Falscher Fahrschein - Hab ich eine Chance, keine 40€ zahlen zu müssen?

  • Zitat

    Original geschrieben von oleR
    Vielleicht wäre es allgemein eh besser, den ÖPNV schlicht für alle gratis zu machen.
    ...


    Hi,
    das finde ich einen interessanten Ansatz und wir haben diesen im Bekanntenkreis auch einmal ausgiebigst diskutiert.


    Trotz der vielen Argumente dafür war DAS schlagende Argument:


    "Wat nix kost, is nix!"


    Der Zustand der Bahnen würde nicht besser, die Zuschüsse würden ja nicht erhöht werden seitens der öffentlichen Hand, die eh nur noch durch Quersubventionen der Stadtwerke o.ä. das Level im ÖPNV halten kann.


    Weiterhin würden die Bahnen bzw. das Mobiliar etc. schlecht behandelt, denn man fühlt sich ohne Kauf der Fahrkarte nicht verpflichtet, auch ein wenig sorgsam damit umzugehen.


    Vom Verhalten ggü. dem Personal ganz zu schweigen...


    Insofern lieber, wie z.B. in HH, günstige Tarife (habe ich zumindest ggü. dem K/BN/D so empfunden), die auch Touristen verstehen.


    Dann klappt es auch mit dem Nahverkehr :)


    greetz
    cm

  • Zitat


    Ohne zu wissen, wieviele Fahrgäste im Bus sitzen ist das schwer (absolute Zahlen sind hierbei egal, es kommt auf die prozentualen Verhältnisse an). Interessant ist doch, wie hoch ist die Chance des erwischt werdens und wie hoch dann das erhöhte Beförderungsentgelt. Wie kommst Du auf die 30% günstigeren Fahrpreise? Ist das eine Schätzung, oder gibt es da Studien zu?


    Im Bus sitzen ca. 30 - 40 Personen!


    Das mit den 30% ist eine Schätzung von mir!


    Bei uns ist auch Kontorllierter Einstieg vorne bei Fahrer! Ich kann aber die Abomonatskarten nicht Kontollieren, da wir im Bus das entsprechende Lesegerät NOCH nicht haben!!

  • Zitat

    "Wat nix kost, is nix!"


    Alles eine Sache der Lobby. Autobahnen kosten auch keine extra Gebühr. "Schlaglöcher" gibt es im heute kostenpflichtigen ÖPNV auch, die heißen zum Beispiel bei der S-Bahn Langsamfahrstelle wegen "urplötzlicher" Schäden am Fahrweg und wirbeln nebenbei den gesamten Fahrplan wochenlang durcheinander.


    Zitat

    Der Zustand der Bahnen würde nicht besser, die Zuschüsse würden ja nicht erhöht werden seitens der öffentlichen Hand, die eh nur noch durch Quersubventionen der Stadtwerke o.ä. das Level im ÖPNV halten kann.


    Die Zuschüsse müssten natürlich deutlich steigen. Mehr Fahrgäste mit weniger Geld geht schlecht. Und damit würde man sich in die Abhängigkeit der Politik begeben, richtig. Das ist aber ja heute schon der Fall. Wenn eine Stadt kein Geld hat und der ÖPNV keine richtige Lobby, fängt man da an beim Sparen.


    Zitat

    Weiterhin würden die Bahnen bzw. das Mobiliar etc. schlecht behandelt, denn man fühlt sich ohne Kauf der Fahrkarte nicht verpflichtet, auch ein wenig sorgsam damit umzugehen.


    Vom Verhalten ggü. dem Personal ganz zu schweigen...


    Das ist alles m.M. kein Phänomen, dessen Ursprung jedenfalls hauptsächlich der Preis ist. Beispiel: Berlin.


    Zitat

    Insofern lieber, wie z.B. in HH, günstige Tarife (habe ich zumindest ggü. dem K/BN/D so empfunden), die auch Touristen verstehen.


