Finanzkrise - Auswirkungen bei Euch (Job, Konsum, etc.)?

  • Zitat

    Original geschrieben von CK-187
    Wenn so jemand ganz genau weiß das er für 40h arbeiten die Woche am Monatsende nur 200-300 Euro mehr verdient als fürs nichtstun, dann wundert es mich nicht das er lieber zuhause bleibt. Klar ist das Unfair der arbeitenden Gesellschaft gegenüber, aber am Ende ist man sich doch lieber selbst der nächste. ;)


    200-300 Euro "Taschengeld" gegenueber nichtstun ist ja heute fast schon gut bezahlt. ;)


    Heute gibt es ja viele Jobs bei denen aufgestockt werden muss, und die 8,50 EUR Mindestlohn sind so gemessen das man gerademal 40-50 Euro Taschengeld hat


    Wenn man mal mal schaut wieviele jemand verdienen muss damit er ueberhaupt auf Sozialhilfeniveau kommt.


    391 EUR Regelsatz
    450 EUR Miete und Heizkosten
    90 EUR Fahrtkosten
    80 EUR Arbeitsverpflegung
    =========================
    1.011 EUR "Mindestbedarf"


    Um 200-300 Euro Taschengeld zu haben muss man schon 1.211 - 1.311 Euro verdienen was eigentlich garnichts so so schlecht ist. Da muss man schon einen Berufsabschluss haben, und in manchen Berufen wie als Koch oder Baecker wird selbst das schwierig bis unmoeglich.

  • Zitat

    Original geschrieben von Anja Terchova
    200-300 Euro "Taschengeld" gegenueber nichtstun ist ja heute fast schon gut bezahlt. ;)


    Heute gibt es ja viele Jobs bei denen aufgestockt werden muss, und die 8,50 EUR Mindestlohn sind ..


    Die Anzahl der Aufstocker in Vollzeit ist gering.

    Beste Grüße
    W.



  • Kommt drauf an wo man lebt. ;)
    Ich wohne z.B. in Stuttgart West. Hier bekommst mit 450 Euro einen Keller oder darfst in eine WG. Mit etwas Glück vielleicht ein Zimmerchen, aber das wars dann auch schon. Das Ganze natürlich ohne Heiz/Nebenkosten. Bei zwei Personen und ~1200 Einkommen pro Person geht ein Gehalt fast komplett für Miete und Nebenkosten drauf. Dann hast aber noch nichts gegessen, nichts getrunken, kein Fern geschaut, keine Telefonate geführt, warst nicht im Internet und hast sonst keine Ausgaben gehabt.


    Bei zwei Personen mag das mit ach und krach noch so hinkommen (ohne tolles Leben zu führen mit 3-4 Wochen Urlaub am Strand) aber als Einzelner hat man ganz schnell die A-Karte gezogen. Wäre ich in so einer Situation würde ich auch versuchen nebenher etwas zu verdienen und würde auf den Staat schei...


    Seien wir doch mal ehrlich, wenn ein Gehalt in Deutschland schon kaum zum leben reicht, wie soll es das im Süden? Zumal viele Preise dort auf ähnlichen Niveau sind bei (Teils stark) niedrigeren Gehältern.

    .:Gate 13:.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Zitat

    Original geschrieben von CK-187
    ... Seien wir doch mal ehrlich, wenn ein Gehalt in Deutschland schon kaum zum Leben reicht, ...


    All diese Maßnahmen haben ja nicht den Sinn, dass man damit wie der Durchschnittsbürger 'bequem leben' oder 'einfach leben' kann. 'Gelebt wird ja' aktuell damit, behaupte ich provokativ, sonst hätten wir derartige Diskussionen ja gar nicht, sondern andere, oder?


    Es sind Zahlungen, die letztlich und ausschließlich Hilfe zur Selbsthilfe darstellen sollen. Die Höhe ist demnach so hoch, dass man mit vielen Entbehrungen gerade so über die Runden kommt. Und an der Stelle ist Taschengeld auch fehl am Platz.


