Beiträge von schmidt3

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    Original geschrieben von twister
    • Als ich die Grundschule besuchte, kam ich (inzwischen eingebürgerter Türke oder Deutscher mit Migrationshintergrund) in eine „Ausländerklasse“. Keine deutschen Schüler. Ergebnis: Ich und 2 weitere Schüler kamen nach der 2. Klasse in eine deutsche Klasse und besuchten anschließend Gymnasium bzw. Realschule. Die restlichen Schüler landeten zu fast 100 % auf der Hauptschule, auf der wieder der Großteil aus ausländischen Schülern bestand. Eine hervorragende Integrationspolitik.


    Tatsächlich ist es so, daß bei der Einschulung in die Grundschule das Wohnortprinzip gilt, d.h. man muß sein Kind i.d.R in die nächstgelegene Grundschule schicken. Wenn es "Ausländerklassen" gibt, dann liegt das vor allem daran, daß sich Ausländer in bestimmten Wohngegenden systematisch und ja nicht zwangsweise zusammenballen. Denn anders als die Wahl der Grundschule, ist die Wahl des Wohnorts in Deutschland frei.
    Und dann stellt sich mir ehrlich gesagt die Frage, was es mit schlechter Integrationspolitik zu tun hat, wenn Kinder in die Grundschule nicht die notwendigen Voraussetzungen mitbringen, nämlich hinreichende Kenntnisse der deutschen Sprache. Welche Sprache Kinder im Grundschulalter beherrschen, dafür sind ja wohl ihre Eltern verantwortlich, insbesondere dann, wenn diese ihre Kinder systematisch vom Besuch gemischter Kindergärten fernhalten, wie es gerade die Türken gerne tun. Oder verlangst Du von der Integrationspolitik zwangsweisen Deutschunterricht für türkische Kleinkinder? Ich möchte nicht hören, was dann los wäre.



    Es ist schon interssant, daß Du bei Deiner Aufzählung die 530000 Italiener, die aus der von Dir angegebenen Quelle hervorgehen, kurzerhand unter den Tisch fallen läßt. Ich denke einmal, daß man mit einer guten halben Million Menschen doch auch das eine oder andere "Ghetto" hätte füllen können . Diesen Begriff hast übrigens Du verwendet, nicht ich. Ghettoisierung beginnt übrigens nicht erst bei ganzen Wohnvierteln, die vorwiegend von einer Ethnie bewohnt werden, sondern sie beginnt schon bei rein türkischen Wohnhäusern, vorwiegend türkischen Straßen etc. Ich persönlich habe bisher zumindest noch kein größeres Mietshaus gesehen, das ausschließlich von Italienern bewohnt wurde. Rein türkische Häuser gibt es dagegen in jeder deutschen Großstadt zahlreiche. Ich kenne auch keine italienischen, jugoslawischen oder thailändischen Lokale in denen jeder Vertreter einer anderen Nationalität auffällt und durch sein Eintreten deutlichen Widerwillen erregt. Ich habe auch noch nicht gehört, daß Spanier, Griechen, Polen oder Kroaten in öffentlichen Freibädern eigene Schwimmstunden für ihre Frauen eingefordert und auch erhalten haben, wie das in einigen Städten des Ruhrgebiets inzwischen der Fall ist. Tatsächlich grenzen sich all diese Bevölkerungsgruppen viel weniger deutlich von der deutschen Mehrheitsbevölkerung ab, als dies insbesondere Türken tun und vielleicht "fallen" sie einfach deswegen auch nicht so stark "auf". Vielleicht wollen sie einfach dazugehören.


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    Original geschrieben von twister
    • Sich integrieren wollen?
    Sprache: Sehr wichtig. Wenn ich mir die jüngere Generation anschaue, ist die Beherrschung der deutschen Sprache bei Deutschen fast so schlecht wie bei Türken (sieht man insbesondere an den schriftlichen Prüfungen an Berufsschulen, ich spreche aus Erfahrung) oder aber ungefähr gleich gut (Gymnasium; höheres Bildungsniveau).


