hartz4 empfänger 9€ abzug pro tag im krankenhaus?

  • Re: Re: Kinder, Kinder... nu kommt mal wieder runter...


    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Wenn die Bank dein Girokonto kündigt oder Geld pfändet obwohl sie es nicht darf, der Automat beim Geld-ziehen deine Karte kassiert und finanziell erstmal gar nichts mehr geht weil schon alleine die Möglichkeit zur Teilnahme am Geldverkehr abgeschnitten wird - dann stehst Du erstmal blöd da. Sicher, Du wirst notfalls mit Hinweis auf das sog. "Jedermann-Konto" wieder eine Bankverbindung bekommen, aber bis das angelaufen ist hast Du dich erstmal damit herumschlagen müssen, dich informieren müssen.


    Ähnlich wie im Bereich der Verträge etc. pp. hast Du ja aber auch hier 1 Jahr "Vorlauf". Hartz IV kommt nicht unangemeldet. D.h. sollte es zum schlimmsten aller Fälle kommen, dann hat man i.d.R. nicht erst mit Hartz IV finanzielle Probleme, sondern oft auch mit ALG I bereits. Zeit genug also, sich "vorzubereiten", so doof das auch klingt. Wer das Gespräch mit seiner Bank erst sucht, wenn es zu Hartz IV gekommen ist, der begeht einen grossen Fehler. Je früher man die Situation anspricht und erläutert, umso grösser die Chance, noch etwas machen zu können.


    Wer allerdings die Vogel-Strauss-Politik betreibt, der hat in der Tat relativ schlechte Karten. Ich erlebe es immer wieder, dass Leute sagen, dass eine Mahnung nicht angekommen sei, Anrufe auf Band oder Handy habe es auch nicht gegeben, aber wenn dann die Kündigung ins Haus flattert oder die Karte gesperrt wird, dann funktionieren Post und Telefon auf einmal ganz prima... auch wenn es keine schöne Situation ist: es hilft nichts, sich zu verstecken. Probleme lassen sich nur lösen, wenn man sie angeht.


    Kontokündigungen, Pfändungen nimmt eine Bank i.d.R. nur dann vor, wenn der Schuldner sich unkooperativ verhält bzw. gar nicht reagiert. Oftmals lasten auch Pfändungen auf einem Konto, die gar nicht von der Bank veranlasst wurden, sondern von Firmen, bei denen Schulden bestehen. Da darf die Bank dann sehr wohl auch das Konto sperren, nein, sie muss es sogar. Der Kunde hat 7 Tage Zeit, seine staatlichen Leistungen abzuheben, danach ist das Geld qua Gesetz gesperrt.


    Nun ist aber ja auch nicht jeder Hartz-IV-Empfänger Schuldner bei einer Bank. Die Mehrzahl ist es nicht. Da laufen dann eben Guthabenkonten und aus der täglichen Praxis heraus in der deutlichen Mehrzahl der Fälle unproblematisch. Ab und an kommt es vor, dass man Lastschriften zurückgeben muss, aber es gibt auch jede Menge, wo alles völlig "normal" läuft, auf niedrigem Niveau zwar, aber problemlos.




    Zitat

    Deine finanziellen Verbindlichkeiten und die Notwendigkeit einzukaufen gehen derweil aber weiter, die Gläubiger-Briefe erreichen dich weiter täglich. Schuldner-Beratung? Gute Idee, aber die sind so überlaufen dass man dort frühestens in einem halben Jahr Hilfe bekommt, und auch das nur wenn Du zu den "harten Fällen" gehörst, wegen "nur" ein paar tausend Euro Miese brauchste da nicht glauben dass Du schnell unterstützt wirst.


