Beiträge von HappyDay989

    Wobei das Handeln der Uni bezüglich der Guttenbergschen Dissertation in einem wesentlich positiveren Licht geschildert wird als es wirklich gewesen ist. Aber das kann man Prof. Lepsius wohl nachsehen, schließlich gehört es auch zu seinen Aufgaben, Schaden von seiner Universität abzuwenden.


    In seiner Einschätzung des Guttenbergschen Handelns nimmt er kein Blatt vor den Mund und da hat er mit jedem Wort recht.

    Zitat

    Original geschrieben von shelter
    Zu Happy: Dein letzter Satz taugt aber durchaus dazu mit dem letzten Spiegel-Satz verglichen zu werden, auch wenn ich die Aussage nicht abstreiten will.


    1. Das weiß ich und...
    2. das weiß ich auch. :D


    Zitat

    Original geschrieben von shelter
    Finde es aber letztlich auf den Fall des Aufsatzes übertrieben da ein Fass aufzumachen, ins Gesamtbild passt es halt - Und das wird mit jedem weiteren Werk in dem ähnliches festzustellen ist werden. Zurecht. Fehlt nur noch das Durchchecken der Examensarbeit. DANN kann man richtig loslegen zu diskutieren, falls da was wäre.


    Du sagst es. Und genau das meinte ich auch mit dem letzten Satz meines letzten Beitrags, auch wenn zumindest eine Person dies nicht verstanden hat, was mich aber auch nicht weiter stört. ;)

    Ruhig Blut, Leute. :D


    Es ist weniger eine Frage, aus welchen Quellen man abschreibt, sondern in welcher Form von schriftlichem Werk man dies tut. ;)


    In wissenschaftlichen Arbeiten (Seminar-, Magister-, Diplom-, Staats- und Doktorarbeiten) sowie in der gesamten wissenschaftlichen Literatur ist das ungekennzeichnete Übernehmen von fremden Texten, egal ob wörtlich oder sinngemäß, die größte akademische Sünde, die ein Wissenschaftler begehen kann. Man bezeichnet so etwas als Plagiarismus, und im Grunde hört ein Plagiator auf, ein Wissenschaftler zu sein.


    In anderen Arbeiten sind die Regeln oft weniger streng. Ich habe mir die fragliche Studie mal kurz angesehen. Mir scheint dies weit eher einem politischen Arbeitspapier als einem Aufsatz z. B. in einer politikwissenschaftlichen Fachzeitschrift zu entsprechen, von daher würde ich hier den Anspruch an Erfüllung strenger formaler wissenschaftlicher Kriterien bei dieser speziellen Arbeit nicht sonderlich hoch ansetzen. Zumal es hier auch nicht um klassische Urheberrechtsverletzungen geht.


    Juristisch erfüllt dieser Spiegel-Artikel vielleicht nicht den Tatbestand der tendenziösen Berichterstattung, aber in diesem Fall zitiere ich den Spiegel selbst: "ein Geschmäckle hat der Vorgang dennoch." Es überwiegt in diesem speziellen Fall der Eindruck, dass man hier Guttenberg was am Zeug flicken will.


    Meine Meinung: Der Mann hat mehr als genug echten Dreck am Stecken, darauf sollte man sich konzentrieren. ;)

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    Original geschrieben von mostwanted
    1. Unter den Bildungsbürgern sind keine Guttenberg-Anhänger?
    2. Das komplette Bildungsbürger lässt sich nicht von Umfragen beeinflussen?
    3. Definiere "Bildungsbürgertum".
    4. Erfüllt der Artikel auf Spiegel online deiner Ansicht nach die Massstäbe, die Du an eine "Qualitätspresse" stellst zu 100%?


