Falls die USA Pleite geht, welche Nachteile/Vorteile hat das für die dt. Bürger?

  • Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Das mag für dich persönlich anhand deiner Lebensumstände zutreffen, das mag auch vor 50-60 Jahren für die Masse funktioniert haben. Heute ist es für viele Menschen so nicht mehr machbar.

    Das ist Deine Meinung, aber es ist eben auch nicht mehr als das - nämlich eine Meinung. Wer mehr Geld ausgibt, als ihm/ihr zur Verfügung steht, der macht eben Schulden. Und wer dauerhaft mehr Schulden macht als er zurückbezahlen kann, der gerät in Schwierigkeiten. Das ist nun einmal das kleine Einmaleins des Wirtschaftens. Aber klar, wenn unsere Politiker schon vormachen, dass sie nicht einmal die Grundlagen des soliden Haushaltens draufhaben, dann geben sie den Bürgern damit ein schlechtes Beispiel. Die Frage ist eben nur, ob man jedem schlechten Beispiel nacheifern sollte. Warum es allerdings altmodisch sein soll, sich nicht für Konsumgüter zu verschulden, kann mir vielleicht auch mal jemand erklären.



    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Und wenn sich jemand nicht nur einen 10 Jahre alten Gebrauchtwagen, sondern mal ein aktuelles Auto kaufen möchte?

    Wer sich verschuldet, bloß um einen Neuwagen zu kaufen, ist ein Vollidiot, nicht einmal "ist meines Erachtens ein Vollidiot", sondern ist ohne Einschränkung ein Vollidiot. Punkt. Kaum etwas verliert so rasant soviel an Wert wie ein Neuwagen. Da kann ich mein Geld doch auch gleich in den Kamin stecken und anzünden, da habe ich dann wenigstens noch die Wärme als angenehme Nebenwirkung.
    Wenn man genügend eigenes Geld für die Anschaffung eines Neuwagens hat, kann man sich doch einen kaufen, das habe ich vor fünf Jahren auch mal gemacht. Aber dann fährt man so'ne Karre auch entsprechend, entweder bis wieder genügend Geld für den nächsten Neuen angespart wurde, oder bis der TÜV der Blechkiste den Gnadenschuss verpasst.



    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Und mich ärgert es, dass selbst intelligente und sozial eingestellte Menschen doch immer wieder unreflektiert das Bild der schmarotzenden Hartzer bemühen. Wie kommt es, dass dieses Zerrbild nicht auszurotten ist?

    Vermutlich deshalb, weil es schlicht und einfach stimmt, zumindest eben teilweise. Ich kenne einige "Hartzer" und weiß daher, dass viele von denen (mehr als ein Viertel!) gar nicht die Absicht haben, sich durch eigene Arbeit zu ernähren, sondern sich sehr bequem eingerichtet haben, mit den regelmäßigen Transferleistungen vom Amt, ein bisschen Schwarzarbeit nebenbei und dem Schnorren bei Freunden, Familie usw.



    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Wie schon mal geschrieben, das mag für dich okay sein, andere gehen gerne mal essen.

    Tue ich ja auch, aber eben nur selten. Aber selbstverständlich kann man auch jeden Tag Essen gehen - vorausgesetzt man kann es sich leisten. Es geht doch nicht darum, konsequent allen Freuden des Lebens abzuschwören und ins Kloster zu gehen. Man soll sich ruhig etwas gönnen, das tue ich doch auch. Aber eben nur mit meinem eigenen Geld, nicht mit Geld, das eigentlich meiner Bank gehört!



    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Das ist mir zu simpel. Menschen sind individuell und so einfach ist das nicht, den Konsumfreudigeren unter ihnen einfach nur mangelnde Ausgabendisziplin zu attestieren.

    Wie gesagt: wenn man das Geld hat, kann man es auch ausgeben. Wer sich Geld leiht, um es für schnelllebige Konsumgüter zu verbraten, für den gilt, was ich oben schon über Leute geschrieben habe, die sich für ein neues Auto verschulden.



