Beiträge von HappyDay989

    Jenseits aller juristischen Spitzfindigkeiten findet sich hier ein erwähnenswerter Versuch, Guttenbergs ungebrochene Popularität in den Umfragen zu erklären:

    Schön, dass Du Dich so sehr ereiferst. Wie wär's trotzdem zur Abwechselung mal mit ein paar Fakten:

    Zitat

    Die deutsche 10-Euro-Gedenkmünze „200. Geburtstag Franz Liszt“ wird erstmals nicht mehr in Sterlingsilber (925/1000) geprägt, der Feingehalt wurde auf 625/1000 gesenkt. Zusätzlich verringert sich das Gesamtgewicht der Münzen bei gleichbleibendem Durchmesser auf 16 Gramm und entspricht damit fast genau wieder den Spezifikationen der früheren 10-D-Mark-Gedenkmünzen. Mit dieser Maßnahme musste die Bundesregierung auf den drastisch gestiegenen Weltmarktpreis für Silber reagieren.


    [small]Quelle: http://www.pressedienst-numism…=content&task=view&id=423[/small]

    @ Robert Beloe:
    In der Tat, die Handlung eines Schlüsselromans verknüpft Elemente des Dramas ausgetüftelter Betrugs- und Verschleierungsmanöver an universitären Eliteeinrichtungen, Intrigen um die Macht in höchsten Staatsämtern vor dem Hintergrund bundesdeutscher und internationaler Politik, einschließlich möglicher Verbindungen zum Adel und zur geheimnisvollen Welt der Hochfinanz (Stichwort: mögl. Spenden von Alumni) gekonnt mit den humoristischen Elementen einer bayerischen Provinzposse. ;)


    Dazu fehlt jetzt noch die passende Begleitmusik: Schuhplattler? Dieter Bohlen? Die Prinzen? Oder eine sorgfältig komponierte Mischung aus allem? ;)

    Zitat

    Original geschrieben von kopporama


    Da hat du Pech, dass ich die Wahl habe. Ich bevorzuge nämlich Berlin :D


    Dann trefft euch doch einfach auf halbem Wege. Z. B. in Bayreuth... :D



    Zitat

    Original geschrieben von Robert Beloe
    Gut, dass aus der Uni Bayreuth so eindeutige Stimmen kommen.


    Ob Prof. Häberle nun "zurückschießen" lässt? ;) Verdenken könnte man es ihm nicht, so wie Guttenberg das Image des Professors ramponiert hat...

    Zitat

    Original geschrieben von Johnson
    Das sehe ich etwas anders. In einem (zugegebenermaßen eher kleinen) Teil der Bevölkerung ist Merkel neben KTzG die große Verliererin, da durch ihren Umgang mit dem Thema deutlich geworden ist, wie es bei ihr mit Moral, Gewissen und Werten insgesamt aussieht...


    Ich würde eher sagen, dass es sehr deutlich geworden ist, dass sich das Personalkarussell bei der Union in den letzten 18 Monaten derartig schnell gedreht hat und zu viele Leute aus der Führungsriege "ausgestiegen" sind, dass ggw. einfach niemand mehr zur Verfügung steht, dem man dieses Amt "aufs Auge drücken" könnte.
    Einen in seiner Glaubwürdigkeit beschädigten Verteidigungsminister mit Rückhalt beim Boulevard zu halten ist für Merkel einfach sicherer, als irgendeinem Unbekannten aus der zweiten oder dritten Reihe dieses Amt anzuvertrauen. Von daher ist es durchaus möglich, dass selbst Frau Merkel Guttenberg nur noch als das kleinere Übel ansieht.


    Die Frage mag aber erlaubt sein, ob - wie der Kabarettist Volker Pispers es einmal formulierte - "das kleinere Übel denn unbedingt so groß sein muss." :D

    Zitat

    Original geschrieben von dominiks
    Die Medien und Opposition haben sicherlich das meiste dazu beigetragen, dass Guttenberg entgegen seinen vorherigen Behauptungen auf seinen Dr.-Titel dauerhaft verzeichtet hatte.


    Die Opposition ganz sicher nicht, denn die ist so schlapp, dass man sich z. Z. wundert, wie es manche der Abgeordneten überhaupt noch von den Stufen zum Parlament bis in den Plenarsaal schaffen. :rolleyes:


    Doch zumindest die Leib- und Magenzeitungen des Bildungsbürgertums haben durch ein gewaltiges Rauschen im Blätterwald dazu beigetragen, dass der erschwindelte akademische Grad Guttenbergs aberkannt wurde. Allen voran sind dabei wohl die SZ und die FAZ zu nennen. Und nicht zu vergessen auch die exzellente Analysearbeit, die auf Guttenplag Wiki geleistet wurde und der Universität Bayreuth die schnelle Entscheidung wohl erleichterte.