    Das hängt ganz von der Schuldnerberatung ab. Mit "professionellen" Schuldnerberatern habe ich / haben meine Kunden in der Mehrzahl schlechte Erfahrungen gemacht. Wenn es aber um soziale Dienste geht wie caritas, Diakonie etc. pp., da habe ich bisher sehr positives Feedback von den Kunden bekommen. Da wird sehr schnell weitergeholfen und auch in "kleinen" Fällen. Und letztlich gilt auch hier: nicht erst den Weg suchen, wenn Hartz IV "da" ist, sondern rechtzeitig!

    Auch ein Traumjob berechtigt nicht zum Schlaf am Arbeitsplatz.

  • @ pallmall:
    "Na, du weisst aber schon, dass man als ALG2-Bezieher auf Wunsch auch die Miete vom Amt direkt an den Vermieter überweisen lassen kann, sprich der ALG2-Bezieher die Miete garnicht "veruntreuen" kann? "


    Kann er eben doch! Denn: der Mieter entscheidet, ob die Miete von Ihm oder von der Agentur gezahlt wird! Ich habe die Agentur erstens darauf hingewiesen, das die 435 €, die dem Mieter jeden Monat als Wohnkosten ausgezahlt werden schon seit einem halben Jahr nicht mehr bei mir ankommen. Das Amt meinte, ich könnte ihn ja fragen ob ER beantragen wolle, das die Agentur die Miete direkt an mich zahlen soll. Dreimal darfst du raten, was der Mieter von dem Vorschlag hielt. Sorry, aber da hört mein Verständnis auf. Wenn ich als Mitarbeiter der ARGE darüber informiert werde, das das Geld, welches dem Leistungsempfänger für die Wohnkosten überwiesen wird nicht für die Mietzahlöung verwandt wird muss ich doch in irgendeiner Art tätig werden! Ich hatte übrigens erst schon mal Probleme überhaupt an den zuständigen Sachbearbeiter ranzukommen. An der Theke der Agentur wurde ich abgefangen. Aus "Datenschutzgründen" dürfe man mir nicht sagen, wer für den Mieter zuständig sei. Ich solle meine Eingabe schriftlich formulieren, man leite das dann an den entsprechenden Sachbearbeiter weiter. Ich habe so nebenbei bemerkt, das der Hartz IVler jedes WE "inoffiziell" als Rausschmeisser in der Disko arbeitet (bringt laut seiner Aussage ca. 100 -150 € / Wochenende) Das wolle man dann ebenfalls weiterleiten. Ob das aber weiter verfolgt werde müsse der Sachbearbeiter entscheiden, weil man hätte ja soviel zu tun usw...


    Fazit:
    Der Kerl (bzw. seine Frau) hat dann irgendwann ein Kind bekommen. Was an sich nicht schlimm ist. Ist dann von alleine ausgezogen. Was mich auch nicht gestört hat. Hat mir aber beim Auszug noch unter die Nase gerieben, das ihm ja jetzt mehr Leistung zustehen würde und das ihm "die Bruchbude" (meine Wohnung) eigentlich noch nie gefallen habe und er jetzt erst mal in einen "fetten Neubau" einziehen werde. Die ersten 2 Jahre hat er übrigens an meiner Wohnung nichts auszusetzen gehabt. Und den Security Job macht er (er zog Anfang 2006 aus) auch immer noch. Wahrscheinlich hatte der Sachbearbeiter "noch keine Gelegenheit" sich drum zu kümmern... :mad:

  • Das Arbeitsamt bzw. die ARGE zahlen halt noch zu viel. In dem geschilderten Fall, wie der_aachener beschreibt, würde ich mir doch glatt wünschen, dass solche Leute keinen Cent kassieren. Was meint ihr, was man da an Geld einsparen würde, wenn man nicht solche Sozialschmarotzer mitzieht.

  • Zitat

    Original geschrieben von der_Aachener


    ...Hat mir aber beim Auszug noch unter die Nase gerieben, das ihm ja jetzt mehr Leistung zustehen würde...


    Dazu was aus der Zeitung.



