Massenpanik auf der Loveparade 2010 in Duisburg, Tote und Verletzte.

  • Ach, der Bürgermeister soll seinen Posten verlieren? Nach eigener Aussage war er persönlich doch gar nicht in die Planungen eingebunden. Hier ab 7:23 von der Pressekonferenz zu hören. Ein klareres "Nein" kann man nicht sagen. Wenn er doch dabei war sollte das seinen Job und die Pensionen kosten.



    Ich bin auch immer noch fassungslos was in Duisburg passiert ist. Freunde und Bekannte von mir waren dort und ich habe überlegt, später noch hin zu gehen.
    Meine Trauer gilt den Angehörigen.

  • "Bahnhofs-Unterführung wegen der Menschenmenge überfüllt"


    Hallo,


    es ist nicht mal einen Monat her, als in Castelldefels (Spanien) 13 Jugendliche durch einen Schnellzug überfahren und getötet worden sind. Zwischen dem Sommer-Sonnenwendefest und der Loveparade gibt es hier ähnliche tragische Verläufe, auch hier ist von einer Bahnhofs-Unterführung die Rede:


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    Nach Aussage von Überlebenden war die erst vor sieben Monaten eröffnete Bahnhofs-Unterführung wegen der Menschenmenge überfüllt. Andere erklärten, sie sei geschlossen gewesen. Renfe wies das zurück. Bürgermeister Joan Sau räumte ein, dass eine ebenfalls vorhandene Fußgängerbrücke wegen Bauarbeiten gesperrt war.
    http://www.bz-berlin.de/aktuel…fahren-article893875.html
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    Falle, schnapp, mechanisch, für Kleintier, grau, beweglich

  • Mir ist nicht klar welchen Zusammenhang du siehst. In Spanien sind Jugendliche über die Gleise gelaufen, wohin sie nicht gehörten... was hat das mit einer Massenpanik bei der Loveparade zu tun?


    Nach meinem Empfinden wird die ganze Geschichte langsam immer bizarrer und lächerlicher. Ausgerechnet im unserem pingeligen Bürokratenland macht eine Stadtverwaltung was sie will, Warnungen von Fachbehörden werden ignoriert und Kritiker politisch kaltgestellt. Angeblich sind alle wichtigen Entscheidungen über den Tisch des Oberbürgermeisters gelaufen, aber er kann sich jetzt nicht mehr dran erinnern. Es ist ja auch total glaubwürdig, dass er jetzt gar nicht in die Planungen involviert gewesen sein will. Ja klar, da findet in der Stadt das größte Event ihrer Geschichte statt und der OB ist nicht in die Planung eingebunden... Die letztendliche Genehmigung wird am Tag der Veranstaltung morgens um 9 Uhr geschrieben - eine Farce, da hätte sich die längst angelaufene Maschinerie doch gar nicht mehr stoppen lassen, waren zehn tausende Fans längst unterwegs.
    Verhältnisse, die keiner Bananenrepublik nachstehen.


    Zwischendrin ein ortsansässiger Panikforscher, der seine Inkompetenz nicht besser hätte beweisen können als durch ein kapitales Scheitern der von ihm begleiteten Veranstaltung.


    Dann die hochnotpeinliche und dermaßen unprofessionelle Pressekonferenz, und als wär's nicht schon schlimm genug wird kleinlich und unerträglich über die Verantwortung palavert.


    Die Medien hypen die Geschichte, es gibt Sondersendungen und Brennpunkte für 20 Tote und 500 Verletzte. Nicht, dass das nicht schlimm wäre. Aber mit denen haben 99,99999% aller Deutschen genauso wenig zu tun wie mit den 30 Verkehrstoten, die zwischenzeitlich in Deutschland verunglückt sind und wo 5000 Tote jedes Jahr nicht etwa zu einer Diskussion um ein Tempolimit führen. 20 Tote sind verdammt wenig wenn tatsächlich 1,5 Millionen Menschen vor Ort waren und das Sicherheitskonzept der Veranstaltung desaströs war.
    In Bagdad und Kabul werden jeden Tag doppelt so viele Menschen in die Luft gesprengt wie bei der Loveparade starben, aber keinen interessiert es.
    Wildfremde Menschen, die oft gar nicht mal vor Ort waren, geschweige denn Opfer der Loveparade kannten, heulen als wäre ihre eigene Oma gestorben. Offenbar geht die Massenhysterie weiter...