    Anstatt über Mindestlohn zu diskutieren, ist es mMn sinnvoller, Lösungskonzepte zu entwicklen, wie man eine geringqualifizierte Arbeitskraft höher qualifiziert oder wieder an den Bedarf des Arbeitsmarkts heranführt.


    Handelt es sich um eine Qualifikation, bei der man wenig verdient, dann doch deshalb, weil es für diese Qualifikation entweder keinen Bedarf gibt, es zu viele Anwerber für die verfügbaren Jobs gibt oder der Mehrwert dieser Qualifikation am Markt im Vergleich zu anderen Qualifikationen als deutlich gering eingestuft wird. Man könnte auch sagen, dass der potenzielle Arbeitnehmer sich am Bedarf völlig vorbei qualifiziert hat.


    Ein Gaslampenausmacher mag qualifiziert sein, Gaslampen ausmachen zu können, bringt aber dem Arbeitsmarkt nichts, wenn fast alle Lampen mit Strom leuchten. Ebenso ein Kutschenfahrer oder ein Zeitungsjunge. Deshalb sind die Löhne niedrig. Weil es keinen Bedarf gibt.


    Das wird an der Stelle oftmals ignoriert. Die Debatte um den Mindestlohn lenkt davon völlig ab und ist für mich völliger (sozialromantischer) Blödsinn.


    Staatliche Preisfestsetzungen oder Preiseingriffe haben den Markt noch nie gut getan, weil er Fehlimpulse am laufenden Bande generiert. Allenfalls von zeitlich kurzer Dauer sind solche Maßnahmen sinnvoll, etwa, wenn eine strukturschwache Branche sukzessive zu Gunsten einer chancenreicheren Branche mit der Perspektive eines signifikanten Plus an neuen Arbeitsplätzen/-angeboten abgebaut werden soll. Langfristige Subventionen ergeben keinen Sinn (vgl. Kohlesubventionen). Man hält eine tote Branche künstlich am Leben und generiert damit auch für die Qualifizierungsentscheidung junger Menschen eindeutige Fehlimpulse.


    Nun gibt es Leute, die auf Grund einer geistigen Leichtstrukturiertheit wohl nie in höher qualifizierte Jobs überführt werden können; hier halte ich Sonderlösungen gesellschaftspolitisch für sinnvoll. Dass der Verdienst hier dennoch niedriger sein muss als für Höherqualifizierte, dürfte gleichwohl klar sein.


    Alle anderen, die einen gewissen Aufwand für eine entsprechende Höherqualifizierung (auch mit größten Anstrengungen) leisten/meistern könnten, sollen das auch leisten müssen. Anreiz hierfür kann für eine gewisse Zeit lang eine höhe staatliche Leistung gegen regelmäßige Qualifizierungsnachweise (Prüfungen etc.) sein. Wer hier nicht zu leisten bereit ist (auch in Kombination mit Arbeitsdiensten für die Allgemeinheit, wie sie auch immer aussehen mag), der sollte das finanziell auch merken. Wenn Menschen regelmäßig nicht zum Vorstellungsgespräch kommen (und ich meine jetzt nicht eine plötzliche Erkrankung als Begründung), dann geht es ihnen mit dieser 'reicht-kaum-zum-Leben-Leistung' offenbar immer noch zu gut. Und das ist auch eine (bittere) Wahrheit.


    Nochmal: Hilfe zur Selbsthilfe! Das bedeutet nicht, dass das bequem ist oder sein soll. Im Gegenteil.

  • Goyale:


    Zitat

    Wäre es Dir lieber, wenn diese Leute stattdessen mit Chips und Bier vormittags amerikanische Serien anschauen, oder schwarz arbeiten?


    Wenn ich hartzen müßte, wäre ich über jede Beschäftigung sehr froh, weil ich mich weiterbilden könnte, im Berufsleben bleiben würde etc.
    __________________


    Hast du den Link genau durchgelesen? Dann hättest du bemerkt, das es darum nicht geht. IM übrigen wird das eine Regelung sein, die wieder mal vom Sozialgericht (zu Recht!) gekippt wird.

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!