    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Es geht auch gesellschaftlich nicht weil manche Projekte nur mit geliehenem Geld funktionieren, es hat nicht jeder die finanzielle Potenz Projekte erst dann zu verwirklichen wenn das Geld bereit liegt - oder die Bereitschaft, ansonsten auf die Umsetzung einer großen Idee zu verzichten. Und nochmal: es brächte die Gesellschaft auch nicht vorwärts. Das heißt nun aber im Gegenteil nicht, dass ich einer Überschuldung das Wort rede, denn dieses Extrem ist natürlich auch nicht die Lösung.

    Es geht hier nicht um Projekte, wie z. B. eine Existenzgründung. Wenn da ein entsprechend gut durchdachter und von allen Seiten durchgeprüfter Geschäftsplan vorliegt, dann kann man m. E. durchaus seine Idee auch mit geborgtem Geld umsetzen. Denn man wird mit dem entsprechenden Geschäft voraussichtlich genug Geld verdienen, um das geborgte Geld wieder zurückzuzahlen.
    Es geht hier aber eindeutig um Schulden, die man nur deswegen macht, weil man sein Verlangen nach Konsum, seine Gier nach mehr, nicht im Griff hat und deshalb mehr ausgibt, als man hat.



    Zitat

    Original geschrieben von Printus
    Aber wenn dir im selben Monat erst der Fernseher, dann der PC und anschließend Herd und Waschmaschine verrecken? Dann hast du den Fernseher ersetzt um anschließend festzustellen, dass das Geld für den PC nicht mehr reicht (dann klinkst du dich für das nächste halbe Jahr aus dem Internet aus?) und gewaschen oder gekocht wird in den nächsten 5 Jahren nicht mehr? Oder mit dem Waschbrett am Fluss und über dem Lagerfeuer?


    Oder greift man dann doch zum Kredit um notwendige Investitionen tätigen zu können?

    Nicht alles, was auf beiden Beinen hinkt, ist auch ein Vergleich...
    Ob Du es glaubst oder nicht: wenn ich zu wenig Geld habe, um alles gleichzeitig neu zu kaufen, dann kaufe ich mir gebrauchte Weißware oder Weißware zweiter Wahl - damit spart man schon mal richtig viel. So, einen PC kann man sich ebenfalls billig gebraucht besorgen, ist ja nicht so, dass man fürs Internet die supermodernste Highpower-Rechnerkiste mit allem Schnick und Schnack benötigt. Und ein Fernseher ist in so einer Situation Luxus, also spare ich mir die Anschaffung (ich würde so'ne Flimmerkiste nicht einmal wirklich vermissen) und spare durch die entsprechende Abmeldung bei der GEZ sogar noch einmal Geld. :D


    Wie gesagt: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Wer sich natürlich sofort mental darauf einschießt, dass jetzt unbedingt von allem das Neuste und Beste her muss, obwohl nicht genug Geld vorhanden ist, tja, der wird sich dann wohl verschulden. Selbst schuld, sage ich da nur.


    Denn wir reden hier doch nicht von "Investitionen" im Sinn von Investitionsgütern. Wir reden hier immer noch von Konsumgütern, denn auch Waschmaschinen und Küchenherde gehören dazu, Fernseher und PC sowie so.


    Ich denke aber, die Diskussion dreht sich im Kreis und entfernt sich auch etwas zu sehr vom eigentlichen Thema. Wir sollten uns daher an dieser Stelle darauf einigen, dass wir uns ohnehin nicht einig werden werden.

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Bitte definiere "Ausbeutung". Bei wie viel Euro / Dollar / Yen pro Stunde / Tag /Woche / Monat hört "Ausbeutung" auf, eben genau das zu sein?

    Da gibt es zwei Definitionen:


    Wer weniger als 2/3 des mittleren Einkommens zur Verfuegung hat, der ist arm.
    Wer Vollzeit arbeitet und trotzdem arm ist, der wird ausgebeutet.


    Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Ich habe weder Schulden bei einer Bank noch bei sonst wem und ich überziehe auch mein Konto nicht. Ich kaufe mir nur etwas, wenn ich das Geld dafür (gespart!) habe, und ich verstehe Leute nicht, die meinen, ständig "auf Pump" leben zu müssen.
    Man kauft Dinge, die man nicht braucht, bezahlt sie mit Geld, das man nicht hat, und das alles, um Leuten zu imponieren, die man nicht leiden kann! Das fand ich schon immer schwachsinnig und das hat sich bisher nicht geändert. Übrigens war es in den 1950er und 1960er Jahren in der BRD völlig normal, Dinge nur mit dem Geld zu kaufen, das man tatsächlich bereits verdient hatte. Wahrscheinlich ist es nur Zufall, dass diese beiden Jahrzehnte genau die mit dem größten und gesündesten Wirtschaftswachstum der deutschen Geschichte waren, nicht wahr?


    Das was du machst ist durchaus erstrebenswert, aber damit das klappt muss das Einkommen stimmen.


    In Deutschland wird man dafuer schon etwa mindestens 1.500 Euro im Monat netto verdienen muessen, damit man ohne in Askese leben zu muessen, soviel Ruecklagen bilden kann, das man notwendige Reperaturen aber auch Wuensche damit bedienen kann.


    Bei der Mittelschicht zwischen 1.200 und 1.500 Euro netto ist meist so das man mal kurzfristig einen Kredit braucht, denn dann aber innerhalb einiger Monate, oder spaetestens innerhalb 2-3 Jahre zurueckzahlen kann.


    Aber so unter 1.200 Euro netto ist das Risiko der Verschuldung sehr gross. Ob es dazu kommt oder gut geht haengt dann sehr vom Glueck ab.


    Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Also, wie gesagt: objektiv kann man sich dem Kreditbedarf durchaus entziehen. Wer natürlich nicht die Disziplin aufbringen kann oder will, seinen Lebensstandard nach dem auszurichten, was das selbst verdiente Geld zulässt und statt dessen ständig auf Pump lebt und auf "Ratata" kauft, der empfindet das Schuldenmachen und Schuldenhaben wohl irgendwann als etwas völlig Normales und sucht die Verantwortung dafür nicht mehr bei sich selbst und seinem eigenen Mangel an Disziplin, sondern schiebt "dem bösen System" die Schuld zu. Na klar, das ist ja auch soviel einfacher und bequemer, wenn man für alles einen Sündenbock hat. "Systeme" sind für diese Rolle übrigens ganz besonders gut geeignet, denn die geben nicht einmal Widerworte, wenn man sagt: "Das System ist schuld."


    Also gibst Du mir im Grunde doch recht: es ist die Disziplinlosigkeit, Kurzsichtigkeit, das Geltungsbedürfnis, die Großmannssucht, es "denen da oben" in Sachen Luxus gleichzutun oder ihnen wenigstens mal gefühlsmäßig nahe zu kommen, dass die Leute zum Schuldenmachen animiert und dazu bringt, über ihre Verhältnisse zu leben.


    Nun, ich verdiene sicherlich nicht schlecht, aber dass ich es nicht ohne massiv Schulden zu machen, mit dem "Lifestyle" der oberen Zehntausend (oder auch Hunderttausend) aufnehmen könnte, weiß ich doch selbst, ich bin ja schließlich nicht auf den Kopf gefallen. Deshalb bin ich weder auf diese Leute neidisch noch meine ich, ihnen unbedingt nacheifern zu müssen, bloß um irgendwann dann auch mal soviel Geld zu haben (oder in der Illusion vor mich hin zu schuften, dass ich vielleicht mal irgendwann so reich sein könnte).
    Ich leiste mir halt das, was ich mir leisten kann, ohne mich dabei zu verausgaben oder zu verschulden. Was innerhalb dieser Grenzen geht, das mache ich, wenn ich der Ansicht bin, dass es mich weiterbringt, und was nicht geht, das unterbleibt eben. Ich weiß, dass ich mir nicht alle paar Jahre ein neues Auto, neue Möbel, zwei oder drei Mal im Jahr in den Fernurlaub usw. leisten kann. Aber ganz ehrlich: damit kann ich leben, und zwar sehr gut.