    Ich vermute, wenn Du einmal ganz ehrlich bist, weißt Du, daß das so nicht stimmt. Studien zeigen, daß etwa 50% der türkischen Kinder bei ihrer Einschulung nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen. Daß es gerade um die schriftliche Ausdruckfähigkeit deutscher Hauptschüler auch nicht zum besten steht, ist unbestritten und traurig genug. Dennoch können diese als Grundschulkinder aber immerhin ihren Lehrer verstehen. Wenn noch nicht einmal diese Voraussetzung erfüllt ist, kann das ja eigentlich nur schiefgehen.


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    Original geschrieben von twister
    Die ältere Generation kann man in gewissem Maße kritisieren, weil sie es versäumt hat, die deutsche Sprache zu erlernen. Wenn man aber in Ghettos lebt, wo fast nur Ausländer leben (ein Dankeschön an die Integrationspolitik), und zusätzlich beim Türken nebenan einkaufen kann, den türkischen!! Hautarzt aufsuchen kann, seinen Führerschein bei einer türkischen Fahrschule machen kann etc., dann muss man klar sagen, diese Leute hatten es doch nie richtig nötig deutsch zu lernen. Kritisieren kann man sie hierfür, aber nicht so weit, dass man ihnen fehlenden Integrationswillen vorwirft und sie zu den Schuldigen einer mangelhaften Integration macht.


    Natürlich, wenn Einwanderer nicht bereit sind deutsch zu lernen und Parallelgesellschaften bilden, ist natürlich die verfehlte Integrationspolitik schuld. Genauso wie natürlich die deutsche Politik an der Ghettoisierung von Kreuzberg und Neu-Kölln schuld ist. Wie gesagt, in Deutschland herrscht Freizügigkeit und billigen Wohnraum gibt es auch anderswo, nicht nur in Berlin oder Frankfurt.
    Wenn ein Deutscher nach Australien oder Kanada auswandert und dort nicht zurecht kommt weil er kein kein englisch lernt, käme wohl niemand auf die Idee, der "Ausländerdiskriminierung" durch die Mehrheitsgesellschaft die Schuld zu geben. Vielleicht würde auch den türkischen Zuwandereren in Deutschland ein bißchen weniger Opferhaltung und Selbstmitleid gut zu Gesicht stehen.


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    Original geschrieben von twister


    • Der Grund für eine bessere Integration von z. B. Griechen, Spaniern, Italien könnte zum Einen daran liegen, dass diese Gruppen in viel geringerem Maße vertreten sind als Türken. So fällt es halt eher auf, wenn türkische Mitbürger auffällig werden oder in Ghettos leben. Zum Anderen eindeutig (teilweise) daran, dass Griechen, Italiener, Spanier etc. und Deutsche einen gemeinsamen Nenner haben: die Religion. Meint ihr, die Türkei würde immer noch auf einen EU-Beitritt warten, wenn sie ein christliches Land wäre?


    Da in den meisten europäischen Ländern im allgemeinen und in Deutschland im speziellen die Religion im Leben einer Mehrheit der Bevölkerung inzwischen eine gänzlich untergeordnete Rolle spielt, ist wohl weniger das Spannungsverhältnis zwischen Christentum und Islam das Problem, sondern eher das zwischen einer verweltlichten westlichen Mehrheitsgesellschaft, in die sich auch Zuwanderer aus meist ähnlich verweltlichten europäischen Gesellschaften problemlos einfügen, und einer immer noch stark von religiösen Werten geprägten islamischen Zuwanderergruppe das Problem. Somit handelt es sich weniger um einen Konflikt der verschiedenen Religionen an sich, sondern eher um einen Konflikt bezüglich der Rolle der Religion in verschiedenen Kulturen.
    Was den Beitritt der Türkei verhindert ist deshalb weniger ihre eigenschaft als islamisches Land, sondern es sinddie folgenden drei Punkte: 1. Ihr gänzlich instabiles politisches System, das sich nur mit Mühe zwischen den Gegenpolen einer moderat islami(sti)schen Gesellschaft und einer Militärdiktatur halten kann. 2. Ihr niedriges Pro-Kopf-Einkommen, das unterhalb aller anderen EU-Staaten liegt. Und damit zusammenhängend 3. Ihre hohe Bevölkerungszahl. Ein anderes Land, für das dies ähnlich gilt, ist z.B. die Ukraine. Obwohl es sich dabei um ein christliches und - anders als bei der Türkei - um ein eindeutig europäisches Land handelt, kommt niemand ernsthaft auf die Idee, sie in absehbarer Zeit in die EU aufzunehmen.

