Beiträge von schmidt3

    Ja, ja unser Bildungssystem ist furchtbar ungerecht und Leistungskontrollen oder gar Sitzenbleiben sind des Teufels. Am besten schaffen wir auch die Noten überhaupt gleich ganz ab und führen die verbindliche Einheits-Ganztags-Walldorfschule ein, wo sich alle im Kuschelunterricht ganz dolle lieb haben können. Das Abitur gibt es dann automatisch zum 18. Geburtstag zusammen mit dem SPD-Parteibuch. Ich vermute durch das Ausschalten jedes Elements von Konkurrenz oder gar "Leistungsdruck" werden die lieben Kleinen dann optimal aufs Leben vorbereitet.
    Es ist wirklich kein Wunder, daß in Bayern und Baden-Württemberg die Realschüler mehr auf dem Kasten haben als die Gymnasiasten in Bremen oder Berlin. Da ist man in der Bildungspolitk noch nicht ganz so sehr von egalitaristischer Realitätsathrophie angefressen. Ich würde den Egalitätsfetischisten hier im Forum ja gerne empfehlen "Geht doch nach drüben, wenn es euch hier nicht paßt", aber das dortige Großexperiment in Sachen Gleichmacherei auf niedrigem Niveau mußte ja aus Mangel an Beteiligung abgebrochen werden. Obwohl ich stark vermute, daß einigen hier die Idee, "bürgerliche Elemente" vom Studium auszuschließen und nur noch "Proletarierkinder" zuzulassen ganz gut gefallen würde. Wohin das dann allerdings führt, haben wir ja gesehen.


    Druschba


    (Die zum Gruß erhobene proletarische Faust müßt ihr euch dazudenken)


    Da liegst du ungefähr richtig, ich würde sagen, der im ALGII implizit enthaltene "Mindestlohnsatz" - denn erfahrungsgemäßarbeitet kaum jemand für bestimmtes Einkommen wenn er ohne zu arbeiten mehr vonm Staat bekommen kann - dürfte etwa auf diesem Niveau liegen. Der Regelsatz + Miete + Krankenkasse, dürfte je nach Region so bei 750-850€ liegen. Unterstellt man eine fiktive monatliche Arbeitszeit von 173 Stunden kommt man ungefähr auf einen impliziten Stundenlohn von 4,40-5,00€.


    Zum Bauhauptgewerbe fällt mir übrigens auch etwas ein. In meinem grob vereinfachten Modell, war die Annahme, daß der Preis des einzigen Konsumguts Getreide durch den Weltmarkt fixiert ist. Der G hatte keine Möglichkeit einen höheren Preis für sein Getreide zu bekommen. In der Realität ist das natürlich anders. Je nachdem, wie in der jeweiligen Branche die sogenannte Preiselastizität der Nachfrage ausfällt (die angibt wie um wieviel % die Nachfrage nach einem Gut sinkt, wenn sein Preis um 1% steigt) können Unternehmen ja durchaus Preiserhöhungen durchsetzen, wenn ihre Kosten (etwa über eine gesetzlich vorgeschrieben Lohnerhöhung) steigen. Ist die Nachfrage sehr preiselastisch, führt eine Preiserhöhung von einem Prozent dazu, daß die Nachfrage, die abgesetzte Menge der Unternehmen und damit auch die anzahl ihrer Beschäftigten um einen hohen Prozentsatz zurückgeht. Ist die Preiselastizitätder Nachfrage dagegen gering, führt ein 1%ige Preiserhöhung nur zu einem geringen Nachfragerückgang und damit zu einem relativ geringen Rüchgang der Beschäftigung. In allen Fällen, in denen diese Preiselastizität zwischen 0 und unendlich liegt (und das dürfte fast immer der Fall sein), wird eine Erhöhung der Produktionskosten durch eine gesetzliche Steigerung der Lohnsätze dazu führen, daß sowohl der Preis des Gutes steigt als auch seine Produtkionsmenge und damit die Beschäftigtenzahl zurückgeht. Je nach Preiselastizität überwiegt in der einen Branche der eine Effekt in der anderen der andere Effekt. Die Einführung eines gesetzlichen Mindestlohns hat deshalb in allen Branchen in denen der markträumende Lohnsatz unter dem Mindestlohn liegen die Folge, daß einerseits die Güterpreise steigen und andererseits die Beschäftigung sinkt. Das reale Sozialprodukt wird aber auf jeden Fall sinken, weil durch die geringere Beschäftigung in den betroffenen Sektoren weniger Güter und Dienstleistungen produziert werden, die am Schluß für den Konsum aller zur Verfügung stehen. Es ist am Ende einfach weniger da, was verteilt werden könnte. Das ist das Problem mit den Mindestlöhnen. Ob in Bauhauptgewerbe die Preiselastizität nun eher hoch oder eher niedrig ist, weiß ich nicht, das müßte man empirisch untersuchen. am prinzipiellen Effekt ändert das aber nichts. Und selbst wenn dort am ende vor allem die Preise steigen, erhöht das u.a. über steigende Mieten die Inflation und führt so bei allen zu einem sinkenden Realeinkommen.


