Beiträge von schmidt3

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    Original geschrieben von Martyn
    Ich denke die meisten Bürger der DDR waren weder das eine noch das andere. Die allermeisten haben sich einfach bestmöglichst mit dem System arangiert.


    Gerecht war das System sicher nicht. Gerecht ist aber das heutige System auch nicht.


    In der DDR hat man nur was erreicht wenn man das System unterstützt hat. Heute erreicht man nur was wenn man viel Geld hat.


    Im Gegensatz zur DDR kannst Du dieses Land allerdings verlassen, wenn es Dir hier nicht gefällt und zwar ganz ohne erschossen zu werden. Auch hielten sich die Fluchtbewegungen der ausgebeuteten Arbeitermassen aus der kapitlistischen Hölle BRD in Richtung auf das Proletarier-Paradies DDR ziemlich in Grenzen. Das ist schon ein kleiner Unterschied.
    Und daß man hier nur etwas erreicht, wenn man "viel Geld" hat, ist doch schlichtweg Unsinn. Das einzige was es dazu braucht, ist ein Mindestmaß an Grips und ein klein wenig Fleiß.

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    Original geschrieben von BigBlue007
    Ohne das hier vertiefen zu wollen - was angesichts Deiner zur Schau getragenen Einstellung zur Sache aufgrund massiver Beratungsresistenz wohl auch keinen Sinn machen würde: Ich stamme aus der ehemaligen DDR, war zur Wendezeit gerade erwachsen geworden (habe die DDR also durchaus bewusst und nicht nur als Kleinkind mitbekommen), und kann daher ohne jeglichen verklärten und wehmütigen Rückblick (was mir eh fremd ist, da ich mich zu den Gewinnern der Einheit zähle) sagen, dass die DDR sicher alles mögliche, aber kein "Folter- und KZ-Staat" war. Insbesondere die letztere Bezeichnung ist angesichts des vorhergegangenen tatsächlichen KZ-Staates durchaus eine Diffamierung. Und für das hier, mein Freund:


    ... hast Du Dir ein richtig fettes "Was für ein dämliches Arschloch" verdient. :flop: So kann wirklich nur jemand labern, der nun rein gar keine Ahnung hat, wovon er eigentlich labert...


    Würde mich echt mal interessieren, welche Position Deine Eltern in der DDR so hatten. Waren die eher "Widerstandskämpfer" oder vielleicht eher "Helden der Arbeit". Es wäre immerhin denkbar, daß Deine Wahrnehmung der DDR-Realität davon etwas beeinflußt wurde. Die Zehntausende von politischen Gefangenen, die wir für sehr viel Geld aus DDR-Straflagern freigekauft haben, hatten allerdings eine ganz andere Geschichte zu erzählen. Genauso wie diejenigen, die unter Einsatz ihres Lebens den "Schutzwall gegen den Faschismus" überwunden haben und dabei Tretminen, Selbstschüssen und Mauer-Killern entgegangen sind.

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    Original geschrieben von MTT

    Im Übrigen ist die heutige Linkspartei im Wesentlichen eine neue Partei, in der nur sehr wenig "ewig Gestrige" noch Mitglied sind.


    :) MTT :)


    Hast Du zufällig neulich die Bilder von der SED/PDS-Gedenkveranstaltung für Liebknecht und Luxemburg gesehen? Da marschierte ganz vorne ein Mensch in einer Offiziersuniform der NVA mit. Eine gewiße personelle Kontinuität scheint da doch durchaus vorhanden zu sein.
    Der Untergang der Weimarer Republik begann übrigens auch mit dem Aufstieg der Kommunisten. Ich jedenfalls werde morgen wohl mal losgehen und mir einen neuen Reisepaß besorgen. Dann bin ich wenigstens einigermaßen vorbereitet wenn Gysi erklärt: Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen.

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    Original geschrieben von Siemensanier

    Ich glaube nicht, dass es wirklich immer Angst vorm achso bösen Sozialismus ist. Eher die konservative Angst vor Neuem und Veränderungen.


