Der allgemeine Annette Schavan Thread - Die Plagiatsaffäre

  • Zitat

    Original geschrieben von shelter
    Interessanter Bericht zum Plagiat-Jäger:


    http://www.mopo.de/politik---w…vor,5066858,21715864.html

    Du meinst die rhetorische Frage "Überprüft er eigentlich auch Arbeiten von SPD Mitgliedern? Oder von Grünen?" in den Kommentaren? :D



    Zitat

    Original geschrieben von oleR
    Die Pointe daran ist ja, dass gegen Gysi jetzt wieder wegen falscher eidesstattlicher Erklärung ermittelt wird - und Schavan nach Überzeugung der Uni bei ihrer eidesstattlichen Erklärung... zumindest nicht ganz bei der Wahrheit geblieben ist. Zum Glück für sie ist das ja mittlerweile verjährt.

    Die eigentliche Pointe daran ist ja, dass der SED-Mann die mutmaßlich falsche eidesstattliche Erklärung gegenüber der zuständigen Behörde, d.h. einem Gericht, abgegeben hat und dass bei einer popeligen Uni zumindest zweifelhaft ist, ob diese - wie bereits vor Tagen schon geschrieben - gem. StGB überhaupt zuständige Behörde sein kann.

  • Zitat

    Die eigentliche Pointe daran ist ja, dass der SED-Mann die mutmaßlich falsche eidesstattliche Erklärung gegenüber der zuständigen Behörde, d.h. einem Gericht, abgegeben hat und dass bei einer popeligen Uni zumindest zweifelhaft ist, ob diese - wie bereits vor Tagen schon geschrieben - gem. StGB überhaupt zuständige Behörde sein kann.


    Ziemlich akademische Frage - sie ist nur strafrechtlich von Belang. Und da ist Schavans über drei Jahrzehnte alte mutmaßlich falsche eidesstattliche Erklärung ohnehin verjährt. Moralisch sieht das anders aus. Und in der Liga wird besonders gern gegen Gysi gespielt, dem vor Gericht bislang einfach nicht beizukommen ist.

  • Ach, moralisch ist es auch fragwürdig, dass man auf am Boden Liegende noch eintritt. Aber damit hast du ja weniger Bedenken. :D

  • Zitat

    Aber damit hast du ja weniger Bedenken.


    Ach, Schavan als Geisteswissenschaftlerin wird auch ohne Titel wissen, welche Bedeutung ein gesunder Diskurs für die Demokratie hat und nicht gleich eingeschnappt sein. Ist ja fast schon moralisch fragwürdig, sie sofort am Boden zu sehen und vor jeglicher Kritik abschirmen zu wollen, bloß weil sie ihren Doktor los ist.

  • Zitat

    Original geschrieben von oleR
    Ich weiß ja nicht, welchen Personenkreis du meinst.


    Die "Personenkreise" kommen vor dir. Ich hatte gehofft, du würdest erläutern, wer deiner Meinung nach welche Personenkreise meint.



    Zitat


    Es geht bei Schavan nicht um Primärquellen. Was soll diese Suggestivfrage?


    Primärquellen in Bezug auf die Vorwürfe. Unter Umständen kann man da auch Schavanplag gelten lassen. Also, was genau sind die Vorwürfe? Jetzt mal im Ernst, werter oleR und ohne (all zu viel) Angriff: Du scheinst Schavan zu verurteilen. Auf welcher Basis bist du zu deinem Urteil gekommen? Das ist doch keine unlautere Frage. Auf der Basis von Zeit und Spon - oder ist da mehr Substanz? Und wenn da mehr ist - dann beschreibe dein Wissen doch mal hier. Wie ich bereits schrieb: ICH habe keine Recherche betrieben - weil mir das Thema tatsächlich nicht auf den Näglen brennt. Deswegen kann ich zu den eigentlichen Vorwürfen Schavan gegenüber nichts sagen. Ich habe lediglich angemerkt, dass Spon -oder von mir aus auch Zeit online- KEINE ausreichende Quelle sind. Dafür habe ich einfach zu oft übelste Verleumdungen und Verdrehungen in diesen Schmutzblättern lesen müssen.


