Ukraine / Krimkrise

  • Hier wurde ja auf die Tragik für Europa hingewiesen, nachdem Russland Lebensmittelimporte aus dem Westen umfangreich verboten hat, ebenso auf Robustheit, Größe und Autarkie Russlands, die den wegfallenden Import leichter wegsteckten als Europa denselben Export. Natürlich hätte man schon dann einwenden können, daß es ja nicht um Luxusgegenstände geht, ja, sogar fast ausschließlich um unverarbeitete Lebensmittel, die man ja nicht aufwendig importieren würde, wenn man sie denn auch im eigenen Land erzeugen kann. Wenn das noch der sowieso schwankende Obst- und Gemüsepreis im konkreten, lokalen Einzelfall mit dem Importverbot in Verbindung gebracht wird, dann hätte man schon zweifeln müssen. Aber man vertraut ja auf Neutralität und Umsichtigkeit der vielsagenden Autoritäten. Berichte über leere Regale in russischen Supermärkten konnte man ja getrost als faschistischwestliche Imperialismuspropaganda abheften.


    Nundenn, dann ist es wohl auch nur gleiches Propagandatum, daß Russland schon vorgestern den Import westlicher Ware über seine Kampf-, Sanges- und Gesinnungsbrüder, den ehemals weißrussischen und kasachischen Sowjetrepublik doch schon wieder zugelassen hat. Zudem ist von einer strengen Qualitätskontrolle die Rede und auch von einer Lebensmittelverarbeitung in den derweil noch eigenstaatlichen Regionen. Eine Verarbeitung findet im Zweifelsfall ja auch schon durch die Zufuhr von hochwertiger Lokalluft in Weißrussland und Kasachstan statt.


    Und daß Russland gestern auch die direkte Einfuhr bestimmter Produkte wie laktosefreier Milch/produkten, Frischfisch (Lachse, Forellen), Saatgut für Kartoffeln, Zwiebeln, Mais und Erbsen, und auch Diatmittel und Ergänzungsstoffe wieder zugelassen hat ist sicher nur eine verkleidete Spitze an den Westen, um klarzumachen, daß die Lebensmittelautarkie zumindest restlos alle anderen Lebensmittel umfasst. Daß das große, starke, reiche und autkarke Russland die Hälfte aller, gesamten Lebensmittel importiert ist ja auch nur ein Zugeständnis an die schwachen Gesinnungs- oder Handelspartner. Man könnte ja, wenn man wollte, aber anderen zu helfen ist ja auch wichtig.


    Für Frieden und Völkerfreundschaft!

    Je suis Charlie

  • Zitat

    Original geschrieben von drueckerdruecker
    ... Berichte über leere Regale in russischen Supermärkten konnte man ja getrost als faschistischwestliche Imperialismuspropaganda abheften.
    ...


    Meine Herren ... es dauert doch wohl eine ganze Weile bis Verträge mit südafrikanischen und Südamerikanischen abgeschlossen sind, die gern für die EU einsprigen und denen überhaupt nichts besseres hätte passieren können. Zumal sie auch nach Aufhebung der Sanktionen weiterhin am Ball bleiben wollen, wenn nicht wieder leere Ragale bejammert werden sollen.


    Zudem ist noch der Schiffstransport zu berücksichtigen, der auch nicht binnen Tagen vollständig zu organisieren ist. Hinzu kommt natürlich noch die speziell russische Problematik, die Logistik im eigenen Land zu bewerkstelligen. Anfangs würde es mich nicht einmal wundern, dass im Ort X die Regale leer bleiben, während am Ort Y das Obst verschimmelt. :rolleyes:


    Aber wie schon geschrieben - das sind Umstellungsschwierigkeiten, die einen gesamten Marktbereich betreffen. Sollte insoweit alles in trockenen Tüchern sein, wird sich die EU über viele Jahre Gedanken machen müssen, was mit manchen Agrarprodukten anzufangen ist. In den russischen Markt wird man nur mit Schleuderpreisen zurückkommen, mit denen man die neuen Lieferanten wieder aus dem Land drängt.


    Die Erzeuger in der EU werden die Auswirkungen der Sanktionen sicher über Jahre spüren ... auch wenn die Sanktionen längst Geschichte sind.



    Heute beim Discounter: Das Kilo Äpfel nun für 1,19 € - statt über 2,- €, die vor den Sanktionen zu berappen waren. Auch anderes Obst wurde zu Schleuderpreisen feilgeboten.


    Mir kann niemand weißmachen, dass ein Preisverfall von gut 50% bei etlichen (schnell verderblichen) Agrarprodukten nicht zu spüren sein wird. Die verschleuderten Pfirsiche sind jedenfalls (über-)reif ... und ein Genuß! :)



    Edit:
    Ich befürchte, dass die EU zu ihrer alten Übung zurückkehren könnte, überschüssige Lebensmittel auf die Kippe zu fahren oder einfach im Meer zu verklappen, um die Preise stabil zu halten. Das macht Sinn ... und die Verbraucher freuen sich, wenn die "Osbtgelage" bei ihnen daheim endlich wieder ein Ende finden. Wenn die Pommes vom Imbiss wieder billiger sind als ein Kilo frische Äpfel, ist die Welt wieder in Ordnung. :rolleyes:

  • Die Erklärung der uns allen im Detail unbekannten Hintergründe für die Fakten klingt schon arg nach Pressesprecher. Könnte natürlich auch sein, daß die Entwürfe und Anweisungen gar nicht von Osten nach Westen gekabelt werden, sondern Mutter Putin die von Vadder Wedau erhält.


