ZitatAlles anzeigenOriginal geschrieben von DUSA-2772
- Ich weiß gar nicht, was alle haben: im AT-Bereich ist die 40-Std.-Woche doch schon gang und gebe. Egal was im Vertrag steht, unter ~44 Std. gehen da die wenigsten nach Hause.
Ausbezahlt werden diese "Überstunden" in den meisten Fällen wenn überhaupt erst ab der 45. Stunde, oder (andere Variante) dürfen abgefeiert werden. Nur das Abfeiern klappt nicht, weil man am Arbeitsplatz gebraucht wird und gar nicht weg kann. Im Jahresrhythmus werden die (nicht abgefeierten) Überstunden dann wieder auf Null gesetzt, damit es nicht so auffällt.
- "So wie das Industriezeitalter die Sklaverei und Frohnarbeit abgeschafft hat, schafft das Kommunikationszeitalter die Vollbeschäftigung ab."
Oder in anderen Worten: wenn alle mal ehrlich wären und nicht auf Wählerstimmen (Parteien) oder Image (Unternehmen / Gewerkschaften) schielen: die Vollbeschäftigung wird es nicht mehr geben, Punkt. Sie ist eine Illusion aus der Vergangenheit. Viel eher ist es so, dass in Deutschland die bald 5 Millionen Arbeitslosen nicht mehr gebraucht werden. Genausowenig wie die ganzen Frauen, die nicht in der Statistik auftauchen, weil sie mit dem spätestens zweiten Kind als Heimchen hinterm Herd verschwinden.
- Seit ich die Tarifverhandlungen verfolge (ca. Anfang der Achziger) höre ich von beiden Seiten das selbe. Es ist ein Ritual. Und wenn man es sich im Längsschnitt betrachtet bezweifle ich, dass in den "guten" Jahren die Lohnerhöhungen so viel besser ausgefallen sind wie (akutell) in den "schlechten" Jahren.
- Zum Glück für die ganzen Betriebswirte und Controller lässt sich zwar Arbeitszeit und Stückzahl pro Zeiteinheit genaustens statistisch erfassen, aber nicht die "weichen Faktoren" wie Arbeitszufriedenheit, Organizational Citizenship Behavior, Commitment, Motivation, usw. Und vor allem auch: Führungsleistung. Würden nicht immer wieder die größten Pfeifen in den Führungspositionen hocken, wäre die Produktivität vielerorts um einiges höher anstatt in Reibereien und Machtspielchen zu verpuffen. Aber wie gesagt: zum Glück lässt sich das nicht genau messen, von daher gibt es keinen Anlass was zu ändern...
- Lohnnebenkosten: dass die zu hoch sind, wird auch schon seit Jahren lamentiert. Es kommt ein Reförmchen nach dem nächsten, bringen tun sie gar nix. Wegen mir können sie den Anteil der Rentenversicherung bei mir komplett streichen, denn sind wir mal realistisch: bis ich in ca. 35 Jahren aus dem Job ausscheide, sehe ich von dem was ich eingezahlt habe vielleicht noch ein paar Cent. Wissen tun das alle, aber die Devise von Nobbi Blühm wird noch immer ausgegeben: "Die Renten sind sicher!". Ja nee, iss klar. Alle Länder bis auf unseres haben es längst geschafft, die Sache in ein 3-Säulen-Modell umzubasteln, wo die Unternehmen entlastet werden.
- Stichwort Verwaltung: wenn man sich anguckt, wie viel Geld die Verwaltung der Arbeitnehmer kostet, fragt man sich eh, warum ein Unternehmen überhaupt noch wen beschäftigt. Der gesamte Verwaltungsapparat mit all den Sesselfurzern, Bedenkenträgern und Paragraphenjungeln in diesem Land gehört nicht "verschlimmbessert" (wie es alle Parteien seit Jahren versprechen), sondern komplett zerschlagen und von Null neu aufgebaut. Es kann nicht angehen, dass man ab 10 Leuten im Grunde ne Personalabteilung braucht, die nur damit beschäftigt ist, Formulare für zig Ämter und die Steuer auszufüllen.