    Zitat


    ...Die Uni ist ganz offensichtlich der Überzeugung, dass Schavan einige Literatur verwendet hat, die nicht angegeben wurde.


    Wie gesagt: ich habe keine Recherche gemacht. Aber so aus dem hohlen Bauch vermute ich mal, dass da was dran ist. Aber dir ist schon klar, dass die Aberkennung des Titels nicht darauf beruht? Die Aberkennung erfolgte mit der Begründung der BetrugsABSICHT.

    Zitat


    Ne, hinter dieser Auflistung in einem Kontext wie hier steht mehr als eine Vorstellung. Selten war das aber bis jetzt eine, die ich besonders erquicklich oder auch nur einigermaßen differenziert fand.


    Du magst Vorurteile? OK, da hast du eins: ich behaupte mal, du würdest dich mit Händen und Füßen dagegen wehren, wenn man von dir verlangen würde, beim Nationalsozialismus zu "differenzieren". Ich behaupte du würdest sagen: bei einer Ideologie mit solcher Menschenfeindlichkeit und und solcher Brutalität ist nix mehr zu differenzieren. Bis zu dem Punkt könnten wir uns sogar einig sein. Der Unterschied mag sein, dass ich alle brutalen Diktaturen ablehne - auch den Kommunismus.

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  • Zitat

    Auf welcher Basis bist du zu deinem Urteil gekommen?


    Ich habe die Auflistung bei Schavanplag gesehen. Die ist kein Geheimnis; eher im Gegenteil. Sie war wohl Auflöser für die Untersuchung der Uni. Die Uni ist ganz evident zu dem Ergebnis gekommen, dass Schavans Titel nicht zu halten ist. Der interne Prüfungsbericht der HHU Düsseldorf spricht nach mehreren Medienberichten, unter anderem bei der Tagesschau oder auch der FAZ zu finden, von "leitender Täuschungsabsicht" bei ihrer Diss. (http://www.tagesschau.de/inland/schavan200.html, http://www.faz.net/aktuell/pol…en-schavan-11925547.html, http://www.faz.net/aktuell/pol…gen-schavan-11925547.html).


    Zitat

    Und wenn da mehr ist - dann beschreibe dein Wissen doch mal hier


    Ich habe Dir bereits Schavanplag als Quelle angegeben.
    Vgl. zum Beispiel http://schavanplag.wordpress.com/#Auswahl.


    Zitat

    Die Aberkennung erfolgte mit der Begründung der BetrugsABSICHT.


    Ich kann da keinen Widerspruch erkennen. Das Verwenden nicht gekennzeichneter Hilfsmittel ist Betrug. Die Uni kann schon ob der puren Masse zu der Überzeugung kommen, dass es kein Zufall, sondern Absicht war.


    Davon einmal abgesehen:

    Zitat

    ICH habe keine Recherche betrieben - weil mir das Thema tatsächlich nicht auf den Näglen brennt.


    ...frage ich mich, auf welcher Basis du zu deinen weitreichenden Aussagen kommst, wenn du nach eigener Aussage kaum etwas davon weißt? Man kann nur hoffen, dass du bei "Verbrecher"!-Vorwürfen mehr Substanz auf der Pfanne hast - oder?


    Zitat

    Schavan hat ein paar Zitate geschludert - Gysi ist ein Verbrecher.

  • Zitat

    Original geschrieben von oleR
    Ich habe die Auflistung bei Schavanplag gesehen.