    Ich denke niemand erwartet das er sich einen Lamborghini leisten kann oder das er jedes Jahr einen Fernurlaub machen kann.


    Aber ein bisschen individuelle Entfaltung und ein bisschen Luxus braucht jeder. Der eine investiert es eben gerne in Klamotten, der andere in Gutes Essen, der andere in neue Technik, einige wollen moeglichst viel von der Welt sehen - niemand kann alles haben - aber ein bisschen was davon will und brauch auch jeder.


    Denn Askese funktioniert nur im Kloster, wo es niemanden besser geht.

  • Irgendwie habt ihr alle drei Recht, und zugleich auch wieder Unrecht ;)
    Anja und Printus sehen es eher aus dem Blickwinkel eines 25 Jährigen und HappyDay aus der Sicht eines 45 Jährigen. Es muß nichteinmal unbedingt sein das ihr in der Altersklasse seid aber von der Betrachtungsweise wirkt es zumindest so ;)


    Es gab mal Zeiten in denen selbst relativ schlechtverdienende Menschen ein paar Mark auf die hohe Kante legen konnten. Heutzutage geht das nicht mehr so einfach. Als mein Bruder mitte der 80er Azubi war sind nach abzug der Miete und eines gut(!) gefüllten Kühlschranks noch knapp 40-50% seines Gehalts zum Leben übrig. Allein die selbe Wohnung würde heute jedes Azubigehalt sprengen ;)

    .:Gate 13:.
    Vor die Wahl gestellt zwischen Unordnung und Unrecht, entscheidet sich der Deutsche für das Unrecht.
    Johann Wolfgang von Goethe

  • Zitat

    Original geschrieben von CK-187
    Irgendwie habt ihr alle drei Recht, und zugleich auch wieder Unrecht ;)
    Anja und Printus sehen es eher aus dem Blickwinkel eines 25 Jährigen und HappyDay aus der Sicht eines 45 Jährigen. Es muß nichteinmal unbedingt sein das ihr in der Altersklasse seid aber von der Betrachtungsweise wirkt es zumindest so ;)


    Ich schätze mal, genau das ist es auch; in 20 Jahren werden Printus und Anja mit meiner heutigen Position vermutlich übereinstimmen, weil sie dann die 20 Jahre mehr Lebenserfahrung haben, die ich ich ihnen als Mittvierziger voraus habe. (Welche Ansichten ich als dann Mittsechziger vertreten werden, weiß ich allerdings noch nicht. ;))


    Tja, ich schätze, damit habe ich mich hier im vermutlichen "Jungspund-Forum TT" als "alter Sack" geoutet. :D

    Viele Grüße und einen Happy Day


    Guy Fawkes was the only person ever to enter Parliament with honest intentions.

  • Das was CK-187 geschrieben hat find ich gut, das trifft es auf den Punkt.


    Eigentlich find ich auch die Einstellung von HappyDay989 sehr gut, als ich noch jünger war hab ich auch noch gedacht das es so sein sollte.


    Nur hab ich die Erfahrung machen muessen das es bei den Gehaeltern die heute gezahlt werden, in Verbindung mit den Preisen, die im Handel verlangt werden einfach nicht funktioniert.


    Wenn es gerade so zum leben reicht, und allenfalls fuer kurzfristige Ruecklagen, dann hat man keine Moeglichkeit langfristige Ruecklagen zu bilden, um finanziell unabhaengig zu werden. Und wer mit 25 oder 30 nichts zurueck legen kann, der hat auch mit 45 oder 50 keine vernuenftige Basis.


    Fuerchte deshalb das unsere Generation leider nie in die Situation der heutigen Mittvierziger kommen wird. Sondern glaube das wir uns auch in dem Alter noch so durchschlagen muessen wie heute.