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    Original geschrieben von Casaubon
    Wie kann ich ein Teil davon werden, daß mich verachtet?
    Ein Teil will sich sicher nicht integrieren, aber wie schließt du auf alle?
    Es ist auch dein Problem wenn "Üzgür" für dich nicht "wohlklingend" ist.


    Natürlich gibt es durchaus in Teilen der deutschen Bevölkerung Ressentiments inbesondere gegen Einwanderer aus islamischen Ländern. Leider beruhen nicht alle diese Ressentiments nur auf bloßen Vorurteilen. Tatsächlich bieten auch Teile dieser Einwanderergruppe durchaus immer wieder Anläße, die diese Ressentiments schüren. Offenbar ist es aber den nach Amerika ausgewanderten Deutschen doch gelungen, Teil der amerikanischen Gesellschaft zu werden, obwohl auch ihnen Ablehnung und Ressentiments entgegen geschlagen sind. Du brauchst auch nicht zu glauben, daß die ersten italienischen Einwanderer in den späten 50er Jahren mit offenen Armen oder mit besonderer Hochachtung aufgenommen worden wären. Auch den "Spaghettis" wurde nichts geschenkt und die antiitalienischen Vorurteile, die es hier noch bis weit in die 70er Jahre gab, liesen heute jedem die Haare zu Berg stehen. Trotzdem hat das mit der Integration irgendwie funktioniert. Mein persönliches highlight an "erfolgreicher Integration" war der italienische Wirt, der sich angesichts des vor seinem Lokal falsch geparkten Fahrzeugs mit holländischem Kennzeichen lauthals über die "unverschämten Ausländer" echauvierte.
    Weiterhin verallgemeinere ich durchaus nicht auf alle türkischen oder moslemischen Zuwanderer. Mir ist durchaus bewußt, daß es auch hier eine nicht unbedeutende Minderheit gibt, die wunderbar in der deutschen Gegenwart angekommen ist. Aber es ist eben eine Minderheit und das wahrhaft Erschreckende an der Sache ist, daß nicht nur meiner Wahrnehmung nach eine Mehrheit der jungeren Türken der zweiten oder dritten Generation einen deutlich geringeren Integrationswillen zeigt, als noch ihre Eltern oder Großeltern. Integration wird dort häufig als Bringschuld der deutschen Mehrheitsgesellschaft und Eigenanstrengungen als unzumutbare "Assimilation" empfunden. Und ich wage zu prophezeien, daß es auf diese Art nichts werden wird mit der Integration.
    Und daß der Name "Üzgür" in meine Ohren vielleicht tatsächlich nicht so melodisch klingt wie mancher romanische, das ist allerdings sicherlich das geringste Problem.



    QUOTE] Original geschrieben von Casaubon
    Tu nicht so als ob bei der Wohnungssuche Gleichbehandlung herrscht.
    Denkst du nicht auch das Türken lieber in einer besseren Gegend wohnen würden?
    Was bleibt den Ausgegrenzten (was nicht nur Ausländer sind) übrig als Ghetto und Wohnsilos?
    [/QUOTE]


    Wieder die gleiche Argumentation: Auch Griechen, Spanier und Italiener wurden nicht direkt nach ihrer Ankunft in Villenvierteln einquartiert. Trotzdem leben inzwischen durchaus nicht wenige von ihnen dort. Einige Türken übrigens auch. und trotzdem haben diese Zuwanderergruppen niemals in einem vergleichbaren Maße angefangen, Parallelgesellschaften zu bilden und eine großenteils selbstgewählte Ghettoisierung voranzutreiben. Wo in Deutschland gibt es ein italienisches oder spanisches Neukölln? Ich unterstelle dabei durchaus nicht einmal böse Absicht, vermutlich war der Kulturschock deutlich höher. Anscheinend war das Mezzogiorno der 60er Jahre doch schon deutlich weiter in die Neuzeit vorangelangt als das Ostanatolien der 70er. Wenn die Ankunft in der Moderne aber auch weiten Teilen der dritten Generation allenfalls in Form von Gangsta-Rap gelingt, dann ist das schlichtweg bedenklich.


