"Turbo-Rolf" muss nicht ins Gefängnis

  • Zitat

    Original geschrieben von BigBlue007
    ...Solange wir keines haben, solange haben wir keines. Und so lange darf man 250 fahren, wenns die Piste hergibt. Und so lange ist jemand (oder SOLLTE auf jeden Fall) erheblich teilschuldig, wenn er 120 fährt, sich durch einen Spurwechsel vor einen mit 250 heranfahrenden Fahrer setzt und dann vor Lauter Schreck das Lenkrad verreisst.
    ...


    Na also, da haben wir's doch. Die 250 kann man halt nur fahren "wenns die Piste hergibt". Verkehrsrechtlich heißt das "optimale Verkehrs-, Umwelt-, Fahrzeug-, Straßen- und Teilnehmerbedingungen." Und dies dürfte sehr selten der Fall sein. Wenn ich als Fahrzeugführer vor mir ein Auto sehe, das erheblich langsamer fährt als ich (was hier offensichlich vorlag) muß ich eben meine Geschwindigkeit verringern. Und der Spurwechsel vor den Angeklagten fand AFAIK nicht statt. Also wollen wir mal hier niemandem was unterstellen.


    Grüße Rabb :)

    Das Bessere ist der Feind des Guten.

  • Bezüglich des Urteils habe ich jedenfalls immer noch ein ganz komisches Gefühl im Magen.


    Ich will die Unabhängigkeit unserer Gerichte ja keinesfalls in Frage stellen, aber der öffentliche Druck und die in meinen Augen recht einseitige Berichterstattung der Medien über den Fall läßt bei mir in dem Zusammenhang ein ganz übles Gefühl in der Magengegend zurück.


    Ich selber habe es leider auch schon erlebt, wie schnell der eigentlich vorhandene Sicherheitsabstand plötzlich weg ist, wenn mir jemand in die Lücke zieht, die ich bei 220 gelassen habe....


    Außerdem, was mir ganz übel im Magen liegt : Ich kann von mir selbst behauptem, ich
    hätte nichts bemerkt in der Situation - wenn ich auf ein langsameres Fahrezug auffahre, das langsame Fahrzeug nach rechts zieht und ich wieder Gas gebe bin ich in dem Geschwindigkeitsbereich 200 + normalerweise so schnell weg, daß ich gar nicht mehr mitbekomme, was da hinter mir passiert.


    Aber um mich aus der Ecke des Rasers herauszustellen : Ich befürworte ein Tempolimit.
    130 sind durchaus schnell genug.

  • Zitat

    Original geschrieben von uwm


    Aber um mich aus der Ecke des Rasers herauszustellen : Ich befürworte ein Tempolimit.
    130 sind durchaus schnell genug.


    Bin in letzter Zeit öfters in den Benelux Ländern unterwegs gewesen. Bekanntlich ist dort ein Tempolimit von 120 auf Autobahnen. Es klappt wesentlich besser als hier. Dort fahren übrigens fast alle Autos rechts und nur zum Überholen wird ausgeschert. Hat mir gut gefallen. Aber schon weit vor der Grenze zu Deutschland ziehen die meisten Autofahrer nach links rüber (jaja ich ja auch) und das alte Spiel ist wieder angesagt. Ein Tempolimit wäre bei unser wesentlich höheren Verkehrsdichte eigentlich erst recht angebracht.


    Was mir auch noch auffiel das der Wagen bei 120-130 km/h fast nichts verbraucht. Die Tanknadel bewegte sich fast garnicht.


    Ich finde die "Turbo-Rolf" Geschichte sollte jetzt verstärkt zu einer Tempolimit-Debatte in Deutschland führen. 120 ist vielleicht etwas langsam, 160 als Höchstlimit würde ich begrüßen.

  • Das wäre sehr zu begrüßen, dass eine solche Diskussion geführt wird. Allerdings ist ja bereits klar, dass das nicht der Fall ist. Es wäre den Medien (und auch den Politikern) ja ein Leichtes gewesen, das Thema im Zusammenhang mit diesem Vorfall zu thematisieren. Dies ist nicht passiert, womit klar ist, dass wir das vergessen können.


    Gleichzeitig halte ich es für mehr als bedenklich, dass ein zum Exempel statuierter Fall bzw. ein Verurteilter quasi als Katalysator für eine solche gesellschaftliche Diskussion herhalten müsste (wenns denn so gekommen wäre). In diesem Zusammenhang habe ich dieselben Befürchtungen wie uwm.

