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Original geschrieben von john-vogel
Du hast Recht - bestes Beispiel Großbritannien. Dort projiziert man die eigenen, nationalen Probleme auf die EU und so hat sich eine ziemlich große Anti-Europa-Bewegung dort gebildet. Jetzt wollen sie in einer Volksabstimmung über ihren Verbleib in der EU abstimmen. Bin mal auf die Folgen gespannt, wenn sie wirklich austreten. Daher gilt es sowas hierzulande (und in anderen EU-Ländern) zu verhindern.
Ach weißt Du, trotz des ambivalenten deutsch-britischen Verhältnisses, in dem sich spätestens seit Thatcher auf deutscher Seite wieder mal eine gewiße moralische Überheblichkeit breit gemacht hat, darf man vermutlich nicht den Fehler begehen, die Briten zu unterschätzen. Trotz aller ihrer Fehler und ihrer meist nur mäßigen ökonomischen "performance", haben sie in der Vergangenheit doch immer ein gewißes Gefühl dafür bewiesen, wann die Dinge anfangen, aus dem Ruder zu laufen. Vielleicht täte uns ja ein wenig mehr angelsächsischer Pragmatismus manchmal ganz gut. Hierzulande verlaufen die Grenzen zwischen hehrem Idealismus und blindem Fanatismus ja leider häufig fließend. Und auch in der Frage der Währungsunion hat sich offenbar wieder die alte deutsche Neigung zum Kadavergehorsam durchgesetzt.
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Original geschrieben von john-vogel
Die Projekte EU & Euro sind so essentiell wichtig, dass es keinen Zweifel daran gibt, dass beide Institutionen in 10 Jahren stärker denn je sein werden. Wir müssen uns auf diesem Kontinent zusammenschließen und Solidarität zeigen, um weiterhin eine Bedeutung zu haben.
Darauf würde ich an Deiner Stelle nicht allzu viel wetten. Da wo nationale Interessengegensätze überhand nehmen und es kein Ventil gibt, entwickelt sich oft sehr schnell ein gewaltiger Überdruck, der sich dann politisch kaum mehr kontrollieren läßt. Ich halte die "Augen-zu-und-durch"-Strategie der Euro-Retter für ein äußerst gefährliches Spiel mit dem Feuer. In Deutschland spielt der nationale Gedanke aufgrund unserer Vergangenheit keine nenneswerte Rolle mehr. In den anderen europäischen Ländern sieht das allerdings deutlich anders aus. Und wenn es den Menschen hier direkt an ihren Wohlstand geht - was in nicht allzu ferner Zukunft geschehen wird - dann kann sich die Lage auch hier sehr schnell wieder ändern.
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Original geschrieben von john-vogel
Ja habe ich. Eine Anti-Europa-Partei ist das letzte was wir in unserer heutigen Situation brauchen.
Der Euro hat Probleme, das ist klar. Anstatt das Projekt Gemeinschaftswährung abzublasen, sollte man diese Probleme allerdings lösen. Das geht nicht von heut auf morgen aber ich denke man ist auf einem guten Weg.
Wir haben nun schon über 7 Mrd. Menschen auf dieser Erde - Europa zusammen macht davon schon gerade einmal mickrige 500 Mio. aus. Gerade im Anblick der immer weiter ansteigenden Weltbevölkerung müssen wir uns in Europa zusammentun, um weiterhin eine wichtige Stimme zu sein, der man Gehör schenkt. Und eine gemeinsame Währung ist meiner Meinung nach dafür unabdingbar.
Die einzige langfristig erfolgreiche Lösung kann nur "mehr Europa" und nicht "mehr Nationalstaat" sein, wie es die AfD fordert. Sonst verlieren die einzelnen Länder jegliches internationales Gewicht.
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Das Problem ist nur, daß derjenige, der für die europäische Einigung ist, gegen diese Form der Währungsunion sein muß, da sie Europa jetzt schon spaltet und es in Zukunft noch stärker spalten wird. Den Euro wird es in dieser Form in 10 Jahren mit Sicherheit nicht mehr geben. Ob es dann noch die EU geben wird, weiß ich nicht. Sollte sie aber verstorben sein, wird die Autopsie ergeben, daß die Todesursache der Euro war.
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Original geschrieben von bernbayer
Das die Eurokrise sich in absehbarer Zeit in Luft auflöst glaube ich nicht. Mit der Krise im Euro-Land werden wir noch viele Jahre zu tun haben. Licht imTunnel ist da weit und breit nicht in Sicht.
Ich denke, das siehst Du ganz richtig. Hier scheint bei manchen die Vorstellung zu herrschen, daß die "Euro-Krise" aus heiterem Himmel gekommen wäre und schon irgendwann wieder verschwinden wird. Das wird sie aber nicht, da sie die Folge der fehlkonstruierten Währungsunion ist. Innerhalb der Euro-Zone herrschen strukturelle Leistungsbilanz-Ungleichgewichte, da man Länder mit ganz unterschiedlich wirtschaftlicher Leistungkraft u.v.a. mit einer unterschiedlichen Entwicklung der wirtschaftlichen Leistungskraft aus politischen Gründen in das Gefängnis einer gemeinsamen Währung gesteckt hat. Will man diese erhalten, existieren nur zwei Möglichkeiten: Zum einen könnte man diese Ungleichgewichte einfach bestehen bestehen lassen. Dann würden sich die südeuropäischen Länder permanent gegenüber Deutschland, Finnland, Österreich etc. verschulden, was entweder immer neue "Schuldenschnitte" oder permanente Transferzahlungen in den Süden nötig machen würde. De facto hieße das, daß wir permanent einen Teil unserer Exporte nach Südeuropa verschenken müßten. Ob das auf Dauer politisch durchzusetzen sein wird, wage ich zu bezweifeln.