    Außerdem soltest Du Dir überlegen, daß die Prognose des Wirtschaftswachstums, die sich naturgmäß auf die Zukunft bezieht, ungefähr so schwierig ist, wie das wetter in einem Jahr vorherzusagen. Unerwartete Ereignisse wie z.B ein Terroranschlag, ein Tsunami oder einfach ein verregneter Sommer haben da durchaus einen nicht zu unterschätzenden Einfluß. Einen markträumenden Lohnsatz zu bestimmen ist da deutlich einfacher, da sich die Fragestellung auf die Gegenwrt bezieht. Das allerschlauste ist allerdings, ihn garnicht zu ermitteln, sondern ihn sich am Markt bilden zu lassen.

    Pitter


    Dein Einwand mit den "Steuervermeidungsstrategien" ist äußerst sinnvoll und berechtigt. Ich möchte allerdings nur darauf hinweisen, daß die Finanzwissenschaftler (also die Ökonomen, die sich u.a. mit den Staatsfinanzen befassen) schon lange eine Vereinfachung und Vereinheitlichung des Steursystems verlangen, die solche Schlupflöcher stopfen soll und so der "Steuerflucht" Grenzen setzt. Was passiert, wenn sich solche Wissenschaftler in die Politik trauen und versuchen, vernünftige Reformen anzustoßen, hat man allerdings am Beispiel von Prof. Kirchhoff gesehen, der von der SPD unter Rückgriff auf billigste anti-akademische Ressentiments öffentlich abgekanzelt (oder sollte ich besser sagen von Schröder abgekanzlert) und von der CDU dann wie eine heiße Kartoffel fallengelassen wurde. Es ist ziemlich einfach, komplexe gesamtwirtschaftliche Reformvorhaben, die sich nun einmal von der Sache her nicht schnell in zwei Sätzen darlegen lassen, mit billiger Polemik und dem populären Rufen nach Mindestlöhnen abzuservieren. Wenn die Wähler darauf hereinfallen, dann dürfen sie sich allerdings nicht wundern, wenn unser Einkommensteuersystem nicht das Ergebnis sinnvoller sachverständiger Planung, sondern eines unberechenbaren Zusammenspiels der verschieden Lobby- und Partikularinteressen ist. Und die Zeche dafür muß dann tatsächlich der "kleine Mann" zahlen, der nicht die Möglichkeit hat Schlupflöcher auszunutzen.
    Aus ökonomischer Sicht ist übrigens nur dann etwas gegen Mindestlöhne einzuwenden, wenn sie zu hoch angesetzt sind und das sind sie in Deutschland mit 7,50€ oder gar 9€ sicherlich. Warum meinst Du, schlägt z.B. ein Fachmann wie Prof. Rürup, der die schädliche wirkung überhöhter Mindestlöhne sicher besser kennt als ich, einen Mindestlohn in Höhe von 4,50€ vor? Weil er weiß, daß ein Mindestlohn in dieser Höhe keinen allzu großen Schaden anrichtet und dafür als psychologisches Trostpflaster vielleicht schlimmeres verhindern kann.