    Richtig schlimm wirds kommen wenn mal unsere Generation auf die 65 zugeht und nicht mehr erwerbsfaehig ist. Die Renten werden nicht reichen, und wenn im Erwerbsleben kein Kapitalpolster aufgebaut werden konnte, dann gibt es keine Kapitalertraege, und das Kapital ansich wird auch nicht lang genug reichen um den Lebensabend zu finanzieren. Dann wird wohl mehr als die Haelfte der Renter zu Sozialfaellen.


    Wenn es einen Systemcrash gibt, und auch so bei Politik, Wirtschaft und Handel kein Umdenken gibt, dann sieht die Zukunft fuer unsere Generation sehr schwarz aus.

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    ...
    Tja, ich schätze, damit habe ich mich hier im vermutlichen "Jungspund-Forum TT" als "alter Sack" geoutet. :D


    Mein lieber HappyDay ... jetzt enttäuscht Du mich aber.


    Sonst bin ich ja häufig geneigt, Dir zuzustimmen ... aber von wegen "Alter Sack".


    Wir sind Männer im wirklich allerbesten Alter !!!!!!!!!!!!!!!!!!!!! :p


    Frankie



    Erg.:
    Und wenn ich irgendwann einmal noch weiter nach links tendieren sollte, dann ausschließlich deshalb, weil in dieser Partei die hübschesten Mädels sind ... obwohl Grün auch schon nicht schlecht besetzt ist (nee ... nich unbedingt in der Parteispitze, wer aber mal genauer hinsieht, ...).


    Aber in der Tat, auch meine Einstellung war im Verlauf meines Lebens einem fortwährenden Wandel unterworfen. Und ja, die Lebenserfahrung ist hierfür ein wesentlicher Faktor. Insbesondere eine sich im Laufe der Jahre entwickelnde gewisse Gelassenheit empfinde ich persönlich als sehr positv.


    Wenn ich als Jungspund noch davon ausgegangen war, dass sich dieselben Fehler in der Geschichte nicht regelmäßig wiederholen werden, bin ich mir dabei inzwischen nicht mehr ganz so sicher ... insbesondere, wenn ich aktuell nach England hinüberschiele, kommt mir das so vor, es hätte es was Vergleichbares in Deutschland auch schon mal gegeben ... wenn auch nicht so extrem.

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Warum es allerdings altmodisch sein soll, sich nicht für Konsumgüter zu verschulden, kann mir vielleicht auch mal jemand erklären.


    Es ist nicht altmodisch, es ist absolut sinnvoll. Wir reden aber nicht über Konsumgüter, sondern "lebensnotwendige" Anschaffungen. Wie von Anja schon erklärt wurde, in bestimmten Einkommensregionen funktioniert die Theorie des "nie mehr ausgeben als an Barschaft vorhanden ist" an bestimmten Stellen nicht mehr. Das kannst du so handhaben wenn das Einkommen prinzipiell reicht um über die Runden zu kommen. Wer arm ist rutscht aber früher oder später in Notsituationen, in denen "geschicktes Wirtschaften" nicht ausreicht. Wenn 2 oder 3 unglückliche Zufälle zusammen kommen mangelt es sofort an Rücklagen oder finanzieller Elastizität. Sofort steckt der Betroffene im Schlamassel.


    Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Ich kenne einige "Hartzer" und weiß daher, dass viele von denen (mehr als ein Viertel!) gar nicht die Absicht haben, sich durch eigene Arbeit zu ernähren, sondern sich sehr bequem eingerichtet haben, mit den regelmäßigen Transferleistungen vom Amt, ein bisschen Schwarzarbeit nebenbei und dem Schnorren bei Freunden, Familie usw.


