Nun gut, da Du als Moderator so eindeutig Position beziehst und damit jegliche Neutralität aufgibst, hoffe ich einmal, daß Du auch bereit bist, offenkundig mißliebige Meinungsäußerungen zu akzeptieren. Falls dies nicht der Fall sein sollte, auch recht. Es ist Euer Forum und ich persönlich respektiere das Recht auf Privateigentum.
Aber zurück zum Thema.
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Original geschrieben von Christian
Weil "in Kürze" das erste Lager in Betrieb genommen wird, sprichst Du von einem gelösten Problem? In 50 oder 100 Jahren wird sich zeigen, ob das Problem gelöst ist, nämlich falls das Lager dann immer noch sicher ist. Vorher ist die Sicherheit eines solchen Lagers rein theoretischer Natur, und das ist doch ein wenig arg kurzsichtig, meinst Du nicht auch?
Da Dir die Entscheidung der finnischen Regierung, freiwillig auf ihrem eigenen Territorium ein atomares Endlager einzurichten, so offenkundig obskur ist und da ich ahne, daß die Diskussion technischer Detaills in diesem Zusammenhang nur wenig zielführend ist (es wird sich ja sowieso erst in 50 oder 100 Jahren zeigen, was Sache ist) sollten wir die Frage von einer anderen, eher prinzipiellen Seite anpacken.
Einige Foristen, deren Position Du offensichtlich zu teilen scheinst, pflegen die Vermutung, die Endlagerung atomarer Abfälle stelle ein offenbar gänzlich unlösbares Problem dar. Sollte diese Vermutung richtig sein, so ist unser schreckliches Schicksal natürlich bereits besiegelt. In annähernd 60 Jahren friedlicher Nutzung der Kernenergie ist eine Menge atomarer Abfälle angefallen, die irgendwo sicher gelagert werden müssen. Sollte dies prinzipiell nicht möglich sein, dann werden wir ja zweifellos daran zugrunde gehen. Es stellt sich somit die Frage, warum wir denn dann damit aufhören sollten. Wenn sowieso alles verloren ist, dann können wir den Tanz auf dem Vulkan mit billigem Atomstrom doch auch bis zum bitteren Ende auskosten.
Sollte dagegen die andere Hypothese richtig sein, daß es nämlich prinzipiell möglich ist, atomare Abfälle sicher in Endlagern zu deponieren, dann ist die grundsätzliche Ablehnung der Kernenergie aufgrund dieses Arguments allerdings irrationaler Nonsens. In diesem Fall kann man allenfalls Kosten und Nutzen gegeneinander abwägen, also genau das tun, was ich in meinen Beiträgen vertreten habe. Und ich vermag dann auch nicht einzusehen, was prinzipiell gegen eine Lagerung der doppelten, dreifachen oder noch höhren Menge radioaktiver Abfälle sprechen sollte.
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Original geschrieben von Christian
"Beherrschbar" ist ein relativer Begriff. In Tschernobyl war man auch der Ansicht, die Lage zu beherrschen - sogar noch ein paar Sekunden vor dem GAU. Tatsache ist: Es gibt in keinem Lebensbereich Sicherheiten von 100%, gleich um welche Technologie es sich dreht - und dann stellt sich doch die Frage, ob man nicht eher ein paar Milliarden mehr in die Erforschung alternativer Energien investieren sollte, als reumütig in den Schoß einer Technologie mit hohem Gefahrenpotential zurückzukehren, deren Altlasten noch nicht einmal ansatzweise entsorgt sind. Auch das ist extrem kurzsichtig.
Ich gebe Dir vollkommen recht, Beherrschbarkeit ist ein äußerst relativer Begriff. Wie Du wirst mehrfach nachlesen können, habe ich allerdings ständig darauf hingewiesen, daß keine Technik 100%ig beherrschbar ist, natürlich auch die Kernenergie nicht. Tatsächlich stellt sie eine Bedrohung menschlichen Lebens dar, genauso wie es Straßen-, Schienen- und Luftverkehr, Bergbau, Badeseen, Alkohol- und Nikotinkonsum, der massenhafte unnötige Einsatz von Antibiotika und tausenderlei andere Dinge auch tun. Kannst Du Dir ungefähr vorstellen, wie oft Atomunfälle geschehen müßten, um die 60000 Toten, die der Nikotinkonsum allein in Deutschland jedes Jahr zur Folge hat, zu verursachen? Ich habe allerdings erst selten die bedingslose Forderung nach dem Ausstieg aus der "Tabakwirtschaft" oder der "Alkoholwirtschaft" laut werden hören. Allein der Kernenergie wird hierzulande mit einem irrationalen und bedingungslosen Fanatismus entgegengetreten, der schon geradezu religiöse Züge trägt.