    Um zu meinem Beispiel zurückzukehren: Nehmen wir an, daß sich der böse G einer Steuerzahlung vollständig entziehen könnte (Und du weißt so gut wie ich, daß die Unternehmen in Deutschland, viel mehr allerdings noch ihre Anteilseigner durchaus Steuern zahlen). Und nehmen wir weiterhin an, daß es keine Gewerkschaft gibt und der böse G. die Löhne auf einen niedrigeren Wert als 800€ zu zu senken versucht. Wäre dann die Einführung von Mindestlöhnen nötig? Nein, denn bis zu einem Lohnsatz von 799,99€ verdiient G auch noch an dem letzten Arbeiter. Es reicht also völlig, daß S allen Arbeitslosen eine ALGII von 799,98€ verspricht für den Fall, daß sie arbeitslos werden. Da unsere Arbeiter alle fleißig sind und nie auf die Idee kämen auf Kosten des Dorfes zu leben wenn sie auch arbeiten können, wird sich der Lohnsatz also bei 799,99€ oder sagen wir der Einfacheit halber 800€ einpendeln. Dann haben die Arbeitnehmer also jeder ein Einkommen von 800€.


    A: 800€
    B: 800€
    C: 800€
    D: 800€


    G: 2400€


    Die Einführung einer Mindestlohnes von 1200€ verbessert in diesem Extremfall (der die Situation in Deutschland allerdings nicht beschreibt) tatsächlich ihre Situation, allerdings nicht annähernd so, wie man das erwarten sollte. Das gesamte Lohnsumme steigt in diesem Fall auf 3600€. Die drei beschäftigten Arbeitnehmer A, B und C müssen dann allerdings den D ganz alleine "mit durchfüttern", denn G zahlt nach Deiner Annahme ja keine Steuern. Ihr Einkommen nach Steuern steigt dann auf 933€, also nur um 16,6% obwohl ihr Bruttolohn um 50% erhöht wurde. Der arbeitslose D erhält das ALGII in Höhe von 800€.


    A: 933€
    B: 933€
    C: 933€
    D: 800€


    G: 1200€


    Erstaunlicherweise, stellt sich G durch seine Steuerflucht garnicht so deutlich besser als im obigen Beispiel als er Steuern zahlt und dafür keinen -Mindestlohn zahlen mußte. S könnte jetzt auf die Idee kommen, dem G folgendes Geschäft vorzuschlagen: Komm Du aus Deiner Steuerosae zurück, dafür schaffe ich den Mindestlohn ab und führe eine moderate Einkommenssteuer von 40% ein, die ich über Kombilöhne an die Arbeitnehmer verteile. Dann werden alle vier Arbeitskräfte beschäftigt und man erhält folgende sekundäre Einkommensverteilung:


    A: 960€
    B: 960€
    C: 960€
    D: 960€


    G: 1440€


    Du siehst, durch eine moderate Einkommensbesteuerung läßt sich G durchaus von der Steuerflucht abhalten.