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    Original geschrieben von Casaubon

    Plumpe Verallgemeinerung, als ob das alle so machen.
    Dann dürfte man hier kein einziges türkisches Schulkind sehen, weil die ja alle in ye good olde Turkey die Schulbank drücken. :D


    Nein, nicht alle werden in die Türkei geschickt. Viele erhalten die Sozialisierung zu echten Türken und Türkinnen auch im Inland. Während bei den Knaben jede Gewaltätigkeit und jede machohafte Ausfälligkeit, entweder als wahrhaft türkisch-männliches oder als milieuadäquates Verhalten verharmlost wird, werden die Mädchen an der Teilnahme am Schulschwimmen, am Sport, an Klassenfahrten und an jeder Art altersgemäßen Verhaltens in einer westlichen Gesellschaft gehindert, um sie so auf ihre kommende Rolle als gute türkische Frau und Mutter vorzubereiten. Und sollte sich ein Mädchen das nicht gefallen lassen, so werden Brüder und Vater schon eine Lösung finden.
    Natürlich ist diese Darstellung holzschnittartig und grob vereinfachend und beschreibt nicht die Lebensrealität aller Türken in Deutschland. Leider aber die einer sehr großen Gruppe, wenn nicht der Mehrheit.


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    Original geschrieben von Casaubon
    Umgekehrt gefragt, hätten wir Deutsche eine Heirat mit Türken akzeptiert?


    Ich denke doch schon. Ich habe bisher noch von keinen Ehrenmorden an deutschen Mädchen gehört, die von ihren Eltern aufgrund einer Hochzeit mit einem Türken umgebracht worden wären. Und tatsächlich finden solche Eheschließungen teilweise in durchaus prominenten Kreisen statt. So hat z.B. unser so oft als entsetzlicher Reaktionär verunglimpfter Ex-Bundeskanzler Helmut Kohl eine türkische Schwiegertochter und niemand findet was dabei.

    Zitat

    Original geschrieben von Casaubon
    Du sprichst von 1860, ich spreche von heute. Die Ressentiments gegen die Deutschen damals, haben sicherlich mit der Zeit nachgelassen oder etwa nicht? Hier empfinde ich es umgekehrt, es wird immer angeheizter und polemischer.
    Sollten wird dann nicht den Ausländern hier, auch nicht 150 Jahre Zeit geben, bis sie sich "Mustergültig integrieren" wie in deinem Beispiel genannt?
    Menschen haben keinen Schalter für Integration, Loyalität, Patriotismus etc.. den man von heute auf morgen auf ON stellt.
    Ich denke, es ist ein gesellschaftlich-psychologischer Prozess beiderseits, der stattfinden muss.


    Zwischen dem Zitat von Benjamin Franklin und dem letzten von mir zierten auswandererbrief lagen 110 Jahre, es scheint also eine ganze Weile gedauert zu haben, bis die Ressentiments nachliesen. Übrigens wurden noch während des 1.Weltkriegs gänzlich unschuldige deutschstämmige Amerikaner Opfer von Lynchjustiz.
    Aber wenn Dir deutsche Einwanderer in den USA als Beispiel nicht gefallen, dann bleiben wir in Deutschland. Die entscheidende Frage ist für mich allerdings dann, warum sich ausgerechnet die Zuwanderer aus islamischen Ländern im allgemeinen und der Türkei im Speziellen so garnicht integrieren lassen. Die türkischen Einwanderer kamen auch nicht viel später als Italiener, Griechen, Spanier oder Portugiesen. Deren Nachkommen erkennt man heute allerdings meist nur noch an den wohlklingenden Nachnamen und den leckeren Kochrezepten. Es gibt in Deutschland keine Wohnviertel, in denen fast nur Italiener oder Spanier leben und wo es ausreicht italienisch oder spanisch zu sprechen. Liegt das vielleicht daran, daß sie die Sprache lernen wollten und das auch getan haben. Oder liegt es möglicherweise daran, daß sie ihre Kindern nicht vor der Einschulung in die Heimatländer schickten und sie erst kurz vor Erreichen des Nachzugsalters wieder nach Deutschland holten. Vielleicht liegt es auch daran, daß die mal einen Blick in die Bildzeitung und auf RTL geworfen haben und nicht nur in die Hürriyet und auf TRT. Vielleicht lag es aber auch daran, daß die nicht für ihre Kinder gänzlich unbekannte Ehepartner aus der alten Heimat herangekarrt haben, sondern sogar die Heirat mit einem Deutschen akzeptieren konnten. Wahrscheinlich lag es schlicht und einfach daran, daß die sich integrieren wollten.