    Und bevor hier wieder auf mich eingedroschen wird: ich sage damit ausdrücklich nicht, ob das meiner Meinung entspricht oder nicht!

  • Aachener,


    aber genau diese Zustände, die Du beschreibst, funktionieren nicht nur einseitig in Richtung von Gläubigern, sondern genau dieses Theater haben ALGler tagtäglich, die schlagen sich mit den Unzulänglichkeiten jeden Tag herum. Das ist eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.


    Ich war 2004 für 1 Jahr arbeitslos und allein das Sich-arbeitslos-Melden hat sage und schreibe 5 (!!!) Besuche auf dem Amt erfordert. 2x hat mich der Noch-Arbeitgeber dazu freigestellt, die anderen 3 Mal habe ich - zum Glück noch vorhandene - Urlaubstage verwendet. Wie kann das sein dass man 5 Mal zum Amt rennen muß um einen Vorgang zu tätigen, der de facto in 20 Minuten zu erledigen ist?


    Wenn man allein schon sieht wie die Angestellten da über die Flure schluffen, in welcher Zeitlupe die sich bei allem bewegen, hättest Du Lust ihnen einen Drillinstructor anbei zu stellen, der den Haufen mal auf Trab bringt...
    Wobei es wahrscheinlich daran liegt dass die genau wissen dass sie den Mangel nur verwalten und die Effektivität des Ladens gegen null im Unendlichen strebt... wahrscheinlich motiviert einen das nicht gerade.


    Es war bei mir weiterhin so dass ich keinerlei Leistungen seitens des Arbeitsamtes bekommen habe, sondern wegen fehlender Fristen (ist jetzt mal egal warum, es geht nur ums Ergebnis) sofort in die Sozialhilfe, heute ALGII, gerutscht wäre.
    Bei mir wäre es also genau so gelaufen dass ich aus einem recht guten Gehalt ruckzuck auf Existenzminimum gewesen wäre und keine "Zwischenstufen" eingebaut gewesen wären.


    Ich habe dann am Ende gar kein Geld bekommen und gewollt, sondern meine Eltern haben mich über Wasser gehalten, wofür ich ihnen absolut dankbar bin.


    Es hätte übrigens die Notwendigkeit einer rechtlichen Auseinandersetzung mit dem letzten AG gegeben, aber woe den Anwalt bezahlen? Also habe ich Prozesskostenhilfe beim Amtsgericht beantragt. Man muß dann eine eidesstaatliche Erklärung über seine finanziellen Verhältnisse abgeben und aus der ging hervor dass ich keine Reserven habe und meine Eltern mich finanzieren, es aber keine wirklich nennenswerten Einkünfte gibt. 2 Monate lang tat sich gar nichts, dann gab es einen wochenlangen Schriftwechsel, man wollte Einkommensnachweise von mir haben. Hä??? Es war doch klar dass es die nicht gibt... Also habe ich einen Schrieb meiner Eltern beigefügt - ohne Erfolg. Ohne Einkommensnachweise geht nichts, hieß es. Da liegst Du dem Staat also nicht auf der Tasche und bist noch der Dumme dazu!!!


    Das Ende vom Lied war dass ich meine Forderungen gegenüber dem alten AG einfach zu den Akten gelegt habe und jetzt ein absolut unglaubliches Arbeitszeugnis habe, was jeder Richter schon formal, aber auch inhaltlich in der Luft zerrissen hätte.
    Was wäre gewesen wenn ich in einem Rechtsstreit gewesen wäre, bei dem Fristen einzuhalten gewesen wären????


    Lange Rede, wenig Sinn. In der Theorie ist alles geregelt und gibt es immer für jedes Problem eine Lösung. Die Praxis ist aber dass es unglaublich mühsam ist überhaupt zu wissen was einem wie zusteht und das durchzusetzen, weil es ständig nicht so funktioniert wie es soll. Dieses "die gleiche Angabe zum 1000. Mal machen" kennt jeder, der mal mit den jeweiligen Ämtern zu tun hatte.


