[Berlin] Religions-/Ethikunterricht

  • Zitat

    Na klar, wäre es auch un Westberlin gescheitert, weil IN Berlin sehr hohe Hürden für eine Volksabstimmung bestehen, die es auch in keinen anderen Bundesland so gibt. Es genügt nicht, mehr Stimmen zu bekommen, es müssen mindestens 25 % sein. Deshalb scheitern in Berlin auch die meisten Volksbegehren.


    Darüber kann man sich vortrefflich streiten. In diesem Falle bringt es nichts, denn "Pro Reli" hat eben keine Mehrheit. Man kann auch gut argumentieren, dass ohne die 25-Prozent-Hürde noch mehr Nein-Stimmen zusammengekommen wären. Wer "Pro Reli" unterstützen wollte, _musste_ zur Urne gehen, wer dagegen war, konnte darauf spekulieren, dass das Quorum nicht erfüllt werden würde.


    In Berlin scheiterten bis jetzt übrigens zwei von zwei Volksbegehren an der Urne, also "alle".


    Zitat

    In Bayern entscheidet da einfach die Mehrheit, das ist viel demokratischer.


    In Bayern sind die Hürden an anderer Stelle höher. In Berlin braucht man für die Zulassung eines Volksbegehrens die Unterschriften von 7 % der Wahlberechtigten. Das geht in einer Großstadt einfacher als im weitgehend ländlichen Bayern. Dort müssen aber noch dazu Unterschriften von 10 % der Wahlberechtigten gesammelt werden. Die Hürde ist also deutlich höher und eine Initiative verschlingt entsprechend mehr Ressourcen!


    Zitat

    Der Religionsunterricht hat sich seit Jahrzehnten in deutschen Schulen bewährt!


    Inwiefern hat er sich bewährt? Geht es uns irgendwo besser als in Frankreich, wo es selbstverständlich keinen gibt?


    Zitat

    was genau soll denn dann eigentlich im Ethikunterricht vermittelt werden?


    Hat eine Gesellschaft prinzipiell keine gemeinsamen Werte? Kommen diese immer von einem Glauben und sind inkompatibel mit allem anderen? Kann ein Staat dann überhauüt laizistisch sein?


    Zitat

    Wer Menschen die sich für den Religionsunterricht entschieden haben, zum Ethikuntericht zwingt, der zeigt sein wahres idelogisches Gesicht, er erkennt Reliigionsuntericht nicht als gleichwertig an, weil er in Wahrheit Religiöses zurückdrängen will.


    Wer Religionsunterricht gegen Ethik ausspielen will, spaltet eine Gesellschaft. Wir definieren uns hoffentlich nicht in erster Linie als Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Muslime, Juden, Pastafari. Es gibt hoffentlich eine gemeinsame Wertebasis. Dazu gehört zum Beispiel, dass man tolerant ist gegenüber anderen (religiösen) Ansichten. Dazu gehört, dass man diese kennt. Wie das funktionieren soll, wenn man von der Grundschule an nur katholischen oder islamischen Religionsunterricht hatte, würde mich interessieren. Es ist schlicht grotesk, das Entstehen von "Parallelgesellschaften" zu beklagen und eben diese ausgerechnet in den staatlichen Schulen zu forcieren!


    Zitat

    In keinen anderen Bundesland in Deutschland gibt es Zwangsethik für Teilnehmer des Religionsunterichts.


    Nochmals: Was ist das Besondere an Ethik, dass man es unbedingt durch Religion ersetzen können sollte.


    Zitat

    Man könnte es ja noch hinnehmen, wenn diejenigen, die keinen Religionsuntericht besuchen, ein Pflichtfach Ethik belegen müssen.


    Und wieso das?

  • Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    Damit wird klar, daß es überhaupt nicht um Pro-Religion oder Kontra-Religion geht sondern wie schon angesprochen um das bekannte Multi-Kulti-Problem in Berlin und selbstverständlich auch um den Werteverfall beim "ordentlichen Deutschen".