    Sinnvollerweise müsste man die Fragen in der Reihenfolge 3, 2, 1, 4 beantworten. Ich versuch's mal:


    3. Das Bildungsbürgertum entstand im späten 18. Jahrhundert. Es ist keine homogene, in sich abgeschlossene "Klasse", zeichnet sich aber dadurch aus, dass akademische und freie Berufe überproportional (im Vergleich zum Rest der Bevölkerung) stark vertreten sind: Professoren, Rechtsanwälte, Richter, Lehrer, Pastoren, Ärzte, Apotheker, Musiker, Künstler, Ingenieure, leitende Beamte, Publizisten usw. Die Zugehörigkeit zum "Bildungsbürgertum" bedingt zwar nicht zwingend ein abgeschlossenes Hoch- oder Fachhochschulstudium, dennoch ist eine hohe akademische Qualifikation der Regelfall. Ferner ist den meisten Angehörigen des Bildungsbürgertums ihr gesellschaftliches Ansehen und die gestalterische Teilnahme am kulturellen Leben i. d. R. wichtiger als Geld um jeden Preis zu verdienen; überdurchschnittlich hohe Einkommen werden ohnehin erzielt. Das Wertesystem des "Bildungsbürgertums" gilt als konservativ (das hat nicht primär mit politischer Ausrichtung zu tun!), z. B. stellt Bildung an sich schon einen Wert dar, was eine Tradition aus dem 18. und 19. Jahrhundert darstellt.
    (Man könnte seitenlange Abhandlungen über die Definition des Bildungsbürgertums schreiben, aber das würde den Thread bei weitem sprengen.)


    2. Natürlich ist jeder Mensch beeinflussbar, auch Bildungsbürger. Und natürlich können auch Bildungsbürger durch Umfragen beeinflusst werden. Es wäre töricht, das Gegenteil zu behaupten. Allerdings scheinen sich gerade bildungsorientierte Menschen von der ggw. positiven Umfragestimmung in Sachen Guttenberg nicht sonderlich beeinflussen zu lassen. Das deckt sich übrigens auch mit meinen persönlichen Erfahrungen in meinem Bekannten- bzw. Freundeskreis.


    1. Doch, die gibt's sicherlich auch. Zumindest gibt es wohl viele, die VOR Copygate dem Freiherrn durchaus positiv oder wenigstens neutral gegenüberstanden.


    4. Ein ganz klares Nein. Der Spiegel gehört m. E. schon lange nicht mehr zur qualitativ wirklich herausragenden Presse. Der Ausspruch meiner Taufpatin, ihres Zeichens Professorin für Biologie, kommt mir dabei in den Sinn: "Der Spiegel ist die BILD-Zeitung der Intellektuellen.":D

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    Original geschrieben von ingo74
    noch mal zusammengefasst - Die bundeswehr kann ihren bedarf an mannschaften nicht decken und deshalb hat man eine zivile agentur mit der werbung dafür beauftragt und ein teil der nun beginnenden werbemaßnahmen ist die anzeigenkampagne in der bild - ich hoffe das hat jetzt hier auch der letzte polemiker begriffen


    Genau das schrieb ich ja u. a., daher ziehe ich mir den Schuh des Polemikers jetzt mal nicht an. ;)



    Zitat

    Original geschrieben von ingo74
    aber auch bei dem thema zeigt sich, dass kaum einer die ebene der oberflächlichkeit verlässt, da man ansonsten auch hier einen angriffspunkt guttenbergs entdecken kann - man kann ihm nähmlich vorwerfen, dass die abschaffung der wehrpflicht, die er persönlich stark forciert hat, deutlich zu schnell angegangen wurde und die bundeswehr jetzt vor immense probleme stellt -- das wäre eine fachliche und sachliche kritik....