    Und es passiert eben auch immer wieder dass die Dinge nicht funktionieren obwohl der Anspruch eines LEistungsbeziehers glasklar ist. Wenn irgendein lahmarschiger Sachbearbeiter die Rechtslage selber nicht kennt und die Akten wochenlang auf seinem Schreibtisch herumgammeln badet der Betroffene das aus, obwohl er in der Regel keine Zeit, kein Geld, keine Reserven und nicht die psychische Kraft hat sich mit derartigen Unzulänglichkeiten herum zu schlagen.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von der_Aachener
    Kann er eben doch! Denn: der Mieter entscheidet, ob die Miete von Ihm oder von der Agentur gezahlt wird! Ich habe die Agentur erstens darauf hingewiesen, das die 435 €, die dem Mieter jeden Monat als Wohnkosten ausgezahlt werden schon seit einem halben Jahr nicht mehr bei mir ankommen. Das Amt meinte, ich könnte ihn ja fragen ob ER beantragen wolle, das die Agentur die Miete direkt an mich zahlen soll. Dreimal darfst du raten, was der Mieter von dem Vorschlag hielt.


    Dann hast Du eine falsche Information erhalten.


    Grundsätzlich gilt zwar: Auszahlung der Miete an den Hilfeempfänger, nur mit dessen Einverständnis Direktzahlung an den Vermieter.


    Wenn die Behörde allerdings von einer Zweckentfremdung der für die Unterkunft geleisteten Gelder Kenntnis erlangt, greift § 22 Abs. 4 SGB II. Es soll dann von Amts wegen - ggf. nach vorheriger Anhörung des Hilfeempfängers - eine Direktzahlung an den Vermieter erfolgen.


    Korrekt ist allerdings, dass die Behörde Dir als Vermieter ohne entsprechende Bevollmächtigung Deines Mieters keine Auskunft geben darf.

  • Zitat

    aber genau diese Zustände, die Du beschreibst, funktionieren nicht nur einseitig in Richtung von Gläubigern, sondern genau dieses Theater haben ALGler tagtäglich, die schlagen sich mit den Unzulänglichkeiten jeden Tag herum. Das ist eben der Unterschied zwischen Theorie und Praxis.


    Das stimmt. Nicht jeder Mietrückstand hat mit Zahlungsunwilligkeit des arbeitslosen Mieter zu tun. Es ist auch sehr oft so, das trotz offenkundigem Rechtsanspruch bspw. die Bearbeitung von Fortzahlungsanträgen der Leistung einfach nicht bearbeitet werden und es so zu Zahlungsausfällen kommt. Die Leistungsabteilungen machen das nichtmal mutwillig, sondern sind schlicht überlastet-es ist politisch so gewollt. Selbst Sachbearbeiter raten ihren Klienten grundsätzlich einen Rechtsbeistand in einem solchen Fall zu beauftragen und gleich eine Einstweilige Anordnung durchzusetzen, weil nur das eine Bearbeitung erzwingen kann. Selber persönlich auf den Ämtern um zügige Bearbeitung zu bitten ist wie ein Selbstgespräch oder mit einer Mauer zu reden.


    Zum Beispiel weiß kaum ein Antragssteller, das er eigentlich jede Art von Antrag drei Monate im Vorraus bzw. vor dem Stichtag stellen muss, denn solange haben die Ämter Zeit, über Anträge zu entscheiden. Erst danach kann man überhaupt eine Untätigkeitsklage durchsetzen. Und das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen, das man Bedürftige ohne jeden Cent drei Monate warten lässt und noch nichtmal rechtliche Konsequenzen zu befürchten hat.


    Zitat

    Wenn man allein schon sieht wie die Angestellten da über die Flure schluffen, in welcher Zeitlupe die sich bei allem bewegen, hättest Du Lust ihnen einen Drillinstructor anbei zu stellen, der den Haufen mal auf Trab bringt...


