Besserverdiener mit 80.000 € Jahreseinkommen?

  • Die Diskussion um die Erhöhung der Einkommenssteuer ist imho 'Gerechtigkeits-Populismus', da das Gros der Steuereinnahmen durch Verbrauchssteuern (USt,Mineralöl etc.) generiert werden --> Steueraufkommen nach Steuerart. Während ich nicht mal für die Hälfte meiner Ausgaben USt zahle (Vorsteuerabzug), hat der angestellte Geringverdiener zwangsläufig auf 100% seines Einkommens USt zu zahlen, da er bei seinem geringen Verdienst gezwungen ist 100% zu konsumieren.
    Entscheidend ist doch, wieviel Steuern der Einzelne insgesamt zahlt. Prozentual zum Einkommen sind da die Geringverdiener wohl eher die viel beschworenen 'Leistungsträger' der Gesellschaft. ..vom Anteil der Sozialabgaben will ich mal gar nicht erst anfangen.


    Es wird auch immer gern übersehen, dass nicht nur Beamtengehälter von diesen Steuern gezahlt werden, sondern dass auch mal schnell ganze Wirtschaftssysteme gerettet oder gestützt werden können :D
    Das betrifft nicht nur die kürzliche Bankenrettung, sondern auch Arbeitsbeschaffungs-Maßnahmen, wie den Hoover-Damm o.ä. ...ist also keine Erfindung der LINKEN.


    Allerdings werden die 'Rettungskosten' von Mal zu Mal höher und die steigende Verschuldung der Staaten begrenzt den Handlungsspielraum von der anderen Seite.
    Andererseits kann man die Verschuldung auch nicht wesentlch zurückfahren. Woher sollen sonst die Zinsen für die immer größeren Guthaben kommen? Eine mit dem Wirtschaftswachstum korrespondierende Neuverschuldung ist daher sinnvoll und notwendig.

  • Zitat

    Original geschrieben von Niederrheiner

    Ein Facharbeiter hat heute schnell 60.000 Euro zusammen, mit Rufbereitschaften und/oder Schichtdienst sicherlich auch 70.000 und mehr - und der möchte auch von seiner Arbeitsleistung etwas am Ende raushaben und nicht noch mehr Geld an den Staat abdrücken.


    Ich frage mich warum nur 3% laut Statistik so "wenig" (der Begriff "viel" wird hier ja nicht akzeptiert bei >80000€) verdienen, wenn ein Facharbeiter das mal eben schnell zusammen hat.


    Ah genau, es ist ja die Rede vom Facharbeitermangel in Deutschland, die firmen würden ja gerne allen mal eben schnell >80000€ zahlen, aber der Großteil der Bevölkerung ist eben zu schlecht ausgebildet oder auch zu faul, oder römisch dekadent.

  • Zitat

    Original geschrieben von Gallium
    Während ich nicht mal für die Hälfte meiner Ausgaben USt zahle (Vorsteuerabzug), hat der angestellte Geringverdiener zwangsläufig auf 100% seines Einkommens USt zu zahlen, da er bei seinem geringen Verdienst gezwungen ist 100% zu konsumieren.
    Entscheidend ist doch, wieviel Steuern der Einzelne insgesamt zahlt. Prozentual zum Einkommen sind da die Geringverdiener wohl eher die viel beschworenen 'Leistungsträger' der Gesellschaft. ..vom Anteil der Sozialabgaben will ich mal gar nicht erst anfangen.


    Stimmt, nur meinen die Linken hier auch die Empfänger von Sozialleistungen.
    Das wäre dann ein Perpetuum mobile.


    Für mich sind vor allem die Personegruppen hoch belastet, die gerade an der Beitragsbemessungsgrenze kratzen.
    Die müssen die vollen Beiträge zahlen und relativ hohe Steuern. Und das sind definitiv Facharbeiter.

    Beste Grüße
    W.

  • Zitat

    Original geschrieben von jochenb
    Ich frage mich warum nur 3% laut Statistik so "wenig"


    Weil die Statistik alle erfasst und nicht nur die Vollzeitbeschäftigten.
    Aufgrund des Threadtitels gehe ich von Vollzeitbeschäftigten aus und auch nicht von Studenten, Arbeitslosen etc.


