Eines scheint bei den EU-Sanktionen wenigstens teilweise zu glücken. Sie treffen in erster Linie (wenn auch nicht ausschließlich) wohlhabendere Russen und Geschäftsleute.
Die bald in den Regalen fehlenden westlichen Agrarprodukte waren um ein vielfaches teuerer als die einheimischen Waren. Der einfache Bürger, der von Sanktionen am Wenigsten betroffen sein soll, konnte sie sich ohnehin nicht leisten, so dass er von einer weiteren Verteuerung durch längere Transportwege aus Südamerika und Südafrika kaum betroffen sein dürfte.
Das war bei den Sanktionen gegen den Irak noch anders. Hier litt fast ausschließlich die einfache Bevölkerung, während die Eliten des Landes Mittel und Wege fanden, sich den Sanktionswirkungen zu entziehen. Zumindest aus wissenschaftlicher Sicht wird man vom gegenwärtigen Sanktionskarussell profitieren können, indem man die Auswirkungen dieses neuen Modells weiterhin analysiert.
Edit:
Ich hoffe nur, dass sich meine Befürchtung/Erwartung, Russland könne sich durch inzwischen von USA und EU verhängten Sanktionen erst recht zu einer Unterstützung der Separatisten angestachelt sehen, nicht bewahrheitet. Die Erfahrungen mit Russland aus Zeiten des Kalten Krieges legen das aber leider nahe und Berichte aus der jüngeren Vergangenheit deuten darauf hin, dass die verhängten Sanktionen auch dieses zu erwartende Ziel noch erreichen könnten. ![]()
Noch etwas:
Auch diese Darstellung enthält keine "Schuld"-Zuweisung, wenn Russland sich nachhaltig auf die Seiten der Separatisten schlagen sollte. Ich schildere nur eine logische Kette, wie sie für mich aus Erfahrungen der Vergangenheit wahrscheinlich ist, ohne einzlne Schritte zu werten. Letzteres geschieht allein im Kopf des Lesers, wo auch entsprechende Schuldzuweisungen entstehen.
Ich bin einfach nur nicht bereit, zu erwartende Umstände durch fromme Wünsche zu ersetzen, die fernab jeder Realität rangieren (wie etwa der Wunsch, Russland könne als Folge der Sanktionen das Handtuch werfen).