    Nehmen wir jetz aber einmal an, daß es dem G garnicht so sehr um seinen Gewinn geht, sondern daß er ein fanatischer Hasser "sozialer Gerechtigkeit" ist, der nur den armen Arbeitnehmern schaden will. so scheinen sich hier ja einige den durschnittlichen Arbeitgeber vorzustellen. Er bleibt also verbohrt in seiner Steueroase, S wird böse und beschließt noch mehr soziale Gerechtigkeit herzustellen, indem er die Mindestlöhne weiter erhöht, jetzt auf 1600€. G entläßt jetzt auch noch den C und entzieht sich weiter einer Steurzahlung. Die gesamte Lohnsumme sinkt jetzt allerdings überraschenderweise wieder auf 3200€ und alle Arbeitnehmer landen wieder in der Ausgangssituation mit 800€ Einkommen bzw. ALG II pro Kopf:


    A: 800€
    B: 800€
    C: 800€
    D: 800€


    G:400€


    Noch extremer wird es, wenn man die Mindestlöhne noch weiter erhöht, z.B. auf 2000€. Wenn der G. an den Golfclub verpachten kann, werden alle entlassen und wir haben das oben beschriebene Ergebnis. Aber selbst wenn er das nicht kann, wird er maximal noch den A beschäftigen und das Sozialprodukt sinkt auf 2000€.
    Das Pro-Kopf-Einkommen sinkt dadurch auf 500€ wenn G keine ALGII bekommt bzw. auf 400€, wenn auch er als Unternehmer darauf anspruch hat. Denn sein Gewinn beträgt jetzt gerade 0 und dann kommt er ganz sicher aus der Steueroase zurück.
    Da die meisten Arbeitgeber weder 100% ihres Gewinns an der Steuer vorbei schleußen können und meistens auch lieber ihre Gewinne maximieren als den Sozialstaat mit Absicht zu ruinieren, kann man als Gesamtergebnis festhalten, daß selbst bei der Möglichkeit von steuerflucht sinnvollere Wege zur Umverteilung gefunden werden können als Mindestlöhne.


    Gut, nehmen wir an, es gibt keine Gewerkschaft und G ist in der Lage, die Löhne für 75% seiner Arbeiter auf die Hälfte des Existenzminimums, also 400€ zu drücken.
    Jetzt kommt wieder S ins spiel und verteilt um. er hat wieder die Möglichkeit entweder Mindestlöhne plus ALGII für die Arbeitslosen einzusetzen oder eine Einkommenssteuer zu erheben undderen Aufkommen in form von kombilöhnen auf die Arbeitnehmer zu verteilen.


    Fall1: Mindestlohn + ALGII für Arbeitslose:


    Nehmen wir an, S legt den Mindestlohn auf 1200€ fest. Was passiert? D´s Wertgrenzproduktivität liegt wieder unter dem Mindestlohn und G entläßt ihn. Dann haben wir folgende primäre Einkommensverteilung:


    A: 1200€
    B: 1200€
    C: 1200€
    D: 0€


    G: 1200€


    In unserem Sozialstaat muß nun eine Einkommensteuer eingeführt werden um die 800€ ALG für D zu finanzieren. Der allgemeine Steuersatz der dafür nötig ist beträg 16,6%. Dies ergibt folgende sekundäre Einkommensverteilung:


    A: 1000€
    B: 1000€
    C: 1000€
    D: 800€


    G: 1000€


    Fall 2: Einkommensteuer und Kombilöhne


    Schön, damit ist da größte soziale Elend beseitigt. Jetzt die Alternative. S läßt die Mindestlöhne weg, alle akzeptieren den niedrigen Marktlohn und S erhebt stattdesseneine allgemeine Einkommenssteuer in höhe von 68,75%, die dazu führt, daß G den gleichen Gewinn macht wie bei Mindestlöhnen und ALGII. Das Steueraufkommen verteilt S dann gleichmäßig auf die Arbeitnehmer. Als sekundäre einkommensverteilung erhält man dann:


    A: 1337,5€
    B: 1087,5€
    C: 1087,5€
    D: 1087,5€


    G: 1000€


    Du siehst, auch hier ist eine Kombination aus Einkommenssteuern und Kombilöhnen einem Mix aus Mindestlöhnen und ALGII als Instrument der Einkommensumverteilung überlegen.


