@ Timba69
Niedrigzinspolitik ist ja nicht zwangsläufig eine Folge des Euro als Währung. Man kann den Euro als Währung haben und trotzdem eine Hochzinspolitik fahren. Letztere ist natürlich auch nicht sinnvoll da sie nachteilig für die Konjunktur ist. In der Zinspolitik sollte man einen vernünftigen Mittelweg wählen. Niedriglohn-Politik muss es auch nicht wegen des Euro geben.. Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse waren eine Folge der teilweise falschen Agenta- Reformen der Schröder-Regierung und nicht eine Folge der Einführung des Euro.
Europäische Schuldenunion - ist der Politik überhaupt noch zu trauen?
- Mephisto
- Geschlossen
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Original geschrieben von Timba69
Nicht wirklich; dafür reicht die simple Erkenntnis, dass es auch jahrzehntelang OHNE Euro ging, das jahrzehntelang Deutschland eine der führenden Industrienationen war und dazu dauerhafter Exportweltmeister, trotz starker Mark. ...
Die Vorteile des Euro bleiben halt von vielen unbemerkt, mittelbar partizipieren sie aber doch daran.Ein Beispiel:
Mein Onkel hatte mit einer kleinen Firma deutsche Waren in den UK importiert. Die Zahl der Aufträge war überschaubar, allerdings lag das Volumen der einzelnen Aufträge meist im deutlich sechsstelligen Bereich.
Die Kontrakte wurden in England jeweils in GPB abgeschlossen. Daraufhin musste mein Onkel die Waren in Deutschland produzieren lassen und einen Auftrag in DM erteilen. Bis zur Fertigstellung vergingen etliche Wochen. Nach Fertigstellung der Ware hat er dann hier in Deutschland in DM an den Hersteller gezahlt und sein Auftraggeber an ihn den zuvor vereinbarten Betrag in GBP.
Wenn der Kurs des britischen Pfund in dieser Zeit sank, erlebten wir bange Wochen. Hingen gleich mehrere Aufträge gleichzeitig in der Luft, hätte ein stärkerer Ausschlag des Pfund das ganze zu einem Fiasko werden lassen können. Und nein, er hatte die Geschäfte nicht gegen Währungsschwankungen abgesichert, weil seine Marge das nicht hergab.
Diese wochenlange Unsicherheit ist mir noch in guter Erinnerung, so dass ich den Euro schon aus deshalb als Erfolgsmodell werte, weil er vielen Unternehmern diese Sorge erspart und Planungssicherheit schafft. Daneben wird es noch etliche andere Vorteile geben.
Zum Griechenland-Problem:
Geplant war anfangs, das ein Staat, der "pleite geht" ggf. eben pleite geht. Der Momentan veranstaltete "Griechenland-Zirkus" ist aus meiner Sicht daher kein grundlegendes Problem des Euro, sondern eines, das erst dadurch entsteht, wie die Länder der Eurogruppe damit umgehen.
Wer sagt uns im übrigen, dass Griechenland nicht bankrott wäre, wenn es die Drachme behalten Hätte? Am Beispiel Argentiniens zeigt sich, dass auch ein Land mit eigener Währung bankrott gehen kann. Die Drachme als "Alleilmittel" darzustellen, ist aus meiner Sicht zu kurz gedacht. Wer andauernd mehr ausgibt, als er einnimmt, hat ein viel grundlegenderes Problem, welches man in jeder Währung haben kann.

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Original geschrieben von frank_aus_wedau
Die Kontrakte wurden in England jeweils in GPB abgeschlossen.Dir ist aber schon aufgefallen das GB immer noch keinen € hat oder?
