Massenpanik auf der Loveparade 2010 in Duisburg, Tote und Verletzte.

  • Wer meine Beiträge gelesen hat, wird erkennen, dass ich schon zwischen strafrechlicher und politischer Verantwortung unterscheiden kann.


    Und wenn ein Innenminister oder auch andere öffentliche Stellen die Verantwortung/Schuld dem Veranstalter Schaller zuschieben, kann damit wohl kaum die politische Verantwortung gemeint sein ... jedenfalls ist mir nicht bekannt, dass Herr Schaller ein öffentliches Amt bekleidet ... :rolleyes:


    Frankie



    Erg.:
    Und nach meinem bisherigen Kenntnisstand schließe ich es aus, dass es nur einen Schuldigen gibt.


    M.E. ist schon die Auswahl eines Veranstaltungsgeländes mit einem Fassungsvermögen von 250.000 Besuchern unverantwortlich, wenn die zu erwartende Zahl anreisender Teilnehmer die Millionengrenze mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit übersteigen wird.


    Auch wenn das Sicherheitskonzept für diese 250.00 Teilnehmer völlig ausreichend war, muss ich doch wohl überlegen, was ich mit der Million Anreisender mache, denen ich keinen Zutritt gewähren kann.


    Was war hier geplant?


    Sie beim Versuch, die polizeilichen Sperren zu überwinden (den es zwangsläufug geben wird), zu verprügeln?


    Der ausgeschlossenen Million stattdessen zu empfehlen, plündernd und brandschatzend durch die Innenstadt zu ziehen?


    Weil man die tatsächliche Begrenzung der Teilnehmerzahl "aus Sicherheitsgründen" verheimlicht hatte, konnte dem anreisenden Millionenpublikum überhaupt nicht bekannt sein, dass nur ein kleiner Zeil an dem Event auch tatsächlich wird teilnehmen können. Man hat sie "dumm sterben lassen" - im wahrsten Sinne des Wortes.


    Die politische Verantwortung setzt ganz sicher schon hier an - auch wenn eine strafrechtliche Verantwortlichkeit hier möglicherweise noch nicht induziert ist.


    Wer vor diesem Hintergrund die Veranstaltung genehmigt und zudem die tatsächlich mögliche Teilnehmerzahl aus angeblichen Sicherheitsgründen noch verheimlicht ist aus meiner Sicht politisch mausetot. Dem ist nicht mehr zu helfen ... von keiner Seite ...

  • Zitat

    Original geschrieben von laudanum
    Parteipolitisch motiviert sind eigentlich nur deine Postings! ;)


    Zu Guttenberg ist ja nun seinerzeit aufgrund der Bombardierung auch nicht zurückgetreten, was auch gut war.


    Wohl eher deine Beiträge. Ich habe nicht nur den Rücktritt vom Innenminister sondern auch den des OB gefordert, was daran parteipolitisch sein soll, bleibt wohl dein Geheimnis. So ein Thema taugt nicht für Parteipolitik, aber Politiker halten sich nicht dran und versuchen auch sowas parteipolitisch auszuschlachten.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • den Rücktritt des Innenministers zu fordern ist aber dennoch vollkommener Mumpitz. Das hat sehr wohl damit zu tun, dass er erst 14 Tage im Amt ist. Was würde ein solcher Rücktritt bringen? Wem helfen? Welche Begründung soll er haben? Ich habe seit bei der PK erstmals das Gefühl gehabt, dass da jemand sachlich und nüchtern um Aufklärung bemüht ist. Und der Mann sollte dann das auch weiter betreiben.

    Auch ein Traumjob berechtigt nicht zum Schlaf am Arbeitsplatz.

  • Der für die Veranstaltung verantwortlich zeichnende Innenminister braucht nicht mehr zurückzutreten - er ist schon nicht mehr im Amt.


    Dem gegenwärtigen Amtsinhaber kann man doch nicht Fehler zurechnen, die (möglicherweise) von seinem Vorgänger begangen wurden und die er beim besten Willen auch nicht mehr hätte verhindern können.


    Die politische Verantwortung kann doch nicht denjenigen persönlich treffen, der bei Bekanntwerden einer in der Vergangenheit liegenden Fehlplanung, die er selbst nicht beeinflussen konnte, (zufällig) im Amt ist ... :rolleyes:


    Auch, wenn der Minister die politische (amtliche) Verantwortung übernehmen müsste, wäre eine persönliche Verantwortung für einen Rücktritt m.E. nicht ersichtlich. Die politische Verantwortung träfe den Minister als Institution und nicht als Person. Und zurücktreten kann nicht ein Minister als Institution, sondern nur derjenige, der dieses Amt bekleidet. Und dem kann man wohl beim besten Willen keinen Vorwurf machen ...