    Worauf es mir ankommt ist, daß jemand der die deutsche, die amerikanische, die türkische oder sonst eine Staatsbürgerschaft freiwillig annimmt, dies nicht nur tut, um die damit verbundenen Vorteile in Anspruch zu nehmen und Mitspracherechte zu erhalten, sondern daß er sich mit diesem Staat und seiner Gesellschaft identifiziert und daß in seiner Eigenschaft als politisches Wesen seine Loyalität zuallererst diesem Staat und keinem anderen zu gelten hat. Wenn man sich primär als Türke fühlt und eine stärkere Loyalität für den türkischen Staat und die türkische Nation empfindet als für Deutschland, dann sollte man meiner Ansicht nach auch türkischer Staatsbürger bleiben. Wenn man hier einfach nur leben möchte, gibt es ja genügend andere Möglichkeiten als die Staatsbürgerschaft. Das ist in meinen Augen der entscheidende Punkt. Was man in seinem Privatbereich tut, ob man als Deutscher in Amerika Spanferkel oder als Türke in Deutschland Lammspieß grillt, ist dann eigentlich egal. Und zu meinen Pflichten als loyaler Staatsbürger gehört es meiner Ansicht nach eben auch, das Gemeinwesen im Notfall auch gegen seine äußeren Feinde zu verteidigen. Ich glaube in der Türkei würde das kaum jemand anzweifeln.

    Zitat

    Original geschrieben von Casaubon
    Ja warum wohl? Weil sie mit all ihrer Wurst,Blasmusik und Oktoberfeste als Amerikaner akzeptiert wurden?
    Weil sie nicht, wie hier die Türken mit Begriffen wie Kanacken, Musels, Ölaugen und Arschhochbeter belegt wurden?


    Selbst wenn sie es tun würden, bleiben sie für viele nur Pass-Deutsche mit Migrationshintergrund und man wird ihre Herkunft bei jeder passenden Gelegenheit unter die Nase reiben.


    Kein Wunder, wenn man in erster Linie nur Zweifel, Mißtrauen und Ablehnung entgegenbringt.
    What goes around, comes around.


    Nein, so wurden die Deutschen in Amerika nicht genannt, die gängigen Bezeichnungen der Alteingesessenen für die Deutschen waren z.B. "Hansworst" oder "damned dutch". Das war allerdings ebenfalls nicht gerade Ausdruck höchster Wertschätzung.
    Hier mal ein paar Zitate aus Briefen, die deutsche Auswanderer in Amerika nach Hause schrieben:


    "In seinem Dünkel hält er [der Nordamerikaner] die Ausländer für Menschen niederen Grades; und dieses trifft hauptsächlich die Deutschen…" (1835)


    "… und namentlich ist's dem Deutschen von Ehre und Stolz ein bitterkränkendes Gefühl, seine Landsleute als lästige Eindringlinge, gewissermaßen als untergeordnete Menschenklasse betrachtet u. behandelt zu sehen, wie's die Mehrzahl der unwissenden, aufgeblasenen, egoistischen Volkes Amerikas zu thun gewohnt ist." (1857)


    "Die Amerikaner sind sehr geneigt, die Deutschen etwas hintan zu setzen. Sie halten die Eingewanderten nur gut zum Arbeiten und bemogeln dieselben, wo sie können." (1863)


    "… die Amerikaner haben einen großen Widerwillen gegen alle Deutschen und setzen sie überall zurück…" (1863)


    Hört sich ziemlich bekannt an, oder? Allerdings gab es damals noch keine political correctness, die die Einwanderer schützte. So fand der große Benjamin Franklin bereits 1753 folgende freundliche Worte über die deutschen Einwanderer:
    "Diejenigen [Deutschen], die hierherkommen, gehören für gewöhnlich zu den Ungebildetsten und Dümmsten ihrer eigenen Nation. Weil aber Unbildung oft der Gaunerei mit Gutgläubigkeit, der Aufrichtigkeit mit Misstrauen begegnet, weil nur wenige Engländer die deutsche Sprache verstehen, und sich somit weder durch die Presse noch die Kanzel an die Deutschen wenden können, ist es fast unmöglich, ihnen Vorurteile auszutreiben, denen sie einmal anhängen."