  • Das behaupte ich ja nicht. Auch fordere ich für diese Menschen kein Taschengeld. ;)
    Das was ich fordere ist das jeder mit einem Vollzeitjob genug verdient um ein gutes Leben zu führen. Die Situation ist doch so das viele auf Hilfen angewiesen sind obwohl sie arbeiten. Und viele verdienen durch ihren Vollzeitjob nur wenig mehr als ein Hartzer bekommt. Da ist es nur logisch das es Menschen gibt die für 300-400 Euro im Monat keine 160h arbeiten wollen. Im Prinzip ist es nämlich genau das (wenn nicht noch weniger) was bei vielen den Unterschied zwischen "nichtstun" und Hartz 4 ausmacht.


    Wenn sich die Politik mal wieder in die Richtung Bürger entwickelt und nicht mehr nur für Banken und Aktienkurse auf den Strich geht würde sich Arbeit auch wieder lohnen. ;)
    Verdammt, wir leben in einem Land das vor Industrie und Wirtschaft nur so strotzt. Da wird es doch möglich sein alle arbeitende Menschen entsprechend zu entlohnen damit sie ein gutes Leben führen können. :mad:

    .:Gate 13:.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Nochmals die Frage: Was ist der Grund für den geringen Lohn?


    Der spezifische geringentlohnte Vollzeitjob bietet dem Markt keinen entsprechenden Wert, der eine höhere Entlohnung rechtfertigen würde.
    Anders ausgedrückt, der Arbeitnehmer macht etwas, was wenig Bedeutung oder Relevanz hat.
    Und dafür wird er entsprechend dieser Bedeutung entlohnt.


    Du bezahlst Deinem Friseur für einen Herrenhaarschnitt auch keine 40 EUR, damit dieser gut leben kann.
    Auch zahlst Du beim Bäcker keine 2 EUR für ein Kaiserbrötchen, damit dieser gut leben kann.
    Du zahlst nach Bedeutung, Stellenwert, Entsprechung oder Relevanz.


    Wenn es entsprechend um eine entsprechende Entlohnung gehen soll, muss der zu Entlohnende entsprechend der Relevanz oder der Bedeutung qualifiziert/spezialisiert sein.


    Das hat nichts mit der Politik zu tun, sondern mit der Bereitschaft des einzelnen, sich ENTSPRECHEND zu qualifizieren.


    Der Staat oder der Sozialstaat kann über seine Steuereinnahmen für die Zeit der Qualifizierungsanpasssung unterstützend begleiten, aber nicht im Sinne einer nicht entsprechenden Dauerzahlung, auf der man es sich bequem einrichten kann.


    Für diese Selbsthilfe zahlen Höherqualifizierte -die in der Regel mehr leisten, damit mehr Wert für den Arbeitsmarkt bieten und deshalb auch entsprechend mehr verdienen- deutlich mehr Steuern und Sozialabgaben und erhalten gleichzeitig weniger Leistungen, Freibeträge oder was auch immer.


    Was mich an der Debatte stört ist es, dass immer so getan wird, als fielen der überwiegenden Mehrzahl an Gut- oder Besserverdienenden höhere Löhne einfach so aus heiterem Himmel oder Glück zu. Das geht einher mit viel Lernen und Fortbildung (während andere oftmals alternativ abhängen), viele Überstunden und Mehrarbeit, ein Höchstmaß an Flexibilität und Mobilität (oftmals auch am späten Abend oder am Wochenende), wenig Freizeit und viel Verantwortung, auch einhergehend mit persönlicher Haftung. Und für all das wird man dann entsprechend entlohnt.


    Es ist möglich, dass jeder ein gutes Leben führen kann. Aber es kann auch nicht sein, dass Leistungsträger immer mehr und mehr bezahlen müssen, dass andere 'ein gutes Leben' führen mit deutlich weniger Anstrengung.


    Ich spreche nicht von absoluten Härtefällen. Diese werden im gesellschaftlichen Kontext unterstützt. Dafür zahle ich gerne mehr Abgaben. Aber nicht für die Arno Dübels dieser Welt und jener, die nichts, aber auch gar nichts leisten (und damit meine ich auch die Höherqualifizierung durch den Erwerb eines Bildungsabschlusses, einer ggfs. erneuten Ausbildung, Fortbildung etc.) wollen ...