    Die wissen genau, das sie nicht können, wie sie oftmals gerne wollen. Ohne Arschtritt durch ein Sozialgericht müssen die sich an die Vorschriften halten und die Bewirken die Probleme ja erst. Deren Software ist bis heute noch nicht richtige lauffähig und fällt gerne mal stunden- bis tageweise aus. Auch dieser Mangel wird nicht behoben, obwohl er seit Einführung der Software besteht. Für das Geld, das die Software gekostet hat hätte man überspitzt gesagt auf Jahrzehnte Mitarbeiter einstellen können, deren einzige Aufgabe es ist, Akten und Korrespondenz von einem Büro ins andere zu bringen-was vermutlich weitaus effektiver und schneller laufen würde, als die Software jetzt und jemals es tun wird.

  • Zitat

    Original geschrieben von AdministratorDr
    Das Arbeitsamt bzw. die ARGE zahlen halt noch zu viel. In dem geschilderten Fall, wie der_aachener beschreibt, würde ich mir doch glatt wünschen, dass solche Leute keinen Cent kassieren. Was meint ihr, was man da an Geld einsparen würde, wenn man nicht solche Sozialschmarotzer mitzieht.


    Man würde fast nichts einsparen, da sich diese Problemfälle im Bereich von 2-3% aller Antragssteller bewegen. Das haben die Behörden selbst bei internen Untersuchungen festgestellt, insofern kann man den Zahlen glauben, denn die Behörden haben kein Interesse daran, solche Zahlen klein zu halten.


    Es geht also um Peanuts... Der bürokratische Aufwand übersteigt die Einsparungen in finanzieller Hinsicht.

  • Zitat

    Original geschrieben von pallmall
    Man würde fast nichts einsparen, da sich diese Problemfälle im Bereich von 2-3% aller Antragssteller bewegen. Das haben die Behörden selbst bei internen Untersuchungen festgestellt, insofern kann man den Zahlen glauben, denn die Behörden haben kein Interesse daran, solche Zahlen klein zu halten.


    Es geht also um Peanuts... Der bürokratische Aufwand übersteigt die Einsparungen in finanzieller Hinsicht.


    Es kommt halt drauf an, welche Interessen dahinter stecken. Seh das doch mal so. Wieviel kosten verursachen diese 3 % an Mehrkosten gegenüber dem normalen Sozialhilfeempfänger? Solche Leute wissen zu bescheissen, das kannste mir glauben. Andersherum, was meinste was passiert, wenn die Behörden Zahlen bekannt geben, die wirklich der Realität entsprechen? Ein riesen Aufschrei gings durch Land und der Abbau von Sozialleistungen wäre die Folge. Und das wollen gewisse Leute nicht, daher weiß ich auch woher der Wind weht.

  • 2 grundsätzliche Denkfehler sollte man vermeiden...


    Der eine ist: es gibt einfach Leute, die in unserer Gesellschaft keine reele Chance haben. Das wird natürlich niemand laut sagen, jedenfalls niemand offiziell. Es ist aber Fakt. Wer im Heim groß wurde, auf "die schiefe Bahn" geriet, vielleicht im Knast war, wer keine Ausbildung hat, wer zu alt ist (ein völlig dummes "Argument, aber die Realitäten sind so), der hat realistisch kaum eine Chance in Deutschland gesellschaftlich auf einen grünen Zweig zu kommen.


    Es wird immer ein "Bodensatz" an Leuten bleiben, die nur für einfache Jobs zu gebrauchen wären, aber diese Jobs werden wegrationalisiert weil sie entweder durch Maschinen ersetzt werden oder schlicht nicht mehr finanzierbar sind. Jemanden "mit durchziehen", der kaum effektiv ist, das gibt es heute nicht mehr...