    Hm, ich hatte gehofft, du würdest uns eine tiefere Kostprobe bezüglich deiner Urteilsquellen geben, als einen Internetlink.
    Aber gut, ich mache mal einen Versuch. Wir wär´s werter oleR, wollen wir mal einen Versuch machen, ernsthaft zu diskutieren? Mal als Angebot.
    Du hast also "die Auflistung" gesehen. Hast du dir denn die Fälschungsbehauptungen auch mal angesehen? Ich habe mir mal vier angeschaut - zu mehr habe ich leider nicht die Zeit.
    Ich greife mal folgende heraus: "S. 100 (Vortäuschen einer C.G.-Jung-Rezeption)".



    ****
    Schavan: Bereits in seinem ersten großen Werk “Wandlung und Symbole der Libido” setzt sich C.G.Jung 1912 vor allem durch sein Verständnis der Libido als psychischer Energie schlechthin deutlich von seinem Lehrer Freud ab.


    Nowak: Noch weiter als A. Adler entfernte sich C. G. Jung von S. Freud. Das zeigte sich schon in seinem ersten großen Werk “Wandlung und Symbol der Libido” von 1912, in dem er sich deutlich von Freud absetzte. Jung versteht unter Libido die spezifische psychische Energie schlechthin [...].


    Bewertung von Schavanplag:
    Typ: Verschleierung.
    Die Verfasserin erwähnt Nowak (1978), von dem sie ihre Aussage bezieht, im gesamten Unterkapitel über C.G. Jung nicht. Richtig lautet der Titel des Werkes Wandlungen und Symbole der Libido.
    ****


    Ich kann der Bewertung von Schavanplag nicht in dieser Form zustimmen. Richtig ist, dass die AUSSAGEN der beiden Quellen ähnlich sind. Aber das allein macht kein Plagiat aus. Schon gar kein Plagiat mit Betrugsabsicht.
    Eine AUSSAGE kann auch dann ähnlich sein, wenn beide Autoren schlicht zur gleichen Schlussfolgerung gekommen sind. Wenn man besonders pingelig sein möchte, dann müsste man noch würdigen, ob eine Aussage in einem Fachbereich ausreichend Konsensfähig ist, um ohne besonderes Zitat auszukommen.
    Beispiel: wenn ich in VWL erläutern wollte, dass sich Keynes in seiner Bewertung der Oppertunitätskosten der Geldhaltung von den Klassikern unterschiedet, dann brauche ich das nicht in jedem Fall zu zitieren. NATÜRLICH hat auch diesen Gedanken mal irgendwan jemand das erste mal gedacht.
    Aber die Feststellung ist gewissermaßen trivial - man kann dieser Aussage zustimmen, ohne sie gesondert zitieren zu müssen. Anderes Beispiel: in der Mathematik muss auch nicht jedesmal zitiert werden, wer die Axiome der natürlichen Zahlen entwickelt hat. NATÜRLICH hat auch hier jemand diesen Gedanken zum ersten mal gedacht. Aber die Aussagen haben inzwischen einen derartigen Konsens erreicht, dass ein Zitat oft nicht erforderlich ist.


    Kommen wir jetzt zur obigen Primärquelle bezüglich Schavans unterstelltem Plagiat. Wenn ich obiges richtig interpretiere, dann hat Schavan Nowak sehr wohl zitiert - nur nicht hier. Zu bewerten wäre also, ob die Aussage, dass sich Jung von Freud absetzt hat, hier so spezifisch ist, dass zwingend ein Zitat geboten wäre. Nun, ich bin auf dem Gebiet der Geisteswissenschaft eher wacklig. Mein Urteil könnte also falsch sein. Aber nach meinem Gefühl ist die Aussage, dass sich Jung von Freud in diesem Werk absetzt nachgerade trivial - und erfüllt damit die Kriterien, dass ein Zitat nicht zwingend geboten ist. Schavan ist schlicht zum gleichen Schluss gekommen - dass auch Nowak diesen Schluss zu Jung gezogen hat, ist bei einer trivialen Aussage kaum verwunderlich.


