Telekom kündigt Drosselung des Datenvolumens im Festnetz an

  • Soweit ich weiß sind DSL-Endkungenpreise nicht reglementiert, es gibt zahlreiche Konkurrenz und zusätzlich etliche praktibale Übertragungswegalternativen, insbesondere Fernsehkabel und unter Umständen auch Mobilfunk und Satellit. Wenn es mehr oder weniger darauf hinausläuft, daß man sich zwischen einer größtenteils gar nicht zur Anwendung kommenden Drosselung oder einem Aufpreis entscheiden muss, dann ist das nicht der Untergang des Abendlandes. Jemand plant uns in drei Jahren 10 oder 20 Jahren mehr abzunehmen? Als ob derjenige schon wüsste, daß in der Zwischenzeit nichts passieren wird, was seine Absicht und meine Möglichkeiten beeinflusst - sehr mutig, sehr verzweifelt oder sehr klug. Eigentlich ist die ungewöhnliche Konstellation schon das interessanteste.


    Man könnte sich sogar fragen, wann denn in unseren Gesellschaften reine Unterhaltungs- und Bespaßungs- und Langeweilevermeidungsaktivitäten so zentral geworden sind, daß daneben nichts wichtigeres mehr zu existieren scheint.

    Je suis Charlie

  • Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker
    Soweit ich weiß sind DSL-Endkungenpreise nicht reglementiert, es gibt zahlreiche Konkurrenz und zusätzlich etliche praktibale Übertragungswegalternativen, insbesondere Fernsehkabel und unter Umständen auch Mobilfunk und Satellit.


    10€ von jedem DSL Anschluss gehen schon mal an die Telekom, die Hälfte aller DSL Anschlüsse wird vollständig von Telekom vertrieben. Deren Marktmacht geht weit über einen normalen Wettbewerb hinaus, nicht zuletzt weil man nicht einfach einen anderen Anbieter nutzen kann ohne sich zusätzlichen Ärger ins Haus zu holen. Der einzige Alternativweg mit vergleichbarer Bandbreite und Zuverläßigkeit wäre Kabelinternet, soweit verfügbar, und auch ein natürliches Monopol. Mobilfunk und Satellit sind für Breitbandinternet schlichtweg ein schlechter Scherz. Ein Duopol aus Kabel und DSL betrieben ist zwar besser als ein reines Anschlussmonopol, aber ganz fern von einem offenen Wettbewerb für den Kundenanschluss. Die Telekom tut auch alles um die Konkurrenz noch ferner vom Kunden zu halten, siehe die neusten Vorstösse bzgl. VDSL Vectoring.


    Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker
    Wenn es mehr oder weniger darauf hinausläuft, daß man sich zwischen einer größtenteils gar nicht zur Anwendung kommenden Drosselung oder einem Aufpreis entscheiden muss, dann ist das nicht der Untergang des Abendlandes. Jemand plant uns in drei Jahren 10 oder 20 Jahren mehr abzunehmen? Als ob derjenige schon wüsste, daß in der Zwischenzeit nichts passieren wird, was seine Absicht und meine Möglichkeiten beeinflusst - sehr mutig, sehr verzweifelt oder sehr klug. Eigentlich ist die ungewöhnliche Konstellation schon das interessanteste.


    Das es überhaupt noch Flatrates gibt hat die Telekom bisher verschwiegen, das ist offensichtlich die Reaktion auf die nicht anhalten wollenden Proteste. Und wenn das alles so ungewöhnlich und seltsam ist, dann liegt es höchst wahrscheinlich daran, dass die Preiserhöhung gar nicht der Hauptgrund hinter der Aktion war. Die Telekom will den Vertrieb und die Vermarktung ganz anders haben, ein Internet in dem ihre Partner mit "managed services" freien Zugang erhalten und der Rest weggedrosselt wird, eben so wie es im Mobilfunk bereits läuft. Die neuen Drosselungenregelungen gelten per sofort, sie stehen im Gegensatz zur Aussage 'frühstens 2016' in den AGBs drin. Was sagst du wenn die es morgen umsetzen? Selbst Schuld, steht doch in der AGB?


    Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker
    Man könnte sich sogar fragen, wann denn in unseren Gesellschaften reine Unterhaltungs- und Bespaßungs- und Langeweilevermeidungsaktivitäten so zentral geworden sind, daß daneben nichts wichtigeres mehr zu existieren scheint.


    Es soll ja Dinge geben wie Cloud-Backup, ist natürlich total sinnfrei. Es gibt heutzutage schon Spiele die jenseits der 30GB an Downloadgröße haben, man stelle sich eine Familie mit zwei Kindern vor die es in Zukunft wagen jeweils ein grosses Spiel im selben Monat herunter zu laden. Diese vergnügungsüchtige Bande. Weiterbildung mit Videos in HD, nicht benötigt. Nur weil das Medium zur Unterhaltung taugt ist es darauf noch lange nicht begrenzt, die Wichtigkeit des Netzes wird in Zukunft nur noch zunehmen und den Leuten einzutrichtern "nutzt das Netz wenig sonst gehts am Endes des Monats gar nicht" hilft ganz sicher nicht einer Wissensgesellschaft im Wettbewerb mit anderen Nationen die heute schon eine deutlich bessere Bandbreitenausstattung haben und trotzdem ohne jede Drossel auskommen.

  • Der Datenhunger wächst, und nicht nur wegen der Vergnügungssucht einer dekadenten westlichen Gesellschaft.


    Wenn ich mir ansehe, was sich alleine in der Wissenschaft verändert hat, wo ganze Bibliotheken (und die wichtige Zeitschriftenliteratur ohnehin) digitalisiert oder nur noch per Netz abrufbar sind, Seminare und Tagungen über Internetportale und Clouddienste organisiert sind und Skype zu einem wichtigen Kommunikationsmittel geworden ist, dann glaube ich nicht, dass es sich bei der ansteigenden Netznutzung nur um Langeweilevermeidungsaktivitäten handelt.

  • Ich könnte mir ja Brieftauben halten zur Kommunikation und Auftragsübermittlung mit meinem Arbeitgeber.
    Ich geh gleich mal meinen Vermieter fragen. :p

  • Zitat

    Original geschrieben von Miramal
    Dann soll die Telekom den Ausbau auch konsequent durchziehen, jedoch werden nur die Regionen ausgebaut, wo durch den Ausbau kein Verlust erwirtschaftet wird. Die Telekom besitzt darüberhinaus die Frechheit für diese minder besiedelte Regionen staatliche Zuschüsse für den Ausbau zu fordern. Unternehmerisch korrekt, aber jedoch sollte damit jedem klar sein, was die Telekom hier abzieht und das kommt imho in den ganzen News zu kurz.


    Es zeigt sich an dieser Stelle wieder einmal was passiert, wenn Infrastrukturbereiche eines Landes durch die Privatwirtschaft betreut und verwaltet werden :rolleyes: der dumme Kunde darf zahlen.


    Ich finde es kläglich, das ich nur 75GB verballern darf mit meiner 6er Leitung, der mit dem nächst höheren Anschluss aber 200. Wo ist da die Logik? Der Haken: Die Telekom kann hier kein schnelleres DSL zur Verfügung stellen, 2 Strassen weiter geht VDSL. Auf der anderen Seite des Wohngebietes geht es immer weiter runter, bis zu DSL 1000.


    Ich würde gerne, kann aber nicht schneller buchen da die Telekom mir nichts anbieten kann. Zur Strafe darf ich löhnen, ab 75GB. Das ist eine Sauerei, aber eben ein Fehler der Politik. Das die Telekom es versucht, so die Preise zu erhöhen, ist doch legitim.

    Ich erhoffe nichts. Ich fürchte nichts. Ich bin frei.

  • Zitat

    Original geschrieben von mostwanted
    [...] Wo ist da die Logik? [...]


    Weil der andere auch mehr bezahlt. ;)



    Zitat

    Original geschrieben von mostwanted
    [...] Das die Telekom es versucht, so die Preise zu erhöhen [...]


    Die anderen Anbieter werden es genauso machen, auch wenn es jetzt noch nicht danach aussieht. Die werden erst mal die Kunden einsammeln. Und wenn sie genügend davon haben, werden sie sich die große Keule vom rosa Riesen leihen und damit zuschlagen.


