50. Jahrestag des Volksaufstandes vom 17. Juni

  • Ich war '89 10 Jahre alt, habe die Meldungen über die Grenzöffnung zwar wahrgenommen, aber nicht im Ansatz verstanden, um was es da ging.
    Ich weiß nur, einen Tag später sind wir zu 5t im Trabi nach Lübeck und wir fanden das alles total dufte.


    Wenn ich alleine aus meiner Erfahrung und meinem Erleben spreche, kann ich zugegebenermaßen nur gute Seiten aufzählen, denn viele Zusammenhänge und Geschehnisse erschlossen sich mir erst später, durch Erzählungen von Bekannten zB.


    So war es früher mal mein Berufswunsch, bei der Stasi zu arbeiten. :eek:
    (Ich fand halt deren Sendemasten total faszinierend.)
    Und als ich irgendwann im (West)fernsehen mal die Nachrichten sah, bin ich danach zu meiner Mutter gegangen und habe sie gefragt: "Sag mal, haben wir eigentlich hier (also in der DDR) auch Arbeitslose?" "Nein."
    Gott was war ich damals stolz auf mein Land!


    Wobei ich dazu sagen muss, dass wir teilweise schon fast als privilegiert galten, da mein Vater zur See fuhr (deswegen aber auf der anderen Seite unter Stasi-Beobachtung stand) und wir auch von Verwandten regelmäßig das gute Westgeld bekamen und dann im Intershop einkaufen konnten.
    Lego, Matchbox und dergleichen gehörte für uns einfach zur Kindheit dazu.


    Wenn ich dann aber von Leuten aus dem "Tal der Ahnungslosen" heute höre, dass sie von Farbfernsehen und vielen anderen Dingen nur träumen könnten, kommt man natürlich ins Grübeln.


    Aber um echte Schattenseiten des Staates kennenzulernen, war ich schlichtweg zu jung.


    So long...

  • Ich war 7 bei der Grenzöffnung, und vom Begrüßungsgeld gabs erstmal was schönes von Lego ;-)


    Witzig war auch, was mit meinem Vater und der NVA ablief. Weil er studiert hat, musste er nur ca 4 Wochen "Crashkurs" absolvieren, aber als er dann im Berufsleben stand kam der Wehrberater des Betriebs auf ihn zu, und meinte, er müsse noch seinen Wehrdienst leisten.


    Mein Vater war natürlich nicht sonderlich begeistert, weil er Kraftwerkstechnik studiert hatte, wollten sie ihn irgendwo an die Ostsee zu einer Raketenbasis schicken. Mein Vater (natürlich nicht sonderlich darüber erbaut) hat dann auch nen Termin zum Einzug bekommen, wurde aber nicht abgeholt. 3 Tage später erhielt er dann einen Anruf vom Wehrberater, dass er, wegen Westverwandtschaft, leider nicht zu den Raketen durfte. Dann hat er meinen Vater gefragt, ob er nicht was anderes machen wollte, und mein Vater hat dann nur gemeint, dass er sich so auf die Raketen gefreut hätte, dass er jetzt nix anderes mehr machen will.


    So leicht würde ich mich heute auch gerne mal um den Wehrdienst drücken :D

  • Kann eigentlich nur jedem die RTL Reportage:


    Wir da drüben - Die Geschichte der DDR erzählt von Peter Kloeppel [22.15 Uhr | RTL]


    empfehlen. Da werden positive als auch negative Seiten der DDR beleuchtet. Der erste Teil kam leider bereits gestern, heute kommen die Geschehnisse der 70er und 80er Jahre dran.

  • Da fällt mir doch noch etwas ein. Wer von Euch weiß eigentlich, welche "Urväter"/Auslöser die Montagsdemos in Leipzig hatten?

    Die Welt ist krank!!! Helft Ihr! :)

  • auch wenn das alles nicht viel mit dem 17. Juni zu tun hat.....
    Ich finde es schon nicht schlecht, dass scheinbar einige von uns (ich schliess mich da ein), die Wende halbwegs bewusst erlebt haben und sich auch noch deutlich (positiv und negativ) an die DDR erinnern können. Wir haben immerhin den Vorteil, beide Systeme zu kennen und erlebt zu haben. Nur so, denke ich, ist eine wirklich echte Beurteilung möglich. Wenn ich leider immer noch von Leuten aus dem Westen höre: "...so war das damals ja bei euch, das wusstet ihr nur nicht, das haben sie euch ja nicht erzählt.." greif ich mich schon gewaltig an den Kopf. Genauso bei den "ewig gestrigen", die der DDR nur Nachtrauern und den Westen verteufeln. Hat alles seine Vor- und Nachteile. Zurück möchte ich auch nicht, aber soooo schlecht war´s früher nicht. Im grossen und ganzen ist´s schon ok, so wie´s ist. Hätte viel schlimmer kommen können. Besser aber auch ;)
    Interessant in diesem Zusammenhang: ich möchte wetten, das nahezu jeder "Ossi" schon im Westen war, während mit Sicherheit viele "Wessis" noch keinen Fuss nach "West-Sibirien" gesetzt haben. Da kann man schon auch Interesse (und nicht nur Konsum-Geilheit) dran festmachen ;)


    d@niel


    P.S. eine Einheit im Jahre 1953 wäre natürlich völlig unmöglich gewesen. da hätten die Freunde aus Moskau schon gewusst, das zu verhindern.

  • Die bekannten Montagsdemos in Leipzig (89) waren ursprünglich ein Treffpunkt von den Ausreisewilligen in Leipzig. Ziel war es die quälende Warterei auf die "befreiende" Karte (Aufforderung, das Land innerhalb der nächsten 24 Stunden zu verlassen) zu beenden. Es waren Familien dabei, die zum Teil monatelang auf gepackten Koffern sassen!
    Meine Grüße an dieser Stelle, an diese "vergessenen" Helden!


    Das sollte mal gesagt werden! Davon spricht leider kein Mensch. :(


    Zitat

    P.S. eine Einheit im Jahre 1953 wäre natürlich völlig unmöglich gewesen. da hätten die Freunde aus Moskau schon gewusst, das zu verhindern.


    Aber es hätte vielleicht eine bessere DDR daraus entstehen können, oder?

    Die Welt ist krank!!! Helft Ihr! :)

  • Stimmt. Aber was solls.


    Google:


    Montagsdemonstration+Leipzig


    Da sollte genügend rüber kommen.

    Gruß
    vom Stefan


    -Wer einmal in Fürth war, der findet es überall auf der Welt schön-

  • Die Montagsdemos hatten ihre Wurzeln in der kirchlichen Friedensbewegung, die lange im kleinen Kreis wirkte und sich dann Ab Frühjahr 89 plötzlich sehr schnell ausweiteten

    \/\/olfgangS

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