Zitat
Original geschrieben von mostwanted
1. Unter den Bildungsbürgern sind keine Guttenberg-Anhänger?
2. Das komplette Bildungsbürger lässt sich nicht von Umfragen beeinflussen?
3. Definiere "Bildungsbürgertum".
4. Erfüllt der Artikel auf Spiegel online deiner Ansicht nach die Massstäbe, die Du an eine "Qualitätspresse" stellst zu 100%?
Sinnvollerweise müsste man die Fragen in der Reihenfolge 3, 2, 1, 4 beantworten. Ich versuch's mal:
3. Das Bildungsbürgertum entstand im späten 18. Jahrhundert. Es ist keine homogene, in sich abgeschlossene "Klasse", zeichnet sich aber dadurch aus, dass akademische und freie Berufe überproportional (im Vergleich zum Rest der Bevölkerung) stark vertreten sind: Professoren, Rechtsanwälte, Richter, Lehrer, Pastoren, Ärzte, Apotheker, Musiker, Künstler, Ingenieure, leitende Beamte, Publizisten usw. Die Zugehörigkeit zum "Bildungsbürgertum" bedingt zwar nicht zwingend ein abgeschlossenes Hoch- oder Fachhochschulstudium, dennoch ist eine hohe akademische Qualifikation der Regelfall. Ferner ist den meisten Angehörigen des Bildungsbürgertums ihr gesellschaftliches Ansehen und die gestalterische Teilnahme am kulturellen Leben i. d. R. wichtiger als Geld um jeden Preis zu verdienen; überdurchschnittlich hohe Einkommen werden ohnehin erzielt. Das Wertesystem des "Bildungsbürgertums" gilt als konservativ (das hat nicht primär mit politischer Ausrichtung zu tun!), z. B. stellt Bildung an sich schon einen Wert dar, was eine Tradition aus dem 18. und 19. Jahrhundert darstellt.
(Man könnte seitenlange Abhandlungen über die Definition des Bildungsbürgertums schreiben, aber das würde den Thread bei weitem sprengen.)
2. Natürlich ist jeder Mensch beeinflussbar, auch Bildungsbürger. Und natürlich können auch Bildungsbürger durch Umfragen beeinflusst werden. Es wäre töricht, das Gegenteil zu behaupten. Allerdings scheinen sich gerade bildungsorientierte Menschen von der ggw. positiven Umfragestimmung in Sachen Guttenberg nicht sonderlich beeinflussen zu lassen. Das deckt sich übrigens auch mit meinen persönlichen Erfahrungen in meinem Bekannten- bzw. Freundeskreis.
1. Doch, die gibt's sicherlich auch. Zumindest gibt es wohl viele, die VOR Copygate dem Freiherrn durchaus positiv oder wenigstens neutral gegenüberstanden.
4. Ein ganz klares Nein. Der Spiegel gehört m. E. schon lange nicht mehr zur qualitativ wirklich herausragenden Presse. Der Ausspruch meiner Taufpatin, ihres Zeichens Professorin für Biologie, kommt mir dabei in den Sinn: "Der Spiegel ist die BILD-Zeitung der Intellektuellen.":D