    Und auch der Vollkonti-Schichtarbeiter mir steuerfreien Bezügen wird hier nicht mit seinem gesamten Einkommen erfasst.


    http://www.telefon-treff.de/sh…ostid=5058350#post5058350
    Die Schichtarbeiter hier aus dem Beispiel haben Nettoverdienste in Bereichen, da muss man schon 60k€ bis 80k€ verdienen.


    Ich glaube auch, dass sich hier im Forum eher jüngere Leute tummeln; ja das ist auch bei uns so, dass die jungen Berufsanfänger erstmal am Anfang ihres Berufslebens stehen und entsprechend weniger verdienen.
    Auch sind die Einstiegsgehälter in den letzten Jahren gesunken.

    Beste Grüße
    W.

  • Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Stimmt, nur meinen die Linken hier auch die Empfänger von Sozialleistungen.
    Das wäre dann ein Perpetuum mobile.

    Da gebe ich Dir Recht. Die Besteuerung von Sozialleistungen ist irgendwie paradox. Aber wo willst Du da die Grenze ziehen? Sollen Polizisten, Lehrer oder Kita-Angestellte dann auch keine Steuern mehr zahlen?
    ..und den Begriff der 'Sozialleistungen' würde ich da auch relativieren. Was unterscheidet denn den Bauarbeiter des Hoover-Damms oder den Bauarbeiter an der neuen Bundesautobahn vom Bürgerarbeiter oder Ein-Euro-Jobber?
    Alle werden mittelbar vom Staat bezahlt - also aus Steuergeldern.


    Über die Gerechtigkeitsverteilung dieser Steuerausgaben könnte man jedoch trefflich streiten ;)


    ...übrigens geht der größte Teil des Sozial-Etats gar nicht an die Hartz IV - Leute, sondern 'Bildungsträger', Beschäftigungsgesellschaften und eine imho daran schmarotzende 'Hartz IV-Industrie'. Daher glaube ich auch nicht, dass gegen diese Lobby Hartz IV wieder abgeschafft wird - schade um die schönen Steuergelder, die da versenkt werden :flop:

  • Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    Weil die Statistik alle erfasst und nicht nur die Vollzeitbeschäftigten.
    Aufgrund des Threadtitels gehe ich von Vollzeitbeschäftigten aus und auch nicht von Studenten, Arbeitslosen etc.


    Die Statistik erfasst alle, die ESt zahlen! ALG 2- Empfänger und Studenten tun das nicht.

  • Zitat

    Original geschrieben von 7650w
    http://bund.offenerhaushalt.de/11.html

    Ok, die Rente hatte ich bei der Betrachtung ausgelassen. Aber mittlerweile werden ja auch Renten zunehmend besteuert, so dass auch hier das Paradoxon greift, dass der Staat seine eigenen Leistungen besteuert - effektiv also seine Leistungen kürzt.... zu wessen Gunsten eigentlich?!


    Die Statistik der Hartz IV-Bezüge ist würdig, hinterfragt zu werden:
    Ein Hartz-IV ler bekommt afair 350,- monatlich --> 4,2TE p.a.
    Bei 20.400.000.000 Arbeitslosengeld II wären das (geteilt durch 4200) rund 4,8Mio Bezieher von Hartz IV. Laut Statistik sollen es aber weniger sein, oder :confused:


    Ist jetzt ein wenig OT, zeigt aber auch wieder, dass man Steuerpolitik nicht auf eine einzelne Steuer fokussieren kann, außer es soll Wahlpropaganda sein :mad:

  • Zitat

    Original geschrieben von Jimmythebob
    Die Statistik erfasst alle, die ESt zahlen! ALG 2- Empfänger und Studenten tun das nicht.


    Also ich musste zahlen, als ich mal mitten im Jahr von einem zum anderen Fall kam :-)


    Aber Du hast schon recht. Teilzeit ist da aber mit drin.

    Beste Grüße
    W.

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