Apotheke: Verkauf abgelaufener Ware & eventuell falsche Beratung

  • Im Prinzip kann man das Posting von webbiller nur unterschreiben.


    Da nur in den wenigsten Fällen von den Herstellern derartiger Produkte Studien bei Kleinkindern durchgeführt werden wirst Du bei fast allen Salben, Pillen oder sonstigem immer den Hinweis finden, dass die Verabreichung für Kindern unter 6 mit einem Arzt abgeklärt werden sollte - dient aber ausschließlich der Exkulpation des Herstellers und sagt überhaupt nichts über die "Gefährlichkeit" des Produktes aus. Selbst bspw. bei Zäpfchen die explizit für Säuglinge verkauft werden steht im Beipackzettel das man einen Arzt konsultieren soll.


    Im Prinzip ist schon allein die Angabe eines Alters ein deutliches Indiz dafür, dass solche Aussagen nur der Absicherung der Hersteller dienen - es kommt nämlich viel mehr auf die Größe und das Gewicht eines Patienten an um bestimmen zu können welche Dosis man verwenden sollte.


    Ebenso sind solche nett gemeinten Tips der anderen Kundin vollkommen für die Füße und zeugen nur davon, dass hier mit gefährlichen Halbwissen anderen Kunden verunsichert werden. Ja Cortison ist nichts mit dem man ganz bedenkenlos umgehen sollte, aber die konkrete Salbe ist nun wirklich relativ harmlos wenn man sich damit nicht mehrfach am Tag großflächig eincremt.


    Hydrocortison ist ein Glucocorticoide der Klasse 1 - schwach wirksam siehe auch:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Glucocorticoide und wird im Körper von der Nebennierenrinde gebildet.


    Gerade neulich einen Fall gehabt bei dem eine Schwangere (die lt. Beipackzettel ja auch ganz dringend vorher einen Arzt fragen soll) wg. einer leichten Neurodermitis tatsächlich mal ihre Ärztin vorab gefragt hat - die hat nur müde gelächelt und abgewunken: Kurzfristige und kleinfächige Anwendung seien überhaupt kein Problem.


    Und in der Tat ist hier das verkaufte Mittel mit eins der (nicht verschreibungspflichtigen) welches am besten wirkt.


    Insofern kannst Du "Falschberatung" und den ganzen sonstigen Mist vergessen, dass einzige was natürlich nicht sein sollte ist wenn tatsächlich eine abgelaufene Tube verkauft worden ist. Auch das ist nicht zwangsläufig gefährlich aber trotzdem unschön. Wenn Du also wirklich mit der Apotheke reden willst, dann reduziere Dich darauf zu klären ob und wie es sein kann das abgelaufene Produkte verkauft werden - wobei auch das ja wie schon geschrieben nach fast einem halben Jahr wohl kaum noch nachzuvollziehen sein wird und nicht ausgeschlossen ist, dass es sich bei der abgelaufenen Tube gar nicht um das "corpus delicti" handelt.

  • Die Apotheken haben eine Beratungspflicht für Produkte die apothekenpflichtig sind - daher gibt es die Apothekenpflicht nämlich, ansonsten könnte man diese Arzneimittel genauso im Supermarkt verkaufen.
    Wenn sich eine Arzneimittelzulassung auf bestimmte Altersgruppen beschränkt (hier ab 6 Jahre), dann kann ein Apotheker nicht einfach dieses Produkt zur Anwendung an Menschen unter 6 Jahren empfehlen. Im Gegenteil er müsste darauf hinweisen, dass das Produkt nur nach Rücksprache mit einem Arzt angewendet werden darf.


    Es ist schon schwach, insbesondere von eine Offline-Apotheke so schlecht bzw. gar nicht zu beraten, sie rühmen sich doch geradezu damit, eine herausragende Beratung zu bieten und führen das auch noch als Vorteil ggü. dem Onlinehandeln an.


    Aber hier zählt offenbar auch mehr der Verkauf. Vielleicht hatte man auch einfach zu viel von der Creme (ein Fenistil Hydrocort Gel gibt es meines Wissens nicht) und wollte sie loswerden. Das überschrittene Verwendbarkeitsdatum spricht ja dafür.
    Eine Abgabe mit überschrittenem Verwendbarkeitsdatum ist ganz klar verboten (§8 (2) AMG).


    In der letzten Stern TV Ausgabe wurden "abgelaufene" Arzneimittel untersucht, darunter auch zwei hydrocortisonhaltige Cremes. Der Experte hat von der Verwendung ausdrücklich abgeraten, weil sich die Bestandteile der Creme getrennt haben und der Wirkstoff nicht mehr gleichmäßig verteilt war.
    Bei ASS (Aspirin) hat man dagegen festgestellt, dass auch 80 Jahre alte Tabletten noch konsumiert werden können - sie riechen nach Essig und der Wirkstoffgehalt war etwas unter 90% gefallen. 90% sind die gesetzliche Mindestanforderung.
    http://www.stern.de/tv/sterntv…s-hochgiftig-1881657.html


    Interessant fand ich in dem Zusammenhang auch mal eine Reportage des NDR die man auch online ansehen kann:
    http://www.ndr.de/fernsehen/se…erpharmaindustrie101.html
    Hier verlangt eine (jüngere) Testkundin in einer Apotheke ein Migränemedikament das für Personen ab 65 Jahren nicht zugelassen ist, sie bekommt es einfach ausgehändigt. Hier wird von einem Pharmakologen schon bemängelt, dass die Apothekerin die Kunden gar nicht frägt ob das Medikament für sie oder für jemand anderen sei.