Die andere Möglichkeit ist, daß man die strukturellen Defizite abzubauen versucht. Da die Möglichkeit einer Wechselkursanpassung infolge der gemeinsamen Währung ausfällt, kann eine Anpassung des realen Wechselkurses durch unterschiedliche Inflationsraten erreicht werden. D.h. die Inflationsrate in Deutschland müßte oberhalb derjenigen der südeuropäischen Länder liegen. In Deutschland würde das eine schleichende Enteignung der Sparer und damit eine Erosion zumindest eines Teils der Altersvorsorge bedeuten. Für die Südeuropäer wäre dagegen eiserne Lohndisziplin verpflichtend. Angesichts der bereits jetzt drastisch gesunkenen Einkommen, wird sich das dort auf Dauer wohl auch kaum durchhalten lassen.
Von dieser realen Wechselkursanpassung nicht unahängig zu sehen ist, daß gleichzeitg die Wachstumsraten in den Südländern nicht höher liegen dürften als im Norden, da sich ansonsten auch von dieser Seite das Leistungsbilanzdefizit der Südländer wieder erhöhen würde. Für Länder wie Griechenland oder Spanien, die seit Jahren in einer schweren Rezession stecken, würde das aber dauerhafte Massenarbeitslosigkeit bedeuten.
Die beiden möglichen Alternativen zur "Rettung" der Währungsunion sind also, daß entweder der Norden permanent Tansfers in schwindelerregender Höhe an den Süden leistet, was zumindest zum Teil auch durch eine Entwertung der deutschen Ersparnisse finanziert werden wird oder aber dauerhaftes soziales Elend in den nicht konkurrenzfähigen Südstaaten, zu denen sich zusehends auch Frankreich hinzugesellt. Ich wüßte nicht, wie das ausgehen sollte, als daß es entweder im Norden oder im Süden irgendwann zu einem gehörigen politischen Knall kommen wird.
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Original geschrieben von saintsimon
Die Nachfrage nach Leuten, die hoffen, das des allen schlechter geht, damit sie endlich zum Zuge kommen, ist aber offensichtlich begrenzt.
Das Angebot an Leuten, die wirklich alles dafür tun, daß es allen schlechter geht, damit sich ihre irrwitzigen ideologischen Blütenträume von einem alleuropäischen Leviathan vielleicht doch noch erfüllen, ist allerdings leider weitgehend unbegrenzt. Sie werden vermutlich 100% der Sitze im neuen Bundestag einnehmen. Oder wie es unser glorreicher Bundesfinanzminister 2011 erstaunlich unverhohlen in einem Interview mit der New York Times äußerte: “We can only achieve a political union if we have a crisis.”
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Original geschrieben von saintsimon
Das ist das, was ihr mit der Linken gemeinsam habt; ihr seid beide auf die demnächst wieder aber ganz bestimmt eintretende Apokalypse angewiesen, damit ihr behaupten könnt, daß man euch irgendwie braucht.
Und was will die AfD im ungeliebten EU-Parlament eigentlich? Spesen abgreifen für die Parteienfinanzierung, wie die UKIP?
Nun ja, die Vertreter des "wissenschaftlichen Sozialismus" sagen den Untergang des kapitalistischen Systems allerdings inzwischen seit rund 150 Jahren ziemlich erfolglos voraus. Die AfD existiert gerade mal sechs Monate. Warten wir doch einfach mal ab, ob sich ihre Prognosen über den Untergang des EU-Schuldensozialismus nicht deutlich schneller bewahrheiten.
Und was den Einzug ins EU-Parlament angeht, erinnerst Du Dich vielleicht an die Zeit, als sich unsere Öko-Spießer noch für progressiv hielten? Da nannten sie das den "Marsch durch die Institutionen". :p
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Original geschrieben von saintsimon
Weswegen die Partei der Wutbürger nicht über die 5%-Hürde kam? U.a. weil sie für Frauen nicht attraktiv ist. Und unter den Wählern der CDU/CSU sind die DM-Generationen 60 Jahre und Älter besonders stark.
Ach weißt Du, auch wenn ich mir mehr erhofft und erwartet hatte, kann man Dir eigentlich nur mit den Worten eines Mannes antworten, der heute Urgroßvater wurde:
http://www.youtube.com/watch?v=XzcWwmwChVE
Die kommenden Monate werden der deutschen Bevölkerung wohl einige unerfreuliche Überraschungen bringen. Mal sehen, was die Europawahlen im Mai 2014 bringen.
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Die Herren hier möchte ich fragen: Wozu Parfum, benutzt ihr kein Rasierwasser? :confused:
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Original geschrieben von x34
Am 22. September ist Bundestagswahl...
https://www.youtube.com/watch?…er_embedded&v=7-YND9ryxzc
Was soll Wahlenthaltung denn bringen? Selbst wenn die Wahlbeteiligung deutlich unter 50% sinken würde, würde dies nichts an den bestehenden Verhältnissen ändern. Die Parteienvertreter würden ein paar Krokodilstränen über das politische Desinteresse der Bürger vergießen und dann einfach weitermachen wie bisher.
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Original geschrieben von Timba69
Aber Robin Alexander hat auch gesagt, ist die AFD drin, ist die schwarz-gelbe Mehrheit und die Kanzlerschaft von Merkel ausgeträumt....(davon kann ja hier jeder halten, was er will). Er hat auch gesagt, dass sich die linke Politik durchsetzten wird. Hätte der Wahlkampf noch 8 Wochen gedauert, wäre alles klarer.
Klar wird sich die linke Politik durchsetzen, schließlich wird die nächste Bundesregierung mit ziemlicher Sicherheit von den beiden großen sozialdemokratischen Parteien gebildet werden. :p