    Du siehst, so groß war die Zuneigung der Amerikaner für die Deutschen anfangs durchaus nicht.


    Die Deutschen haben sich aber trotzdem bereitwillig integriert, in vielen Fällen sogar vollständig assimiliert, waren dankbar, eine neue Heimat mit neuen Chancen gefunden zu haben, achteten die amerikanischen Gesetze, überzeugten durch Leistung und zeigten ihre Loyalität zu den USA dadurch, daß sie für das Land gekämpft und notfalls gestorben sind. Sie haben den Amerikanern allerdings nicht dauernd erklärt, daß sie sich eigentlich für Deutsche hielten und nur auf ihr Deutschtum stolz seien. Und sie haben sich nie als fünfte Kolonne Deutschlands verhalten, weder im Krieg der USA gegen den Kaiser noch im Krieg gegen Hitler, sondern einfach als loyale amerikanische Bürger. Und mehr verlangt auch niemand.

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    Original geschrieben von DarkEmpire64
    Was vermutlich daran liegen könnte, dass die Türkei ein sehr junges Land ist und die "ältere" Bevölkerung noch die Überhand hat. In ein paar Jahren wird allerdings immer mehr die derzeit jüngere Bevölkerung dominieren, welche fast komplett westlich geprägt ist.
    kleines Bsp: Demonstrationen gegen die Aufhebung des Kopftuchverbotes in türkischen Unis.


    Wenn Du selbst Deutsch-Türke bist, möchte ich nicht anmaßend sein und Dir die Türkei erklären wollen. Aber auch wenn sich meine Einschätzung weitgehend auf theoretisches Wissen über die Türkei stützt, muß ich Dir sagen, daß ich Deine Analyse nicht teile. Natürlich ist die Türkei ein "junges" Land, d.h. der Anteil relativ junger Wähler ist deutlich höher als etwa in Deutschland. Dennoch haben bei den letzten Wahlen 2/3 dieser vergleichsweise jungen Wählerschaft für die religiöse AKP Erdogans gestimmt, die eine schleichende Isalmisierung des Landes vorantreibt. Es gab zwar Demonstrationen gegen die Aufhebung des Kopftuchverbots, diese wurden aber getragen von den Städtischen Vertretern des Laizismus, und nicht von der breiten Masse der Bevölkerung. Wie tief die Gräben in der Türkei sind, die eben nicht zwischen den Generationen, sondern zwischen verschieden soziologischen Schichten verlaufen, zeigt sich ja daran, daß das von Kemalisten beherrschte Verfassungsgericht gerade das Verbot der Regierungspartei AKP vorbereitet. Da in der Türkei ein solches Verbot gleichzeitig ein mehrjähriges Betätigungsverbot der führenden Köpfe der betroffenen Partei bedeuten würde, käme dies in seiner politischen Bedeutung einem Militärputsch gleich. Und ob die AKP tatenlos zusehen wird, wie die kemalistischen Eliten sie politisch und juristsch enthaupten, wage ich ehrlich zu bezweifeln. Insofern sehe ich für die politische Stabilität der Türkei ziemlich schwarz. Deshalb dürfte sich die Frage nach einem EU-Beitritt so oder so in absehbarer Zeit von selbst erledigen.



