Zitat
Original geschrieben von Asder1
Ich finde es einfach etwas gefährlich und auch überheblich, wenn wir von uns im Westen her entscheiden, welche Regierung gut und welche böse ist für diese Menschen dort. "Nur" weil die Frauen "schlecht" behandelt wurden, kann man noch nicht sagen, dass die Taliban-Regierung schlecht war. Vor nochnicht allzu langer Zeit haben wir auch Hexen verbrannt. Möglicherweise war dies ein notwendiger Entwicklungsschritt (tönt makaber
) ohne den wir nun heute nicht soweit wären. Demokratie (so wir das denn als oberstes Ziel erreichen- ist halt die heutige Denkweise) kann man nicht immer mit dem Vorschlaghammer erringen.
hmmmm, bei deiner Meinung gegenüber den Taliban bin ich skeptisch. Ich weiß auch nicht so genau, aber nach allem, was ich gehört haben, war das ne Bande von Verrückten, die mit dem Islam, wie er ist/sein sollte laut Regeln nicht viel zu tun. Die haben einfach nur den Deckmantel genommen. Aber der Vergleich mit den Hexen, der trifft den Kern der Sache schon. Das Problem ist, daß das, was die Taliban abgezogen haben, noch n paar Nummern schwerer wiegt. Auch drakonische Strafen für Sachen, bei denen bei uns selbst zur Zeit der Hexenverbrennung niemand bestraft wurde, kommen da noch zu. Dann wären da noch die unschätzbar wertvollen Kunstgegenstände (z.B. die Buddahs, und auch Sachen im Nationalmuseum), die von den Taliban vernichtet worden sind, weil sie Menschen darstellen. Dazu Musik, Radio, Fernsehen und Sport. (Inzwischen gibts dort sogar wieder Fußballiegen. IMO sehr wichtig, denn Sport verbindet.) Vielleicht war es notwendig, vielleicht aber auch nicht....wie werden es nicht erfahren. Ich glaub schon, daß der Krieg gegen die Taliban eine Verbesserung zumindest bringen wird. Das Problem bleibt weiterhin, daß Karzai schwach ist und das sich sogar die Taliban im Süden wieder reorganisieren und mit Terroranschlägen gegen die US-Truppen und gegen Andersdenkende vorgehen.
Ich hab vor einiger Zeit die Reportage von Gerd Ruge gesehen, als er in Afghanistan war (ein Teil wird heút nacht wiederholt) und war erstaunt darüber, was für ein Aufbauwille in der Bevölkerung dort herrscht. Die WOLLEN ihr Land wieder aufbeuen. Auch haben die dort einen der Warlords getroffen, nen gemäßigten (ich glaub Ex-Nordallianz) und der hat zumindest seine Region dort am Laufen gehalten. Natürlich gibt es auch schlimmere. Aber der dort meinte auch, daß die Zentralregierung zu schwach sei und Kabul zu weit weg und daß er das deshalb machen müsse. Das sind dann die Leute, denen ich zutraue, daß sie wirklich das Wohl des Landes im Auge haben und die Macht auch an eine gestärkte Zentralregierung abegeben würden (ja, ich weiß, daß ist spekulativ und dem Fernsehen kann man viel verkaufen)
Ich hoffe wirklich, daß diesem Land Frieden gebracht wird. 23 Jahre Bürgerkrieg sind zuviel, da muß man verstehen, daß es gewisse Strukture dort gibt, mit denen wir hier niemals einverstanden wären, wie z.B. die Warlords. Diese Strukturen müssen jetzt nach und nach beseitigt werden, damit wieder ein gewisse Nationalbewußtsein entstehen kann, daß erkannt wird, daß das Land gemeinsam wieder aufgebaut werden muß. Dazu bedarf es aber Hilfe von Außen. Das ISAF-Mandat muß verlängert und ausgeweitet werden und die Soldaten müssen in der Lage sein, MIT der Bevölkerung zu agieren, nicht gegen sie. Die Bevölkerung, auch die im Süden des Landes muß erkennen, daß diese Treppe Sicherheit bringen kann und es auch will. Und die Bevölkerung muß erkennen, daß es eine Zentralgewalt gibt, z.B. durch eine zentrale Polizei, die mit der ISAF die Sicherheit herstellt. Doch dafür braucht es Geld...........das alte Spiel.
Afghanistan hat es wiklich verdient, daß endlich Frieden herrscht.:top: