Hi ihr!
Ich finde, der 17. Juni sollte mal in TT erwähnt werden. Gerade an seinem 50. Jahrestag!
ZitatAlles anzeigenErinnerungen an einen Volksaufstand
Bis zur Wiedervereinigung war der 17. Juni ein gesetzlicher Feiertag: Die Westdeutschen gedachten am "Tag der Deutschen Einheit" dem gescheiterten Volksaufstand in der damaligen DDR. Seit der Wiedervereinigung gibt es mit dem 3. Oktober den Gedenktag zu einem ungleich glücklicheren Ereignis.
Dabei haben die Ereignisse des 17. Juni 1953 durchaus auch im wiedervereinten Deutschland einen Gedenktag verdient. Denn es kam im sowjetisch besetzten Teil Deutschlands erstmals im damaligen Ostblock - drei Jahre vor den Ereignissen in Polen und Ungarn, fünfzehn Jahre vor dem Prager Frühling - zu einer Revolte des Volkes gegen Unterdrückung und Staatswillkür. Die Ereignisse vom 17. Juni 1953 waren spontan und ohne eigentliche Führung. Zivilcourage, Solidarität und Freiheitssinn nährten den Aufstand, der sich ausgelöst durch einen Demonstrationszug von Bauarbeitern gegen die Lohndrückerei des SED-Regimes, wie ein Lauffeuer in der gesamten DDR ausbreitete. Auf spontanen Massenkundgebungen wurden Menschenrechte, freie Wahlen und Demokratie gefordert und nicht zuletzt die Einheit und Freiheit Deutschlands. Hätten damals die Russen nicht gewaltsam eingegriffen, wäre das sozialistische Regime schon im Sommer 1953 und nicht erst im Herbst 1989 von einer Volksbewegung gestürzt worden.
Anläßlich des 50. Jahrestages des Volksaufstandes erinnert sich Deutschland nun in zahlreichen Veranstaltungen, Fernsehfilmen und Büchern wieder der Ereignisse des 17. Juni 1953. Die Tatsache, daß mittlerweile die Stasi-Akten und die Archive der früheren DDR zugänglich sind, verhilft dem "Meilenstein in der Demokratiegeschichte unseres Landes", wie Berlins Regierender Bürgermeister Wowereit ihn nannte, zu einer Neubestimmung im Selbstverständnis der Deutschen. Der Volksaufstand der Deutschen war zwar nicht so erfolgreich wie der "Sturm auf die Bastille", der die französische Revolution auslöste, doch ist er ein Zeugnis vom Kampf für Freiheit und Demokratie in Deutschland.
Birgitta Fella, F.A.Z.-Archiv