    Deine persönliche Erfahrung ist trotzdem nicht die flächendeckende Realität. Ich kenne einen ehemaligen Sozialfahnder aus Duisburg - also nicht gerade eine Gegend blühender sozialer Landschaften. Er spricht aus seiner Erfahrung und in den offiziellen Erhebungen von max. 10% Missbrauch. Das ist zwar auch nicht wenig, aber eben auch nicht so viel, dass es die Vorurteile rechtfertigt, die in Deutschland flächendeckend vorherrschen. Besonders mies ist, dass man hier gerade die Ärmsten noch zusätzlich prügelt.
    Missbrauch muss abgestellt und vermieden werden, aber erstmal alle unter Generalverdacht zu stellen und als Schmarotzer hinzustellen ist unter aller Sau. Es offenbart aber auch die Bigotterie selbstgerechter kleinbürgerlicher Millieus. Sozialbetrug ist kriminell und kein valides Argument gegen faire Behandlung regulärer Transferleistungsbezieher.


    Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Wie gesagt: wenn man das Geld hat, kann man es auch ausgeben. Wer sich Geld leiht, um es für schnelllebige Konsumgüter zu verbraten, für den gilt, was ich oben schon über Leute geschrieben habe, die sich für ein neues Auto verschulden.


    Wer kann denn heute noch ein Auto bar zahlen? 60% aller Neuzulassungen in Deutschland sind Firmenwagen, viele der restlichen 40% finanziert. Wenn es nicht so wäre und nur Autos gekauft würden, die sofort bezahlt werden könnten, könnte die deutsche Autoindustrie einpacken. Und damit jeder 4. Arbeitsplatz, der direkt oder indirekt mit der Autoindustrie verbunden ist.


    Ich halte auch nichts vom Kauf überteuerter Neuwagen und von Wertverlusten, die gar nicht dem realen Wertverfall entsprechen. Dass 10 Jahre alte Autos von Vertragshändlern schon schief angeschaut und nur noch an "Händler oder Export" verkauft werden ist natürlich eine unerhörte Arroganz und Dekadenz.
    Würde man das vorhandene System aber von heute auf morgen umstellen können/wollen, würden auch viele davon abhängige Systeme zusammenbrechen. Man kann nicht so einfach simple Lösungen finden, die funktionieren. Dafür stecken viele Karren zu tief im Dreck.


    Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Ob Du es glaubst oder nicht: wenn ich zu wenig Geld habe, um alles gleichzeitig neu zu kaufen, dann kaufe ich mir gebrauchte Weißware oder Weißware zweiter Wahl - damit spart man schon mal richtig viel. So, einen PC kann man sich ebenfalls billig gebraucht besorgen, ist ja nicht so, dass man fürs Internet die supermodernste Highpower-Rechnerkiste mit allem Schnick und Schnack benötigt. Und ein Fernseher ist in so einer Situation Luxus, also spare ich mir die Anschaffung (ich würde so'ne Flimmerkiste nicht einmal wirklich vermissen) und spare durch die entsprechende Abmeldung bei der GEZ sogar noch einmal Geld. :D


    Neue oder gebrauchte Ware. Es kostet Geld, das man haben muss.


    Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Wie gesagt: wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.


    Das ist eine Plattitüde. Du hast für dich alles so einrichten können, dass es funktioniert. Andere Menschen in anderen Lebensumständen können nicht immer eine preiswerte Lösung aus dem Hut zaubern.


    Ich bin einige Jahre jünger als du, aber auch keine 20 oder 25 mehr. Es ist nicht persönlich gemeint, aber manchmal stimmt der Spruch "Auf jede Frage eine Antwort wissen nur Dummköpfe."


    Um mal wieder den Bogen zum Thema des Threads zu finden: wer hat vor 1 Jahr etwas auf Ratingagenturen gegeben? Der Normalverbraucher kannte nicht mal deren Existenz. Jetzt auf einmal bestimmen sie die Weltwirtschaft. Eine Farce.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

  • Zitat

    Original geschrieben von HappyDay989
    Ich schätze mal, genau das ist es auch; in 20 Jahren werden Printus und Anja mit meiner heutigen Position vermutlich übereinstimmen, weil sie dann die 20 Jahre mehr Lebenserfahrung haben, die ich ich ihnen als Mittvierziger voraus habe. (Welche Ansichten ich als dann Mittsechziger vertreten werden, weiß ich allerdings noch nicht. ;))