    Überhaupt die Medien: seit 3 Tagen wird die Sau durchs Dorf getrieben, die Menschen springen ja auch prima drauf an. Selbst seriöse Sendungen wie die Tagesschau oder das heute-journal sind sich nicht zu schade Youtube-Videos zu zeigen - also im Klartext Filme aus ungeprüften Quellen, ein Sündenfall für jeden ernstzunehmenden Journalisten. Peinlich...

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus


    Nach meinem Empfinden wird die ganze Geschichte langsam immer bizarrer und lächerlicher. Ausgerechnet im unserem pingeligen Bürokratenland macht eine Stadtverwaltung was sie will, Warnungen von Fachbehörden werden ignoriert und Kritiker politisch kaltgestellt.



    ich wäre im moment noch etwas vorsichtiger das so darzustellen, im moment sind alles noch behauptungen - WENN sich das im laufe der ermittlungen erweist, dann wäre es ein skandal, im moment versucht anscheinend jeder die schuld von sich zu weisen, siehe das interview mit dem veranstalter..


    was man daraus jedoch erfährt, ist das sich wohl gezählte 187.000 besucher auf dem festivalgelände aufhielten (und es somit bei weitem nicht voll war) und es im vorfeld 16 "sperren" gab, womit man den durchfluss regulieren wollte, anscheinend sind mehrere dieser sperren überrannt worden (was man gestern auf einigen sendern auch gesehen hat) und so sind massen unkontrolliert in den linken tunnel rein (der rechte war - wie man auch auf einigen bildern sah - im vergleich dazu recht "frei" (und mit knapp 40m auch deutlich kürzer), dazu kamen die sperrung des eingangs und der abfluss der ersten, die gehen wolltenund das ganze hat dann zu dem chaos geführt..


    wie man das bewertet und wem man da die schuld geben will - ich denke dass das sehr schwer wird...


    hier beschreibt übrigens der chefredakteur der bild seine erfahrungen an der rampe gegen 17:00 uhr, also zur zeit des chaos und es liest sich etwas anders, als die medien dies in den letzten tagen darstellten:
    http://www.bild.de/BILD/news/2…im-strudel-des-todes.html


    Die brodelnde Menge trägt mich ein paar Meter weiter. Ich sehe nichts von der Loveparade, nur ein riesiges Plakat der Telekom („Erleben Sie das Internet in Echtzeit“). Daneben eine schmale, steile Treppe, an deren Geländer eine Traube verwegener, junger Kerle hängt. Sie wollen nach oben, eine Abkürzung zum Festivalgelände. Auf dem offiziellen Zugang, einer breiten Rampe, stauen sich in diesem Augenblick viele Tausend Menschen.
    ...


    Plötzlich vor mir am Boden dieser riesige Menschenknäuel. Körper stapeln sich übereinander, Arme rudern, Lippen schnappen nach Luft, Schrecken in vielen Augen. Ein blondes Mädchen beruhigt einen jungen Mann, der verzweifelt schreit. Ein dicker Glatzkopf stemmt seine Kamera in die Höhe, als ob er sie beschützen wollte. Neben mir bückt sich ein Polizist zu einem Kopf, der aus dem Knäuel ragt. Er redet auf ihn ein. Noch nie habe ich in so viele Gesichter der Panik geblickt. Ich frage ein Mädchen in Malteser-Uniform: „Kann ich helfen?“ Sie nur: „Nein, aber halten Sie sich von der Treppe fern.“
    ...
    Die steinerne Treppe wird noch voller. Einige turnen leichtsinnig am Geländer. Eine Polizistin mit blondem Zopf versucht am oberen Ende, den Irrsinn zu regeln. Warum sperren sie diese paar Stufen nicht!?
    Niemand will hier fliehen! Es ist doch nur eine Abkürzung nach oben ...
    ...
    Die Menschenwelle presst mich weiter, hinauf zum Festivalgelände. Hier schwitzen die Körper, sie sind im Glücksrausch. Auch Alkohol und die Droge Ecstasy gehören zur Loveparade.




    einen guten, relativ neutralen bericht über die abläufe im vorfeld und am tag der loveparade gab es gestern auf sat 1, focus tv reportage (http://www.moviepilot.de/broadcasts/focus-tv-reportage-4) - leider ist sie noch nicht im netz verfügbar...

