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Original geschrieben von mostwanted
Und warum hat man Greece dann in den Euro geholt?
Meiner Einschätzung nach war das die Folge der Hybris der politischen Funktionseliten, die glaubten, durch die Einführung einer möglichst groß dimensionierten Euro-Zone ihre Vision (oder sollte ich sagen Zwangsvorstellung) eines denationalisierten europäischen Superstaates nicht allein gegen den Willen der europäischen Völker, sondern auch gegen jeglichen ökonomischen Sachverstand erzwingen zu können. Jetzt stehen sie vor den Trümmern ihres mißglückten Experiments, doch statt aus ihren Fehlern zu lernen, versuchen sie, die angerichtete Krise als Hebel zu nutzen, um nun tatsächlich auch eine "politische Union" durchzupeitschen. Angesichts der ökonomischen, kulturellen und politischen Heterogenität der Völker Europas muß und wird das in die Katastrophe führen und man kann bloß hoffen, daß diese Katastrophe "nur" eine wirtschaftliche sein wird.
Dazu auch noch ein sehr interessanter Artikel von Otmar Issing:
http://www.zeit.de/2012/33/Europa-Krise-Politische-Union
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Original geschrieben von Robert Beloe
Es gibt strukturelle Schwächen in der griechischen Verwaltung und Staatsorganisation - zumindest dann, wenn man nordwesteuropäische Maßstäbe anlegt. Das Problem besteht nun einmal darin, dass diese Schwächen nicht auf die Schnelle behoben werden können, ohne dass neue Probleme auftreten. Das dauert. Zugleich gibt es aber nun die akute Schwierigkeit, dass die Griechen sich in einer finanziellen Notlage befinden, deren Dramatik doch ziemlich unterschätzt wurde - und zwar von allen Seiten.
"Strukturelle Schwächen in der griechischen Verwaltung und Staatsorganisation", die "nicht auf die Schnelle behoben werden können, ohne dass neue Probleme auftreten". Das ist wirklich einer der hübschesten Euphemismen, die mir in letzter Zeit zu Ohren gekommen sind. Laut Harvard-Ökonom Kenneth Rogoff, der zusammen mit Carmen Reinhardt vor nicht allzu langer Zeit ein vielbeachtetes Buch über Staatsschuldkrisen veröffentlicht hat, befand sich der griechische Staat in den knapp 200 Jahren seit seiner Unabhängigkeit mehr als 50% der Zeit im Zustand partieller oder vollständiger Zahlungsunfähigkeit, was zumindest europäischen Rekord darstellt. (Von Honduras wurden selbst die Griechen noch getoppt.) 
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Das Problem mit der Umverteilung fängt aber immer dann an, wenn sie zur Päppelung der Ineffizienten und Leistungsschwachen die Effizenten und Leistungsstarken derart ausbremst, daß diese damit aufhören, die ökonomische Basis zu schaffen, welche eine Umverteilung überhaupt erst möglich macht. Die Egalitätsfetischisten kapieren einfach nicht, daß man die Kuh, die man melken möchte, eben nicht schlachten darf.
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Original geschrieben von Robert Beloe
Barroso ist kein Sozialist, sondern gehört einer konservativen Partei an, und die EU ist sicher kein sozialistischer Verein.
Was sollte ein monströses Umverteilungsinstrument zugunsten von Ineffizienz und Trägheit wie die EU denn anderes sein als ein "sozialistischer Verein"? Und wie bislang alle "sozialistischen Vereine" in der Weltgeschichte wird sie genau an dieser systemimmanenten Förderung ineffizienter Strukturen auch zugrunde gehen. Das beobachten wir ja gerade.
Hier übrgens ein sehr interessanter Artikel des ehemahligen slowakischen Parlamentspräsidenten Sulík zum Aberwitz der "Euro-Rettung":
http://www.zeit.de/2012/33/Euro-Rettung-Zahlung-Deutschland
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Original geschrieben von Pitter
Nein, das stimmt genauso wenig wie die alleinige Schuld für den Krieg Deutschland zuzuschieben. Da waren viele Nationen in Europa beteiligt und verantwortlich.