    Den Sozialismus als etwas "Neues" verkaufen zu wollen, zeugt schon von einer gewißen Chuzpe. Selbst wenn ich mich nur auf den "wissenschaftlichen Sozialismus" beschränke, so ist dieser immerhin die annähernd 150 Jahre alte Erfindung eines arbeitsscheuen Journalisten, der seine Tage in der British Library totschlug und sich dabei von seinem Mitstreiter aushalten ließ, der selbst sein Geld als kapitalistischer Unternehmer verdiente. Und diese Idee wurde in den letzten hundert Jahren ja in zahlreichen Freilandversuchen ausgiebig auf ihre Praxistauglichkeit hin überprüft. Für die Beantwortung der Frage, ob man das Resultat eher als gut oder böse bezeichnen würde, geben vielleicht die zig Millionen Leichen einen Anhaltspunkt, die in sowjetischen Gulags, auf den kambodschanischen killing fields oder in den Massengräbern chinesischer Umerziehungslager verscharrt wurden. Ein weiteres Indiz könnten auch die verzweifelten Hilferufe der Menschen liefern, die in ihrem aussichtslosen Kampf um Freiheit auf den Straßen Ostberlins, Budapests, Prags oder Pekings die "freie Welt" um Unterstützung anbettelten bevor die Panzerraupen der nationalen "Volks"armee oder der "Volksbefreiungs"armee sie überrollten. Neu ist das Ganze leider ganz und garnicht, sondern immer und immer wieder durchexerziert.


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    Original geschrieben von Siemensanier


    Und da ist schnell mal die Keule des versagenden Sozialismus hervorgekramt.


    Was das "Versagen" des Sozialismus anbetrifft, so sollte es eigentlich nicht mehr nötig sein, darüber noch ein Wort zu verlieren, aber manche Leute haben scheinbar ein recht kurzes Gedächtnis. Ich frage mich allerdings, warum es ausnahmslos alle diese sozialistischen Arbeiterparadise nötig hatten, die eigene Bevölkerung mit Waffengewalt an der Flucht zu hindern wenn sie doch so erfolgreich waren. Das von deutschen Salonkommunisten dagegen so gerne beschworene Fabelwesen eines "demokratischen Sozialismus mit menschlichem Gesicht" hat in etwa den Seltenheitswert eines Einhorns.



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    Original geschrieben von Siemensanier

    Später bin ich auch nur deswegen zum Bund gegangen, um mir ein aussagefähiges eigenes Bild über diesen Verein machen zu können. Dieses praktische Studium blieb mir beim Sozialismus jedoch verwehrt.


    Eigentlich sollte man Dir dazu gratulieren, daß der Kelch dieser praktischen Erfahrung an Dir vorüber gegeangen ist. Aber offensichtlich wird man eben doch nur durch Schaden klug und muß sich erst eine blutige Nase holen (so es denn bei der Nase bleibt) bevor man etwas lernt.


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    Original geschrieben von Siemensanier

    Wer nicht bereit ist Neuerungen zu akzeptieren oder gar voranzutreiben kann sein Schaffen früher oder später im Museum betrachten. Und so ist es ebenfalls mit unserem Bildungswesen, um dann mal wieder zum Thema zurückzukehren.
    Denn so wie es im Moment läuft gehört es ins Museum, und zwar nicht als positiv Beispiel.


    Siemensanier


    Hierzu kann ich allerdings nur sagen, daß derjenige, der seine Geschichte vergißt, dazu verdammt ist, sie zu wiederholen.

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    Original geschrieben von Siemensanier

    Ich mache nicht alle gleich, denn dieses würde bedeuten ein Jahrgang, eine Klasse eine Leistungsstufe. Was zwar sicherlich am "Ausgabenfreundlichsten" aber gleichzeitig völliger quatsch wäre. Aber es muß erlaubt sein, über eine Leistungsgliederung nachzudenken, die nicht auf der Basis vom Alter und somit Klasse, sondern auf Basis von Leistungsvermögen eines jeden einzelnen aufbaut. Und dies sogar ohne Ehrenrunden. Wie ich jeden einzelnden zur Leistungserbringung motiviere ist eine andere Frage.