  • Ganz interessanter Artikel, wenn man das Datum beachtet...

    Wer den ganzen Tag arbeitet, hat keine Zeit, Geld zu verdienen.

  • @ Polli:


    Nein, ich war es nicht, der in ein Mikro des WDR sprach.


    Derzeit sehe ich auch gar keinen Anlass, mich zu Wort zu melden. Denn entgegen meinen ersten Erfahrungen ist es inzwischen so, dass der wesentliche Teil dessen, was ich zu sagen für erforderlich halte, auch von anderen eingeworfen und/oder umgesetzt wird bzw. kurz zuvor sogar schon umgesetzt wurde.


    Auch mein Eindruck, dass schon mit bloßem Auge und ein wenig Ortskenntnis für jeden erkennbar war oder zumindest erkennbar hätte sein müssen, dass vom konkrteten Veranstaltungsgelände ein nicht zu verantwortendes Gefahrenpotential ausgeht, scheint durch die nach und nach bekannt werdenden Zahlen ziemlich eindrucksvoll belegt zu werden.



    @ Printus:


    Auf den ersten Blick ist es nachvollziehbar, was Du schreibst.


    ABER:
    Duisburg ist überall. Jeder, der Kinder hat, wird mit Sicherheit den Gedanken durchgepielt haben, wie es gewesen wäre, wenn diese Veranstaltung bei ihm vor Ort stattgefunden und die dortigen Entscheidungsträger gleichermaßen unverantwortlich gehandelt hätten.


    Und auch die Loveparade ist überall; nur hat sie oft einen anderen Namen.


    Vor diesem Hintergrund wundert es micht nicht, dass viele neben der Trauer noch das blanke Entsetzen gepackt hat. Die Reaktion der Bevölkerung halte ich nur für allzu verständlich und gehe davon aus, dass die deutsche Öffentlichkeit weniger heftig reagiert, als ich es in vielen anderen Ländern erwarten würde.


    Frankie

  • Dieses Hinterher-Rationalisieren geht mir echt gegen den Strich. Natürlich kann man 20 Tote bei einer Unterhaltungsveranstaltung nicht mit 20 Toten bei einem Anschlag in einem Kriegsgebiet vergleichen.
    Und warum sollte man nicht auf die Youtube-Videos zurückgreifen? Zum Glück gibt es diese Videos, so dass man den tatsächlichen Verlauf halbwegs wahrheitsgemäß nachzeichnen kann, oder glaubst du, dass die Verantwortlichen nach den schon gemachten Aussagen selbst einen Überblick hatten oder überhaupt haben wollen?

  • Zitat

    Original geschrieben von ThirdEye
    Natürlich kann man 20 Tote bei einer Unterhaltungsveranstaltung nicht mit 20 Toten bei einem Anschlag in einem Kriegsgebiet vergleichen.


    Tot ist tot, warum kann man das nicht vergleichen?!
    Ich sag`s mal gewohnt direkt: Der Thread hier hat nichts mit Trauer und Anteilnahme zu tun, er dient nur dem eigenen Sicherheitsbedürfnis nach dem Motto: mir kann das nicht passieren, ich wußte das vorher. Und falls es nochmal dazu kommen wird, werde ich es auch vorher wissen.
    Deshalb muß auch alles bis ins Letzte aufgeklärt werden, damit es Euch nicht passiert. Damit alles besser wird. Das ist aber Quatsch, es gibt keine 100%ige Sicherheit und beim nächsten Mal wird wieder irgendein Faktor übersehen werden, garantiert.
    Auch das Leben des besten und edelsten Lebewesen auf diesem Planeten hängt am seidenen Faden. Ich, Ihr, wir. Alle sind hilflos. Das ist die Schlussfolgerung, die Ihr nicht wahrhaben wollt.

