ZitatOriginal geschrieben von BigBlue007
Nochmal: Selbst wenn man prinzipienreiterisch darauf beharrt, dass die Steuerhinterziehung des "kleinen Mannes" mit der eines Zumwinkels gleichzusetzen ist: Auch bei jeder anderen Art von Verbrechen macht die Qualität (oder von mir aus auch Quantität) natürlich einen Unterschied.
Ist das so? Hier wird ein wenig so getan, als gäbe es bei Steuervergehen 2 Varianten:
1. Die großen bösen Wirtschaftsbosse die eh schon Millionen auf dem Konto haben.
2. Der arme kleine Angestellte der mit Müh und Not über die Runden kommt und daher quasi fast schon gezwungen ist sich gegen den fiesen Staat durch Steuerhinterziehung zu wehren.
Eine derartige Sichtweise der Dinge ist doch recht eindimensional bzw. typisches "schwarz/weiss" denken, hat doch aber mit dem realen Leben nur bedingt was zu tun. Was ist denn die Intention dieses Beitrags? Soll am Beispiel Zumwinkel über Steuervergehen diskutiert werden oder geht es in die Richtung "Fröhliches Zumwinkel bashen - eine Runde moralische Entrüstung für alle"?
Fakt ist doch nun einmal: Steuerhinterziehung ist in D keine Seltenheit und zieht sich durch die gesamte Gesellschaft. Überspitzt ausgedrückt vom Priester bis hin zum Bandarbeiter. Ich will ja auch gar nicht ausschließen, dass es auch ein paar Fälle gibt in denen es tatsächlich ums wirtschaftliche Überleben geht.
Nur: Die Zahl der Betroffenen ist hier doch verschwindend gering, im einstelligen Prozent wenn nicht sogar Promillebereich. (Und da ist dann ja auch wieder die Frage, ob die wirtschaftlichen Probleme nicht hausgemacht sind, aber das sei mal dahingestellt.)
Genaue Werte habe ich da jetzt nicht, aber um mal eine grobe Zahl zu nehmen, selbst wenn man großzügig ist kann man also davon ausgehen, dass über 90% der Steuerhinterziehungen von Leuten begangen werden, die es genau wie Zumwinkel eben nicht "nötig" haben. Da geht es nicht um die nackte Existenz, sondern einfach darum, dass man sich von der Steuer ungerecht behandelt fühlt und deswegen zu seinem eigenen Vorteil rumtrickst. (Das fängt doch im Kleinen schon bei den 3 dazugemogelten Kilometern bei der Pendlerpauschale an.)
Ob jemand nun 50.000, 100.000 oder wie Zumwinkel weit mehr verdient spielt dabei keine Rolle, wie schon geschrieben die Motivation ist die gleiche. Auch Hr. Zumwinkel wird (sofern sich die Vorwürfe bestätigen) sich persönlich ungerecht behandelt gefühlt und deswegen nach "Auswegen" gesucht haben. Die Summen die da im Raum stehen sind für einen Außenstehenden oder den Normalverdiener da zwar andere, aber nur weil man selbst evtl. das Außmaß derartiger Beträge aufgrund mangelder eigener Erfahrung nun nicht fassen kann, macht das die Sache dann wirklich verwerflicher?
Wenn der 100.000 € Verdiener 10.000 € vor der Steuer versteckt sind das 10%, wenn Zumwinkel von 10 Mio. € 1 Mio. der Steuer vorenthält sind das auch "nur" 10%. Warum sind 10% einmal ein Kavaliersdelikt und einmal ein "Kapitalverbrechen"?
Es ist ja auch gar nichts dagegen zu sagen, dass die Volksseele sich da nun ein wenig echauffiert, manchmal tut es ja auch gut wenn man jemanden hat auf den man mit dem Finger zeigen und "Ätsch" sagen kann. Herrn Zumwinkel kann man da auch nur ein fröhliches "SSA" zurufen, er hat es scheinbar versucht und ist auf die Nase gefallen, Mitleid hat er deswegen sicher nicht verdient, aber eben einfach immer nur mit einem Schuss Polemik drauf zu hauen ist dann doch zu einfach. Und wenn ich hier schon wieder Aussagen ala "XY% aller Personen mit einem Einkommen über XY € sind eh alles Verbrecher" lese, dann finde ich ist das nur bedingt TT würdig und würde besser in ein Forum einer bestimmten Tageszeitung passen.
Unterm Strich bleibt aber auch der Postchef eben einfach nur ein Mensch und diese machen bekanntlich Fehler. Und meiner Erfahrung nach ist ein nicht wirklich sinnig die Höhe der moralischen Ansprüche an das Verhalten einer Person von der Höhe des Einkommens abhängig zu machen. Sollte zwar in der Theorie vielleicht so funktionieren, hat aber mit der Praxis nicht viel zu tun.