Beiträge von schmidt3

    Die Situation nach der griechischen Parlamentswahl ist wirklich eine recht interessante. Bisher hatte es Frau Merkel relativ leicht, den Zigmilliardentransfer gen Griechenland vor ihren Wählern zu vertuschen, hatte sie mit Herrn Samaras doch einen Transferempfänger vor sich, der höflich genug war, freundlich lächelnd zu versichern, eine solcher Transfer fände gar nicht statt, sondern sämtliche griechischen "Schulden" würden selbstverständlich eines Tages zurückgezahlt. Mit Herrn Tsirpas hat sie nun allerdings ein Gegenüber, das politischen Gewinn daraus gezogen hat, offen auszusprechen, daß es eine solche Schuldentilgung natürlich niemals geben wird. Wie regelt man eine solche Situation also unter Brüdern (und Schwestern)? Ganz klar, Herrn Tsirpas müssen jetzt solange neue Milliarden in den Rachen geworfen werden, bis ihm durch diesen Vorgang dann praktischerweise auch irgendwann das Maul gestopft wird. Bleibt nur noch die Frage, wie man dabei möglichst unauffällig vorgeht, nicht daß dem Michel am Ende doch noch ein Licht aufgeht. Aber vielleicht weiß ja Herr Draghi Rat, der kennt sich da aus.
    Der einzige Fehler in dem schönen Plan besteht nur darin, daß jetzt natürlich auch die spanischen, italienischen oder gar französischen Wähler entgültig realisieren könnten, daß in der Euro-Zone Dreistheit siegt. Dann allerdings würde der notwendige Wohlstandstransfer bald so gewaltige Ausmaße annehmen, daß es sogar Michel igrendwann auffallen dürfte.


    Wäre interessant zu wissen, welchen genauen rechtlichen Status Dein Freund besitzt und in welchem Alter er nach Deutschland kam. Befindet sich sein Asylverfahren (nach 10 Jahren?) tatsächlich noch in der Schwebe oder wird er geduldet?

    Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau
    Dann haben wir uns in der Tat missverstanden - der Begriff "Kleisparer" verleitete dazu. ;)


    Der Fehler lag wohl bei mir. Unter dem Begriff "Kleinsparer" subsummierte ich diejenigen, die keinen nennenswerten Teil ihres Vermögens in Aktien, Unternehmensbeteiligungen oder Immobilienfonds investiert haben. Das mag nicht immer mit der Höhe des Vermögens zu tun haben. In Deutschland aber jedenfalls scheint es eine nicht geringe Korrelation zwischen der Vermögenshöhe und der Vermögensstruktur zu geben.
    Insofern: Differenzen nur in der Terminologie, nicht in der Sache. ;)


    Wir scheinen uns schlichtweg mißzuverstehen. Was Du schreibst, deckt sich doch zu 100% mit meiner Aussage. Die Vermögensbildung der meisten "kleinen Sparer" hängt primär an nominellen Titeln. Da ist es letztlich gänzlich irrelevant, ob irgendwelche Finanzintermediäre wie Banken oder Versicherungen zwischengeschaltet werden. Der deutsche Durchschnittssparer profitiert von einem EZB-generierten Aktienboom eben nicht, verliert aber durch Zinssenkungen und durch eine Steigerung der Inflationsrate.


    Hallo Frank,


    ich muß Dir leider widersprechen, die EZB-Politik hat doch eine etwas differenziertere Wirkung. Für die Besitzer nomineller Vermögenswerte, d.h. für den typischen Kleinsparer mit einem Spar-, Festgeld- oder Tagesgeldkonto ist Wirkung tatsächlich so, wie von Dir beschrieben, die Nominalverzinsung wird tendenziell noch weiter gegen null (oder gar darunter) getrieben, die Inflationsrate tendenziell erhöht. Die hieraus resultiernde negative Realverzinsung hat tatsächlich eine ähnlich expropriative Wirkung wie eine Vermögenssteuer.
    Ganz anders sieht die Rechnung aber für die Besitzer von Realvermögen (Aktien, Immobilien, Gold etc.) aus. Hier führt die tendenziell zinssenkende expansive Geldpolitik der EZB zu Wertsteigerungen, die deutlich oberhalb der (anvisierten) Steigerung der Inflationsrate liegen (wirf einmal einen Blick auf die Dax-Entwicklung der letzten Tage). De facto hat die gegenwärtige Politik der EZB aber sogar drei primäre distributive Wirkungen:


    1. Es kommt auf europäischer Ebene zu einer Umverteilung der Risiken weg von den Ländern des Olivengürtels hin zu den finanzpolitisch (etwas) seriöseren Ländern Nord- und Osteuropas. Mittel- bis langfristig ist absehbar, daß es nicht nur bei der Umverteilung von Risiken bleiben wird, sondern daß es de facto zur Umverteilung von Lasten kommen wird, da Länder wie Griechenland, Italien, Spanien und wohl auch Frankreich ihre Schuldenlast nicht alleine werden stemmen können. D.h. der deutsche Steuerzahler wird irgendwann via EZB-Bilanz für italienische Staatsschulden aufkommen müssen.


    2. Es kommt - wie oben bereits angedeutet - in allen europäischen Ländern zu einer Umverteilung von unten nach oben. Der "kleine Mann" verfügt in der Regel über Vermögenswerte auf nomineller Basis (Sparbuch, Tagesgeldkonto aber letztlich natürlich auch Rentenansprüche), die von der EZB entwertet werden, während sich das Realvermögen (Aktien, Unternehmen, Immobilien) eher in den Händen der Wohlhabenden konzentriert, die von der EZB-Politik profitieren.


    3. Es kommt in allen europäischen Ländern zu einer Umverteilung zu Ungunsten der Privaten und zu Gunsten der Staaten. Jede inflatorische Politik entwertet die Staatschulden genauso wie das Vermögen der Privaten, die sich ja geradezu spiegelbildlich zueinander verhalten.


    Fazit: Der große Verlierer der EZB-Politik ist der nordeuropäische Kleinsparer, der große Gewinner ist der südeuropäische Vermögensmilliardär. Mr. Draghi from Goldman-Sachs läßt schön grüßen.


    Nun ja, im Gegensatz zu Frau Merkel und ihrem "KanzlerInnen-Wahlverein" traut man sich in der AfD immerhin auch mal recht deutliche Worte zu wählen. Die AfD-Europa-Abgeordnete von Storch nannte Herrn Draghi einen "Verbrecher", der eine "asoziale" Politik betreibe. Weiterhin: "Er hat soeben in Frankfurt angekündigt, die Märkte mit mehr als einer Billion Euro zu fluten. Vermögende werden noch vermögender. Arme werden ärmer. Umverteilung von unten nach oben wie noch nie in der Geschichte."

    Zitat

    Original geschrieben von john-vogel
    Wenn er das letztes Jahr gesagt hätte, wäre ich auf Deiner Seite. Aber vor 30 Jahren? Ich hatte vor 5 Jahren Meinungen, die ich heute so nicht mehr habe.


    Nun, es sei ja wahrlich niemandem verwehrt, seine politischen Positionen im Laufe seines Lebens zu verändern. Wenn man allerdings selbst einen 180°-Schwenk durchführt und dann diejenigen, die für einen Mittelweg zwischen den Extrempositionen votieren, haßerfüllt als schändlich verunglimpft, dann ist man ein erbärmlicher Heuchler, nicht mehr und nicht weniger.


    Zitat

    Original geschrieben von john-vogel
    Glücklicherweise haben sich die Positionen von CDU/CSU, SPD und co in den letzten drei Jahrzehnten signifikant weiterentwickelt.


    Um hier von "Weiterentwicklung" zu sprechen, muß man schon eine etwas "einseitige" Weltsicht haben. Wer sich immer nur nach links bewegt, "entwickelt" sich nicht "weiter", sondern er dreht sich schlicht permanent im Kreis.


    Zitat

    Original geschrieben von john-vogel
    Personen, die schon damals Mitglied waren, heute deswegen Heuchelei vorzuwerfen, halte ich nicht für richtig.


    Herr Schäuble war allerdings nicht einfaches "Mitglied", sondern Bundesminister und Chef einer programmatisch tätigen Kommission. Eine radikale Verschärfung des Asylrechtes verhinderte damals übrigens letztendlich der heute so gerne als grenzdebiler Reaktionär dargestellte Helmut Kohl.