Zitat
Original geschrieben von ocb
Ich würde Eigentum nur noch dann empfehlen, wenn mans gleich Cash bezahlen könnte. Als Sicherung fürs Alter lohnt es nicht und bis man endlich alt ist ist das Risiko einfach zu groß, dass man mit dem Abzahlen einer Immobilie eingehen würde.
Cash ist steuerlicher Selbstmord. Eigennutzung ebenso! Ich habe mehrere Häuser und wohne trotzdem zur Miete (bei einem Freund).
Einen Kredit zusätzlich zur Steinkiste z.B. mit einem Wertpapierdepot zu unterfüttern um die Zinsen zu drücken ist dagegen IMHO optimal.
Wieso bringen die Leute nur immer Alter und Immobilie in einen Zusammenhang??? Derzeit brauche ich mit 2 Kindern und Frauchen mindestens 100 m². In 7 Jahren, wenn die Große geht ist schon ein Zimmer übrig. 5 Jahre später das 2. Kinderzimmer. Warum soll ich mich also für den Lebensabend mit einer 120 m²-Immobilie behängen, in der ich dann mit meinem Frauchen Verstecken spiele und 50 % der Rente fürs heizen brauche?!
Man beachte, dass der deutsche Immobilienmarkt eigentlich kein richtig funktionsfähiger Markt ist und man erfahrungsgemäß für Einfamilienhäuser außerhalb der topp Lagen kaum noch Wertsteigerungspotential unterstellen sollte.
Beim Thema Immobilie sollte man die Demografie nicht unterschätzen. Und dies ist keineswegs nur ein Ostproblem! Wer sich eine Wohnung/ein Haus zulegen will, sollte schon Geduld und genaue Marktkenntnis mitbringen. Vom Makler, Bauträger etc. zu kaufen ist IMHO tunlichst zu vermeiden. Schließlich kalkulieren z.B. Bauträger im Schnitt 30 % Gewinn.
Außerdem sollte man beachten, dass es bei Immobilien, wenn auch abgedroschen immer nur auf Lage, Lage, Lage ankommt und man sich von guten Preisen in schlechten Lagen nicht täuschen lassen sollte. Erfahrungsgemäß sind Immobilien immobil, so das ein Transport von Billig-Cottbus nach Teuer-München ausfällt. Und, Hand aufs Herz, hat man nicht die Taschen voll Cash, sollte man die Pfoten von Häusern lassen!
Wohnungen würde ich niemals kaufen, da ich von Immobilien, bei denen die Außenwände einer Gemeinschaft gehören einfach nichts halte. In Bezug auf Reparaturen, Umbauten etc. bin ich definitiv demokratieunfähig! Meine Meinung!
Nur so als Anregung: Die Sanierung einer heruntergekommenen Bestandsimmobilie, die zu 150 - 200 €/m² zu erweben ist, kalkuliere ich im Mittel mit maximalen 450 - 550.- €/m² für einen mittleren Standard. Somit habe ich Einstandskosten von im worst case ca. 800.- €/m². Schaue ich mir die Annoncen der Profiverkäufer mit deutlich jenseits der 1200 €/m² für mittlere Ausstattungen und Lagen an, frage ich mich, wer da noch wieviel Rendite machen kann?!
Vorsicht ebenso vor Kaufpreisen im Bereich des Verkehrswertes. Ich habe vor kurzem ein Haus (500 m² Wohnfläche, 5 Wohneinheiten) erstanden, dessen Verkehrswert bei 500 T€ lag. Der Eigentümer war insolvent und die Bank hat die Kiste (Baujahr 1996, Ostdeutsche Kleinstadt, Zentrumslage) für 150 T€ raus gehauen (300 €/m² bei 5 €/m² Kaltmiete!!!). Jeder kann selbst rechnen, wieviel Miete ich brauche um den Kredit zu bedienen bzw. wieviel Leerstand man tolerieren könnte. Für solche Kisten braucht man aber Kontakte zu Banken, offene Augen und Bargeld! Scheiß auf Kredite, Banken werden IMHO erst zutraulich, wenn man denen klar machen kann, dass man sie eigentlich nicht braucht, sondern nur als Steuervehikel nutzen will...
TT ist IMHO außerdem die falsche Plattform für derlei Dinge. Hier ist das Handyschnäppchenparadies und keine fundierte Beratung zu Immobilienkäufen bzw. Lebensplanungen.
Man könnte hier noch Seiten über Seiten füllen. Eins vielleicht noch:
In die Kaltmiete sollte man mindestens 1.- €/m² und Monat als Instandhaltungsrücklage einkalkulieren. Alles andere ist Schönfärberei.