    Tja, ich schätze, damit habe ich mich hier im vermutlichen "Jungspund-Forum TT" als "alter Sack" geoutet. :D


    Alter Sack hin oder her, zähle ja auch irgendwie dazu.
    Lebenserfahrung alleine, ist per se kein Persilschein für immer 100% richtiges Handeln.
    Nur mit einer "killerphrase" Lebenserfahrung zu argumentieren ist doch ein wenig schwach.
    Alleine schon deswegen weil wir alle unterschiedlich Sozialisiert sind, also wird es deswegen schon keine "Standard erfahrung" geben die Allgemeingültig sind, man nehme nur mal unterschiedliche Kulturkreise.
    Begamie ist bei uns verpönt in anderen Ländern Standard.


    Fakt ist das die Realeinkommen in den Mittelschichten und tiefer sowieso um ca. 22% gesunken sind, die Preise aber gestiegen sind.
    Sicher die Medien schreiben das die Inflation im normalen Rahmen ist und das es keine großartigen Preissteigerungen gegeben hat, nur ist das eher scheinlogischer Natur da die Einkommen ja gesunken sind.
    Wenn Standardlebensqualität extrem verteuert, ob Wohnung inklusive Betriebskosten Stichwort Energie, Mobilität, Lebensmittel und co...Kleidung.... ergo alles nur Mindeststandards, kein Luxus.
    Die Löhne aber um ein knappes Viertel senkt, wie soll man dann zumindest seine Grundbedürfnisse adäquat befriedigen.


    Ja sicher man kann beim Discounter einkaufen, ein mind. 15 Jahre altes Auto fahren und seine Kleidung vom DRK beziehen, nur ist man dann im Prinzip nicht mehr Gesellschaftsfähig.
    Das Problem haben viele, vor allem geringqualifizierte ja selbst Hochqualifizierte die sich schlicht und ergreifend weigern, weit unter Wert zu verkaufen.
    Getreu nach dem Motto Hauptsache einen Job.


    Die Arbeitswelt ist heutzutage auf Fluktuation ausgelegt, immer mit dem hintergedanken das immer ein neuer Depp kommt der weit unter wert Arbeitet und sein über Jahre erworbenes Wissen einbringt.
    Siehe Hochschulabsolventen und Generation Praktikum.
    Es wird zwar immer behauptet die Sklaverei ist abgeschafft, nur ist sie selbst heutzutage immer noch der "Idealzustand" viele Generationen von Altreichen haben dadurch ihren Kapitalstamm gebildet.
    War ja auch einfach, wer hat schon zb. 5000 Mitarbeiter und muss außer etwas zu Essen dafür nicht aufwenden und wenn man sie nicht mehr braucht, kann man sie sogar noch verkaufen., wie Praktisch.
    Idealerweise habe diese Sklaven dann auch noch gelernt sich selbst zu Ernähren bzw. bauen sich ihre Lebensmittel selber an, adaptiert könnte man auch sagen Arbeitnehmer mit weiter Anfahrt wo die Spritkosten den Verdienst beinahe auffresen.
    Wenn ich mal Böse wäre, würde ich das Wort Leiharbeit/aufstocker damit in Verbindung bringen.
    Es ist von unserem ach so tollen System so gewollt das die Löhne auf einem Niveau gehalten werden, welches zumindest kurzfristige Verbindlichkeiten zum erfüllen der Basisbedürfnisse vorsieht.
    Die Banken freuen sich sie lassen uns 13-16% auf den Dispo zahlen und wenn man mal ein Neueres fahrfähiges Auto braucht dann leihen Sie uns großzügiger weise Geld für zb. 8% worauf wir schon mal 13-16% gezahlt haben.


