Europäische Schuldenunion - ist der Politik überhaupt noch zu trauen?

  • Naja, was du jetzt bereits Inflation nennst, nenne ich eine vollkommen normale Entwicklung. In Deutschland gab es seit den Fünfzigern bereits mehrfach Phasen mit Inflationsraten von 4-8%, auch ohne die Panik, die momentan verbreitet wird. Wenn ich überlege, ob es zu Inflation kommt, meine ich wesentlich höhere Raten, also etwas in Richtung 10-12%.

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Naja, was du jetzt bereits Inflation nennst, nenne ich eine vollkommen normale Entwicklung. In Deutschland gab es seit den Fünfzigern bereits mehrfach Phasen mit Inflationsraten von 4-8%, auch ohne die Panik, die momentan verbreitet wird. Wenn ich überlege, ob es zu Inflation kommt, meine ich wesentlich höhere Raten, also etwas in Richtung 10-12%.


    Gut, das sehe ich erwartungsgemäß anders. Natürlich gab es Phasen mit 4-8%. Und? Was war die Begründung? Jedenfalls keine Gründe, die durch die Zentralbanken verursacht wurden.

  • Ist der Grund nicht egal? Ölpreisschock, Wiedervereinigung...dich stört es also mehr, wie es geschieht, als das es geschieht?

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Ist der Grund nicht egal?


    Natürlich nicht. Es gibt Dinge, die kann Europa/Zentralbank/Politik beeinflussen oder verursachen und manche eben nicht bzw. nur marginal.
    Dich stört also gar nicht so sehr, dass es geschieht und warum?

  • Natürlich stört es mich, mir ist der Grund aber egal. Dass es so kommen muss, war ausserdem schon seit der Finanzkrise klar. Nur frage ich mich inzwischen, ob das Szenario angesichts des geringen Wachstums möglich ist. Und da neige ich inzwischen fast mehr zu einem Deflationsszenario als zu einem Inflationsszenario.

  • Wenn selbst von der griechischen Regierung angegeben wird, das man bei Kürzungen von Renten über 2200 Euro (!) einen Spareffekt hat, da fragt man sich wirklich, wie sowas sein kann?!


    Da helfen auch kein Debatten über Außenhandelsdefizite, Deflation-/Inflation oder ähnliches. Da ist systemisch im Volke was falsch.


    Klick



    Zudem geht mir das "wir"-Gefasel von Baroso auf den Zunder, wir (die deutschen Wählerstimmen) haben ihn nicht demokratisch gewählt, weder direkt, noch indirekt.

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!

  • Griechenlands Problem ist der Klientelismus. Um ihre Machtbasis aufrechtzuerhalten werden Nea Dimokratia und Pasok vermutlich solange wie möglich versuchen Resourcen zu verteilen, um ihre Anhängerschaft an sich zu binden. Überhöhte Rentenzahlungen lassen sich vielleicht als Teil dieses Systems interpretieren.
    Die aktuelle griechische Regierung wird den Europäern auch zukünftig viele Versprechungen über angestrebte Sparbemühungen abgeben, aber nur wenig davon wird, ohne verstärkten Druck von außen, auch umgesetzt werden.
    Zu den historischen Ursachen der griechischen Misere findet man bei Heinz A. Richter eine fundierte Analyse. Er gibt auch konkrete Hinweise, wie sich die Verhältnisse zum Besseren wenden ließen.(1)(2)


    (1) http://www.lisa.gerda-henkel-s…e/content.php?nav_id=1936


    (2) http://www.griechische-kultur.…kultur-griechenlands.html

    Transparency for the state ! Privacy for the rest of us !

  • Zitat

    Original geschrieben von DrMac
    Griechenlands Problem ist der Klientelismus. Um ihre Machtbasis aufrechtzuerhalten werden Nea Dimokratia und Pasok vermutlich solange wie möglich versuchen Resourcen zu verteilen, um ihre Anhängerschaft an sich zu binden. Überhöhte Rentenzahlungen lassen sich vielleicht als Teil dieses Systems interpretieren.


