Der Kremlkritiker und Ex-Schachweltmeister Garri Kasparow hat sich in einem Interview zum russischen Angriffskrieg auf die Ukraine geäußert. Er vermutet, dass Putin im Frühjahr die Munition ausgehen wird. "Spätestens im April geht ihm die Munition aus, die Wirtschaft wird nicht einmal mehr die Grundbedürfnisse der Russen decken können", sagt Kasparow.
Dass Putin nicht isoliert sei, sieht der 59-Jährige anders. "Bekanntermaßen mögen Diktatoren Verlierer nicht, und Putin ist gerade dabei, den Krieg zu verlieren." Der Iran habe aktuell seine eigenen Probleme, sagt Kasparow in Anspielung auf die Proteste gegen das iranische Regime und die damit verbundenen Gewaltausschreitungen der Polizei. China mache nichts für Putin und auch Kasachstan habe sich abgewandt. "Sogar Serbien hat sich geweigert, die sogenannten Referenden anzuerkennen."
Weiter glaubt der Kremlkritiker, dass viele Russen nicht bereit seien, um die von Russland annektierte Halbinsel Krim zu kämpfen. "Es ist das eine, wenn man das alles im Fernsehen sieht, oh, die Krim, wie toll. Aber dafür zu sterben? Nein danke." Die Menschen in Moskau und St. Petersburg stimmten jetzt schon "mit den Füßen ab", so Kasparow, indem sie vor der Teilmobilmachung fliehen.
Die Zustimmung vieler Russen zu Putin sei nur so lange hoch, wie der russische Machthaber gewinnt.
Nach einer Niederlage Russlands müsse das Land sich nach Ansicht von Kasparow Richtung Westen orientieren. Ansonsten werde Russland zum "Satellitenstaat Chinas". "Peking wartet doch nur auf den Zusammenbruch Russlands." Demografisch und wirtschaftlich sei das die größte Bedrohung für die Existenz Russlands, weil nahezu die Hälfte des russischen Territoriums laut offizieller chinesischer Geschichtsschreibung eigentlich zu China gehöre, so Kasparow.