    Genau das ist der Punkt. Ich hatte das in einem der vorherigen Postings auch schon mal angesprochen. Berlin hat Integrationsprobleme mit der Multikulti-Migranten-Bevölkerung und sieht sich nun vor der Aufgabe, dennoch "Recht und Ordnung" aufrecht halten zu müssen.


    Da man sich in Deutschland allerdings traditionell schwer tut auch mal klar Position gegen Multikulti, Fehlverhalten von Migranten oder Ausländern zu beziehen - weil sofort das Totschlagsargument des rechten Gedankengutes bemüht wird - schlittert man in entsprechende soziale Probleme hinein.


    Einbürgerungstest und Ethikunterricht sind die "politisch korrekten" und zugleich ungeeigneten Maßnahmen, um die Leute irgendwie sanft auf den hier gerne gesehenen Weg zu bringen. Blöderweise lachen die meisten darüber eher und nehmen das nicht ernst weil auch jeder weiß, dass die Deutschen sofort einknicken wenn man mit dem Nazi-Argument kommt.


    Es ist am Ende völlig wurscht ob das Ding Religions- oder Ethikunterricht heißt, entscheidend ist ja der Inhalt - das, was dort vermittelt wird. So gesehen kann ich auch gut damit leben, wenn es keinen Religions- sondern "nur" Ethikunterricht gibt.


    In demselben müsste dann aber, damit das alles Sinn macht, klar vermittelt werden welche Regeln, welche Werte in diesem Land gelten. Offenbar schaffen wir es aber nicht so gut wie die meisten anderen Einwanderungsländer, Migranten zugleich willkommen zu heißen, aber zugleich dennoch zu vermitteln, dass es hier nach "unseren" kulturellen Spielregeln läuft. Damit ist nicht gemeint, dass jemand seine kulturelle Heimat aufgeben muss. Dass aber erwartet wird, dass er sich in die hiesige Gesellschaft integriert, ihre Werte beachtet und keine Parallelgesellschaft mit eigenen Spielregeln installiert.


    "Ethikunterricht" ist IMHO das Ergebnis einer falsch verstandenen Anpassung an Migranten, wobei hier zupass kommt, dass man alle "Kirchenkritiker" mit auf seine Seite ziehen kann, denn die springen auf das Reizthema "Kirche/Religion/Religionsunterricht" auch an, ohne den tieferen Sinn der ganzen Diskussion oder das Problem, um das es eigentlich geht, wirklich zu durchschauen.


    Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    Ich sehe keinen Zusammenhang zwischen Werten und Religion.


    Bei uns gibt es den auch nicht direkt. In anderen Kulturen allerdings schon... Und hier ist eben das Problem. Insbesondere im Islam besteht ein enger Zusammenhang zwischen Religion und den Werten. Z. B. bei den Ehrenmorden ist offensichtlich, dass da kulturelle/religiöse und wertorientierte Zusammenhänge bestehen.


    Simpel und einfach gesagt: der tiefere Sinn des Religionsunterrichts ist nicht allein, religiöses Wissen oder gar Missionierung zu fördern, sondern da findet im weitesten Sinne eine Auseinandersetzung mit den spirituellen Grundlagen unserer Kultur statt. Du brauchst selber kein frommer Christenmensch werden oder zum Kirchgänger mutieren, musst auch mit der Kirche und ihren z. T. völlig unzeitgemäßen Positionen nichts zu tun haben - aber du beschäftigst dich im Religionsunterricht mit den Gedanken, dem Glauben und den Grundlagen, die uns seit hunderten Jahren geformt haben.


    So wie im Politikunterricht niemand zum Politiker wird, soll im Religionsunterricht keiner zum frömmelnden Kirchgänger werden. Es geht aber um Auseinandersetzung und Wissen über die "Denkgrundlagen" unserer Kultur.


    Man kann das meinetwegen anstatt Religions- auch Ethikunterricht nennen. Blöd wird es, wenn der Neutralität und politischen Korrektheit oder der Bevölkerungsstruktur wegen die vermittelten Inhalte verändert werden, also man schleichend immer weniger "deutsche Leitkultur" vermittelt, sondern sich immer mehr so ausrichtet, dass jede Bevölkerungsgruppe ihre Themen unterbringen kann.


    Es ist ja nicht per se schlecht, Gutes aus anderen Kulturkreisen zu übernehmen. Nur darf man seine eigene Identität nicht verlieren, und da sehe ich einfach die Gefahr.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von StebuEx
    Es geht nicht um gute und schlechte Religion, es geht um die Frage wer Werte vermitteln will und kann und nicht um Sinn oder Unsinn von Religionsunterricht.


    Für mich - und da wiederhole ich mich - ist es keine Frage, daß der Religionsunterricht das kann und auch in erster Linie tut. Und diese Werte sind keineswegs schlecht, sondern großer Teil unserer Kultur. Gleichzeitig bedeutet RU meiner Erfahrung und Aufassung nach aber nicht, daß man diese Werte im RU nicht diskutieren und in Frage stellen darf.
    Gleichzeitig habe ich aber auch rein gar nichts gegen einen Ethikunterricht allgemein und im speziellen für die, die mit Religion nichts am Hut haben wollen, aus welchen Gründen auch immer, da muß man sich nicht rechtfertigen.
    Aber da wiederhole ich mich. Da für mich alles gesagt ist und die Abstimmung gelaufen, steige ich an dieser Stelle aus.

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein


  • Man mag sich darüber streiten, ob die Hürden für die Zulassung eines Volksbegehrens bei 5, 7, 10 oder 15 Prozent liegen sollen, wenn aber ein Volksbegehren diese Hürde genommen hat, dann muß beim Volksentscheid auch gelten, was mehrheitlich entschieden wurde und kann dann nicht noch zusätzlich verlangen, die Mehrheit muß mindestens bei 25 Prozent sein, dann kann man Volksbegehren gleich ganz abschaffen, wenn der Mehrheitswille nicht im jedem Fall gilt.
    Ethik-Unterricht ist nichts besonderes sondern eine Art Wertevermittlung genauso wie Religionsuntericht eine Art Wertevermittlung darstellt. Jeder soll selber entscheiden welche er bevorzugt und nicht für was bestimmtes gezwungen werden. Zwang ist in diesen Bereich nichts weiter als Idelogie, das läßt sich nicht wegdiskutieren.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Zitat

    wenn aber ein Volksbegehren diese Hürde genommen hat, dann muß beim Volksentscheid auch gelten, was mehrheitlich entschieden wurde und kann dann nicht noch zusätzlich verlangen, die Mehrheit muß mindestens bei 25 Prozent sein


    Denn es ist unzweifehaft der Mehrheitswille, auch wenn man dieses mal nicht ein Viertel aller Wahlberechtigten dazu motivieren kann, dafür zu stimmen. Hier wird das demokratische Recht der stillen Mehrheit (welche unzweifelhaft im richtigen Sinne, nämlich in deinem, gestimmt hätte) mit Füßen getreten, nur weil sie lieber die Wirtschaft durch Arbeit und Konsum voranbringen, statt zur Urne zu gehen. Skandal!

    "That's not a hair question. I'm sorry." - 01/31/07 - Never forget!

  • Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Für mich - und da wiederhole ich mich - ist es keine Frage, daß der Religionsunterricht das kann und auch in erster Linie tut. Und diese Werte sind keineswegs schlecht, sondern großer Teil unserer Kultur.


    Du (und damit spreche ich auch so diverse andere an) weisst aber schon, dass der Religionsunterricht getrennt nach Religionen erteilt wird? Das - und nur das - ist doch der trennende Aspekt. Wenn jeder fast ausschliesslich seine eigene Religion und die möglicherweise damit verbundenen Werte gelehrt bekommt, dann ist das für ein Zusammenleben nicht förderlich.