    Da würde ich aber eher alle Abgeordneten in die Kritik einbeziehen wollen, die für die faktische Abschaffung der Wehrpflicht plädiert haben; im Alleingang hat Guttenberg diese Maßnahme nämlich weder entschieden noch durchgesetzt. Im Grunde waren doch fast alle Politiker richtig erleichtert darüber, die so unbeliebt gewordene Wehrpflicht endlich dauerhaft aussetzen zu können. Es ist ja bei Politikern nicht ganz unüblich, dass man nur von einem Wahltermin zum nächsten denkt und sich im übrigen sagt "nach mir die Sintflut." :rolleyes:

    Hetzkampagnen zeichnen sich vor allem dadurch aus, dass gezielt Desinformation, Verleumdungen und Unterstellungen verbreitet werden.


    Bislang hat sich allerdings alles bewahrheitet, was Guttenberg vorgeworfen worden ist; die Details müssen an dieser Stelle wohl nicht erneut breit gewalzt werden.


    Die Bezeichnung "kritische Berichterstattung" kann ich problemlos akzeptieren, aber z. B. einem konservativen Blatt wie der FAZ (die ja eine der führenden Zeitungen in der "Causa Guttenberg" ist) zu unterstellen, sie beteilige sich an einer Hetzkampagne gegen einen konservativen Verteidigungsminister, ist schon reichlich absurd.


    Es mag den Guttenberg-Anhängern ganz und gar nicht gefallen, dass sich die Qualitätspresse und das Bildungsbürgertum weder von der BILD noch von irgendwelchen Meinungsumfragen davon abhalten lassen, Guttenberg für sein Verhalten scharf zu kritisieren, aber ganz ehrlich: wer glaubt, dass sich eine Minderheit bei der Äußerung einer Meinung immer widerspruchslos der Masse fügen muss, der hat das Wesen der Demokratie nicht so recht verstanden. Eine pluralistische Demokratie beinhaltet eben auch das Recht der Minderheit, sich entsprechend zu artikulieren - auch ohne, dass man deshalb gleich dem Vorwurf ausgesetzt wird, eine Hetzkampagne zu betreiben. In einer Demokratie geht es schließlich nicht darum, wer am meisten und lautesten schreit, das scheint mittlerweile etwas in Vergessenheit geraten zu sein. Der Wahrheitsgehalt einer Zeitung bemisst sich schließlich auch nicht nach ihrer Auflagestärke.



    @ raix: Bei aller berechtigten Kritik an Guttenberg darf nicht vergessen werden, dass die BW in der Zukunft trotz Verkleinerung in ernsthafte Personalnöte kommen wird. Von daher empfiehlt es sich, auch rechtzeitig durch entsprechende Anzeigen für eine Erhöhung der Attraktivität der BW zu sorgen. Der Bedarf an Personal wird ja objektiv von Experten vorhergesagt und das völlig unabhängig davon, wer auf dem Stuhl des Verteidigungsministers sitzt. Man darf sich aber sicherlich darüber streiten, ob eine entsprechende Anzeigenserie unbedingt exklusiv in BILD geschaltet werden muss. Vielleicht kommen ja bei anderen Anzeigen auch andere Medien noch zum Zug. Spätestens wenn man Leute rekrutieren will, die über ein gewisses Maß an Intelligenz verfügen, wird man sich wohl nicht alleine auf Anzeigen in BILD verlassen. Mit den Anzeigen in BILD wirbt man vielleicht auch nur dringend benötigtes "Kanonenfutter" an. :D



    @ bernbayer: Und was ganz genau beweist eine Äußerung Adenauers vor mehr als einem halben Jahrhundert für die heutige Zeit? :confused:

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Heutiges ZDF-Politbarometer: 75 Prozent sind dafür das Guttenberg im Amt bleibt. Die Bevölkerung läßt sich von der "Hetzkampagne" linker Medien nicht beindrucken. Daran ändert auch nichts das es einige linke Professoren gibt, die sich an dieser Kampagne beteiligen.


