Es ist schade, wie Argumente und Polemik durcheinandergeworfen werden.
Man sollte feststellen:
- In Deutschland gibt es prozentual deutlich weniger Verkehrstote als in den USA, dem Land mit dem strengsten (und ausgesprochenermaßen lächerlichen) Tempolimit.
- Auf Autobahnen passiert beträchtlich weniger als auf Landstraßen, wobei wiederum Hochgeschwindigkeitsunfälle höchst selten sind. Häufiger sind Unaufmerksamkeiten die Ursache, oder die Stauende-Problematik mit LKWs.
- Niemand wird gezwungen, schneller als 130 zu fahren. Es gibt 2 oder 3 Fahrspuren. Außerdem wird niemand, der vglw. langsam fährt, mit den Fahrzeugen links in Konflikt kommen.
- Turbo-Rolf (bescheuerter Name, der CL600 besitzt einen normalen V12-Saugmotor) ist ein völlig ungeeigneter Anstoß für eine Tempolimit-Diskussion, weil sein Fall mit dem Thema schlicht NICHTS zu tun hat.
- Das A2-Argument ist blanke Polemik, es zeigt nur, daß auf der meistbefahrenen Ost-West-Achse Europas aufgrund von Verkehrsdichte und Streckenführung ein Tempolimit überfällig war. Ich kenne die A2 und sie war außer an Sonntagen immer schon extrem unangenehm zu fahren. Hat aber gar nichts damit zu tun, ob man auf gut ausgebauten und freien Strecken schnell fahren können dürfen sollte oder nicht.
Ich bestreite nicht, daß Tempolimits häufig notwendig sind. MANCHMAL SIND SIE ES ABER EBEN AUCH NICHT!!! (Das ist das erste Mal, daß ich bei TT schreie.)
- Hohes Tempo setzt angemessene Rahmenbedingungen voraus, wer trotz Verkehrsdichte oder äußeren Bedingungen wirklich schnell fährt, macht sich schuldig.
- Drängeleien und Rücksichtslosigkeiten bis hin zur Gefährdung anderer Verkehrsteilnehmer haben nichts mit dem Tempolimit zu tun, sie treten von der Innenstadt bis hin zur Autobahn auf. Bei 50 wird genauso gedrängelt wie bei 130 oder 160.
- Drängler, Raser (!) und Rücksichtslose halten sich nicht an Tempolimits - den Gefallen tun sie uns leider nicht. So wenig an generelle wie an streckengebundene, so wenig an den Mindestabstand wie an den Nötigungsparagraphen. Allerdings existieren schon lange rechtliche Regelungen, um auch ohne generelles Tempolimit solchen Leuten das Handwerk zu legen.
- Durch die Einführung von Fahrsicherheitstrainings für Führerscheinneulinge würde sich die Zahl der Verkehrstoten zusammenfalten lassen wie ein Pappkarton. Wie man reagiert, wenn das Fahrzeug im richtigen Leben nicht so reagiert wie man möchte, lernt man nur auf vielen gefahrenen km, oder in Grundzügen richtig vom Fachmann. Woher sollen die ganzen Leute auch in widrigen Situationen richtig fahren können, wenn sie den Führerschein (überspitzt gesagt) nach ein paar Runden durch die Innenstadt bekommen haben? (Brücke zu Saug-V12-Rolf: Hätte ich oder viele von uns in betreffendem Kia gesessen, wäre es zu keinem tödlichen Unfall gekommen).
- Unpopuläre Maßnahmen befriedigen einen perfiden Selbsthaß. Aber merke: Nicht jede Gängelung ist notwendig.
Zum Schluß nochmals Kompliment an JoPi,
Zitat...ich erlebe extrem selten wirklich rücksichtlose Raser. So selten, daß ich glaube, diese Leute würden auch bei 130 als Limit darauf keine Rücksicht nehmen.
möchte ich unterschreiben und doppelt unterstreichen.
An alle, die sich trotzdem bei normalem Verhalten gerne selbst kriminalisieren möchten: denkt eucht bescheuerte religiöse Vorschriften aus ![]()
Gruß
Benedikt