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Original geschrieben von harlekyn
Nun ist es ja nicht so, dass man Marktanteile einfach geschenkt bekommt. Die kommen auch mit einem Preis: Geringere Marge. Das iPhone 5C zeigt ganz klar, dass Apple mit seinem Marktanteil zufrieden ist. Man koennte auch sagen, sie sind noch nicht so verzweifelt, um ueber den Preis zu konkurrieren. Stattdessen beschraenken sie sich auf ihre Staerken.
Klar, machbar ist das. Aber warum sollten sie das tun? Mehr Marktanteil? Kurzfristig, ja. Aber mittel- bis langfristig?
Aber es ist auch klar, dass der Preis nur eine Richtung kennt, wenn man mal angefangen hat daran zu drehen. Mittelfristig koennte es das Geschaeftsmodell ernsthaft gefaehrden, und damit langfristig das Premium-Image mit dem Apple so gerne sympathisiert.
Das ist ein sehr schmaler Grat auf dem man in der Position balanciert. Bisher macht Apple das - aus Unternehmenssicht - gut. Die Kunden sind natuerlich immer froh, wenn sie weniger fuer ein Produkt bezahlen muessen; aber das ist nicht das primaere Ziel fuer ein Unternehmen.
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Jein.
Es geht ja nicht darum, dasselbe Produkt zu einem geringeren Preis anzubieten, sondern ein anderes. Apple muss sich der Situation bewusst sein, im Smartphonemarkt kein Innovationsführer mehr zu sein. Mit den ersten beiden iPhone-Generationen kamen die ersten Smartphones mit einer intuitiv bedienbaren und butterweich animierten Benutzeroberfläche auf den Markt. Das war innovativ und der Erfolg gab diesem Konzept recht.
Jetzt, sechs Jahre später, sieht es ein wenig anders aus: Andere Hersteller haben nachgezogen, Google schaffte es mit Android und einem breiten Angebot von Smartphones aller Preisklassen, Apple den Rang abzulaufen - es entstand ein Verdrängungswettbewerb und viele Smartphoneinteressierte wägen ab, ob es das Geld wert ist, bei Apple zu bleiben, wenn es vergleichbare Geräte, beispielsweise mit Android, deutlich günstiger gibt und man auf nichts verzichten muss - abgesehen vom Namen und vielleicht den hochwertigen Materialien, dafür aber im Gegenzug eine offenere Plattform und größere Bildschirme bekommt, die meiner Erfahrung nach gerade in der Generation der zahlungskräftigen Best Ager beliebt sind. Außerdem, was viel schwerer wiegt, greifen viele Kunden, die sich erstmal fürs iPhone interessieren, aus Kostengründen auf Android-Geräte zurück, die durchaus bereit sind, im Vertrag Zuzahlungen von 100 oder 150 € zu leisten - und das kostet massiv Marktanteile. Marge hin, Marge her, ich kann mir nicht vorstellen, dass es sich für Apple nicht lohnen würde, ein Mittelklasse-iPhone im Bereich von 350 - 400 € anzubieten. Ich sehe dabei nicht die Gefahr, das sich zu viele Leute statt für die große für die kleine Variante entscheiden würden. Eher hätte Apple damit die Chance, neue Käuferschichten zu erschließen.
Denn: Natürlich sind für Apple auch Marktanteile relevant. Schließlich muss es für Softwareentwickler rentabel sein, Anwendungen für eine Plattform zu entwickeln - und das geht in erster Linie über Stückzahlen. Anhand von Windows und Blackberry lässt sich dieser Effekt sehr gut nachvollziehen: Entweder sieht man ganz davon ab, Anwendungen zu schreiben oder setzt sie nur halbherzig um, damit man einerseits präsent ist, aber andererseits nicht zu viel Geld investiert. Natürlich ist man bei Apple davon noch weit entfernt, aber wer zu spät reagiert, hat es sehr schwer, sich (wieder) zu etablieren. Wie schnell man in der Versenkung verschwinden kann, wenn man nicht auf den Markt reagiert und sich auf seinen Lorbeeren ausruht, sieht man an Nokia.
Davon abgesehen hat Apple in einem anderen Fall absolut korrekt reagiert, indem das Tablet-Portfolio um das iPad Mini erweitert wurde - trotz derzeitiger Marktführerschaft im Tabletsektor, denn es ist unübersehbar, dass andere Hersteller mit Android aus ihren Nischen herausgekommen sind deutliche Absatzsteigerungen erzielen. Da müsste Google wiederum reagieren und die Entwicklung tabletspezifischer Apps forcieren, denn in dieser Hinsicht sehe ich - so gerne ich mein Nexus 7 habe - Apple vorne.