    Siemensanier


    Darüber, daß es in Deutschland in der Bildungspolitik nicht darauf ankommen darf, was das Kostengünstigste ist, besteht zwischen uns sicherlich kein Dissens. Wogegen ich mich wehre, ist der Versuch, aus der Schule Leistungsdruck und Wettbewerb vollständig verbannen zu wollen. Wo sonst sollten Kinder und Jugendliche lernen damit umzugehen. Damit will ich durchaus nicht reinen Paukschulen nach japanischem Muster das Wort reden. Aber solide Wissensvermittlung zumindest in solchen elementar wichtigen Fächern wie Deutsch, Mathematik und Englisch muß ganz klar im Vordergrund stehen. Ohne diese kann man heute in kaum einem Beruf mehr bestehen.
    Und es hilft leider auch nicht darauf zu achten, wie sehr sich jemand angestrengt, wie Du es weiter oben angeregt hast. Denn das will später niemand mehr wissen. Späteststens im Berufsleben zählt nicht mehr das subjektive Bemühen, sondern ausschließlich das objektive Ergebnisse. Es hilft den Heranwachsenden nichts, wenn man sie bis zum Abitur oder besser noch bis zum Ende des Studiums vor der "harten Realität" beschützt, der Praxisschock ist anschließend nur um so härter. Ein gesundes Maß an Leistungsdruck muß es auch schon in der Schule geben, das ständige Herunterfahren der Anforderungen ist der gänzlich falsche Weg. Sonst endet es nämlich irgendwann wirklich so:


    http://www.kreb-dadi.de/unterh…download/PISA-Analyse.pdf

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    Original geschrieben von Martyn


    Was nützt es einem wenn man ein Abitur aus Bayern hat und alles weis, und einiges mehr weis (was man im Studium eh nicht braucht) aber auf dem Papier einen schlechteren Notendurchschnitt und deswegen beim Studium am NC scheitert, wärend jemand mit Abitur aus NRW zwar weniger weis, aber auf dem Papier nen besseren Notendurchschnitt hat und sich den Studienplatz krallt.


    Deswegen bräuchte man dringed ein Zentralabitur (und das gleiche für den mittleren Bildungsabschluss) das vom Niveau her in der goldenen Mitte liegen sollte.




    Ich bin ehrlich gesagt nicht mehr so genau informiert, wie es heute geregelt ist. Als ich angefangen habe zu studieren, gab es noch die ZVS (Zentralstelle für die Vergabe von Studienplätzen) und dort wurden die unterschiedlichen Abiturdurchschnittsnoten in den verschiedenen Bundesländern jedes Semester neu gewichtet. D.h. eine schlechtere Abiturnote etwa aus Bayern war soviel wert wie eine bessere aus Bremen. Insofern wurde dieser Punkt durchaus berücksichtigt.
    Und ich kann Dir aus eigener Erfahrung sagen, daß es Komilitonen aus den nördlichen Bundesländern z.B. in den Mathematikvorlesungen durchaus schwerer hatten als ich. Wenn Dich jemand mit Abitur z.B. ernsthaft fragt, was für ein seltsamer Haken denn eigentlich ein Integralzeichen ist, dann wunderst Du Dich schon ein bißchen. Etwas bessere Kenntnisse in Mathematik aber natürlich auch in anderen "Schlüßelfächern" wie z.B. Englisch bringen also durchaus etwas.
    Was das Zentalabitur betrifft, so kann ich Dir nur voll und ganz zustimmen, das ist einfach das Fairste. Um es bundesweit einzuführen, wäre es allerdings nötig auch die Lehrpläne bundesweit sehr eng abzustimmen, was angesichts der Bildungshoheit der Länder nicht ganz einfach sein dürfte. Auf Landesebene gibt es das Zentralabitur in Baden-Württemberg und Bayern übrigens schon immer.

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    Original geschrieben von <registered>
    Ich weiß nicht, schmidt3, ob man so schlüssig argumentieren kann.


    Die Einflussmöglichkeiten der Politik waren doch in der Praxis weit geringer, als Du das hier darstellst. Dafür spricht allein schon die große personelle Kontinuität an den Schulen. Oft genug kommt es vor, dass mehrere Generationen einer Familie dieselben Lehrer genießen. Es ist auch kein Geheimnis, dass Lehrpläne nicht immer umgesetzt werden (können).


    Ich finde, der Relativismus-Vorwurf greift hier zu kurz.