    Schavanplag zitiert obige Quelle wie folgt:
    "Eine Auswahl von Passagen, bei denen es sich m.E. auch beim Anlegen eines großzügigen Maßstabs um eindeutige Plagiate handelt, finden Sie hier:"


    Wenn DAS, werter oleR, ein Beleg für ein trotz "großzügigem Maßstab eindeutiges Plagiat" handelt, dann weiß ich, was ich von den anderen 60 Plagiatsbehauptungen zu halten habe.
    Meine vier Stichproben belegen keineswegs, dass Schavans Arbeit den Kriterien zur Vergabe eines Doktortitels genügt. Aber zumindest zeigen mir meine vier Stichproben, dass ich in meiner Beurteilung zu keineswegs einer so eindeutigen, über jeden Zweifel erhabenen Veruteilung von Schavan komme, wie die üblichen Qualitätsmedien das tun.


    Jetzt habe ich dir eine Kostprobe gegeben, oleR, was ich unter einer faktenbasierenden Diskussion verstehe. Du bist ernsthaft eingeladen, meine obigen Schlussfolgerungen zu widerlegen oder mit anderen Plagiatsbehauptungen zu anderen Schlussfolgerungen zu kommen. Wenn ich deinen Argumenten zustimmen kann, dann werde ich das auch zugeben.



    Zitat


    Ich kann da keinen Widerspruch erkennen.


    Ich schon. Aber das kann ich jetzt nicht erläutern - Arbeit ruft.



    Zitat


    ...frage ich mich, auf welcher Basis du zu deinen weitreichenden Aussagen kommst, ...


    oleR, es ist schwierig dir zu antworten, wenn du Pauschalaussagen obigen Kalibers verwendet. Was sind meine "weitreichenden Aussagen" (man beachte den Plural)? Zu Schavan habe ich keine "weitreichenden Aussagen" geäußert. Meinst du meine Beurteilung des Kommunismus? Oder bezog sich das auf die eine Aussage (man beachte den Singular) zu Gysi, die du zitierst? Zu beidem darf ich leider nicht antworten, weil schon mehrere Beiträge weiter oben ein "Offtopic" bemängelt wurde.

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  • Ich muss Felsen zum Teil zustimmen. Ich finde es zum Teil skurril, was bei Frau Schavan schon als Plagiat gewertet wurde. Sollte das der neue Maßstab sein, an dem wissenschaftliche Arbeiten gemessen werden, müssen sich vermutlich sehr sehr viele Textwissenschaftler (Germanisten, Pädagogen, Sprachwissenschaftler usw.) darauf gefasst machen, dass ihre Diss aberkannt wird.


    Über die Plagiatsarbeiten Guttenbergs und meiner FDP-Zunftkollegin habe ich mich wirklich maßlos geärgert. Aber der Fall von Frau Schavan ist m.E. sehr viel komplexer, als die Erklärung der Düsseldorfer Uni Glauben macht.


  • Hierbei geht es aber gar nicht um die Aussage an sich, sondern darum, dass Schavan scheinbar einfach den gleichen Fehler von Nowak (Nämlich Wandlung, statt Wandlungen - sieht Markierung) übernommen hat. Und mal ganz ehrlich. Bei nahezu identischer Aussage einen solchen Fehler von zwei verschiedenen Autoren fabriziert zu bekommen...nun ja...


    Ich hab selbst bei meiner Diplomarbeit selbst an Stellen, an denen ich eine Quelle nur über eine andere Quelle anführe, da mir das Original nicht vorlag, zumindest noch geschaut, ob die sekundären Quellenangaben korrekt waren und gemerkt, dass da früher nicht immer sauber gearbeitet wurde. Aber trotzdem: Ein doch zu großer Zufall, vor allem dann, wenn sie die angebliche Quelle selbst im ganzen Kapitel nicht einmal zitiert. Weil sonst wäre ihr das vermutlich doch aufgefallen. ;)


    Das, was Schavan da an dieser Stelle gemacht hat, ist schon für Hausarbeiten ein grenzwertiges und dann auch noch unnötiges Vorgehen. Aber halt einfach.

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