    Gerade Hamburg find ich ein schlechtes Beispiel. Die Tarife sind alles andere als einfach. Es gibt innerhalb des Stadtgebiets für Einzelkarten drei Preisstufen. Die Grenzen sind dabei für jede Relation anders gewählt. Geht es weiter als ein paar Haltestellen mit der U-Bahn, sind gleich 2,70 Euro für die Einzelfahrt fällig. Monatskarten haben ein ganz anderes Preissystem, mit Tarifzonen und Tarifringen. Manche Karten definieren ihren Gültigkeitsbereich über Ringe, andere über Zonen, manche haben ganze Ringe und einzelne Zonen dazu. Für eine "normale" Monatskarte, die wenigstens das gesamte Stadtgebiet abdeckt, muss man in Hamburg ganze 88 (!) Euro ausgeben.


    Schöner ist da Wien. Die Einzelkarte immer 1,80 Euro. Monatskarte für die ganze Stadt für 49,50 Euro. Übertragbar natürlich, anders als in Hamburg kann man die Monatskarte also mal ausleihen und Kinder oder Bekannte oder sonstwen damit fahren lassen.

  • hm,
    ok, diese Unterschiede für HH kenne ich nicht im Einzelnen.


    Aber ggü. hier immer noch ein Schnäppchen :)


    Was meinst du mit Berlin als Beispiel?


    Steigende Zuschüsse sind illusorisch. Wird es nicht geben, eher den umgekehrten Weg. Gibt es überhaupt weltweit einen ÖPNV, der kostendeckend läuft?


    Mit Lobby kommst du m.E. bei "wat nix kost, is nix" nicht weiter. Die Bahn sollte ihren "Wert" schon noch behalten. Nicht zum Transportmittel für nur noch Arme werden und der Rest fährt mit anderen Mitteln.


    greetz
    cm

  • Zitat

    Steigende Zuschüsse sind illusorisch. Wird es nicht geben, eher den umgekehrten Weg.


    In der jetzigen Situation wohl leider ja. Man müsste dafür ja Geld ausgeben. Das macht man lieber bei Banken ;)


    Wäre jedenfalls eine zukunftsgerichtete Investition. In Hamburg war im Juni an einem Sonntag der ÖPNV komplett kostenlos. Ergebnis waren 30-40 % mehr Fahrgäste - bei gleichzeitig deutlich weniger Autofahrten. Und Autos sind in Großstädten m.M. häufig unangebracht. Weder sechsspurige Asphaltschluchten voller Abgase und Lärm noch ohne Ende zugeparkte Wohnstraße noch der elende Parkplatzsuchverkehr machen eine Stadt lebenswert.


    Alelerdings wäre für eine weitere Fahrgaststeigerung des ÖPNV in einigen Städten zunächst wohl der Bau weiterer leistungsfähiger Strecken nötig. In Hamburg zum Beispiel steht der Schnellbahnbau seit 20 Jahren praktisch völlig Still, während man mittlerweile auf einigen Linien Busse mit zwei (!) Anhängern einsetzen muss. Im 4- bis 5-Minuten-Takt. Überfüllt sind sie trotzdem völlig.


    Es ist m.M. jedenfalls etwas wundersam, etwas individuell abzurechnen, das praktisch jeder braucht. Mobilität gehört einfach zu den Grundbedürfnissen. Im Gegensatz zu Wasser, Strom usw. besteht beim ÖPNV auch kaum die Gefahr, dass bei einem kostenlosen Angebot plötzlich alle das Gut maßlos in Anspruch nähmen. Geld kostet es zwar nicht mehr, aber andere Opportunitätskosten, wie z.B. Zeit.


    Zitat

    Was meinst du mit Berlin als Beispiel?


    Da kostet es auch nicht viel weniger als in Hamburg. Das Verhalten gegenüber dem Personal scheint aber deutlich drastischer zu sein. Der Vandalismus und die "Dreckquote" ist in B gefühlt ebenfalls stärker, kann aber auch an anderen Beseitigungskonzepten der jeweiligen Verkehrsbetriebe liegen.


    Zitat

    Gibt es überhaupt weltweit einen ÖPNV, der kostendeckend läuft?


    Du meinst Netze kompletter Städte? M.W.: nein. Einzelne Rosinenlinien(-abschnitte) laufen natürlich mehr als kostendeckend, auch in D (wobei es da natürlich auf die fiktive Einnahmenaufteilung ankommt; es zahlt ja hier dank der Verbünde keiner mehr für eine bestimmte Strecke).

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