habe ich auch verstanden. Daher hat es mich um so mehr gewundert, dass gerade jetzt (nachdem Guttenberg diese Tatsache nochmal vor den Kameras verdeutlicht hat) der Wind so umschlägt. Denn auch die FAZ-Artikel von gestern wehten noch in eine andere Richtung :confused:

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    Original geschrieben von Bino-Man
    Ich glaube nicht, dass er es getan hat, weil die Bild danach geschrien hat - ein Gschmäckle bleibt aber...


    Dazu gibt es nun folgenden Artikel von der (hoffentlich nicht all zu linken) FAZ:


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    Der Verteidigungsminister pflegt mit der „Bild“-Zeitung ein besonders inniges Verhältnis. Anscheinend fiel die Entscheidung zur Suspendierung des Kommandanten der „Gorch Fock“ während einer gemeinsamen Autofahrt des Ministers mit einem Reporter der Springer-Presse.
    …die eigentlichen Mitteilungen des Ministers wurden am Samstag und Sonntag in der „Bild“-Presse publiziert - begleitet von fetten Überschriften wie „So starb die Gorch-Fock-Matrosin wirklich“ und „Minister Liebling im Sturm“. Denn nach Medienberichten war der Kapitän der „Gorch Fock“, Schatz, am späten Freitagabend während einer gemeinsamen Autofahrt des Ministers mit einem Reporter der Zeitung „Bild am Sonntag“ abberufen worden. Ein Bericht des Blattes erweckt den Eindruck, als habe der Minister während der Fahrt (“der gepanzerte Audi A8 schießt mit knapp 200 Kilometer pro Stunde durch die Freitagnacht... als Guttenberg der Kragen platzt.“) seine Entscheidung getroffen, nachdem „immer neue Einzelheiten über seltsame Rituale und Quälereien“ auf der „Gorch Fock“ bekanntgeworden waren.
    …Zugleich aber dienen ihm Bilder und Texte der „Bild“-Zeitung als Medium zur Verbreitung seiner Medienbotschaften: Guttenberg auf dem Times Square, Guttenberg vor dem Abfangjäger, Herr Guttenberg in Afghanistan, Frau Guttenberg in Afghanistan. Insbesondere im familiären Kontext der Amtsführung des bayerischen Adeligen ist das Blatt stilprägend. So entsteht eine politisch-mediale Verbindung, die zumindest zeitweise den Charakter einer strategischen Partnerschaft trägt.
    In die Gefahr geriet schon Innenminister de Maizière (CDU), als er zunächst allerlei Journalisten über die konkreter gewordenen Terrorgefahren informierte, diese aber zum Schweigen verdonnerte, ehe er anschließend die Zeitung „Bild am Sonntag“ exklusiv über die besorgniserregende Bedrohungslage informierte: „Die Ereignisse sind für mich Anlass, meine Sorgen erstmals öffentlich zu machen.“ Auf diese Weise wurde das Land per Sonntags-“Bild“ vor aktueller Terrorgefahr gewarnt.
    Ein paar Tage und ein paar kritische Kommentare später kehrte de Maizière dann zum bewährten Protokoll zurück und informierte in seinem Ministerium über aktuelle Gefahren. Dass Guttenberg, der offenbar gerne auf Rasierklingen promeniert, sich so verhalten würde, hatte indes wohl nicht einmal die Opposition erwartet.


    Ich will an dieser Stelle nicht nochmal das Agieren des Ministers diskutieren. Aber offensichtlich scheint langsam das einzutreten, was ich früher schonmal geschrieben habe:

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    Guttenberg ist auf dem besten Wege den Bogen zu überspannen.


    Und wenn tatsächlich wichtige Informationen immer zuerst der Bild (oder welchem Blatt auch immer...) zugespielt werden, dann werden sich die meisten anderen Medien früher oder später abwenden. Die positiven Schlagzeilen/TV-Berichte sind jedenfalls sehr rar geworden - und das sage ich, obwohl ich mich von der Richtigkeit des Handelns habe überzeugen lassen...

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    Original geschrieben von ingo74
    der der 1. offizier ist der disziplinarvorgesetzte der soldaten an bord eines schiffes, vglb dem einheitsführer (kompaniechef), der kommandant ist vergleichbar mit einem battalionskommandeur, dh er ist der nächsthöhere disziplinarvorgesetzte (disziplinarstufe II). gleichzeitig hat er die komplette verandwortung für personal, ausbilung und material...