Der € hat schon so seine vorteile z.B. beim Reisen. mal eben Schnell in die NLzum Shopping oder ein Wochenende Sightseeing in BE ohne Geldwechseln. :top: -
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Die Vorteile des Euro bleiben halt von vielen unbemerkt, mittelbar partizipieren sie aber doch daran. Ein Beispiel: Mein Onkel hatte mit einer kleinen Firma deutsche Waren in den UK importiert. Die Zahl der Aufträge war überschaubar, allerdings lag das Volumen der einzelnen Aufträge meist im deutlich sechsstelligen Bereich. Die Kontrakte wurden in England jeweils in GPB abgeschlossen. Daraufhin musste mein Onkel die Waren in Deutschland produzieren lassen und einen Auftrag in DM erteilen. Bis zur Fertigstellung vergingen etliche Wochen. Nach Fertigstellung der Ware hat er dann hier in Deutschland in DM an den Hersteller gezahlt und sein Auftraggeber an ihn den zuvor vereinbarten Betrag in GBP. Wenn der Kurs des britischen Pfund in dieser Zeit sank, erlebten wir bange Wochen. Hingen gleich mehrere Aufträge gleichzeitig in der Luft, hätte ein stärkerer Ausschlag des Pfund das ganze zu einem Fiasko werden lassen können. Und nein, er hatte die Geschäfte nicht gegen Währungsschwankungen abgesichert, weil seine Marge das nicht hergab. Diese wochenlange Unsicherheit ist mir noch in guter Erinnerung, so dass ich den Euro schon aus deshalb als Erfolgsmodell werte, weil er vielen Unternehmern diese Sorge erspart und Planungssicherheit schafft. Daneben wird es noch etliche andere Vorteile geben.
Scheinbar übersiehst du bei der Geschichte, dass dein Onkel trotz Euro keinen Vorteil hätte, da GB kein Euro hat. Im Gegenteil. Durch den schlechten Wechselkurs hätte er sogar verloren.
ZitatNiedrigzinspolitik ist ja nicht zwangsläufig eine Folge des Euro als Währung. .
Jetzt schon, genau wie die letzten 8 Jahre.
ZitatMan kann den Euro als Währung haben und trotzdem eine Hochzinspolitik fahren. Letztere ist natürlich auch nicht sinnvoll da sie nachteilig für die Konjunktur ist.
Nun, dann würden ca. aktuell 6/8 der Europastaaten Pleite gehen. Dein Ziel? Konjunktur ist nicht gekoppelt an Zinsen, aber ein Indikator. Trotz hoher Zinsen kann es der Konjunktur gut gehen. Stichwort: Binnennachfrage. Es ist eben nicht alles so einfach, wie man immer denkt.... Und der Export leif im speziellen von Deutschland auch bei hohen Zinsen und starkem Euro gut.
Und als es mal nicht so lief: Binnennachfrage ankurbeln, Stichwort: Abwrackprämie. Das Griechenland zu verwehren, wie es Schäuble, Merkel und die Eurogruppe tun: Lächerlich.
ZitatIn der Zinspolitik sollte man einen vernünftigen Mittelweg wählen. Niedriglohn-Politik muss es auch nicht wegen des Euro geben.. Niedriglöhne und prekäre Arbeitsverhältnisse waren eine Folge der teilweise falschen Agenta- Reformen der Schröder-Regierung und nicht eine Folge der Einführung des Euro.
Falsch. Die Agenda2010 war ein Fehler. Die Fortführung von CDU, CSU, FDP und der GroKo auch. Einen brutalen Schub gab es aber erst mit der Finanzkrise.
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Original geschrieben von frank_aus_wedau
Mein Onkel hatte mit einer kleinen Firma deutsche Waren in den UK importiert. Die Zahl der Aufträge war überschaubar, allerdings lag das Volumen der einzelnen Aufträge meist im deutlich sechsstelligen Bereich.Die Kontrakte wurden in England jeweils in GPB abgeschlossen. Daraufhin musste mein Onkel die Waren in Deutschland produzieren lassen und einen Auftrag in DM erteilen. Bis zur Fertigstellung vergingen etliche Wochen
Die Ironie an der Geschichte ist natürlich, dass sich für deinen Onkel in diesem Falle nichts geändert hat bzw. hätte. Schliesslich hat UK immer noch das Pfund, und in Deutschland "heisst" die Währung jetzt einfach EUR, ohne dass sich an der Konstellation grundlegend was geändert hätte.ZitatOriginal geschrieben von frank_aus_wedau
Zum Griechenland-Problem:Geplant war anfangs, das ein Staat, der "pleite geht" ggf. eben pleite geht
Huh? :confused:War es nicht vielmehr so geplant, dass ein Staat gar nicht erst pleite gehen kann?
Da sich die Staaten auf Einhaltung der EU-Konvergenzkriterien ("Maastricht-Kriterien") verpflichtet hatten, und ggf. ein Vertragsverletzungsverfahren eingeleitet worden wäre.ZitatOriginal geschrieben von frank_aus_wedau
Wer sagt uns im übrigen, dass Griechenland nicht bankrott wäre, wenn es die Drachme behalten Hätte? (...) Die Drachme als "Alleilmittel" darzustellen, ist aus meiner Sicht zu kurz gedacht. Wer andauernd mehr ausgibt, als er einnimmt, hat ein viel grundlegenderes Problem, welches man in jeder Währung haben kann.
