Erfahrungsaustausch der (Ex-) Studenten - Diplomarbeit/ -semester

  • Mahlzeit!


    Bei mir ist es nun im nächsten Wintersemester auch endlich nach 6 Studien- und einem Praxissemester Bauingenieurwesen endlich soweit das ich in die Diplomphase eintrete. Ein Thema hab ich mir auch schon besorgt. Es soll im Groben um ein Stahlbetonhallentragwerk gehen das mit Mauerwerk ausgesteift werden soll usw. usw. (würde jetzt vermutlich den Rahmen bzw. das Verständnis sprengen ;) ).


    Bis jetzt habe ich mich immer auf dieses Semester bzw. die Arbeit gefreut und mit Spannung erwartet. Da es nun aber wirklich ernst wird bekomme ich so langsam Bammel davor. Mit dem Thema ansich kann ich umgehen - habe ich immerhin mit ausgesucht.
    Ich bin zu meinem favorisierten Professor gegangen und habe lange mit im diskutiert. Mein Wunsch war eine Arbeit, welche noch nicht von Dutzenden Studies durchgekaut wurde, sondern auch die beurteilnden Prof ein wenig fordert. Meine persönlicher Wunsch war es auch, mich mit der Arbeit profilieren zu wollen, sodass am Ende das oben genannte herauskam.


    Jedoch frage ich mich mittlerweile - obwohl ich noch nicht einmal angefangen habe und der Antrag auch noch nicht durch ist - ob ich mich nicht doch ein wenig mit der Thematik übernommen habe. Die Aufgabenstellung selber ist äußerts komplex und kann von vielen Seiten angegangen werden. Wahrscheinlich wird es alles auf statische Berechnungen ausgehen, die am Ende entweder richtig oder falsch sind.


    Daher frage ich mich ob ihr bei Eurer Arbeit ähnliche Erfahrungen gemacht habt bzw. wie ihr mit diesem Druck umgegangen seit. Ich bin der festen Überzeugung, dass ich damit nicht alleine dastehe, sondern viele von Euch mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hattet/ habt.


    Bin gespannt, Greetz

    SAWLE Nr. 203/333


    Skype: "lord_arsch"

  • An meiner Uni war es völlig normal, dass jeder kleine Studi in der Diplomarbeit ein Thema und eine Fragestellung bearbeitet, die in der Form vorher noch nie untersucht wurde. Wer da mit ner Replikation einer schon durchgeführten Studie ankam, die er jetzt nur an ner anderen Stichprobe durchführen wollte, wurde müde angelächelt... (was man jetzt gut oder schlecht finden kann).


    Von daher meine Empfehlung: was spricht gegen Dein Vorhaben? Schiefgehen wird da bestimmt nix - vermutlich wird doch der betreuende Prof vorher auch nochmal durchrechnen, dass Du nicht den kompletten Blödsinn schreibst - schließlich steht ja irgendwo sein Name mit drauf ;)
    Und vermutlich wirst auch Du im Bewerbungsgespräch gefragt: "Herr Arsch, was haben Sie denn in Ihrer Diplomarbeit gemacht? Sonst kommen die Bewerber mit so 08/15-Themen, aber was sie da gemacht haben klingt mal interessant. Um was ging's da genau?" .... "Ja, super! Dann sind Sie unser neuer Lord!" ;)

    Q: I've always tried to teach you two things. First, never let them see you bleed.
    Bond: And the second?
    Q: Always have an escape plan...

  • Hi,


    also im Regelfall sind Diplomarbeiten doch dazu da, Themen zu bearbeiten, die noch nicht bearbeitet wurden. Zumindest nicht im großen Rahmen.


    Ich hatte ein Thema, bei dem es, bis auf offizielle Spezifikationen der betroffenen Standards (UML 2.0 und XMI), noch kaum Literatur gab (IT-Branche). Wir (2 Leute) betraten also komplettes Neuland. Unser Glück war, dass der Prof die Standards mitentwickelt hat, sich also auskannte.


    Trotzdem war es etwas neues, und wir konnten uns nicht einfach ein paar Bücher besorgen und alles zusammenfassen. Aber es machte aus Spaß, und hat mir zumindest ne Menge gebracht. Und klar, der Druck ist da. Aber sieh es als Herausforderung an, oder willst du später immer wieder nur die gleiche Arbeit machen, bspw. einen hässlichen, langweiligen Wohnblock an nem anderen machen. Oder lieber unterschiedliche, aber jedesmal herausfordernde Sachen machen?


