Beiträge von kues

    Mathematiker und ihre Zahlen sind ein Problem. Sieht man ja auch hier: der gesunde Menschenverstand weicht hier Zahlenkonstrukten zurück:

    https://m.focus.de/politik/deu…chnungen_id_13001140.html

    Im Gegensatz zum Herrn Kolumnisten haben die Ersteller der Modelle und Prognosen allerdings begriffen, dass sie ihre Modelle nur mit gewisser Wahrscheinlichkeit für bestimmte Voraussetzungen erstellen. Deshalb gibt es in der Regel auch nicht das eine Modell, sondern verschiedene Modellszenarien.

    Und auch die tertium non datur Logik des Kolumnisten ist bestechend: Weil in Realität nicht so gute (niedrige Inzidenz bei 50) Ziele erreicht wurde, war die Modellrechnung Mist aufgrund der strengere Maßnahmen begründet wurden. Also besser nichts machen, weil die gewünschten Ziele nicht erreicht wurden?

    Abgesehen davon reden wir immer noch von einer Krankheit, die für 99,5% aller Menschen in Deutschland harmlos verläuft.

    Und wie kommt man auf 99,5%? Wenn man die über 97% einrechnet, die sich noch nicht infiziert haben (respektive positiv getestet wurden)? Für 99,5% aller Infizierten ist in D C19 definitiv nicht harmlos verlaufen, wenn schon 2,86% der Infizierten in D verstorben sind.:/

    Hätte, wenn und aber, alles Blöd-Gelaber...


    Es ist nun mal nicht so, dass wir am Rande des Zusammenbruchs des Krankenhauswesens standen (zumindest nicht wegen Corona), es ist auch nicht so, dass ganz Deutschland die Situation so angespannt war, wie in mancher Region.

    Warum sollte ich also die Zahlen aus den Hotspots wie von dir angeregt hochrechnen? Warum sollte man nicht im Gegenzug die Zahlen aus Regionen wie Meck-Pom nehmen? Beides würde das Bild gleichermaßen verzerren: Dein Beispiel schürt Angst, meines würde die Leute beruhigen.

    Wieso Angst schüren? Vorsicht und Umsicht wäre meine Vorstellung. Es sollte Vorsorge getroffen werden für die Fälle/Möglichkeiten, die ausreichend Wahrscheinlichkeit haben einzutreten. Und wenn man sich die Szenarioprognosen z.B. des RKI anschaut liegen die überraschend gut, z.B. die Prognose aus dem September/Oktober für das Szenario erst leichten Lockdown, dann schärferen (wie es dann ja gekommen ist). Insofern halte ich es für sinnvoll in die Hotspots zu schauen, um zu sehen was passieren kann und ggf. teilweise auch erkennen zu können warum. Genauso wäre es erfreulich, wenn man z.B. erkennen könnte ob bzw was gelernt werden kann von/aus den Orten (z.B. Rostock) wo die Infektionen nie sehr hoch waren.

    Und um das nochmal zu sagen: Ständig zu wiederholen C19 wäre für die meisten harmlos, ist eben auch nicht umsichtig, da die Verbreitungsgefahr zu hoch ist (Stichwort „die Masse machts“).

    Wenn wir schon bei einseitigen Berichten sind: Warum hört man von Seiten der Politik nichts mehr von dem vermeintlichen Negativbeispiel Irland oder auch England mit den Mutationen? Ists vielleicht doch nicht so schlimm wie propagiert? Oder wie kann Brexit-Boris seinen Landsleuten den Sommerurlaub versprechen, wo doch grade noch (laut unserer illustren Führungsrunde) die Apokalypse drohte?

    Irland: Irland verlängert den Lockdown bis Mai

    Soweit ich verstehe ist der Lockdown strikter als in D. Und Irland ist wohl das Paradebeispiel dafür, was innerhalb kürzester Zeit passieren kann. Bis vor Weihnachten noch alles halbwegs im Rahmen und unter Kontrolle mit Inzidenz unter 50. Dann über Weihnachten in nur 1-2 Woche exponentielles Wachstum, harter Lockdown zum Jahreswechsel und Peak der Inzidenz am 10/11 Januar mit über 900, sprunghafter Anstieg der Todesfälle auf das Zehnfache Mitte Januar. Damit könnte man wirklich Angst schüren…

    Und zu Brexit-Boris wurde ja schon geschrieben, dass er gerne und viel verspricht. Aber seine einzige Hoffnung ist ja auch nur die Impfung, wo UK halt noch 1-2 Monate ‚Vorsprung‘ vor der EU hat. Btw natürlich vorallem basierend auf dem hierzulande momentan so gerne schlecht geredetem Oxford/AstraZeneca (UK ist ja stattdessen stolz wie Oskar auf Oxford).