    Wieviele gibt es denn, die von selbst auf den Gedanken kommen, in einer Abendschule/Fernschule/am Abend zu Hause den qualifizierten Abschluss, die Realschule, das Abitur oder eine Fortbildung/Weiterbildung/Fremdsprache etc. zu erlernen oder anzugreifen, um sich für eine bessere Perspektive entsprechender zu machen? Die meisten schauen doch in den Fernseher oder machen etwas anderes und beklagen sich gleichzeitig über die niedrigen Unterstützungs-Sätze oder über den Arsch, der spät am Abend von der Arbeit nach Hause kommt oder daheim noch arbeitet und ungerechtfertigterweise auch noch wesentlich mehr Einkommen hat. Wie ungerecht, oder?

  • Ich glaube du verstehst mich komplett falsch. ;)
    Gerade die Relevanz ist es worauf es mir ankommt.
    Als Stuttgarter mit entsprechenden Informationen nenne ich als Beispiel mal Mercedes Benz, oder Daimler wie wir hier sagen :D


    Die Zahlen selbst, haben weder was mit der Realität noch was mit entsprechender Zeit, Kursen, Inflation oder sonst was zu tun sondern dienen nur als Beispiel.


    In einer Zeit in der du und ich kleine Hosenscheißer waren hat dort ein unqualifizierter Arbeiter mit seinen drei Worten Deutsch die er konnte, 2500 Euro verdient wovon er sehr gut leben konnte. Um drei Schrauben fest zu ziehen braucht es keine Ausbildung also hat er die Aufgabe 1A erledigt.
    Heute wird die gleiche Stelle fast ausschließlich an "qualifizierte Fachkräfte" vergeben welche ebenfalls 2500 Euro bekommen. Kann zwar auch sehr gut von leben aber dafür das er qualifiziert ist...zu wenig. Der unqualifizierte Arbeiter würde, wenn er denn überhaupt eine Chance bekäme nur 1600 Euro bekommen. Da bieten sich die 1300 Euro fürs rumsitzen doch förmlich an.


    Die Sache mit Fortbildung, Abendschulen usw....ja, da hast du Recht. Frag mich nicht wieso die nicht auf die Idee kommen denn dafür ist es nie zu spät. Aber trotzdem müsste es in einem Land wie Deutschland möglich sein ohne Qualifikation (sofern man arbeiten und sich reinhängen will) einen gut bezahlten Job zu bekommen. Und unter gut bezahlt meine keinen Job mit 5.000 Euro im Monat sondern irgendwas das einen deutlichen Mehrwert zu Hartz 4 bietet.


    Edit: worauf ich hinaus will ist das die Löhne von Menschen die sich den Ar... aufgerissen haben um was zu lernen, dermaßen gedrückt wurden das es sich für diejenigen die zwar nichts können aber trotzdem ausreichend sind, nicht lohnt zu arbeiten.


    Und das hat einzig und allein die Politik zu verantworten indem sie der Industrie keinen Riegel vorschiebt. In anderen Ländern verdienen Zeitarbeiter z.B. per Gesetz mehr als Festangestellte.
    Warum das hier nicht auch so ist können wir uns glaube ich denken ;)

    .:Gate 13:.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Zitat

    Original geschrieben von derAL
    Handelt es sich um eine Qualifikation, bei der man wenig verdient, dann doch deshalb, weil es für diese Qualifikation entweder keinen Bedarf gibt, es zu viele Anwerber für die verfügbaren Jobs gibt oder der Mehrwert dieser Qualifikation am Markt im Vergleich zu anderen Qualifikationen als deutlich gering eingestuft wird. Man könnte auch sagen, dass der potenzielle Arbeitnehmer sich am Bedarf völlig vorbei qualifiziert hat.

    So kann man es eigentlich nicht sagen.


    Sondern es gibt fuer Geringqualifizierte und schlecht bezahlte Berufe sogar einen sehr grossen Arbeitsmarkt. Nur die Bezahlung ist einfach viel zu mies. Es wird sogar staendig gejammert das es keine Bewerbert, aber man will trotzdem nicht mehr bezahlt.