    Frankie



    Erg.:
    Ich hab obiges noch mal gelesen. Sprachlich sicher nicht vorbildlich - ich hoffe aber dennoch, dass ich mich verständlich machen konnte. Ich muss nämlich jetzt wech.

  • Sehe ich auch so. Dieser Innenminister ist gerade mal ein paar Tage im Amt. Von ihm politische Verantwortung für ein mögliches Versagen zu fordern, das lange vor seinem Amtsantritt versaubeutelt wurde und obendrein andere Stellen weit mehr Verantwortung tragen, ist schon daneben. Der Innenminister ist sicher der letzte, der zurücktreten muss.


    Ich finde eher fatal, dass der OB nicht seinen Hut nimmt. Auf lange Sicht wird er sowieso nicht zu halten sein und gehen müssen. Zum einen ist sehr unwahrscheinlich, dass er nicht persönlich in die Planung des größten Events in der Geschichte seiner Stadt involviert war - und es tauchen ja auch schon entsprechende Protokolle auf, die seine Beteiligung an Planungen und auch dem Verwerfen von Sicherheitsbedenken belegen.
    Zum anderen muss er als langjähriger Amtsinhaber tatsächlich für Verfehlungen seiner Verwaltung gerade stehen. Die mangelhafte Arbeit der Stadt wird sich nicht nur an konkreten Sachverhalten bemessen, sondern allein schon weil das Veranstaltungsgelände in städtischem Besitz ist, ist sie als Betreiber des Geländes neben dem Veranstalter haftbar.
    Die Bürger wollen den Mann auch nicht mehr, er kann nicht mal an der Trauerfeier teilnehmen...
    Das Zögern und Am-Amt-kleben zerschlägt aber sehr viel Porzellan.


    Es zeigt sich da, wie auch schon angesprochen wurde, aber auch mal wieder ein häufiges Phänomen unserer Zeit: das Versagen von Eliten. Sie bauen aus Profitstreben, Machtgeilheit und Geltungsdrang, dem Ignorieren jeder vernünftigen Grenzen, unendlichen Mist. Und dann wird, wenn der Super-GAU passiert, dennoch nicht zur eigenen Verantwortung gestanden. Alle anderen sind schuld, nur man selber nicht. Sagen will man auch nichts, jeder kleine Pimpf hat heute ja auch sogleich seine Rechtsschutzversicherung am Start und es muss erst vor Gericht geklärt werden bevor man das Offensichtliche zugibt, nämlich dass man Mist gebaut hat.


    Er wäre wünschenswert, wenn irgendein Verantwortlicher - besser alle zusammen - dieses unerträgliche Trauerspiel beenden würden und dazu stehen würden, dass sie die Verantwortung im moralischen Sinne übernehmen. Meinetwegen mit dem Zusatz, dass das noch keine rechtliche Schuldanerkenntnis ist. Aber man müsste zeigen, dass man sich für Fehler im eigenen Bereich moralisch zuständig fühlt.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...


  • hey frankie - welche million meinst du denn..?


    es gab nie millionen, das waren alles nur gefakte zahlen um sich gut darzustellen, wer genau gelesen hat, hat das direkt gemerkt..
    die bahn hat 105.000 fahrgäste gehabt und insgesamt 700 sonderzüge - woher soll die 10 fache anzahl an leuten herkommen..?



    edit:

    Zitat

    [i]Original geschrieben von SpeedTriple

    Zitat


    Auch hier eine gute Seite mit Dokumentation der Ereignisse.


    hochinteressanter artikel - danke

  • Der von Prof. Müller im Beck-Blog vertretenen Auffassung kann ich voll und ganz zustimmen. Sowohl die Tatsachen, von denen er ausgeht, als auch die Rechtsfolgen sind weitgehend deckungsgleich mit meinen Vorstellungen.


    Allein Brezelbude und "Falschparker" auf der Rampe waren mir komplett entgangen.


    Und auch die Rolle von Prof. Schreckenberg ist für mich undurchsichtig. In den Statements, die ich von ihm kenne, verteidigt er das Sicherheitskonzept, an dem er selbst mitgewirkt habe. Als Durchlassmenge des Zuwegs war stets von 60.000 Passanten/h die Rede.


    Prof. Müller bezieht sich auf Statements Schreckenbergs, in denen Schreckenberg vor dem Tunnel gewarnt habe, weil ihn nur 20.000 Personen pro Stunde passieren konnten. :confused:


    Ich verbleibe aber dabei, dass die Veranstaltung m.E. nicht genehmigt worden wäre, wenn sich Prof. Schreckenberg ausdrücklich dagegen ausgesprochen hätte. Das wäre ein Risiko gewesen, das ich keinem deutschen Politiker zutraue. Ohne Absicherung wird in aller Regel nichts entschieden.


    Frankie

Jetzt mitmachen!

Sie haben noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registrieren Sie sich kostenlos und nehmen Sie an unserer Community teil!