    Auch wenn es sicherlich richtig ist, daß es Griechenland dabei zu einer ganz besonderen Meisterschaft gebracht hat, so ist die Verwendung öffentlicher Ressourcen zur Maximierung der eigenen Wahlchancen durch Politiker bzw. Parteien natürlich ein allgemeines Charakteristikum des politischen Wettbewerbs in parlamentarischen Demokratien. Letztlich versucht jede Partei doch dem Wähler ein Maßnahmenpaket anzubieten, das zumindest aus der Sicht der eigenen Klientel ein besonders günstiges "Preis-Leistungs-Verhältnis" aufweist. Und in diesem Bemühen ist es natürlich hilfreich, wenn es dem Politiker gelingt, Leistungen bereitzustellen, denen zumindest unmittelbar keine Kosten gegenüberstehen. Dies Verhalten erklärt zu einem wesentlichen Teil die enormen Schuldenberge, auf denen die meisten demokratisch verfaßten Staaten heute sitzen. Begrenzt wurde der Spielraum für dieses Verhalten bisher eben stets durch "die Finanzmärkte", die einer allzu exzessiven Verschuldung durch wachsende Risikoaufschläge gewiße Grenzen setzten. Die Einführung des Euros hat diesen "Schutzmechanismus" weitgehend außer Kraft gesetzt, da sich Länder wie Griechenland plötzlich zu ähnlich niedrigen Zinssätzen verschulden konnten, wie Deutschland oder die Niederlande und von dieser Möglichkeit ja bekanntermaßen auch über Gebühr Gebrauch gemacht haben.
    Und genau aus diesem Grunde sind eine Schuldenunion, Eurobonds oder eben die jetzt von Herrn Draghi angekündigte versteckte Staatsschuldfinanzierung durch die EZB polit-ökonomisch ja auch so fatal. Wer ernsthaft glaubt, daß Politiker, die bisher schon recht hemmungslos Wahlgeschenke auf Kosten der eigenen Kinder und Enkelkinder verteilt haben, jetzt plötzlich davor zurückschrecken werden, dies zu Lasten der mehr oder weniger ungeliebten europäischen Nachbarn - allen voran der Deutschen - zu tun, der muß sich doch eine gewiße Naivität vorwerfen lassen. Das hat garnicht mal unbedingt etwas mit bösem Willen zu tun, sondern die Mechanismen der parlamentarischen Demokratie treiben die Politiker/Parteien zu diesem Verhalten. Jeder wird versuchen, möglichst viel für sein Land aus dem gemeinsam garantierten Schuldentopf herauszuholen bzw. sich möglichst viele eigene Schulden von der EZB finanzieren zu lassen, denn täte er es nicht, würde er dafür von seinen Wählern abgestraft. Das Ergebnis kann letztlich nur ein Verschuldungswettlauf sein, die Analogie zur klassischen Problematik der Übernutzung von Allmende-Ressourcen ist offensichtlich. Und daß es gerade angesichts der um sich greifenden Beliebigkeit in Fragen des europäischen Rechts (wer kümmert sich denn noch um das vertraglich festgelegte bail-out-Verbot) gelingen könnte, hier wirkungsvolle Schutzmechanismen einzubauen, ist schlicht als unrealistisch zu bezeichnen.

  • Zitat

    Original geschrieben von autares
    Naja, was du jetzt bereits Inflation nennst, nenne ich eine vollkommen normale Entwicklung. In Deutschland gab es seit den Fünfzigern bereits mehrfach Phasen mit Inflationsraten von 4-8%, auch ohne die Panik, die momentan verbreitet wird. Wenn ich überlege, ob es zu Inflation kommt, meine ich wesentlich höhere Raten, also etwas in Richtung 10-12%.


    Inflation ist aber immer nur die halbe Miete, die Zinsen waren in der Historie auch entsprechend höher.
    Heute haben wir negative Realzinsen, das ist schon was anderes, Herr autares.


    Ihr wundert euch wirklich, warum Eure Eigentumswohnung 400.000 €* 650.000 €** kostet, wenn der Bauherr Ferrari F430 & 458, Porsche Carrera GT & 911 fährt?
    * 2013, ** 2015

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