    Viele Grüße
    Martin

  • Danke für die Infos ab Zeitpunkt webmiller.


    Ich habe nun eine sachliche und freundliche Email gesendet, zumindest damit die davon Kenntnis erlangen, dass was schief gelaufen ist. Ich habe den ganze Sachverhalt freundlich erklärt. Was die dann machen ist deren Sache. Mal sehen, was die antworten.

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  • Wer sagt das Cortison schlecht ist?
    Das mit "..unter 6 Jahren" hat folgenden Hintergrund: Aus ethischen Gründen gibt es so gut wie keine Studien mit kleinen Kindern - wie soll also die Unverträglichkeit getestet werden, selbst wenn das Alter keine Relevanz hat beim betreffenden Wirkstoff?



    Kirche=Dorf



    Vor allem hysterische Kundinnen die"Cortison" schreien braucht kein Mensch. :)

    Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

  • Zitat

    Original geschrieben von mostwanted
    Wer sagt das Cortison schlecht ist?


    Gegenfrage: man hätte doch auch ein andere Salbe verschreiben können, oder? Es hätte nicht mal die cortison-haltige Fenistil Salbe sein müssen, oder?


    Um das nochmals auf den Punkt zu bringen: reklamieren heißt nicht verklagen, zanken oder Krieg führen. Es heißt nur, auf einen Fehler aufmerksam zu machen.


    Wenn ich lese, wie einige User immer "Kirche im Dorf lassen", "Rumgestänker" reden, dann frage ich mich, warum einige glauben, dass ich "verbalen Krieg führen will"? Ich will nur reden.

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  • Du willst nur reden? Dann schreibe keine Email :D


    Und warum 'Fehler'? Wer sagt dass es sich um einen Fehler handelte? (ausser dass das MHD abgelaufen war).
    Hast Du eine Ausbildung in dem Bereich? Oder auch wieder nur Infos über Bekannte?


    Sorry, aber ich schrieb schon, dass es eher schwachsinn ist nach über 4 Monaten als Unbeteiligter was zu reißen.

    Gruß
    Flatie

  • Zitat

    Original geschrieben von flatie
    Du willst nur reden? Dann schreibe keine Email :D

    Ok


    Zitat

    Original geschrieben von flatie
    Sorry, aber ich schrieb schon, dass es eher schwachsinn ist nach über 4 Monaten als Unbeteiligter was zu reißen.


    Ich wiederhole mich gerne: man kann gerne auf den Sachverhalt hinweisen. Wieso du es als Schwachsinn deklarierst, weiß ich immer noch nicht.


    Und zum Thema Unbeteiligter: man kann jedem helfen, auch wenn man nicht selbst betroffen ist. Daran ist nichts verwerfliches. Du würdest ja auch nicht wegsehen, wenn eine Omi z.B. von Jugendlichen angemacht wird, oder?


    Wie gesagt, ich will mich zu dem Thema nicht zu sehr äußern, will nur ab nun den Stand weitergeben.

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  • Zitat

    Original geschrieben von Sliders
    Gegenfrage: man hätte doch auch ein andere Salbe verschreiben können, oder?


    Verschrieben hat der Apotheker schon mal gar nichts - das können nur Ärzte. Davon ab war es ja eben ein frei verkäufliches und kein verschreibungspflichtiges Produkt.


    Natürlich hätte man ggf. auch "normales" Fenistil Gel ohne Hydrocortison anbieten können, wobei das im Wesentlich wirklich von der Ausprägung und Heftigkeit der Schwellung bzw. Reaktion auf den Stich abhängt. Aber - oh Wunder - auch bei normalem Fenistil gibt es Einschränkungen des Herstellers, dass man Kleinkinder damit in diesen und jenen Fällen ja schon mal gar nicht behandeln sollte.


    Und auch wenn ein Apotheker eine Beratungspflicht hat: Letztendlich muss ich als Kunde selbst entscheiden was ich möchte und was nicht - klar wenn ich jetzt nicht so die Ahnung habe verlasse ich mich auf die Empfehlung des Apothekers, der sollte es ja am besten Wissen, dass entbindet mich aber nicht davon meinen gesunden Menschenverstand zu benutzen und auch den Beipackzettel zu lesen.


    Wenn ich mir die "Beratungsqualität" in der klassischen Apotheke so anschaue: Natürlich kann der Mensch hinter der Theke nicht alle Produkte aus dem EffEff beherrschen, aber wenn jetzt schon bei Standardprodukten bei Rückfragen erstmal in den Computer geschaut werden muss - das kann ich auch selber.


    Und um noch mal den Bogen etwas weiter zu schlagen: In DE haben wir wohl mit die strengsten Vorschriften was medizinische Produkte angeht. Wofür man in DE schon ein Rezept braucht bekommt man in den USA in jedem größeren Drug Store einfach so in rauen Mengen (was nicht heißen soll, dass ich so eine Praxis jetzt für die bestmögliche Lösung halte), preislich dafür deutlich unter dem DE Niveau. Darüber hinaus sind dort die Wirkstoffmengen in Cremes und Salben deutlich höher als bei uns. Stellt sich also die Frage:
    Sind wir Deutschen so empfindlich oder halten die Ammis einfach mehr aus? :D

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