    Ich weiß nicht, ob Du nachvollziehen kannst, daß gerade diese Haltung einige Deutsche doch etwas beunruhigt. Du bist zwar Deutsch-Türke, bist hier aufgewachsen, hast die deutsche Staatsbürgerschaft und möchtest aktiv an der politischen Gestaltung des Landes mitwirken. Dennoch fühlst Du Dich als Türke und hast einen türkischen Nationalstolz. Und genau an dieser Stelle wird es manchen Leuten unheimlich. Du lebst hier, möchtest die volle poltische Mitbestimmung, fühlst Dich aber eigentlich nicht wirklich als Teil der deutschen Gesellschaft. Auch hier stellt sich eben wieder die Frage nach der Loyalität. Auch welcher Seite stehst Du, falls es wirklich einmal zu politischen Interessengegensätzen zwischen Deutschland und der Türkei kommen sollte?
    In den USA leben seit Jahrhunderten Millionen von deutschstämmigen Einwanderern. Diese pflegen ihre Traditionen, haben ihre Oktoberfeste, ihre Wurst und ihre Blasmusik, kurz haben durchaus nicht ihre Identität aufgegeben und fühlen sich dennoch als waschechte Amerikaner. In beiden Weltkriegen haben die Nachkommen solcher Einwanderer loyal und treu für die USA und gegen Deutschland gekämpft und das obwohl sie zumindest im ersten Weltkrieg starken Anfeindungen ausgesetzt waren. Fälle von Verrat, Sabotage oder Desertation sind so gut wie nicht bekannt.
    Auch wenn das natürlich ein extremer Fall ist und es sicherlich nie zu einer militärischen Auseinandersetzung zwischen Deutschland und etwa der Türkei kommen wird, kann man natürlich fragen, ob alle eingebürgerten Türken dann eine solche Loyalität zu Deutschland zeigen würden. Kannst Du ernsthaft versichern, daß in diesem rein theoretischen Fall ein Großteil der jungen eingebürgerten Türken bereit wären, in Bundeswehruniform gegen türkische Soldaten zu kämpfen? Ich habe da so meine Zweifel. Und deswegen habe ich ehrlich gesagt kein sehr gutes Gefühl, wenn man immer mehr Menschen einen deutschen Paß inklusive Wahlrecht gibt, obwohl ihre primäre Loyalität und ihre emotionale Bindung ganz offensichtlich einem anderen Land gilt.

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    Original geschrieben von Kaan
    Mich würde mal interessieren , wo du aus meinen Posts die ablehnende Haltung herausliest :)


    Solltest Du mich meinen, so lese ich aus keinem Deiner Posts eine ablehnende Haltung heraus. Vielmehr glaubte Jochen aus der Tatsache, daß ich Dich gesiezt habe eine ablehnende Haltung meinerseits ablesen zu können. Was Du davon hast, ist, daß Du jetzt von mir gnadenlos geduzt wirst. ;)

    Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Wozu Siezt Du ihn nun plötzlich? Willst Du künstlich eine Art Distanz schaffen?


    Es hat mich neulich schon mal jemand darauf aufmerksam gemacht, daß Siezen bei TT unüblich sei. Meine Entschuldigung ist hier wieder die gleiche, nämlich, daß ich mich manchmal sogar zeitgleich auch in anderen Foren aufhalte, wo sich - vermutlich aufgrund eines höheren Durchschnittsalters - alle Siezen. Wenn Du mal genauer nachsiehst, wirst Du bemerken, daß ich z.B. die Nutzer Kaan und Siemensianer gesiezt, den Nutzer Kanalratte hingegen geduzt habe, weil der in dem Beitrag, auf den ich mich bezog, seinerseits das Du verwendet hatte. Ich möchte damit weder jemanden herabwürdigen ober hervorheben, noch habe ich die Absicht in irgendeiner Form Nähe oder Distanz zu schaffen, es ist schlichtweg Zufall. Ich werde mich allerdings bemühen bei TT zukünftig ein einheitliches "Du" zu verwenden, damit keinerlei Mißverständnisse aufkommen können.
    Ohne das jetzt böse zu meinen, habe ich allerdings den Eindruck, daß Dein Sinn für sagen wir einmal politisch-korrekte Umgangsformen doch sehr geschärft ist. Auf die Idee, daß ausgerechnet das Siezen als Ausdruck einer feindlichen Haltung interpretiert werden könnte, wäre ich jetzt erst einmal nicht gekommen. Hätte ich Kaan geduzt und andere gesiezt, wäre mir das aber vermutlich noch negativer ausgelegt worden.. Man muß wirklich vorsichtig sein ;)