    Unser toller Industrieller Kapitalismus beruht nun mal darauf, dem der die Waren herstellt wesentlich weniger zu zahlen als wie man durch das Produkt verdient.
    Größtmöglicher Gewinn zu kosten des Arbeiters, nur wird eines gerne zu gunsten des Profites vergessen.
    Der Arbeitnehmer sollte durch seine Arbeit auch adäquat zu existieren ohne in Lumpen und Wohnbaracke sein dasein zu fristen, mangels Einkommen das man in Bildung/Schule investieren könnte.
    Stichwort Outsourcing und abwälzung sämtlicher Risiken an Dritte, vorzugsweise auf den Steuerzahler siehe Banken.
    Egal ob Banken oder Fabriken im Ausland oder der Dritten Welt die viel mit Kindern Arbeiten.
    Oder unsere unzähligen Transporte von Sondermüll und Elektroschrott in die dritte Welt, als gebraucht und noch funktionsfähig deklariert etc....oder unsere hochgradige verschmutzung der Weltmeere... das alles um Kosten zu sparen wie Heldenhaft.
    Unser Planet hat keine unendlichen Ressourcen, auch deswegen ist dieses System des ständigen immer schnelleren Konsumierens von Produkten, was auch durch deren Bauweise bzw. künstlicher übertriebener wirtschaftlicher bedingter Lebenserwartung bedingt ist.


    Ist alleine schon deswegen zum scheitern verurteilt, von den Ökologischen auswirkungen mal abgesehen.


    Ich weiß nicht das kann es nicht sein das man ein solches hochgradig Asoziales Menschenverachtendes verhalten dadurch legitimiert, weil es Erfolg hat, weil es Profit bringt.
    Ich glaube vielen Leuten sind ihre Kinder einfach nur egal bzw. was sie diesen hinterlassen nach ihrem ableben.
    Ich meine damit unter anderem die Umwelt die nun mal unsere Lebensgrundlage darstellt.


    Aber Hauptsache unser noch so tolles System bleibt weiter bestehen und es erleidet keiner Verluste ob unsere nachfolgenden Generationen und deren Kinder noch etwas von diesem Planeten haben?
    Aber Hauptsache einige wenige können weiterhin in ihrem Luxus ersticken :top:


    Gruß M.
    Ps.
    Vorsicht Zynismus
    Meine Lebenserfahrung sagt zb. man kann bestimmte extreme Formen von Kapitalisten nur dadurch langfristig zum stagnieren bringen, wenn man sie "erlöst", ja ist wie mit Alten Hunden die vor Schmerzen nicht mehr vernünftig leben können.
    Da sagt der Tierarzt ja auch .........und wir sagen leuchtet ein.....lieber Tierarzt mach.....


    Da ich aber dazu gelernt habe, weiß ich das jedes Problem immer eine Zeitgemäße Lösung braucht und es keine Generallösung gibt die man fortwährend immer anwenden kann.
    :o
    Auch wenn es manchmal verlockend ist :D

    Wer mit halb gefülltem Tank die doppelte Strecke fahren will, ist ein Idiot. Wer mit halbem Etat doppelte Ergebnisse erzielen will, ist ein Finanzvorstand.

  • ich verneige mich vor dir :top:

    Leben, das ist das Allerseltenste in der Welt - die meisten Menschen existieren nur.

  • Zitat

    Original geschrieben von Matchacom
    Meine Lebenserfahrung sagt zb. man kann bestimmte extreme Formen von Kapitalisten nur dadurch langfristig zum stagnieren bringen, wenn man sie "erlöst", ja ist wie mit Alten Hunden die vor Schmerzen nicht mehr vernünftig leben können.


    Schaut man sich die Entwicklungen in Nordafrika, Syrien, Athen, jetzt London und auch die Eurokrise und das Geschehen an den Börsen an kommt man zu dem Schluss, dass die Erlösung begonnen hat. Manche Hunde wirken sogar kräftig an der eigenen Einschläferung mit - und viele raffen es nicht mal.


    Es gibt zwar keine Rechtfertigung für Gewalt und Kriminalität, wohl aber Ursachen. Und die liegen an allen Brennpunkten an der Unterdrückung des einfachen Volks, sei es durch rigide politische oder finanzielle Systeme.

    Ich dachte immer es sei technisch unmöglich mit jemandem Sex zu haben, der Dörte heißt...

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