    Zitat

    Original geschrieben von oleR

    Wer Religionsunterricht gegen Ethik ausspielen will, spaltet eine Gesellschaft. Wir definieren uns hoffentlich nicht in erster Linie als Katholiken, Protestanten, Orthodoxe, Muslime, Juden, Pastafari. Es gibt hoffentlich eine gemeinsame Wertebasis. Dazu gehört zum Beispiel, dass man tolerant ist gegenüber anderen (religiösen) Ansichten. Dazu gehört, dass man diese kennt. Wie das funktionieren soll, wenn man von der Grundschule an nur katholischen oder islamischen Religionsunterricht hatte, würde mich interessieren. Es ist schlicht grotesk, das Entstehen von "Parallelgesellschaften" zu beklagen und eben diese ausgerechnet in den staatlichen Schulen zu forcieren!


    Das ist so perfekt auf den Punkt gebracht, dass ich mich wirklich frage wie deutlich man das noch formulieren muss, damit die Religionsfans endlich verstehen dass es genau darum und eben nicht gegen Religion an sich geht.

  • Da ich direkt zitiert werde, will ich mich nochmal dazu äußern, auch wenn ich mich damit nochmal wiederhole:


    Zitat

    Original geschrieben von nurLeser
    Wenn jeder fast ausschliesslich seine eigene Religion und die möglicherweise damit verbundenen Werte gelehrt bekommt, dann ist das für ein Zusammenleben nicht förderlich.


    Für mich schließt das eine das andere nicht aus. Man lernt im Religionsunterricht genauso auch über Ethik im Allgemein und über andere Religionen wie man in Ethik sicher auch einiges über Religionen lernt.


    Zitat

    Das ist so perfekt auf den Punkt gebracht, dass ich mich wirklich frage wie deutlich man das noch formulieren muss, damit die Religionsfans endlich verstehen dass es genau darum und eben nicht gegen Religion an sich geht.


    Daß Religionsunterricht Toleranz mangels Wissen ausschließt, ist doppelt falsch.

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

  • Zitat

    Original geschrieben von Sencer
    Denn es ist unzweifehaft der Mehrheitswille, auch wenn man dieses mal nicht ein Viertel aller Wahlberechtigten dazu motivieren kann, dafür zu stimmen. Hier wird das demokratische Recht der stillen Mehrheit (welche unzweifelhaft im richtigen Sinne, nämlich in deinem, gestimmt hätte) mit Füßen getreten, nur weil sie lieber die Wirtschaft durch Arbeit und Konsum voranbringen, statt zur Urne zu gehen. Skandal!


    Wie die stille Mehrheit gestimmt hätte weiß man natürlich nie genau. Warum jemand an einer Wahl oder einen Volksbegehren nicht teilnimmt, dafür sind die Gründe sicher sehr unterschiedlich. Unakzeptabel ist aber sicher, wenn eine Mehrheit nicht gilt, nur weil die Mehrheit keine 25 Prozent erreicht hat. Das Volksbegehren pro Reli hat zwar auch keine einfache Mehrheit erreicht, es geht hier aber um das Prinzip, das Mehrheiten auf jeden Fall zu akzeptieren sind. Sowas gibt es nur in Berlin, genau so wie die Zwangsbeglückung mit Ethik. Anscheinent typisch Berliner Zustände. Da bin ich ja direkt froh, daß ich nicht in Berlin wohne.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • Zitat

    Original geschrieben von Jochen
    Für mich schließt das eine das andere nicht aus. Man lernt im Religionsunterricht genauso auch über Ethik im Allgemein und über andere Religionen wie man in Ethik sicher auch einiges über Religionen lernt.


    So _sollte_ das auch sein. Für Dich (und mich) mag das auch selbstverständlich und zu erwarten sein.
    Aber auch wenn es noch so "un-pc" sein mag: Die Realität ist eine andere. Leider.

  • Werde mal meinen (künftigen) Schwager fragen, der Gymnasial-Religionslehrer (katholisch) in Rheinland-Pfalz ist, was die so für einen Lehrplan haben und wie er und seine Kollegen den Unterricht gestalten. Er ist auf jeden Fall jemand, den ich als kritischer Gläubiger bezeichnen würde. Ich bin gespannt...

    “Das Leben ist wie ein Fahrrad. Man muß sich vorwärts bewegen, um das Gleichgewicht nicht zu verlieren.” Albert Einstein

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