    Wie von amikaro80 ja bereits angemerkt, wird derartigen Fragestellungen tatsächlich eher in engstirnigen VWL-Vorlesungen nachgegangen. Das mit dem Praxisbezug ist natürlich immer so eine Sache. In engstirnigen Physik-Vorlesungen wird zum Beispiel häufig der folgende Zusammenhang diskutiert:


    F=-g(M1*M2)/r^2


    Das sieht auf den ersten Blick auch nicht so aus, als hätte es einen besonderen Praxisbezug. Spätestens aber, wenn es Dir einmal in den Sinn kommen sollte, vom Dach zu springen, wirst Du merken, daß dieser theoretische Zusammenhang auch in der Praxis ziemliche Relevanz besitzt und dabei auch vor Freidenkern wie Dir nicht halt macht. Es handelt sich nämlich um das Gravitationsgesetz.
    Ganz ähnlich verhält es sich mit wirtschaftspolitischen Grundzusammenhängen. Die kann man auch ignorieren, sollte dann allerdings auch damit rechnen, daß es irgendwann ein unsanftes Erwachen gibt.


    Was dieFrage betrifft, ob D mit dem schlimmen Rücken aus dem wirtschaftsprozeß herausgenommen werden sollte, so ist das keine ökonomische, sondern eher eine medizinische. Für den Ökonomen wäre dann eher wieder die Fragestellung interessant, wie man nach der Verrentung des D seinen Unterhalt finanziert.


    Die 200€ des Golfklub kommen von außerhalb, aus der großen Stadt (dem Weltmarkt). Dahin verkauft G auch sein Getreide.


    Wie die Golfspieler vor den verarmten Massen geschützt werden könnten ist ebenfalls kein ökonomisches Problem, sondern ein sicherheitstechnisches. Der Ökonom stellt sich eher die Frage, wie man das Wirtschaftssystem ausgestalten sollte um eben diese Verarmung effizient zu verhindern. Wie Du an meinem Beispiel erkennen konntest, sind Mindestlöhne eben kein effizientes Mittel um dieses Ziel zu erreichen.


    Die bestehenden Besitzverhältnisse an den Produktionsfaktoren werden von Ökonomen in der Regel als gegeben angenommen. Allenfalls die Wirtschaftsgeschichte als Randdisziplin der Wirtschaftswissenschaften beschäftigt sich mit dieser Frage. Die Verteilung des Eigentums an Produktionsmitteln ist für Ökonomen insofern nicht allzu interessant, da man durch geeignte staatliche Maßnahmen auch ohne eine Umverteilung der Produktionsfaktoren fast jede beliebige sekundäre Einkommensverteilung erreichen kann. Daß dem in der Praxis dann allerdings häufig politische und juristische Widerstände entgegenstehen, bestreite ich durchaus nicht. Prinzipiell interessiert Ökonomen die Fragestellung, welche personelle Einkommensverteilung eine Gessellschaft anstrebt, überhaupt nicht, sondern es wird angenommen, daß diese Frage politisch entschieden wird. Der Ökonom fragt sich dann, wie diese politisch angestrebte Einkommensverteilung möglich effizient umgesetzt werden kann.


    Ein "Gesetz von Angebot und Nachfrage" gibt es in den Wirtschaftswissenschaften nicht, das ist ein Ausdruck aus der Umgangssprache. Allerdings untersuchen Ökonomen die Fragestellung, wie sich im Zusammenwirken von Angebot und Nachfrage auf einem Markt ein Preis bildet und welche Gütermengen zu diesem Preis gehandelt werden. Und sie untersuchen auch, welche Wirkungen es hat, wenn ein Preis etwa staatlicherseits über oder unter seinem markträumenden Niveau festgesetzt wird. Ich verrate wohl nicht zuviel, daß diese Wirkungen i.d.R. nicht besonders wünschenswert sind. Deshalb sträuben sich den meisten Ökonomen bei den Worten Mindest- oder Höchstpreise einfach die Nackenhaare. Das gilt für den Arbeitsmarkt genauso wie für jeden anderen Markt.
    Was den Getreidepreis betrifft, so wird der nicht etwa von den Dorfbewohnern garantiert, sondern ich bin davon ausgegangen, daß er sich in der von mir beschriebenen Höhe am Weltmarkt gebildet hat und daß unser Dorf viel zu klein ist, um durch seine eigenen Produktionsentscheidungen auf diesen Weltmarktpreis Einfluß zu nehmen. In der Analyse "kleiner" offener Volkswirtschaften ist dies eine Standartannahme der Wirtschaftswissenschaften. Die Untersuchung "großer" Volkswirtschaften, die definitionsgemäß in der Lage sind, den Weltmarktpreis zu beeinflussen ist, ungleich komplexer und würde hier tatsächlich den Rahmen sprengen.