    Ist das eine von den Kirchen, wo man so kleine Cracker kriegt? Ich habe Hunger!

  • War auch die einzig richtige Sache jetzt in Revision zu gehen! Da beschäftigen sich mal Richter, die zur creme de la creme gehören mit dem Fall. Mal sehen, ob die auch so urteilen!


    Zunächst, bei Testfahrten hat es die Polizei mit ähnlich PS-starken Fahrzeugen nie geschafft die Strecke in 29 min bis zur Unfallstelle zu schaffen, sondern das niedrigste waren 41 min. Wäre für mich schon ein Grund in dubio pro reo für den Angeklagten auf Freispruch zu entscheiden..... Und was andere Kollegen von ihm von wegen "Turbo" Rolf usw. sagen, ist völlig irrelevant... er mag ein Raser sein, aber wenn einer Stein und Bein schwört, er war es nicht, trotz des enormen öffentlichen Drucks... dann glaube ich ihm mehr (Was aber nichts zur Sache tut, denn die 29 min. sind einfach nicht wegzudiskutieren..)
    Als nächstes hat man keine Berührungsspuren am Fahrzeug gefunden, kein Zeuge hat ein Kennzeichen erkannt... usw. Es geht hier schlicht um Beruhigung des Volkszorns, dass eben die Frau und das Kind gestorben ist... Und wehe, man könnte den "Mörder" nicht finden... wie groß wäre das Geschrei?? Es wird jemand "eiskalt" auf der Bahn gekillt und keiner kann verantwortlich gemacht werden! Sein Chef ist übrigens 21 min. vor Ihm losgefahren und die gleiche Strecke gefahren...


    Mal nur zum Nachdenken:
    Es ist bisher recht selten vorgekommen, dass jemand das Steuer derart rumgerissen hat und so von der Strasse abgeflogen ist... Wie wäre denn die Sachlage: Mutter fährt schon seit Ewigkeiten links und dreht sich zu Ihrem Kind rum, weil es schreit, ein schneller Mercedes kommt von hinten, denkt die wird schon zur Seite gehen, weil ja rechts keiner fährt (In D herrscht ja Rechtsfahrgebot!), er fährt zugegebenermaßen nah auf, die Mutter guckt wieder nach vorne und in den Rückspiegel und verreisst das Lenkrad? Exakt so eine Situation habe ich heute innerorts auf einer vierspurigen Strasse erlebt, mit dem Unterschied, dass die Frau ihr Auto wieder unter Kontrolle gebracht hat. Als ich sie an der nächsten Ampel ansprach, sagte sie was soll ich denn machen, wenn mein Kind schreit? Da sagte ich: Vielleicht rechts ran fahren! :rolleyes: Soviel zu dem Thema! :confused:

    "Jeder, der wie ich ein fanatischer Liebhaber der Kleinelektronik ist, weiß, dass man Geräte alle paar Wochen wechseln muss, will man den Zustand tiefer Befriedigung erhalten, den diese Objekte in frischem Zustand erzeugen." Dieter Nuhr - wie recht er doch hat!!

  • Hoppla - schon auf Seite 4 bei einem generellen Tempolimit angekommen.



    Ich bin beruhigt, dass es in diesem Staat trotz allem noch zu keinen überschnellten Trotzreaktionen kommt und ein generelles Tempolimit auf höchster Ebene nicht thematisiert wird. Wenn, muss dieses Tempolimit auf anderen Argumenten basieren, als auf diesen Einzelfall.


    Wenn man bedenkt, dass in Ländern wie den USA, Frankreich und Italien, wo jeweils ein generelles Tempolimit gilt, die prozentuale Rate der tödlichen Unfälle auf je 1000 Personen bezogen höher ist als in Deutschland, wäre eine Diskussion um ein generelles Tempolimit zu diesem Thema mehr als daneben.


    Und: Wer kann behaupten, dass mit Tempolimit weniger gedrängelt wird als ohne? Ich werde innerhalb von Tempolimitbereichen jedenfalls öfters von der linken Spur "gebeten", als ohne Begrenzung. Dass ich dabei noch nie erschrocken und zu Tode gekommen bin, kann wohl als reines Glück bezeichnet werden... :rolleyes:



    Alles in allem sind wir uns ja größtenteils einig - aufgrund dessen das generelle Tempolimit zu thematisieren, ist allerdings zu einfach.