    Soso, es kann ja nur mit den Sanktionen der GUS-Eurasier zusammenhängen, daß die hierzulande im Juli beginnende Apfelernte für niedrigere Preise sorgt. Und in Italien herrscht ja so ungünstiges Klima, daß die Ernte dort keinesfalls vorher beginnt, denn die liegen ja fast auf dem gleichen Breitengrad wie Island. Und daß mir vorhin ein Ei aus der Hose gefallen ist kann auch nur an den Sanktionen der Vernünftigen und Herzensguten liegen. Schon der zeitliche Zusammenhang sorgt für eine sichere Ursachewirkungsrelation.


    Gerade die gestern von der Sanktionsliste ausgenommenen Güter sind ja kein Schüttgut, daß man schiffsladungsweise bestellt. Zumindest die Diätmittel, Ergänzungsstoffe und das Saatgut hätte man von den neuen Lieferanten auch schnell, einfach und günstig per Flugzeug beziehen können. Davon braucht und verbraucht man ja nicht sonderlich viel und man hätte sich zudem die Schmach der schnellen Sanktionsrücknahme erspart.


    Und hat Russland denn keine staatliche Lebensmittelreserve? Das haben doch selbst unsere rückschrittlichen Dekadenzstaaten, sodaß ihnen Befehlsempfänger, Schufterreserve, Lakaien und Kanonenfutter erhalten bleiben. Oder ist Russland schon darüber hinaus und einer Ära angekommen, in der sowas unsinnig bis widersinnig ist?


    Klar wird die EU den Wegfall der russischen Agrarimporte spüren. Aber zum Glück muss Russland mit seinen sagenhaften 140 Millionen Einwohnern nur 50% seiner Lebensmittel importieren, womit es natürlich wesentlich besser zurechtkommt als die dummdreiste EU mit ihren nur 500 Millionen Einwohnern, die zu weiten, weiten Teilen vom Export der russischen Importhälfte angewiesen sind. Selbstverständlich stehen wir Deppen auch wieder vor der Problematik der Butterhügel, Milchseen und Fleischberge, denn Ankauf und Preisintervention sind ja selbstverständlich wie eh und je EU-Grundlage und keineswegs schon vor Jahren durch Direktzahlungen pro Fläche oder pro Tonne ersetzt worden.


    Und es ist ja klar, daß Südamerika und Südafrike für sehr, sehr lange Zeit die russischen Exklusivlieferanten sein und bleiben werden, und schon deshalb den Beginn des großen Geschäftes bis zur Peinlichkeit gründlich vorbereiten, um nicht ähnliche Ausfallerscheinungen an den Tag zu legen wie die unfähigen Europäer. Und es wird auch schon deshalb eine überaus langfristige Handelsbeziehung werden, weil Entfernung bei Massenlebensmitteln ja überhaupt keine Rolle mehr spielt und auch wir schon seit Jahren eigentlich Obst, Gemüse, Nudeln und Mineralwasser fast ausschließlich von den China oder noch weiter weg beziehen. Wenn man in die richtige, gute Richtung guckt, dann liegen Südafrika und Südamerika sowieso näher dran am massenelitären, anspruchsvollen Russland. Ausschließlich aufgrund seiner Güte hat ja Russland bisher dem hilfsbedürftigen EUropa zuviel Geld bezahlt. Das hätten sie schon immer besser, billiger und schneller woanders bekommen können


    Sowieso klar ist, daß fast alle EU-Länder daran zerbrechen werden, wenn sie pro Jahr jeweils ein paar hundert Millionen Euro an Einnahmen von Agrarexporten nach Russland nicht mehr verbuchen können. Wie gesagt, 70 Millionen Jahresportionen (50% Import bei 140 Millionen Einwohnern) sind für die fast vollständig aus Bauern bestehende halbe Milliarde EU'ler natürlich fast noch schlimmer als ab und an in China umfallende Riessack.


    Bitte mehr von diesen Wahrheiten! Da stürzt die eigene, kleine Welt zusammen und man erkennt klar, wer hier viel mehr Verlierer ist als der andere. Hoffentlich habe ich nicht allzuviele der russischen Stärken, Ansprüche, Befindlichkeiten, Prinzipien und Spezialitäten vergessen.

    Je suis Charlie

  • Währenddessen braucht Russlands Devisenmaschine Rosneft gerade eine kleine Milliardenhilfe vom Mütterchen:


    http://www.bbc.com/news/business-28801185


    "Russia's state-controlled energy giant Rosneft has asked the Russian government for a $42bn (£25.2bn) loan, as it feels the impact of Western sanctions.