    Danke , Ingo :)
    Aber nochmal zum Verständnis (ich war nie bei der Marine) - ist es denn üblich den obersten Verantwortlichen zu feuern/zu beurlauben, wenn was gründlich schief läuft? Ich vergleiche das mal mit der freien Wirtschaft: Wenn ich groben Bockmist baue, dann fliege ICH und nicht mein Abteilungsleiter und der Geschäftsführer schonmal gar nicht.
    Wenn ich allerdings richtige "Schei*e" baue und mein Abteilungsleiter/Geschäfstführer decken das auch noch - dann würde wir doch alle 3 fliegen und nicht nur der Geschäfstführer :confused:

    Was mich in diesem Zusammenhang mal interessieren würde: Welche Aufgaben hat der Kapitän eigentlich auf einem Segelschulschiff? Ist er wirklich disziplinarischer Vorgesetzter der Kadetten oder zumindest direkt an der Ausbildung beteiligt? Wenn die Freistellung der schnellen/einfachen Aufklärung dienen soll...warum nicht weitere Ausbilder auch?

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    Ich habe eigentlich von links eingestellten Journalisten gesprochen.


    Noch besser - dann müssen wir uns gar nicht über die Zeitungen/Medien als solches unterhalten, sondern nur über die Kommentare.
    Dann fasse ich nochmal zusammen:
    Guttenberg kritisiert (meiner Meinung nach zu Recht!) Journalisten und Oppositionspolitiker, sie betrieben eineinfame Vorverurteilung, sie sollten zunächst die Untersuchung abwarten.
    Warum wird dann plötzlich der Kapitän entlassen/suspendiert/beurlaubt, wenn die "von Guttenberg losgeschickten Marine-Ermittler" erst am Donnerstag an Bord gehen?
    Ich glaube nicht, dass er es getan hat, weil die Bild danach geschrien hat - ein Gschmäckle bleibt aber...

    Ja...mit Ruhm bekleckert er sich im Augenblick nicht gerade...auch die Printmedien üben sich eher kritisch (weitere Kommentare hat WDR5 schön zusammengefasst...):


    Zitat

    ...wie Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg sich als vermeintlicher Aufklärer stilisiert, das ist schon bemerkenswert. Kleiner Rückblick: Als die Vorwürfe gegen die Gorch Fock in der vergangenen Woche bekannt wurden, strafte Guttenberg alle Kritiker, alle Fragen stellenden Journalisten und Oppositionspolitiker, öffentlich ab: Sie betrieben eine infame Vorverurteilung, sie sollten zunächst die Untersuchung abwarten.
    ...
    Dann plötzlich feuert der Verteidigungsminister im Alleingang, ohne Rücksprache und per Handy-Telefonat den verantwortlichen Schiffskommandanten, Kapitän zur See Norbert Schatz. Ohne ihn vorher anzuhören. Wohlgemerkt: Die von Guttenberg losgeschickten Marine-Ermittler gehen erst an diesem Donnerstag an Bord. Die Gorch Fock ankert so lange imargentinischen Hafen Ushuaia. Wer betreibt hier Vorverurteilung?


    Quelle: Abendzeitung


    Zitat

    Verteidigungsminister Guttenberg bleibt sich treu. Leider. Anstatt die Geschehnisse auf der Gorch Fock in Sorgfalt aufzuarbeiten, gerade weil Drangsalieren, Erniedrigen und Nötigen schwere Vorwürfe darstellen, verfällt der Mann wie schon in der Kundus-Affäre der Hauruck-Methode. Obwohl er sich am Freitag im Bundestag noch jede Vorverurteilung "seiner" Soldaten verbat. Der plötzliche Sinneswandel verheißt nichts Gutes. Wenn Guttenberg in den Medien keine gute Figur macht, und das macht er in allen drei Skandalfällen vom Todesschuss in Afghanistan über die aufgebrochene Feldpost bis hin zum Fall Gorch Fock, muss beizeiten ein Opfer her. Diesmal ist es der Kapitän des bekanntesten Schiffes der Republik. Anschließend wird nach Gutsherrenart via Boulevardblatt tüchtig Führungsstärke simuliert. Wie billig. Innere Führung beinhaltet die Fürsorgepflicht auch gegenüber Schutzbefohlenen, gegen die erdrückende Vorwürfe vorliegen. Guttenberg wird der Wind aus den eigenen Reihen, den er für die Umsetzung der ehrgeizigen Bundeswehr-Reform bitter nötig hat, jetzt noch stärker ins Gesicht wehen. Abwarten, wer am Ende noch über Bord geht.


    Quelle: WAZ


    Natürlich ist auch dies wieder ein gefundenes Fressen für die Opposition, die sich nun diebisch freut. Interessant wird`s sobald ihn die Bild-Zeitung fallen lässt. Fairerweise muss man natürlich auch zugeben. dass "Verteidigungsminister" bei den derzeitigen Bundeswehrschlagzeilen kein dankenswerter Job ist.