- Globalisierung bedeutet immer mehr, global zu denken und entsprechend lokal zu handeln. Davon reden macht jeder, sich wirklich damit auseinandersetzen macht (fast) keiner. Natürlich kann ich ein Auto in Tschechien oder Polen um einiges günstiger produzieren als hier in Deutschland. Selbst mit den Transportkosten würde sich das vermutlich noch rechnen. Wenn also vieles an Arbeit im Osten oder Asien für ein Bruchteil der Kosten erledigt werden kann, wird es Zeit, dass wir uns überlegen, was wir hier zum "Weltwirtschaftswachstum" noch beitragen können. Und dank einer seit Jahren zerstrittenen Bildungspolitik und kein Geld dafür sehe ich da für die Zukunft ziemlich schwarz...
- Was allerdings auch unbestritten ist: die Unternehmen ziehen sich immer mehr aus der sozialen Verantwortung.
Dank geschickter Firmenstrukturen werden Subventionen oder andere Vergünstigungen gerne angenommen, die Gewinne aber auf die Briefkastenniederlassung in Tuvalu verlagert. Eben dahin, wo ich aktuell die wenigsten Steuern zahlen muss. Das ist kein deutsches, sondern ein globales Problem. Entsprechend müsste man sich da Länderübergreifend einigen - was ja aber schon innerhalb der EU scheitert...
Inzwischen geht es rein um die Maximierung des shareholder value und der Rest verkommt zu "human resources" oder "human assets" die man auf dem Papier nach Belieben hin und herschiebt.
Soweit erstmal, was mir dazu einfällt.
Und ach ja: bevor jetzt der nächste kommt und mit Politik anfängt von wegen "ja, hätten wir bloß nicht mehr die roten sondern die schwarzen an der Regierung": wovon träumt ihr nachts? Die sind genauso ideenlos und zerstritten wie alle anderen auch. Von daher lassen wir das Thema besser
Die Analyse finde ich wirklich richtig gut.
Ich denke auch das eine Erhöhung der nominellen Arbeitszeit absolut der falsche Weg ist. Denn wenn es nötig ist, erlauben auch die jetzigen Tarifverträge schon Abweichungen. Und noch mehr arbeiten, wäre imho weder für die Konsumenten noch für die Arbeitsmarktlage förderlich. Stattdessen sollte man eher versuchen, z.B. Schulabgänger zu höheren Schulabschlüssen zu motivieren. In Europa wird man in Zukunft wahrscheinlich eher Arbeitensplätze im gehobenen Dienstleisterbereich, Developerbereicht, Rechtsberatungsbreich haben. Arbeitsplätze im Produktionsbreich und unteren Dienstleistungsbereich, werden einfach tendenziell ins Ausland verlagert. Aber wenn man bei der man darauf richtig reagieren würde, kann man sicher hier auch wirtschaftlich überleben. Ausserdem kann man durch eine länger Schulbildung die Lebensarbeitszeit senken, ohne das die Wochenarbeitszeit innerhalb eines Unternehmens zurückgehen würde. Und da denke ich z.B. das das G12 genau der falsche Weg ist. Wer der Industrie blind vertraut, die 40 Stundenwoche vertritt, und noch freiwillig in den gewerblichen Bereich geht, der begeht imho wirtschaftlichen Selbstmord über den Weg der Leibeigenschaft.
Das mit dem Controlling kann ich auch bestätigen. Aber ich muss auch dafür sprechen, nicht ständig über Betriebswirte und Controller zu schimpfen. Die meisten tun wirklich ihr Bestes, aber beste Controller kann nichts anderes machen, wenn sich die Geschäftsleitung anders entscheidet, weil sie vieles zu kurzfristig sieht. Im Controlling wird schon auch vieles vorausgesehen, aber in anderen Abteilungen, auch z.B. in der Produktion verläuft es sich dann. Manchmal sind auch die Leute dort schuld, indem sie Angebote einfach nicht annehmen, und zuwenig eigenverantwortlich handeln. Wenn z.B. die Arbeiter sich auch wo wie die Controller mit dem Unternehmen beschäftigen würden, könnte man viel Verschwendungen eher erkennen und darauf reagieren.