Wenn man die Rüstungsausgaben von Deutschland und Österreich-Ungarn mit dennen von Frankreich, Rußland und Großbritannien von 1900 bis zum Ausbruch des Krieges vergleicht, könnte allerdings das allgemein verbreitete Bild des militaristischen Deutschlands und seiner friedliebenden Nachbarn ein wenig ins Wanken geraten.
Gruß
Pitter
Du versuchst zu argumentieren. Damit ist die deutsche Propaganda schon während des 1. Weltkrieges nicht sehr weit gekommen:
http://www.museum-digital.de/s…13118&inwi=1&w=1090&h=628
Die alliierte Propaganda war der deutschen da rein PR-technisch einfach um Klassen überlegen:
http://en.wikipedia.org/wiki/F…ster_%28US_version%29.jpg
Aber das ist jetzt wirklich OT. 
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Original geschrieben von mostwanted
Natürlich, wie konnte ich nur. Der liebe, gute Wilhelm wurde durch das Bündnis mit Österreich/Ungarn dazu verpflichtet den Habsburgern beizuspringen, der Mann hatte keine Wahl und war völlig überrascht und unbeeinflusst 
Nur mal so als Frage in den Raum: Was zum Henker zwang denn die Russen, den Serben "beizuspringen"?
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Original geschrieben von mostwanted
Germanien hat zwei Kriege begonnen und wurde von den USA aufgrund politischer Umstände gepäppelt. Noch nicht mal die ehemaligen Teile des Landes (DDR) wollte der Grossteil der "Ehrbaren stolzen Deutschen" zurück. Aus den einstigen Brüdern wurden schliesslich arme Verwandte. Da schäme ich mich meiner urgermanischen Abstammung, wenn ich mir überlege wie wenig Patriotismus in den meisten Bürgern steckt.
Von Winston Churchill stammt das Zitat, man habe die Deutschen entweder an der Gurgel oder zu Füßen. Wie Deine Aussagen hier ein weiteres mal bestätigen, lag er bei dieser Charakterisierung unseres etwas unsteten Nationalcharakters leider nicht so ganz falsch. Allerdings sollten sich all die Deutschen, die sich von ihrem stramm-europäischen Kadavergehorsam die Exkulpation ihrer ethnischen Zugehörigkeit erhoffen, keine Illusionen machen: Ihnen wird nicht vergeben werden, deutsch bleibt deutsch. Und sie werden die einzigen versprengten Europäer auf weiter Flur bleiben. Denn die anderen Bewohner dieser Halbinsel schämen sich nicht für das, was sie sind. 
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Original geschrieben von Pitter
Hast Du Dich jemals mit Europa vor dem Ersten Weltkrieg beschäftigt? Wohl eher nicht.
Gruß
Pitter
Du hast mir das Wort aus dem Munde genommen.
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Original geschrieben von autares
Ne, so einfach ist das eben nicht. Das würde ja bedeuten, dass griechische Banken die T-Bills kaufen, sie dann bei der EZB als Sicherheit hinterlegen und dafür Cash bekommen. Da frage ich mich aber halt, inwieweit griechische Banken überhaupt noch in der Lage sind, T-Bills zu kaufen. Die einzige Möglichkeit wäre, zu rollen.
Griechische Banken werden wohl nicht finanziert, wenn dann der griechische Staat. Kann ja auch gut sein, dass andere Banken daran teilnehmen. Wenn ich als HF Geld auf der hohen Kante hätte, würde ich ein hübsches Sümmchen davon in diese T-Bills anlegen.
Faktum ist jedoch, daß diese Maßnahmen einen Netto-Transfer zwischen Griechenland und dem Rest der Währungsunion darstellen. Nicht mehr und nicht weniger.
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Original geschrieben von autares
Edit:
Naja, das Zitat ist so allerdings nicht ganz richtig, zumindest wenn man den FAZ Artikel liest. Dort wird lediglich gesagt, dass die EZB die T-Bills als Sicherheit akzeptiert.
Und was meinst Du, was das bedeutet? De facto refinanziert die EZB wieder einmal griechische Pleitebanken auf unser aller Kosten.