    Es ist leider ein Irrtum zu glauben, daß die Arbeitnehmer in Branchen, in denen nicht handelbare Güter wie die von dir genannten Dienstleistungen produziert werden nicht unter internationalem Konkurrenzdruck stünden. Das läuft dann nicht über die Güter sondern über die Faktormärkte. Solange einige Branchen unter internationalen Konkurrenzdruck auf den Gütermärkten stehen tun das über die Arbeits- und Kapitalmärkte alle Branchen. Ein Beispiel: Angenommen durch Billigkonkurrenz aus China würde die deutsche Automobilindustrie schrumpfen und müßte Leute entlassen. Die würden dann versuchen in anderen Bereichen, z.B. eben auch im Dienstleistungssektor Arbeit zu finden und durch das vergrößerte angebot an arbeitskräften würden dann auch dort tendenziell die Löhne sinken. Du siehst also daß Dein einwand nicht stichhaltig ist.


    Was Dein politökonomisches Beispiel mit der Lobbyarbeit von G angeht, so dürfte das gerade im vorliegenden Beispiel eben auch nicht ziehen. Denn S will ja wiedergewählt werden und A,B,C,D sind vier und S nur einer. Seine Drohung würde deshalb nicht ziehen, weil boden kein mobiler Faktor ist. G kann ihn nicht mit ins Ausland nehmen. Deshalb bleibt ihm im vorliegenden Fall garnichts weiter übrig, als weiterhin seine Zielgrößezu maximieren, egal wie hoch sie besteuert wird. Ein Ende ist erst dann ertreicht, wenn sein Gewinn unter die Schwelle von 200€ fällt. Auch für Grund und boden gibt es meist noch irgendeine alternative und nicht-produktive Verwendung. Allerdings gebe ich Dir recht, daß durch die Globalisierung die Situation wenig-mobiler Produktionsfaktoren (wie Land und mit Einschränkungen Arbeitskraft) gegenüber international mobileren (Finanz- aber auch Real- und Humankapital) deutlich verschlechtert wird.

    Zitat

    Original geschrieben von wswasser
    Ich staune immer wieder, warum gerade in Deutschland mit einer Ausdauer alles abgeschmettert wird. Dieses rechenbeispiel ist schön, keine Frage. Wenn man das aus Sicht der Gegner sieht, die die Angst vor Entlassungen hervorrufen wollen. Aber alle Argumente sind widerlegt, betrachtet man andere Länder, sieht sich seriöse Studien dazu an.


    http://www.heise.de/tp/r4/artikel/24/24595/1.html


    Tut mir leid, dieser Artikel ist reine Propaganda, wie Dir allein schon der Link zur ver.di-Seite(!) zeigen sollte und bestimmt keine "seriöse Studie". Fast alle ernsthaften Studien zeigen viel mehr, daß die Einführung von Mindestlöhnen bestensfalls keinen Einfluß auf die Beschäftigung haben, nämlich dann wenn sie entsprechend niedrig angesetzt werden. ansonsten kosten mindestlöhne arbeitsplätze. daß diese Wirkung durch die gleichzeitige radikale Abschaffung von Kündigungsschutzbestimmungen wie in England und den Niederlanden sowie durch eine boomende Wirtschaft (wie in GB zu dieser Zeit) abgedämpft werden können, bestreitet übrigens auch keiner. als isolierte Maßnahme haben Mindestlöhne allerdings bestenfalls garkeine wirkung auf die Beschäftigung (und dann aber auch nicht auf die Marktlöhne).