Und kein Mensch hat etwas dagen einzuwenden, wenn nicht allein wenige, sondern von mir aus gerne einige mehr Milliarden in die Entwicklung alternativer Energiequellen gesteckt werden, Atomenergie überzeugt sicherlich nicht durch ihren Sexappeal. Glaubst Du allerdings wirkich, daß die Energieerfordernisse einer modernen Industriegesellschaft kurz- oder mittelfristig durch Windräder, Biogas und etwas Sonnenergie gedeckt werden könnten? Das doch wohl kaum. Und wenn die Klimakatastrophe tatsächlich unmittelbar bevorstehen sollte, was ich als Nichtfachmann nicht beurteilen kann, was sich allerdings offensichtlich zum commom sense zu entwickeln scheint, dann muß man sich doch fragen, woher die CO2-Reduktion denn kommen soll, wenn man gleichzeitg auch auf die Kernenergie verzichten möchte. Hier herrscht wieder einmal die so beliebte Haltung "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht naß" vor. Verabschiedet Euch doch endlich einmal von dem frommen Kinderglauben, das Leben stecke nicht voller lebensbedrohlicher Risiken.
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Original geschrieben von Christian
Wäre ein Verkehrsflugzeug in einen Hochbunker geflogen, hätte dem ein ähnliches Schicksal geblüht wie dem WTC.
Du scheinst wirklich nicht viel Ahnung von den Möglichkeiten des Bunkerbaus zu haben.
Die Engländer haben nach dem letzen Krieg versucht, die deutschen U-Boot-Bunker auf Helgoland durch die größte nicht-nukleare Explosion der Menschheitsgeschichte zu zerstören. Es ist ihnen nicht gelungen.
Ein Land wie der Iran, das wohl kaum auf der Höhe der technischen Möglichkeiten steht, ist offenbar in der Lage, seine Atomanlagen zumindest teiweise so einzubunkern, daß selbst die USA daran zweifeln, daß ihre modernsten bunkerbrechenden Bomben sie zerstören könnten. Technisch stellt der entsprechende Schutz von Kernkraftwerken vor Terroristen also sicherlich kein relevantes Problem dar. Das ist schlichtweg ideologisch gefärbtes Gerede.
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Original geschrieben von Christian
Ich liebe es, wenn Atomenergie-Verfechter bei Gegenwind sofort mit der Keulen-Argumentation um die Ecke kommen und Kritiker (egal, wie moderat sie argumentieren) mit allen Öko-Klischees bombardieren, die es so gibt (und seien sie noch so abgedroschen).
Und ich liebe es, wenn grüne Ideologen ihre technolgiefeindlichen Weltbeglückungsrezepte, die bei ihrer Durchführung schon hierzulande zur Folge hätten, daß Schmalhans für viele Menschen Küchenmeister würde, auch noch der ganzen Welt aufzudrücken versuchen. Im Kreuzzug für das Weltklima und gegen die Atomkraft entfällt ihnen dann nämlich meist recht schnell, daß allein moderne und effiziente Technologie eine Chance dafür bietet, daß einmal auch in Schwellen- und Entwicklungsländern alle Menschen wenigstens leidlich menschenwürdig leben können. Die Methoden einer grünen Landkommune bieten dafür nämlich einfach nicht die notwendigen Voraussetzungen.
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Original geschrieben von Christian
Spricht für differenzierte Denkweise und eine ordentliche Portion Konfliktfähigkeit. :top: 
Leider erlaubt mir meine undifferenzierte Denkweise tatsächlich nicht, die unendliche Weisheit in jeder Einzelheit des grünen Grundsatzprogramms mitsamt seiner menschheitsbeglückenden Wirkung nachzuvollziehen. Ich hoffe allerdings, daß Du mir diesen menschlichen Makel nachsehen wirst, da Du Dich ja ganz offenkundig im Besitz einer höheren Moral oder doch zumindest einer deutlich ausgeprägteren Konfliktfähigkeit befindest.