-
Zitat
Original geschrieben von DrMac
Griechenlands Problem ist der Klientelismus. Um ihre Machtbasis aufrechtzuerhalten werden Nea Dimokratia und Pasok vermutlich solange wie möglich versuchen Resourcen zu verteilen, um ihre Anhängerschaft an sich zu binden. Überhöhte Rentenzahlungen lassen sich vielleicht als Teil dieses Systems interpretieren.
Auch wenn es sicherlich richtig ist, daß es Griechenland dabei zu einer ganz besonderen Meisterschaft gebracht hat, so ist die Verwendung öffentlicher Ressourcen zur Maximierung der eigenen Wahlchancen durch Politiker bzw. Parteien natürlich ein allgemeines Charakteristikum des politischen Wettbewerbs in parlamentarischen Demokratien. Letztlich versucht jede Partei doch dem Wähler ein Maßnahmenpaket anzubieten, das zumindest aus der Sicht der eigenen Klientel ein besonders günstiges "Preis-Leistungs-Verhältnis" aufweist. Und in diesem Bemühen ist es natürlich hilfreich, wenn es dem Politiker gelingt, Leistungen bereitzustellen, denen zumindest unmittelbar keine Kosten gegenüberstehen. Dies Verhalten erklärt zu einem wesentlichen Teil die enormen Schuldenberge, auf denen die meisten demokratisch verfaßten Staaten heute sitzen. Begrenzt wurde der Spielraum für dieses Verhalten bisher eben stets durch "die Finanzmärkte", die einer allzu exzessiven Verschuldung durch wachsende Risikoaufschläge gewiße Grenzen setzten. Die Einführung des Euros hat diesen "Schutzmechanismus" weitgehend außer Kraft gesetzt, da sich Länder wie Griechenland plötzlich zu ähnlich niedrigen Zinssätzen verschulden konnten, wie Deutschland oder die Niederlande und von dieser Möglichkeit ja bekanntermaßen auch über Gebühr Gebrauch gemacht haben.
Und genau aus diesem Grunde sind eine Schuldenunion, Eurobonds oder eben die jetzt von Herrn Draghi angekündigte versteckte Staatsschuldfinanzierung durch die EZB polit-ökonomisch ja auch so fatal. Wer ernsthaft glaubt, daß Politiker, die bisher schon recht hemmungslos Wahlgeschenke auf Kosten der eigenen Kinder und Enkelkinder verteilt haben, jetzt plötzlich davor zurückschrecken werden, dies zu Lasten der mehr oder weniger ungeliebten europäischen Nachbarn - allen voran der Deutschen - zu tun, der muß sich doch eine gewiße Naivität vorwerfen lassen. Das hat garnicht mal unbedingt etwas mit bösem Willen zu tun, sondern die Mechanismen der parlamentarischen Demokratie treiben die Politiker/Parteien zu diesem Verhalten. Jeder wird versuchen, möglichst viel für sein Land aus dem gemeinsam garantierten Schuldentopf herauszuholen bzw. sich möglichst viele eigene Schulden von der EZB finanzieren zu lassen, denn täte er es nicht, würde er dafür von seinen Wählern abgestraft. Das Ergebnis kann letztlich nur ein Verschuldungswettlauf sein, die Analogie zur klassischen Problematik der Übernutzung von Allmende-Ressourcen ist offensichtlich. Und daß es gerade angesichts der um sich greifenden Beliebigkeit in Fragen des europäischen Rechts (wer kümmert sich denn noch um das vertraglich festgelegte bail-out-Verbot) gelingen könnte, hier wirkungsvolle Schutzmechanismen einzubauen, ist schlicht als unrealistisch zu bezeichnen.
-
Zitat
Original geschrieben von Nokia6233
Ich bin mal gespannt, wie lange es dauert, bis der große Knall kommt und unser Geld ist nichts mehr wert...
Welche Währung kommt dann? Wieder DM? Dollar? Yen?