  • Ja so ist es halt immer wenn was passiert, dann will keiner Schuld sein, keiner die Verantwortung übernehmen. Ich denke der OB von Duisburg sollte auf jedem Fall zurücktreten, ganz unabhänig davon ob Ihm jetzt persönlich eine Schuld trifft oder nicht. Ein Politiker muß Verantwortung übernehmen.

    Oberfranken ist meine Heimatliebe, die mir am Herzen liegt Bernhard

  • ThirdEye


    Natürlich kann man es vergleichen. Für die Hinterbliebenen, deren Kinder, Männer, Frauen plötzlich nicht mehr wieder kommen ist es absolut egal ob es ein Terroranschlag oder die Loveparade war. Trauer, Wut und Entsetzen sind immer gleich schlimm.


    Handyvideos irgendwelcher unbekannter Leute im Netz sind völlig subjektive Dokumente, die nur irgendeinen Tumult zeigen aber rein gar nichts zur Aufklärung der Ursache beitragen. Es ist reine Stimmungsmache. Würde man das auch so darstellen mag auch ein seriöser Journalist kurz einen Eindruck aus solchen Filmchen zeigen. Aber inzwischen nutzen selbst vermeintlich gute Nachrichtenmacher sowas anstatt sich fundierte Quellen zu suchen, wo Leute tatsächlich etwas wissen.


    Kaum ein Sender, der jetzt nicht irgendwelche Einträge aus irgendwelchen unbekannten Foren zeigt - und es wird unterlegt mit dem Kommentar, dass ja vor der Veranstaltung gewarnt wurde. Es ist so, also würde jemand irgendein Posting aus diesem Thread nehmen und das in der Tagesschau als Wahrhheit verkaufen. In Wirklichkeit ist es nur eine subjektive Meinung eines unbekannten Forenteilnehmers. Das ist kein qualitativ guter Journalismus.


    Man sieht den Verfall z. B. auch in der Berichterstattung um Dominik Brunner, der im letzten Jahr in München von Jugendlichen getötet wurde. In allen Medien wurde nicht neutral über den Fall berichtet, sondern es wurde emotional Stimmung gemacht: der Held mit dem Heiligenschein, der wehrlosen Kindern hilft und dabei von brutalen Jugendlichen ermordert wird. Jetzt stellt sich im Prozess heraus, dass er zuerst angegriffen hat und sofort schwenkt die Medienmaschinerie um: jetzt stilisiert man den Skandal, dass offenbar das Opfer ein Täter sei.
    Nachdem man sich im letzten Jahr mit der Heiligenschein-Berichterstattung sehr weit aus dem Fenster gelehnt hatte und der Held jetzt ein paar Kratzer abbekommt, stehen natürlich auch alle Heiligenschein-Berichterstatter dumm dar. Klar, dass man sich jetzt empören muss, die Staatsanwaltschaft habe nicht genügend Infos darüber gegeben, weil wenn man das nicht tun würde steht man ja selber als wenig neutraler Stimmungsmacher da... In Wirklichkeit ist es absolut richtig, dass die Staatsanwälte den Medien nicht vor ProzeßbeginnDinge auf die Nase binden.


    In Duisburg läuft es ähnlich. Da haben sich diverse Verantwortliche skandalös falsch verhalten. Die Presse lauert seit Tagen darauf, wen sie jetzt als "Symbolverantwortlichen" schlachten kann. Der OB wäre ein Kandidat, oder der Loveparade-Chef, wobei der sich noch etwas besser verkauft... Auch da zeigt sich doch wieder, dass man nicht abwartet was die Untersuchungen ergeben und erkennt, dass nicht ein Einzelner schuld ist, sondern eine Verstrickung von Stadt, Veranstalter, politischen Interessen, Missmanagement. Aber man will halt einen Schuldigen haben, den man in den Medien schlachten kann. Mit seriöser Berichterstattung hat das überhaupt nichts zu tun. Bei BILD und RTL wär' es ja nicht unerwartet, aber die Öffentlich-Rechtlichen mischen auch munter mit.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

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