    Also ich würd mir da keine Sorgen machen und dich auf die Arbeit freuen. Das Thema ist für eine Bewerbung meist wichtiger, wie das Ergebniss. Daran erkennt man schon. ob du dich mit der Materie beschäftigt hast oder nur irgendein durchgelutschtes Thema nimmst, weil es einfacher ist.


    In diesem Sinne viel Erfolg!


    bastian

  • Zitat

    Original geschrieben von bastian_S
    also im Regelfall sind Diplomarbeiten doch dazu da, Themen zu bearbeiten, die noch nicht bearbeitet wurden. Zumindest nicht im großen Rahmen.


    Also ich kenn das eigentlich eher so, dass Diplomarbeiten mehr ein Zusammenschrieb aus gängiger Literatur und ein paar eigenen Erhebungen ist. Also definitiv nix neues "erforschen".
    Das kommt imo doch erst in der Doktorarbeit.


    Trotzdem viel Glück :top:
    Ach ja: die Zweifel am Thema und an der Bearbeitung sind absolut normal (insbesondere kurz vor Schluss...)

  • Eine DA ist eine Prüfungs- und keine wissenschaftliche Leistung.
    Ziel ist also nicht ein völlig neues Thema zu erforschen und zu bearbeiten - wie bei der Dissertation - sondern zu zeigen, dass Du die Grundzüge drauf hast, mit aktuellen Forschungsergebnissen umgehen kannst und Dir selbständig Wissen aus Aufsätzen... aneignen kannst.


    Eine gesunde Portion Selbstbewusstsein und somit große Ziele sind durchaus angebracht und man kann natürlich auch neue Gesichtspunkte herausarbeiten, aber der zeitliche Rahmen einer DA ist doch sehr eng.


    Man wundert sich schnell wie sehr ein "eng" gestecktes Thema weiter und weiter ausufert, weil man kleine Nebenaspekte, konträre Meinungen... einbringen will und muss.


    Hör am besten auf Deinen Prof., der ja gut sein sollte, wenn Du ihn gewählt hast. Wenn er Dir sagt, dass Thema sei aber sehr, sehr ehrgeizig gewählt und kaum zu schaffen, dann nimm es. Die wollen einem meist Angst machen...


    Wenn er aber direkt und deutlich sagt, dass Thema ist nicht zu machen, dann schränk es lieber ein.

  • Salute,


    da ich gerade in diesem Momeent dabei bin meine DA zu schreiben möchte ich natürlich auch meine Senf dazu ab geben.


    Mit einer DA etwas völlig neues zu schreiben und zu erforschen ist Schwachsinnig, das geht allein vom Platz her gar nicht. Ich muss mich auf max. 90 Seiten beschränken, das ist extrem wenig und ich hab damit gewaltig zu kämpfen. Die Meiste Arbeit hat man wirklich damit, Stoff zu suchen....den ganzen Rotz um zu formulieren und das ganze dann zu Papier zu bringen. Ahja...und dabei nicht zu vergessen soviele Quellen wie möglich an zu geben.....that's it.... :D

     MacBookPro 15“ End 2016 
     iPhone X 64GB Spacegrau 
     Apple Watch Gen. 3 42mm 

  • Ich bin auch gerade mitten in der Diplomarbeit angelangt.


    Bei mir war es so, dass ich den Arbeitsumfang anfangs nicht einschätzen konnte, da ich schlichtweg nicht wusste was alles schon vorbereitet war und was ich "neu" erfinden muss.


    Konkret arbeite ich an einer UMTS Simulation, ich habe dabei die Ehre dem UE (Handy) eine zweite Antenne zu verpassen und den daraus entstehenden Gewinn zu simulieren. Spannend ist hierbei die Implementierung verschiedener Empfängerstrategien im Raum- und Zeitbereich (2D-RAKE).


    Im Endeffekt sieht's grad so aus, dass wir die Arbeit noch auf korrelierte Antennen erweitert haben, da ich das eigentliche Ziel der Arbeit schon erreicht habe.
    Allerdings ist die Arbeit dann doch wissenschaftlicher als erwartet, ich muss tatsächlich einiges an Theorie erarbeiten.


    Was sich aber anfangs als undurchschaubare Materie gezeigt hat, ist nach ner gewissen Einarbeitung (und ich denke auch fundiertem theoretischen Hintergrund) zu einer recht gut lösbaren Aufgaben geworden.


    Würde mir an deiner Stelle also keine Gedanken machen und die "große" Herausforderung annehmen.