:mad:
Mach Dir mal keine falschen Hoffnungen, den Euro werden wir auf absehbare Zeit wohl nicht mehr los. Er war von Anfang an eine ökonomische Mißgeburt aber ein politisches Wunschkind. Und deswegen wird ihn die Politik auch mit allen Mitteln am Leben erhalten. Das ist allerdings auf Dauer nur möglich, wenn entweder die wirtschaftlich weniger konkurrenzfähigen Volkswirtschaften des Olivengürtels ihren Lebensstandard senken um ihre Wettbewerbskraft zu steigern oder wenn die wettbewerbsfähigeren Ökonomien - allen voran Deutschland - ihren Lebensstandard reduzieren, um die Leistungsbilanzdefizite des Südens permanent durch Transfers zu alimentieren. Und angesichts der bisherigen Erfahrungen in der Euro-Krise kann sich jeder selbst überlegen, auf welche der beiden Möglichkeiten es wohl eher hinauslaufen dürfte. Inflation ist dabei ein mögliches aber durchaus nicht das einzige Vehikel, über das eine derartige Umverteilung realisiert werden kann.
-
Man muß ihm immerhin zu Gute halten, daß er nicht auf Deine Kosten im Luxus zu schwelgen beabsichtigte. 40€ für ein Hotelzimmer sind in einer Großstadt doch wirklich ziemlich bescheiden. 
-
Zitat
Original geschrieben von Timba69
HIer mal eine schöne ZUsammenfassung der derzeitigen Risiken, incl der von mir angesprochenen Target 2 Kredite:
Klick
Tja Timba, Du versuchst hier tatsächlich immer wieder die Frage zu thematisieren, welche Haltung in der Euro-Krise wohl in Deutschlands nationalem Interesse liegen könnte. Du übersiehst dabei allerdings, daß allein die Vorstellung, Deutschland dürfe so etwas wie "nationale Interessen" überhaupt haben oder - schlimmer noch - sogar verfolgen, in den Augen "antideutscher" Extremisten ein "Gedankenverbrechen" erster Güte darstellt. Angesichts derart vollständig konträrer Prämissen ist jegliche Diskussion schlichtweg sinnlos. Du würdest doch auch mit niemandem, der Dir aus tiefstem Herzen einen baldigen qualvollen Tod wünscht, die Frage diskutieren, welche Art von Krankenversicherung für Dich wohl am sinnvollsten wäre.
-
Zitat
Original geschrieben von saintsimon
Soso, jetzt wird mal die Schuld dem Erzfeind zugeschoben. Der liederliche Südländer gegenüber dem vorbildlich-verbindlichen Nordmann. Schön wärs, wenn er mal französische Belege für diese Behauptung vorweisen würde.
Nun ja, der Mitterand-Vertraute und ehemalige französische Außenminister Hubert Védrine sieht das jedenfalls ähnlich:
http://www.spiegel.de/politik/…die-einheit-a-719608.html
Aber was weiß der schon, Du bist da ja sicherlich besser informiert.
-
Herrn Sarrazins Beitrag in der FAZ dürfte zweifellos eine der prägnantesten und pointiertesten polit-ökonomischen Analysen zur Euro-Krise sein, die es in letzten Monaten zu lesen gab:
http://www.faz.net/aktuell/feu…-maastricht-11822292.html
-
Zitat
Original geschrieben von saintsimon
Ich wüßte nicht, daß dem seit Kaisers Zeiten gepflegten deutschen Antiamerikanismus eine Russophilie gegenüberstände. Putin buhlt und intrigiert bisher vergeblich um einen stärkenden Bund mit der deutschen Wirtschaftskraft, um den Westen zu Spalten.
Einzelfälle, wie der unmittelbare Wechsel Schröders von dem deutschen in den russischen Staatsdienst, sind eher dem Ruf des Geldes geschuldet. Ansonsten herrscht Mißtrauen vor.