    Zitat

    Original geschrieben von wswasser
    Dann wirst Du mir sicherlich auch gleich sagen können, wie die Herrschaften auf diesem Markt die Milchpreise mal eben anziehen konnten.


    Wenn ich schreibe, der Weltmarktpreis sei fest, dann wollte ich nur sagen, daß er nicht von den Entscheidungen des G abhängig ist, daß G eine zu kleine Nummer ist, um durch seine Entscheidungen den weltmarktpreis zu beeinflußen. Daß sich der weltmarktpreis durch exogene Einflüsse, in vorliegenden Fall durch einen Nachfrageanstieg in Asien durchaus ändern kann habe ich nie bestritten.

    Zitat

    Original geschrieben von wswasser
    Macht doch nix. Der G wird sein Feld abernten lassen, auch mit Mindestlohn, da sich die Preise für den Endverbraucher erhöhen werden, da diese an diesen weitergegeben werden und er somit seinem Abnehmer mehr berechnen wird. Ebenso wird das Wohnungsputzen teurer, der Wachschutz. Und mal ehrlich, wen interessiert, ob der Brief 5 Cent teurer wird, weil der Briefträger statt 5 Euro nun 7 bekommt?


    Nein, das wird er eben nicht. Er wird um seinen Gewinn zu maximieren eben je nach Höhe des Mindestlohnes nur noch drei, zwei oder gar niur einen Arbeiter einsetzen und damit weniger Getreide erzeugen. Der Preis kann annahmegemäß nicht steigen, da er durch den Weltmarktpreis vorgegeben ist.
    Aber selbst in einer geschlossenen Volkswirtschaft ohne Außenhandel wäre Deine Argumentation Unsinn, da G dann (ohne festen Weltmarktpreis) bei einer Verdoppelung seiner Kosten durch eine Einführung etwa des Mindestlohnes von 1600€ seine Preise auch auf 20€/Zentner erhöhen würde. Real würde sich dadurch für die Arbeitnehmer nichts ändern, sie könnten immer noch genau 80 Zentner Getreide (hier ja das einzige Konsumgut) von ihrem Einkommen kaufen.
    Es geht eben nicht nur um den einen Brief, wenn alle Güter um 10% teurer werden, ist das den meisten nicht mehr egal.

    Seitz:


    Selbst wenn der G soviel Verhandlungsmacht hätte, daß es ihm in den Tarifverhandlungen gelingen würde, die Lohnsätze auf 100€ zu drücken, ließe sich dies durch eine geeignete Erinkommensbesteuerung wieder beheben. Dann müßte eben der Einkommenssteuersatz entsprechend angehoben werden. Das Grundargument bleibt, daß man nur den Lohnsatz nicht "künstlich" so erhöhen darf, daß es sich aus Sicht des G. nicht mehr lohnt alle Arbeitnehmer zu beschäftigen, wenn er seine Zielgröße nämlich seinen Gewinn maximieren will. Solange alle beschäftigt sind und zwar unabhängig vom Lohn, wird der Wert des Sozialproduktes (der Getreideproduktion) maximiert und damit der Geldbetrag der über Steuern umverteilt werden kann.
    Es wäre übrigens völlig egal, wenn man einen Mindestlohn von 800€ oder weniger einführen würde, das hätte in diesem Beispiel überhaupt keine Wirkung. Der Mindestlohn darf nur nicht oberhalb des markträumenden Lohns liegen, da der Marktprozeß sonst so gestört wird, daß Ressourcen (d.h. hier Arbeitskräfte) nicht eingesetzt werden.