    Und wie ich hier auch schon mehrfach geschrieben habe, sehe ich dem Sommer (ab etwa Mai) sehr optimistisch entgegen- dank Impfungen. Nur wäre es sehr unerfreulich, wenn D sich jetzt auf den letzten Metern (Monaten) noch eine dritte Welle im März/April einbrocken sollte…

    Da Nächste, was der Berliner Chaotentruppe vor die Füße fallen wird, ist die Verimpfung der angelieferten und erwarteten Vacazine:

    https://www.businessinsider.de…erimpft-wohl-nur-890-000/

    Wieder so ein schöner Artikel. Da wird erst konstatiert, dass bisher zu wenig Impfstoff vorhanden war, und dann aus den bisher pro Woche verimpften Dosen auf die gesamte Impfkapazität geschlossen. Die nächste Sau durchs Dorf getrieben…

    Aber bestimmt wird nicht überall alles verimpft werden können, ist halt nach Land bzw. Kreis/Kommune sehr unterschiedlich organisiert. MeckPomm hatte z.B. schon die Impfung beim Hausarzt im Probebetrieb.

    Mathematik-Pandemie...<X


    Und wenn man sich einfach draußen umsieht, im Kollegen- u. Bekanntenkreis herumfragt, ist da plötzlich nichts. Diese ganzen Zahlen sind nichts wert! Hier wurden vor kurzem noch jeden Tag dramatisch die Krankenhausauslastung gepostet. Parallel dazu auch in der Tagespresse für unseren Bereich. Komisch, die Zeitungsangabe las sich ganz entspannt, die hier geposteten Zahlen ließen eine Apokalypse befürchten. Gespräche mit Ärzten und KH-Personal ergaben ähnliche Diskrepanzen.

    Es kommt wohl drauf an welchem Ort man fragt, vergl RE: Der Corona-Thread (Einkauf heute bei Aldi)

    In Rostock, Kiel oder vielen anderen Orten/Kreisen dürfte auch in den Krankenhäusern wenig los gewesen sein. Den ganzen Spaß hatten die Krankenhäuser in den Hotspots in Sachsen, Bayern und andernorts.

    Hier in Nürnberg waren in der Hochzeit Ende Dezember, Anfang Januar schon über 0,05 % im Krankenhaus (>270 gleichzeitig Normal- und Intensivstation mit C19). Und ich kann inzwischen diese und jenen Kollegen benennen, der erkrankt war bzw. teilweise immernoch ist. Bevor Nürnberg zum Hotspot würde kannte ich auch niemanden.

    Und dann braucht man eben nur ein paar wenig Mathematik und die verfügbaren Zahlen, um abzuschätzen was unter anderen Umständen hätte sein können bzw noch kommen könnte.

    Wo waren denn bitte im letzten Jahr 5% der Bevölkerung im Krankenhaus?

    „würden“- Konjunktiv. In der 2. Welle war die Hospitalisierungsquote stabil um 10% aller positiv Getesteten. Liefe die Infektion ohne Lockdown oder andere Gegenmaßnahmen durch die Bevölkerung, so würde ich mal mit 50% Infizierten in der Gesamtbevölkerung innerhalb von 2-3 Monaten rechnen, macht bei 10% Hospitalisierungsquote entsprechend 5% der Bevölkerung, die eine Krankenhausbehandlung benötigen würden.

    Oder mit weniger Dramatik, einfach die Zahlen aus den Infektionshotspots hochrechnen auf die ganze Republik, finde ich schon unerfreulich genug.

    Mit all den Maßnahmen und Lockdown (die anscheinend immerhin 99% der normalen Grippewelle verhindert haben) stehen über 68000 Todesfälle und fast 2,4 Millionen Infizierte, mithin über 200 000 Hospitalisierungen, zu Buche. Demgegenüber hatte die schwerste Grippewelle der letzten 30 Jahre (2017/18) geschätzte 25000 Todesfälle und 45000 Hospitalisierungen.