    Natürlich werden die Einflußmöglichkeiten der Politik kurz- und mittelfristig durch personelle Kontinuitäten beschränkt, aber mit rot-grün meinte ich durchaus nicht nur die gleichnamige Bundesregierung, sondern vor allem die gesellschaftlichen Gruppen, die diese erst ins Amt gebracht haben. Und da hat sich unter den Lehrern soziologisch wohl mehr verändert als in irgendeiner anderen Berufsgruppe in Deutschland. Während die deutsche Lehrerschaft bis noch in die 70er Jahre hinein, wenn auch nicht unbedingt politisch so doch meist wertkonservativ (Stichworte: Fleiß, Pünktlichkeit, Ordnung) orientiert war, dürften in heutigen Lehrerkollegien Anhänger der Grünen in sicherlich nicht weingen Fällen eine absolute Mehrheit darstellen. Als ich in den 80er Jahren in die Schule gegangen bin, fanden sich im Leherzimmer noch beide Gruppen, der kurz vor der Pensionierung stehende Mathematiklehrer im grauen Anzug und mit Schmissen im Gesicht genauso wie die nette junge Erdkundelehrerin in Jeans, die man Duzen durfte. Und natürlich waren uns Schülern die "lockeren" jüngeren Lehrer meist symphatischer als die autoritären älteren. Aber wenn ich mir im Nachhinein überlege, bei wem ich mehr gelernt habe und vor wem ich mehr Respekt hatte, dann ist diese Frage leicht zu beantworten. Beim Mathematiklehrer hatte ich jedenfalls meine Hausaufgaben immer gemacht und war meist auch leidlich vorbereitet wenn abgehört wurde, während man fehlende Aufgaben bei der netten jungen Dame durchaus mal überspielen konnte und notfalls eben nochmal eine Woche später mündlich geprüft wurde. Und Du kannst sicher sein, wenn einer von beiden mit seinem Lehrstoff durchgekommen ist, dann war das ebenfalls der Mathematiklehrer.
    Auch wenn man das als Jugendlicher selbst sicher anders sieht, Lehrer sind nicht dazu da, von ihren Schülern gemocht zu werden, sondern um ihnen etwas beizubringen und sich zumindest ein Minimum von Respekt zu verschaffen. Wenn man ihnen mit Noten und letztlich der Drohung des Sitzenbleibens noch den letzten Rest von Autorität rauben würde, wäre das aus meiner Sicht für alle Beteiligten fatal.

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    Original geschrieben von Siemensanier
    kapierst du eigentlich, warum durch die Medien immermehr Nachrichten von "vernachlässigten Kindern" / "Vätern die ihre gesamte Familie auslöschen" / " und ähnliche Horrormeldungen" laufen.


    Und das auch in BW und Bayern.


    Ich schweife leider vom Thema ab, kann es aber nicht fassen das angehende Wirtschaftslenker einfach nicht verstehen bzw. verstehn wollen dass es einen gesellschaftliche Umbruch gibt, indem die Gesellschaft wieder anfängt Leben zu kosten.


    Ganz abgesehen davon, daß ich weder "angehend" noch "Wirtschaftslenker" bin, kann ich nur feststellen, daß sich die von Dir erwähnten Horromeldungen signifikant auf die neuen Bundesländer konzentrieren, in denen der sozialistische Versuch der Erziehung eines "neuen Menschen" gründlich in die Hose gegangen ist.
    Allerdings muß ich Dir recht geben, daß wir Zeugen eines erschreckenden gesellschaftlichen Wandels sind, nämlich dem direkten Marsch in eine neue DDR de Luxe. In früheren Zeiten hat eine bildungsbürgerlichen Vorstellungen verpflichtete Pädagogik mit durchaus auch autoritären Methoden versucht, den Kindern gleichermaßen Wissen wie Werte zu vermitteln. Und ich bestreite überhaupt nicht, daß es auch hierbei Auswüchse gab. Die rötlich-grüne Schmusepädagogik, die seit einigen Jahrzehnten in den meisten deutschen Schulen vorherrscht, vermag mit ihrer wertfreien und relativistischen "Ich-bin-OK-Du bist-OK"-Haltung allerdings weder das eine noch das andere und reibt sich jetzt beim Anblick ihres gänzlichen Versagens verwundert die Augen. Davon brauchen wir wirklich nicht noch mehr.