    Ob ein Politiker im Amt bleibt, bestimmen weder irgendwelche Umfragen noch "die Bevölkerung."
    Und den Vorwurf der Anti-Guttenberg-Kampagne hören wir nun schon seit dem Tag, an dem zum ersten Mal öffentlich wurde, dass es sich bei Guttenbergs Doktorarbeit wohl nur um Blendwerk handelt. Repetitia non placent, würden die völlig zu Unrecht verstorbenen Römer der Antike dazu sagen, wenn sie noch am Leben wären, "Wiederholungen gefallen nicht." :D


    Bislang ist jeder Vorwurf einer "Kampagne" gegen Guttenberg sehr rasch der nüchternen Erkenntnis gewichen, dass die Wahrheit noch viel schlimmer ist als man sich dies ausdenken könnte. Wenn selbst der Bayreuther Staatsrechts-Professor Oliver Lepsius Guttenberg öffentlich einen Betrüger nennt, dann ist das mehr als bezeichnend. Ich bin aber mal gespannt, ob Guttenberg seine Androhung nunmehr in die Tat umsetzt, jeden zu verklagen, der ihm beim Plagiarismus in seiner Dissertation Betrug/Täuschung unterstellt.



    @ mostwanted: Auch Professoren sind Teil der realen Welt. Und sie genießen bei der Bevölkerung ein weitaus höheres Ansehen als z. B. Politiker. ;)

    Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    [Bewusste Täuschung]
    Guttenberg bestreitet dies vehement und droht jemanden, der auf diese Diskrepanz zwischen Sachlage und Guttenbergs Version hinweist, sogar noch mit einer Verleumdungsklage. Und das alles nicht im Bierzelt oder vor hastig zusammengekarrten Kameras, sondern im Parlament!
    [...]
    HappyDay, das Interview finde ich relativ deprimierend. Suchen dann künftig Gala und Bunte unsere Politiker aus?


    1. Ich wäre gespannt, ob Guttenberg tatsächlich wegen Verleumdung oder übler Nachrede Klage einreichte. Damit forderte er die nicht nur Fußnoten-, sondern die wirklich Buchstaben-genaue Analyse, nein, Vivisektion (oder Autopsie, je nach Betrachtungsweise) seiner Dissertation vor einem breitem, auch nicht-wissenschaftlichem Publikum geradezu heraus. Die Chancen wären sehr groß, dass in solch einer öffentlichen Schlammschlacht nicht nur Guttenbergs strahlende Rüstung ein paar Dellen bekäme, sondern seine ohnehin nicht mehr ganz weiße Weste so richtig dreckig würde. Insgesamt wären Klagen wegen Verleumdung oder übler Nachrede wohl kaum der eleganteste Weg, die Copygate-Affäre endlich aus den Schlagzeilen zu nehmen. ;)


    2. Nein, die Auswahl wird von BILD vorgenommen, die Regenbogenblätter spielen nur die Begleitmusik dazu. :rolleyes:
    Aber im Grunde bedienen sie alle doch nur die menschliche Sehnsucht nach Vorbildern, zu denen man aufschauen und die man bewundern kann. Die Briten haben ihre Royals, und trotz der schier unendlichen Zahl von Affären und Skandalen fände sich im Vereinigten Königreich keine Mehrheit für die Abschaffung der Monarchie. Wir haben zwar keine königliche Familie in Amt und Würden mehr, aber offenbar hätte ein großer Teil der Bevölkerung sie gerne. Und da dienen Leute wie Guttenberg als Monarchie-Ersatz, als Projektionsfläche irrealer Wünsche bzw. Vorstellungen und idealisierter Erwartungen.
    "Die Leute" lieben doch nicht die Person Guttenberg, sie huldigen seinem öffentlichen Abziehbild (genau das ist doch ein "Idol"), und es spielt überhaupt keine Rolle, ob dieses Abziehbild der tatsächlichen Person entspricht. George Orwell schrieb in "1984" sehr treffend: Ob der Große Bruder lebt oder nicht, ist völlig unwichtig. Er existiert, und nur das zählt.