    Stefan

  • Zitat

    Original geschrieben von Stefan


    Und: Wer kann behaupten, dass mit Tempolimit weniger gedrängelt wird als ohne? Ich werde innerhalb von Tempolimitbereichen jedenfalls öfters von der linken Spur "gebeten", als ohne Begrenzung. Dass ich dabei noch nie erschrocken und zu Tode gekommen bin, kann wohl als reines Glück bezeichnet werden... :rolleyes:


    Stefan


    Sehr schlechtes Argument. Zeigt um so mehr auf das ein generelles Tempolimit von Nöten ist. Einige Autofahrer stören diese Begrenzungen nicht und brettern einfach mit hoher Geschwindigkeit weiter. So etwas ist mir in Belgien und den Niederlanden nicht mehr aufgefallen. Klar wird man auch mal überholt und bestimmt auch zu schnell, aber mit gefühlten 140-150 statt mit 220 in Deutschland. Die Strafen für zu schnelles Fahren sind in den Benelux Ländern ja auch um einiges empfindlicher als hier.


    Man könnte jetzt sagen fährt doch derjenige 120-130 wer will in Deutschland und fertig. Nur leider ist das hier kaum möglich. Selbst mit 180 auf der linken Spur (und macht man nicht SOFORT Platz) wird man noch mit Lichthupe genötigt und als eine Art Bremsklotz hingestellt. Bei 120-130 sowieso. Schon oft erlebt.


    Fahre ich 120-130 auf der rechten Spur habe ich teilweise kaum Möglichkeiten auf die linke Spur zu wechseln. Entspanntes Fahren wie bei unseren Nachbarn ist HIER fast unmöglich.


    Und mal ehrlich. Ob ich nun durchgängig 120-130 fahre oder 220 mit ständigen Abbremsungen. Ans Ziel komme ich vielleicht mit einem Unterschied von 15 - 20 min. wenn überhaupt.

  • Naja,
    ob am OLG nur Top-Richter sind, wage ich mal zu bezweifeln. Bin aber auch schon gespannt, was da rauskommt :rolleyes:


    Gruß,
    Loyo

  • Zitat


    Fahre ich 120-130 auf der rechten Spur habe ich teilweise kaum Möglichkeiten auf die linke Spur zu wechseln. Entspanntes Fahren wie bei unseren Nachbarn ist HIER fast unmöglich.


    Dann musst Du eben mal auf 80 runterbremsen und warten bis Du links rüber kannst! Aber das will natürlich keiner und Du auch nicht! Aber hauptsache ich kann die Spur wechseln wann ich will und verliere keine Zeit, "soll doch der blöde Porsche Turbo bremsen, den Fahrer kann ich sowieso nicht leiden, der hat mehr Geld als ich..." Zeugenaussage eines "Ausbremsers" vor Gericht! Noch Fragen???

    "Jeder, der wie ich ein fanatischer Liebhaber der Kleinelektronik ist, weiß, dass man Geräte alle paar Wochen wechseln muss, will man den Zustand tiefer Befriedigung erhalten, den diese Objekte in frischem Zustand erzeugen." Dieter Nuhr - wie recht er doch hat!!

  • Zitat

    Original geschrieben von Hilden
    ... Und was andere Kollegen von ihm von wegen "Turbo" Rolf usw. sagen, ist völlig irrelevant... er mag ein Raser sein, aber wenn einer Stein und Bein schwört, er war es nicht, trotz des enormen öffentlichen Drucks...


    Ich hab zu wenig Informationen (den Zeitungen glaube ich nicht sehr viel in dem Fall, die haben einfach jeden der nicht bei 3 auf den Bäumen war, egal ob er etwas konkretes wissen konnte oder nicht, ausgefragt), was mich generell stört ist dass sich ein Gericht dermaßen von der öffentlichen Meinung und den Medien unter Druck setzen lässt. Der Typ passt halt genau ins "Täterprofil" und hätte vielleicht zum Unfallzeitpunkt da sein können, also war er es. Dass es einige Widersprüche gibt verstärkt den Eindruck, aber wer kann von sich behaupten noch zu wissen wo er vor 2 oder mehr Wochen (wie lange es genau war weiß ich nicht) um soundsoviel Uhr war?

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