    Und dem muß man einfach ins Auge sehen. Manche Menschen sind, hart ausgedrückt, nichr mehr zu gebrauchen weil deren Leistungsfähigkeit oder Lebensumstände in unserer Gesellschaft nicht mehr vermittelbar sind.
    Die können dann gar nicht anders als von Sozialhilfe zu leben.


    Der andere Punkt ist: ich wundere mich immer wieder dass man an Bezieher von Transferleistungen so hohe moralische Anforderungen stellt, die aber sonst auch kaum jemand erfüllt. Man erwartet von den Leuten dass die sich um jeden Drecksjob bemühen sollen, auf gut deutsch "Scheiße fressen sollen", weil man glaubt dass diejenigen dazu verpflichtet wären wenn der Staat sie finanziert.


    Gleichzeitig hat der selbstgerechte Spießbürger keine Probleme damit selber die Steuererklärung zumindest zu "optimieren", den ein oder anderen Müll in eine Tonne zu werfen, in die er nicht gehört, und andere Dinge, die nicht ganz korrekt sind.


    Man kann natürlich leicht von anderen tadelloses Verhalten fordern weil man sich selbstgerecht dazu ermächtigt fühlt. Es sagt sich ja auch leicht wie andere sich bemühen müssen wenn man das eigene Geld verhältnismäßig einfach verdient.


    Mit "einfach" meine ich: man hat seinen mehr oder weniger ordentlich bezahlten Job, klar leistet man etwas für sein Geld, aber man hat sich im Laufe der Zeit eine gewisse Position geschaffen und sich damit arrangiert seine Aufgaben zu erfüllen. Sich "richtig den A... aufreissen" müssen aber die wenigsten - und wenn dann nur mal hier oder da, aber nicht immer weiter. Es mag Ausnahmen geben, aber der Durchschnitt der Leute geht morgens zur Arbeit, daddelt vor sich hin, geht nachmittags nach Hause - und am Monatsende kommt das Gehalt.


    Der ALGler soll nun aber wie ein Knecht schuften um gerade mal das Existenzminimum zu bekommen...


    Dass das niemand langfristig gerne macht finde ich verständlich. Wenn jemand als 1-Euro-Jobber vermittelt bekommt dass seine Arbeit nicht mehr wert sein soll als 1 EUR, und man dann noch die große Dankbarkeit zeigen soll - das kann man ja wohl kaum erwarten.


    Und irgendwann ändern sich im Kopf die Einstellungen. Wenn der Gesellschaft irgendwelche Arbeiten nicht mehr wert sind als 1 EUR, wenn man auf den Ämtern behandelt wird wie ein Vollidiot, sich schlaue Sprüche anhören muß von Leuten, die niemals unter den harten Bedingungen des Existenzminimums leben mußten - dann kommt es schnell zu der Trotzreaktion die Gesellschaft genauso zu verarschen wie man von dieser auch selber verarscht wird.


    Ich kann das verstehen und finde keineswegs dass die stattlichen Transferleistungen zu hoch sind. Im Gegenteil - sie sind für einen durchschnittlichen Menschen mit seinen ganz normalen Bedürfnissen viel zu niedrig! Der Systemfehler liegt darin dass inzwischen die Gehälter so klein geworden sind dass der Abstand zum ALG eigenartig klein geworden ist. Das ist aber kein Problem zu hoher Transferleistungen, sondern zu geringer Löhne!


    Ach ja, und ein weiteres: es wird immer und überall Negativbeispiele geben. Wenn man sich ständig an denen aufhängt, wie es immer wieder gerne gemacht wird, ist klar dass man ständig von den Betrugsfällen redet.
    Nur ist das eine eher kleine Minderheit. Die große Mehrheit sind die Leute, die ehrlich sind oder sein wollen. Nur sind die in der Öffentlichkeit uninteressant weil da eben nur die Aufreger interessieren, nicht die unauffälligen Normalos.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

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