    Unfair ist das allemal. Die sollten besser Wenignutzer belohnen.


    Und wie bereits erwähnt, wird es der Telefonflat als nächstes an den Kragen gehen.

    Wenn die Kuh schon im Brunnen liegt, ist es unsinnig noch einen Deckel draufzumachen.


    Öffne Dein Herz und Du wirst die Welt sehen,

    öffne Deinen Geist und Du wirst sie verstehen.

  • Das ist einfach eine Marktbewegung.
    Die Telekom meint, mehr Geld vom Kunden verlangen zu müssen und dann wird dieser, falls der neue Preis nicht gefällt, kündigen und zu einem anderen Anbieter wechseln.


    Dieser wird kalkulieren und schauen, was die neuen Kunden an Umsatz, aber auch an Kosten bringen. Und dann wird der neue Anbieter überlegen, ob es sich rechnet den gleichen Schritt zu tun.


    Daher steht es noch gar nicht fest, ob die anderen Anbieter es genauso machen werden.
    Könnte z.B. durchaus sein, dass die alternativen Anbieter


    a) gar nicht am Preis drehen und erst einmal die verärgerten Telekom-Kunden einsammeln


    und/oder


    b) die Provisionen senken, da die Kunden eh angelaufen kommen oder


    doch


    c) den Preis für Neuflatkunden moderat nach oben anpassen ohne Drossel


    Der Preis der alternativen Anbieter muss aber signifikant unter der der Telekom liegen, da sonst die Hemmschwelle zum Wechseln fast unüberbrückbar wird. (siehe auch diverse Beiträge hier)


    Ich finde, dass die alternativen Anbieter der Telekom dankbar sein müssen für diese Steilvorlagen.
    Sie belebt den Breitbandmarkt in einer Phase, in der die Anbieter dank mangelnder Neukundenzahlen und auch dadurch geringer Margen sich schon zurückziehen wollen.
    (Vodafone / o2)

  • Die einzige Möglichkeit ist, dass weitere Anbieter die in der Lage sind und auch wollen, selbst Infrastruktur zu betreiben. Das fällt mir in Niedersachsen nur die EWE ein oder HTP.


    Diese genannten Anbieter waren auch nie günstiger als die Telekom, waren aber eine echte Alternative.

  • Zitat

    Original geschrieben von minddiver
    Die einzige Möglichkeit ist, dass weitere Anbieter die in der Lage sind und auch wollen, selbst Infrastruktur zu betreiben. Das fällt mir in Niedersachsen nur die EWE ein oder HTP.


    Diese genannten Anbieter waren auch nie günstiger als die Telekom, waren aber eine echte Alternative.


    Mir ist nicht bekannt, dass EWE Tel großflächig in die letzte Meile investiert hat, oder täusche ich mich da? Alle großen Anbieter sowie auch QSC oder auch EWE haben eigene Infrastruktur, nur an der "letzten Meile" hapert es. Wie soll das auch gehen?

  • Ich würde ganz andere Wege gehen. Und zwar die "guten alten Wege". Ein Telefonanschluß wie früher.


    T.Net/NGN-Einfach 14 Euro/Monat - ISDN/NGN-Mehrfach 18 Euro/Monat. Alles unabhängig von der möglichen Anschlußgeschwindigkeit. 2 Stunden Ortsgespräch und 1 Stunde Ferngespräch wären kostenlos dabei. Ortgespräche 1,5 Cent, Ferngespräche 2 bis 3 Cent, Mobilfunkgespräche (maximal) 4 Cent, Internet 1 Cent bis maximal 1,2 Cent.


    Für Internet und Telefon gäbe es dann entsprechende Pakete (Preise abhängig von der Anschlußgeschwindigkeit), monatlich wechselbar. Nicht verbrauchtes Volumen wäre auf den nächsten Monat übertragbar.


    Alles zusammen aber nicht mehr als 45,- Euro/Monat.


    Die Konkurrenz der Telekom könnte dagegen IMHO noch nicht einmal etwas machen.


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    Ja ich weiss, aber man wird ja wohl träumen dürfen. ;)

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