    The government said it will consider the request from Igor Sechin, head of Rosneft, in the next two weeks.


    Sanctions on Russia have limited Rosneft's ability to raise funds.


    Rosneft has requested the money from the National Wealth Fund, which finances state pensions.


    The US imposed sanctions on Rosneft and Novatek, Russia's second-largest gas producer, last month.


    The US and EU have restricted sales of technology to the Russian oil industry.


    ...
    Russia's exports are almost all raw materials and about 60% of these are energy products. ..."


    Russlands Firmen haben Auslandsschulden von ca. 700 MRD. US$. Klar könnten sie ganz patriotisch-autarkistisch Zahlungen verweigern, nur dann bekämen sie auch nichts mehr geliefert, während ihr Auslandsbesitz gepfändet werden könnte.

    LG: V30
    Samsung: Galaxy Tab S2 LTE, A5 (2017);
    Sony: Xperia X Compact;

  • Von diesen Schulden gelesen habe ich auch.


    Ich frage mich allerdings, wie man in einem Biz, welches letztlich Dreck (aus der Erde) in Gold verwandelt, Schulden anhäufen kann. :confused:



    Möglicherweise dasselbe Problem, welches dazu führt, dass Russland aus der Bewirtschaftung von Ackerflächen, die selbst für eine exportorientierte Agrarwirschaft groß genung wären, nicht einmal sich selbst versorgen kann. Wahrscheinlich sind (vormals) aus der EU importierte Lebensmittel so preiswert, dass der Druck auf die Erzeuger nicht groß genug ist, ihre Misswirtschaft gründlich zu renovieren.


    Gerade die Energiegewinnung aus Biomasse muss aber dazu führen, dass solche Ressourcen besser ausgeschöpft werden, wenn wir in den Industrieländern nicht den Mais mit Autos in die Luft blasen wollen, der in anderen Ländern fehlt mit der Folge, dass die dortige Bevölkerung Kohldampf schiebt.


    Blieben die Regale in Russland leer (mit Waren, die sich die einfache Bevölkerung ohnehin nicht leisten kann), hielte ich das aus ökologischer Sicht für einen Gewinn, weil Russland dann vielleicht endlich von selbst auf die Füße kommt - im Interesse aller.


    Die in Deutschland mangels Exports nicht mehr benötigten Flächen könnten künftig vielleicht im Sinne dieses Gedanken genutzt werden. Warten wir die Entwicklung einmal ab - vielleicht bringen die russischen Sanktionen die EU ja auf einen (ohnehin) richtigeren Weg. Momentan halte ich die Organisation der Landwirtschaft durch die EU für katastrofal. Ebenso wie in Russland waren Veränderungen ausgeblieben, weil es irgendwie lief.

  • Nun, kontrolliert wurden sie von ukrainischen Behörden ja:


    http://www.spiegel.de/politik/…wagen-aus-russland-ueber-
    die-grenze-a-987324.html


    Frage an dich: Was sonst machen? Lastwagen stehenlassen? Weiter warten? Über diesen LKWs bricht sich der Streit, die scheinbar tatsächlich Hilfsgüter geladen haben. Wahrscheinlich entspannt die Weiterfahrt die Lage für die kommenden Gespräche, die angesetzt wurden.

    Suche: aktuell nichts


    30 positiv in der "neuen" Vertrauensliste, ??x mal positiv in der "Alten"..:-)


    Insider: Die Plaaaaaattttttttforrrrrrrrmmmmmmmmmm brennt nicht mehr, sie ist abgesoffen.....!

  • Warum das?


    Was wäre besser, wenn die Hilfsgüter aus Richtung Westen als aus dem Osten kämen? Zumal die Güter sich bereits (fast) vor Ort befinden.


    Ist unsere Gütze so viel besser als russische?


    Den Betroffenen selbst dürfte es herzlich egal sein, woher die Hilfgüter stammen.


    Und hier zeigt sich die Schwerfälligkeit der (westlichen) Hilfsorganisationen. Aus einigen der zuvor verlinkten Quellen geht hervor, dass das etwa Rote Kreuz so schnell nicht handeln kann, weil nach internationalen Maßstäben erst einmal vor Bedarfsanalysen erststellt werden müssen etc.


    Genau das war ja der Grund, warum der kurzfristige russische Transport nicht unter der Flagge des IRK laufen konnte - die bürokratischen Erfordernisse waren nicht eingehalten, weil u.a. die Zusammenstellung der Hilfsgüter auf "gut Glück" erfolgte und nicht aufgrund einer vorschriftsmäßigen Bedarfanalyse. Wir helfen sicher auch noch ... aber eben nicht so zeitnah!

  • Zitat

    Original geschrieben von frank_aus_wedau


    Ist unsere Gütze so viel besser als russische?



    Damit Jimmythebob und saintsimon nichts zu meckern haben. Denn in den EU Konvois werden sich dann ja wohl kaum Russische Soldaten oder Kriegsgerät tümmeln.

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