Neulich, 6 Uhr früh, tritt man mir die Tür ein.
Ich springe aus dem Bett, da stürmt die Polizei rein.
Los, stellen sie sich an die Wand, man hat sie erkannt.
Ein Nachbar rief uns an. Sie sind ein Sympathisant.
Ich sag: Das muß ein Irrtum sein, ich bin doch bloß ein Bürger.
Doch die pflügen mir die Wohnung um, als wäre ich ein Würger.
In dem großen grünen Wagen darf ich dann mitfahren.
Ich frage nochmal: Wieso?-Das werden Sie schon erfahren.
Im Präsidium dann Verhöre-ich weiß von nichts, ich schwöre.
Da brüllt mich einer an, daß ich die Ordnung störe.
Morgen kommt mein Anwalt, jetzt bleiben Sie erst mal hier.
Sie kriegen ein schönes Einzelzimmer, Zelle Nr. 4.
Irgendwelche Verrückten entführn in dieser Nacht dann
einen Düsenjet und legen sich mit Helmut an.
Mein Anwalt darf nicht kommen, die Sicherheit geht vor.
Da liegt ich nun auf Eis und quatsche meine Wand an.
Nach Wochen stellt sich endlich raus, mein Nachbar ist bekannt.
Der zeigt fast täglich Leute an, nach seiner Pernsionierung wurd er Denunziant.
Wir tun nur unsere Pflicht, das Tor wir aufgeschlossen.
Der Schließer sagt noch grinsend: Grüß mir die Genossen.
Eines wird mir klar, wenn irgendjemand schreit, Gesetze müssen her.
Dem hau ich auf die Flosse.
Ja, eines ist mir sonnenklar,
falls wir glauben sollten.
Terror könnte man durch Terror bremsen,
dann sind wir bald wieder soweit.
Marius Müller Westernhagen,Grüss mir die Genossen, 1978