    Gruss HK


    Manche mögens Heinz...

  • Moin,


    Neuland zu betreten ist imho gut, so koennen die Pruefer einen nicht besonders auseinandernehmen, und haben Spaß am lesen und lernen :). Ich selber jedoch hatte starke Konzentrationsprobleme. Daher ist es imho wichtig, dass Du Dir eine passende Lern/Schreibumgebung schaffst. Evtl. ist ein Standortwechsel von Vorteil, also die Arbeit nicht in der WG, sondern in der Bücherei oder bei den Eltern auf dem Dorf schreiben. Zu dem ist ein Zweitrechner nicht schlecht, der ausschliesslich zum schreiben da ist. Also weder Spiele noch Internetzugang. Zur Struktur der Arbeit gibt es unterschiedliche Ansaetze. Viele schreiben die Einleitung erst am Schluss, mir jedoch hat die Einleitung beim Schreiben sehr geholfen, wieder zum Thema zurueckzufinden. Je nach Thematik musst Du es schaffen, rechtzeitig die einzelnen Kapitel zu beenden. Meiner Erfahrung nach kann man vom hundertstel ins tausendstel kommen, und dann hat man zu wenig Zeit fuer die anderen Themen.
    Zu dem ist man beim Schreiben nie zufrieden, mit dem tippen faellt einem immer wieder was neues ein. Viel Glueck :top:


    greetz

  • Als jemand, der momenten ebenfalls an seiner Diplomarbeit schreibt, klinke ich mich da gern mal ein. :)


    In meinen Augen (und auch nach den Erfahrungen meiner Kommilitonen) ist es normal, dass man auf dem Weg zum Ziel mehrere "Phasen" durchläuft:



    ================================


    Phase 1: Latentes Bauchweh, bis man ein tragfähig erscheinendes Thema gefunden und genehmigt bekommen hat.


    Phase 2: Tendenzielle Übereuphorie wegen des nun feststehenden Themas. "Alles kein Problem, das krieg ich locker hin." Yeah!


    Phase 3: Irgendwann beschleicht einen das Gefühl, dass man sich mit dem Thema völlig übernommen haben könnte. Panik bzw. gefühlte Überfoderung verbunden mit dem Gefühl, das Ausufern nicht verhindern zu können.


    Phase 4: "Mentales Ärmelhochkrempeln", man fasst Mut und will es anpacken.


    Phase 5: Es gibt immer wieder Hochs und Tiefs. Sinuskurve! :D Aber letztlich tariert es sich aus.


    ================================



    Ich persönlich habe das Glück, einen klasse Professor und einen "weißen Fleck" als Thema zu haben. Mein Thema hat tatsächlich noch niemand erforscht, das ist quasi der Luxuszustand. :)


    Trotzdem (oder gerade deswegen) ist schon sehr viel Einsatz gefragt, was parallel zum Job bis an die Grenzen der Belastbarkeit geht. Aber wie sagt man so schön: Viel Feind, viel Ehr'... *g*


    Es wird immer Tage geben, wo man fast verzweifelt. :rolleyes: Dafür gibt es dann aber auch Tage, an denen es einfach nur 1a läuft. :)


    Sicher, es mag auch Fälle geben, in denen sich der Diplomand tatsächlich heillos übernimmt - aber da sollte der Prof dann entsprechend eingreifen. Und gegen die "Panik unterwegs" gibt es ja in aller Regel auch probate Mittel: Sprechstunden beim Prof, Diplomandenkolloquien, den Austausch mit Leidensgenossen, und und und.


    In diesem Sinne: Es gibt viel zu tun, warten wirs ab! ;):D



    PS: Eines wird auch immer so sein: Nachdem man ein Kapitel oä fertiggestellt und zwei Tage später nochmals überarbeitet hat, denkt man: "Perfekt, so bleibt es." Schaut man dann zwei Wochen später nochmal drüber, fallen einem wieder 10 Sachen auf, die man anders machen würde... Auch hierzu gibts eine Weisheit: Nach dem Spiel ist vor dem Spiel. ;)

    Hätte der Mensch nur halb so viel Vernunft wie Verstand, dann wäre alles viel einfacher in der Welt. Linus Pauling

  • Ach und noch ein Tipp: Du solltest in der frühen Phase der Literaturrecherche die wichtigsten Sachen schon mal abtippen.
    Also nicht mit Karteikärtchen und so rumhühnern.
    Das kostet Dich (so hab ich's jedenfalls bei meinen Mitstudenten erlebt) nur unnütz Zeit.

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!