    Grippe: https://www.mdr.de/wissen/grip…nhalt-thueringen-100.html

    https://www.deutsche-apotheker…r-die-letzte-grippesaison

    Natürlich ist es für die Mehrheit harmlos.

    Wenn innerhalb weniger Monate (einer Infektionswelle) bis zu 5% der Bevölkerung eine Krankenhausbehandlung benötigen würden, dann bliebe die Erkrankung auch für alle anderen nicht harmlos.

    Aber gut, auch eine HIV Infektion ist für die Mehrheit ja nicht mehr lebensverkürzend: https://www.aidshilfe.de/meldu…medizinischem-fortschritt :rolleyes:

    Das ganze Leben lahmlegen und die Wirtschaft zu ruinieren steht in keinem Verhältnis zu einer relativ harmlosen Viruserkrankung. Zumindest für die meisten Leute.

    Auch durch ständige Wiederholung wird aus C19 keine „relativ harmlose Viruserkrankung“. Die im Schnitt 8-10% Hospitalisierungsquote führt eben in Verbindung mit der im Vergleich zu vielen anderen Viren sehr viel leichteren Verbreitung/Übertragung zu einer sehr gefährlichen Viruserkrankung. Die Masse durch die leichte Übertragung machts, konnte man prima in den Hotspots der 2. Coronawelle sehen. So ein Hotspotgeschehen verbreitet über ganz Deutschland und dann käme das gesamte öffentliche Leben von ganz alleine ins Stottern, wenn Kipppunkte überschritten werden.

    Und „die Wirtschaft“ sind bestimmte Teile der Wirtschaft. Viele Teile der Wirtschaft laufen, teilweise im Gegensatz zum ersten Lockdown im Frühjahr 2020, mit ggf. geänderten Bedingungen weiter. Ich zähle mal nur beispielhaft das gesamte Handwerk, produzierendes Gewerbe und Logistik auf.

    Aktuell gehts vielen Menschen in Norddeutschland und Teilen Süddeutschlands so, Inzidenzen im grünen Bereich und trotzdem voller Lockdown.

    Gerade auch vor dem Hintergrund der britischen Mutation wäre es wichtig sofort auf Regionalebene zu reagieren wenns einen Ausbruch gibt und nicht entweder bis zum Flächenbrand zu warten oder gleich das ganze Bundesland niederzuknüppeln.

    Die Menschen müssen das Geschehen mit ihrem Handeln beeinflussen können und eben auch direkt die Konsequenzen ihres Handelns merken, das funktioniert bei zu großen Einheiten nicht mehr, da sind dann immer nur die Anderen schuld.

    Das scheint mir ähnlich. Nicht nur die Infektionen, sondern auch die Folgen -insbesondere Sterbefälle- sind extrem unterschiedlich.

    Mein Heimbeispiel Nürnberg:

    Inzwischen hatten insgesamt 4,5% aller Einwohner eine nachgewiesene Infektion. Todesfälle 741 auf 519Tsd Einwohner also 0,142% aller Einwohner verstorben, was z.B. im Dezember eine Übersterblichkeit von fast 100% ausmachte. Vergl https://www.nordbayern.de/regi…vor-einem-jahr-1.10770029

    Dagegen Landeshauptstadt Kiel in Schleswig-Holstein:

    1,33% insgesamt bestätigte Infizierte und nur 79 Sterbefälle bei knapp 247Tsd Einwohner. Also 0,032% aller Einwohner an C19 verrstorben, im Vergleich nicht mal ein Viertel wie in Nürnberg.

    Aber es geht natürlich auch noch extremer:

    SK Rostock 0,7% Infizierte, 0,0124% verstorben

    LK Tirschenreuth 5,8% Infizierte, 0,297% verstorben

    LK Görlitz 5,8% Infizierte, 0,359% verstorben


    Dementsprechend sieht/sah wohl auch die Auslastung bzw. Nicht-Auslastung der Krankenhäuser mit C19 Patienten sehr unterschiedlich aus.

    Insofern sehe ich auch wenig Alternativen dazu, dass zukünftig viel regionaler Lockerungen und ggf. auch wieder Verschärfungen erfolgen müssten. Hoffentlich läuft es in Flensburg mit den örtlichen Maßnahmen halbwegs glimpflich, sonst traut sich vielleicht kein Bundesland mehr entsprechend zu handeln…