    Zitat

    Original geschrieben von derAL
    Der spezifische geringentlohnte Vollzeitjob bietet dem Markt keinen entsprechenden Wert, der eine höhere Entlohnung rechtfertigen würde.
    Anders ausgedrückt, der Arbeitnehmer macht etwas, was wenig Bedeutung oder Relevanz hat.
    Und dafür wird er entsprechend dieser Bedeutung entlohnt.

    Kann man auch nicht so wirklich sagen. Denke niemand moechte z.B. auf frische Broetchen, Kinderbetreuung in der Kita, saubere Hotelzimmer, Pflege im Krankenhaus und das alles verzichten. Also kann man eigentlich nicht sagen das dieses Taetigkeiten keinen Wert haben. Aber es wird trotzdem mies bezahlt.


    Zitat

    Original geschrieben von derAL
    Aber nicht für die Arno Dübels dieser Welt und jener, die nichts, aber auch gar nichts leisten (und damit meine ich auch die Höherqualifizierung durch den Erwerb eines Bildungsabschlusses, einer ggfs. erneuten Ausbildung, Fortbildung etc.) wollen ...

    Aber man kann auch nicht erwarten das jeder Abitur und Studium machen kann.


    Und wenn man mit "gut durchschnittlicher" Leistungsbereitschaft, z.B. als Baecker oder Koch gerademal 50 Euro, als Callcentermitarbeiter oder als Friseur 150 Euro, in der Kita oder Pflege 250 Euro ueber Sozialhilfeniveau verdienen kann, dann ist es kein Wunder das die Leute resignieren und gleich garnichts mehr tun. Und wenn denn hoechstens schwarz.

  • Vor Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens darf es meines Erachtens keine Wahlfreiheit geben zwischen Untätigkeit/Transferbezug und Mühsal/Niedriglohn geben. Hierzulande würde ich es nicht wagen grundsätzlich an den Transferleistungen zu kratzen. Zu viele Leute befinden sich darin und die Sozialindustrie hängt sich schon zwecks eigenen Fortbestandes da herein. Auch ALG2-Beziehern leben heute ja besser als vor nicht allzu langer Zeit einfache Beschäftigte. Meines Erachtens ist das Sozialsystem mit zuviel "Teilhabe" aufgeblasen worden. Natürlich kann man mit Nachdruck und einiger Berechtigung jeden einzelnen Teilhabebestandteil als deutlich unzureichend herausstellen. Da aber nur sehr wenige - oder niemand? - alle Transferbestandteile in jeweiliger Teilhöhe verbrauchen, sieht man ja, daß durchaus persönliche Verschiebungsmöglichkeiten, Prioritätensetzung und damit eigentlich auch Sparpotential vorhanden ist. Wenn wir aber den Umfang der Transferleistungen zumindest beibehalten wollen, dann muss eben nach oben hin der Abstand zu den niedrigstbezahlten Vollzeiterwerben vergrößert werden, und sei es über einen entsprechenden Mindestlohn. Wenn dann die Sozialindustrie binnen kurzen schreien sollte, daß ihre Klientel sich dann zu so-und-soviel Prozent mehr in - relativ berechneter! - Armut befindet, dann muss man das aushalten. Generell dürfen Staat und Gesellschaft von Transferempfängern auch Einsatz in Höhe einer Vollzeittätigkeit fordern.


    Soziales Netz? Ja! Soziale Hängematte mit Wahlfreiheit? Nein! Erst wieder bei existenzsicherndem, bedingungslosem Grundeinkommen für alle. Ansonsten: Nein!


    Von mir aus dürfte man auch gern daran arbeiten, daß man die Einkommenshöhe verschoben bekommt von den angenehmen Tätigkeiten zu den unangenehmen Tätigkeiten. War das nicht früher so, daß zwar mental eher einfache, aber unbeliebte Tätigkeiten wie Müllmann relativ gut bezahlt waren? Irgendwie habe ich das aus der Kindheit in Erinnerung. Ich fand's und fänd's auch gerecht, denn die angenehmen Tätigkeiten macht man im Zweifelsfall auch ohne hohes Einkommen, während man die weniger beliebten Tätigkeiten höher entlohnen muss.

    Je suis Charlie

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