Historisch gesehen war Deutschland niemals wirklich ein integraler Bestandteil des Westens und ist es erst nach 1945 mehr aus Notwendigkeit denn aus Neigung geworden. Rußland war immer eine und nach dem Untergang der k. u. k-Monarchie die einzige deutsche Alternative zur Westbindung und das war trotz wechselseitigen Aversionen nicht nur beiden Seiten, sondern auch den "westlichen" Staaten stets bewußt. Rapallo und natürlich noch mehr der Hitler-Stalin-Pakt haben entgültig dazu geführt, daß eine zu enge deutsch-russische Beziehung dazu geeignet ist, in Paris, London und auch Washington nervöse Zuckungen auszulösen. Heute sind derartige Befürchtungen allerdings natürlich vollständig obsolet, denn vergreisende Völker wie das deutsche haben erfahrungsgemäß keine Neigung mehr zur derart wilden Abenteuern, wie es eine Abkehr von der deutschen Westbindung bedeuten würde.
-
Es ist leider eine Tatsache, daß sich die Besetzung des "Sachverständigenrats zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung" (Wirtschaftsweise) durchaus nicht (nur) nach der wissenschaftlichen Qualifikation richtet, sondern daß jeweils ein Vertreter von den Gewerkschaften und einer von der Arbeitgeberseite nominiert wird. Nachdem die Gewerkschaften bei der Nominierung hochqualifizierter Ökonomen wie Wolfgang Franz die schlechte Erfahrung gemacht haben, daß diese ihnen nicht unbedingt nach dem Munde reden, haben sie bei den Auswahlkriterien Qualifikation durch Gesinnung ersetzt. Das Ergebnis war die Entsendung Herrn Bofingers in dieses Gremium.
-
Zitat
Original geschrieben von saintsimon
Mein Guru ist besser als dein Guru. Na ganz grosses Kino hier.
Das mit der "Qualifikation" in diesen Religionskrieg (denn VWL ist bis zu einem gewissen Grad eine ideologische Glaubensangelegenheit), ist lediglich die, ob ein Evangelischer Bischof höher qualifiziert ist, als ein katholischer Bischof.
Mitnichten. Auf der einen Seite steht der geballte Sachverstand von 170 der z.T. renommiertesten deutschsprachigen Ökonomen, die aber durchaus verschiedenen Denkrichtungen und auch verschiedenen politischen Lagern angehören. Ihnen gegenüber stehen sieben(!) Hänsel (bzw. sechs Hänsel und eine Gretl) von mäßigem bis bestenfalls mittelprächtigem wissenschaftlichen Renommée, deren Positionen in dieser Auseinandersetzung zumindest in den drei prominentesten Fällen (Bofinger, Horn, Hüther) eindeutig durch das Prinzip bestimmt sind "wessen Brot ich ess, dessen Lied ich sing."
Mit katholischen und evangelischen Bischöfen hat das darum ziemlich wenig zu tun, sondern ist eher mit der Frage zu vergleichen, ob man sich am offenen Herzen lieber von Chef der Charité oder vom Hausarzt in Klein-Machnow operieren lassen möchte.
Etwas OT hier mal spaßeshalber das Schriftenverzeichnis von Herrn Bofinger:
http://www.vwl.uni-wuerzburg.d…tionen/fachzeitschriften/
Wer sich mal ein bißchen mit ökonomischer Literatur beschäftigt hat, kann schon anhand der Zeitschriften, in denen Herr Bofinger bevorzugt zu veröffentlichen pflegt, abschätzen, wie in etwa seine wissenschaftliche Expertise in der Fachwelt beurteilt wird. Da ist doch etwas arg viel WISO und WiSt dabei. 
-
Zitat
Original geschrieben von TM1
Oh, ich meinte das keineswegs irgendwie anmassend oder beleidigend, sondern schlicht ganz nüchtern: Wer ist denn schon studierter Volkswirt um den hochkomplexen Sachverhalt in Gänze fundiert und detailliert überblicken und beurteilen zu können?
Du bist jedenfalls ganz offenbar kein studierter Volkswirt. Sonst wärest Du vermutlich zumindest in der Lage, die wissenschaftliche Qualifikaton der Beteiligten einigermaßen abzuschätzen und kämst nicht auf die seltsame Idee, Lobbyisten wie Horn und Hüther oder einen Mann wie Bofinger, der an einer Provinzfakultät wie Würzburg lehrt, als die "wirklichen Experten" zu bezeichnen. Das ist - mit Verlaub gesagt - schlicht lächerlich.