Zitat
Original geschrieben von Jochen
Nun gut, da sich OT wohl nicht 100%ig vermeiden läßt:
es mag sein, daß andere Länder es genauso oder ähnlich handhaben.
Das interessiert mich allerdings herzlich wenig und es geht mir weniger um Pauschalisieren, sondern lediglich um mein persönliches Empfinden und meine Einstellung dazu.
Als jemand der jahrelang in den USA gelebt hat und im Allgemeine Pauschalisierungen nicht besonders schätzt habe ich mich aus diesem Thread bisher herausgehalten. Eigentlich wollte ich das auch so beibehalten, aber in diesem Fall würde ich - bei allem nötigen Respekt - gerne ein paar Anmerkungen machen.
Vorausgeschickt: Die ganze Biometrie-Geschichte betrifft mich überhaupt nicht. Ich fidne sie trotzdem nicht toll. Ich bin allerdings auch der Meinung, dass hier ein grundsätzliches Mißverständnis aufgrund von kulterbedingten Differenzen vorliegt. In den USA genießt Datenschutz bei weitem nicht so eine hohe Achtung wie in Deutschland. Ich persönlich finde das bedauerlich, aber es tut sich einiges in der Richtung (nicht zu letzt wegen Menschen wie John Gilmore, die ihre Meinung sagen -- ich möchte ausdrücklich betonen, dass ich das *sehr* respektiere).
Nun juht, nachdem wir das aus dem Weg geräumt haben: ich sehe das Problem ehrlich gesagt nicht - wobei ich dazu sagen muss, dass ich zu den Menschen gehöre, die Datenschutz für ein Grundrecht halten. Ich habe mehrere Jahre in den USA gelebt. Meine Fingerabdrücke sind auch in mehreren Datenbanken gespeichert. Niemand hat mich dazu gezwungen. Ich habe diese Daten auch freiwillig abgegeben, da sie z.B. für bestimmte Jobs eine Vorraussetzung sind (und im Gegensatz zu D zieht in den USA das "ich hab's gemacht um den Job zu bekommen" Argument wirklich überhaupt nicht - jeder der in einer Grossstadt(!) arbeiten möchte und halbwegs qualifierzt ist, wird mittelfristig einen Job bekommen).
Niemand muss in die USA einreisen. Und - wie gesagt - bin ich kein Freund dieser Biometrie-Erfassungs-Geschichten, da sie keinerlei objektive Sicherheit für die Vereinigten Staaten, ihre Bürger oder irgendjemand bringen (zu dem Thema gerne gelesen und empfehlenswert Phil Zimmermann).
Having said that, denke ich, dass den meisten hier nicht klar ist, was mit Ausländern passiert, die keine EU-Staatsbürgerschaft haben und in die BRD einreisen wollen. Das ist nämlich was die Behandlung angeht sehr ähnlich.
Zitat
Ich für meinen Teil sehe es nicht ein, vor den Behörden eines Landes "die Hosen runterlassen" zu sollen, nur weil ich dort einreisen und mir das Land anschauen will.
Das wiederum finde ich durchaus logisch und auch nachvollziehbar. Nur musst du dann bitte auch so konsequent sein und nicht in die USA einreisen. Das mag sich negativer anhören als ich es meine, aber ich verstehe durchaus was du meinst und respektiere es auch.
Zitat
Das Grundprinzip ist mir durchaus klar und auch nachvollziehbar. Aber es hat eben alles seine Grenzen.
Ich würde mich schlichtweg in einem Land, in dem ich alle möglichen persönlichen Daten abgeben soll ständig beobachtet und nur geduldet statt erwünscht und daher auch niemals wirklich wohl fühlen.
Okay, da ich nicht wirklich in der Lage bin, kann ich das vielleicht nur bedingt nachvollziehen. Aber du bist in den USA nicht "ständig beobachtet". Du bist in der Tat jedoch nur geduldet. Genauso geht es aber auch einem Amerikaner in Deutschland. Das sind nunmal die Bedingungen des VWP, die du ja auch unterschreibst. Es steht jedem Deutschen frei ein Visum zu beantragen, dass er idR ja auch bekommen dürfte.
In der Hinsicht sehe ich also kein Problem, obwohl mir das Problembewusstsein, dass du ansprichst nicht ganz abgeht. Du wirst z.T. in Europa in einem Maße beobachtet, wie es die amerikanische Verfassung klar, strikt und eindeutig verbietet. Letztendlich bleibt aber doch der Fakt, dass du "Gast" bist. Insofern musst du dich aber doch auch den örtlichen Reglen in einem gewissen Rahmen(!) anpassen.
Das führt auch zu Situationen, in denen dich amerikanische Polizeibeamte durchaus auch mal mit einer mündlichen Verwarnung weiterfahren lassen, weil du a) freundlich, b) korrekt, c) respektvoll und d) als Ausländer aufgetreten bist. In der Hinsicht besteht nämlich dann auch deutlich mehr Freiraum (Stichwort discretion). Ob du dich da wohlfühlst kann ich natürlich nicht beurteilen. Ich habe mir meine Erfahrung und die ist - zugegebenermaßenen - dadurch dass ich Jahre in den USA gelebt habe (und nicht nur Urlaub dort gemacht hab) vielleicht etwas einseitig eingefärbt.
Zitat
Mittlerweile ist man als EU Bürger freies Reisen gewohnt und hat es schätzen gelernt.
Klar, aber EU != USA.
Zitat
Lieber nutze ich dieses freie Reisen in Länder, die dies noch ohne großes Hosenrunterlassen ermöglichen als mich auf die Reise in ein Land zu machen, das solche Barrieren aufstellt.
Ich würde mich dort wie gesagt ohnehin nicht wirklich wohl fühlen.
Das kann ich auch ohne Widerspruch respektieren. Es steht dir ja gänzlich frei dorthin zu fahren, wo *du* dich wohl fühlst. Genau so wie es mir frei steht dort meine Zeit zu verbringen wo *ich* mich wohl fühle. Das ist ja das schöne an unserer Gesellschaft.
Das einzige wogegen ich mich wehre - und damit meine ich nicht dich - sind diese "alles schlecht, alles böse" Pauschalisierungen. Nichts ist wirklich Scharz oder Weiss. Was jemand macht muss er letztendlich selbst aufgrund seiner eigenen Einschätzung und seiner eigenen Wertvorstellungen entscheiden.