Ein Allheilmittel ist sie sicher nicht.
Aber sie erlaubt eine konforme Abwertung.
Und sie ist, in meinen Augen, ein sehr wesentlicher Anreiz dafür, selbst Verantwortung zu übernehmen (da man sich ja selbst finanzieren muss!) -
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Original geschrieben von murmelchen
Der € hat schon so seine vorteile z.B. beim Reisen. mal eben Schnell in die NLzum Shopping oder ein Wochenende Sightseeing in BE ohne Geldwechseln.
Braucht's dafür wirklich einen EURO?
Oder pointierter gefragt: Wiegt das die nun offensichtlichen Nachteile der Währung auf?Ich meine... zumal jetzt mit SEPA und nach Senkung der Kreditkartenkommissionen: Wär's ein echtes Problem, sich am Automaten ein paar Gulden oder Franc zu ziehen, bzw. mit Karte direkt im Geschäft zu zahlen?
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Für den Privatmann ist eine Währungsunion vermutlich bis auf ein paar Auslandsanschaffungen und dem Urlaub wirklich zu vernachlässigen. Für die Wirtschaft vereinfacht eine gemeinsame Währung eben vieles, siehe das Beispiel von Frank. Ein normal kalkulieren der Unternehmer nimmt nämlich nicht das Währungsrisiko auf sich, sondern sichert sich hiergegen ab und schlägt entsprechend auf den Preis auf. Wenn man sich mal überlegt, wieviele Waren im Schengen-Raum grenzüberschreitend vor der Euro Einführung bewegt wurde, dann kommt da mit Sicherheit eine riesige Summe an währungsschwankungsbedingten Auflägen heraus, die wir seit der Gemeinschaftswährung eben nicht mehr haben.
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Original geschrieben von bernbayer
Der Euro wurde zum Erfolgsmodell. Daran ändern auch die Probleme in einigen EU- Ländern nichts grundsätzlich daran. Deutschland hat gewaltig vom Euro profitiert. Ohne Euro stünden wir wirtschaftlich wesentlich schlechter da.
Das ist eben die Frage. Und meines Erachtens ist die nicht so einfach zu beantworten.Bzgl. beispielsweise der Realeinkommen in Deutschland kann man das zumindest sehr ernsthaft in Frage stellen. Da haben nicht-EURO-Staaten wie Grossbritannien, Schweden, Dänemark und die Schweiz ja (im Mittel) die Deutschen seit Jahren abgehängt! Und das sind alles Staaten, die schon relativ wohlhabend waren, insofern nicht wie die Ost- oder Südeuropäer von niedrigem Niveau "aufholen" mussten. (Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich dafür auch die Lohn- und Sozialpolitik in Deutschland sowie einigungsbedingte Sonderlasten für mitverantwortlich halte - aber ich glaube, dass ebenso der EURO mangels Aufwertungsmöglichkeit der Mark eine Rolle spielt).
Dieses Argument mit den Realeinkommen vertrat bzw. vertritt beispielsweise auch der französische Front National für einen EURO-Austritt. Und so ganz einfach von der Hand zu weisen ist es m.E. nicht.
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Bzgl. beispielsweise der Realeinkommen in Deutschland kann man das zumindest sehr ernsthaft in Frage stellen. Da haben nicht-EURO-Staaten wie Grossbritannien, Schweden, Dänemark und die Schweiz die Deutschen ja seit Jahren im Mittel abgehängt! Und das sind alles Staaten, die schon relativ wohlhabend waren, insofern nicht wie die Ost- oder Südeuropäer von niedrigem Niveau "aufholen" mussten. (Ich habe nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass ich dafür auch die Lohn- und Sozialpolitik in Deutschland für mitverantwortlich halte - aber ich glaube, dass ebenso der EURO eine Rolle spielt).
Eben. Erzähl das mal bernbayer...:-)
BTW:
Die Lohn- und Sozialpolitik ist immer eine Folge der Kassenlage des Finanzministers. Und die war ab dem Jahre 2003 nicht mehr so tolle....
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Das Lohn-Niveau und die Sozial-Standards eines Landes sind doch nicht In erster Linie von der Währung eines Landes abhängig. Das siehst doch daran das die Situation in dieser Hinsicht in den einzelnen Euro- Staaten sehr unterschiedlich ist.
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