    Die SZ hat eine Auflage von ca. 420.000 Exemplaren täglich, der Spiegel von ca. 1 Million Exemplaren, aber das nur 1 x wöchentlich, auf sieben Werktage verteilt wären das gerade mal 142.000 Exemplare täglich und der Stern kommt auf ca. 880.00 Exemplare, gleichfalls nur 1 x wöchentlich, auf sieben Tage verteilt wären das gerade mal 125.000.
    Nimm von mir aus noch die von Dir als "SPD-Hofblatt" bezeichnete "Die Zeit" dazu mit ihren wöchentlichen 492.000 Exemplaren, auf sieben Tage verteilt wären das gerade mal knapp 70.300 Exemplare. Und dann noch die TAZ mit ihren mickrigen 56.000 Exemplaren pro Tag.


    Zusammengenommen sind das gerade mal knappe 816.000 verkaufte Exemplare täglich.



    Schauen wir uns jetzt mal die BILD alleine an:
    Zur BILD (3 Mio. Exemplare tägl.) kommt noch die BILD am Sonntag (2,5 Mio. 1x wöchtl.).


    Würdest jetzt immer noch behaupten, dass die "linken Zeitungen" eine höhere Auflage erreichen als BILD mit 2,5 bzw. 3 Mio. verkauften Exemplaren täglich? Dazu kommt noch die erheblich größere Reichweite, denn ein Exemplar der BILD erreicht mehr Leser als ein Exemplar der SZ, FAZ oder einer sonstigen Qualitätszeitung. Und dazu kommt noch: BILD wird ja nicht nur durch die Leser rezipiert, sondern auch in hohem Maß durch andere Medien.



    Eine durchaus konservative Zeitung wie die FAZ möchte ich in diesem Zusammenhang nicht berücksichtigen, denn sie mit einem Revolverblatt wie BILD in einen Topf zu werfen, hat diese renommierte Qualitätszeitung absolut nicht verdient. Selbst die Welt aus dem Hause Springer (250.000 Exemplare tägl.) will ich nicht hinzurechnen.



    @ Jochen: Es geht mir hier nur um die Herausstellung der Bedeutung von BILD als Multiplikator und Machtbasis für Guttenberg, nicht um BILD oder den Springer-Verlag im allgemeinen.

    Zitat

    Original geschrieben von bernbayer
    Die Bild-Zeitung hat wohl sehr viele Leser, ich denke mal um die 5 Millionen. Aber die überwältigende Mehrheit der Bundesbürger liest diese Zeitung doch gar nicht. Von der Berichterstattung der Bildzeitung kann die hohe Zustimmung für Guttenberg überwiegend nicht abgeleitet werden.


    Es geht nicht nur um die Zahl derer, die BILD kaufen, es geht darum, dass fast jedes Exemplar der BILD von durchschnittlich drei anderen Menschen gelesen wird. Dazu kommen die Millionen Menschen, die morgens beim Brötchenholen usw. zumindest die 1. Seite der BILD anlesen, weil dieses Blatt in fast allen Verkauftsstellen so ausgelegt wird, dass man es gar nicht übersehen und daran vorbeigehen kann.


    BILD verkauft sich täglich ca. 3 Millionen Mal, erreicht aber mind. 12 Millionen Leser. Und die wiederum wirken als sogen. Multiplikatoren innerhalb ihrer "peer groups." Oder glaubt jemand ernsthaft, dass Leute, die ihr Weltbild aus BILD beziehen, mehrheitlich intellektuell in der Lage sind, sich kritisch reflektierend mit dem auseinanderzusetzen, was dort an Simplifizierungen (= "der deutsche Michel und wie er die Welt sieht") angeboten wird? :rolleyes:


    BILD ist schon als Printmedium eine publizistische Macht mit einem ungeheuren Einfluss auf die "öffentliche Meinung", und dabei ist der Online-Auftritt noch gar nicht berücksichtigt worden.



    @ telefon22222: Wenn der Bundestag verhindern möchte, dass in Afghanistan weiterhin deutsche Soldaten bei einem Out-of-area-Einsatz umkommen, dann könnten sie diese Soldaten doch möglichst rasch nach Hause holen. Solange man seine Soldaten in ein Kriegs- oder Bürgerkriegsgebiet schickt und sie dort jahrelang belässt, halte ich es für sehr scheinheilig, sich darüber aufzuregen, dass einige dieser Soldaten nicht mehr lebend nach Hause zurückkehren. Hier soll doch wohl nicht der Eindruck erweckt werden, dass man gestern nur die Aktuelle Stunde zum Thema Guttenbergs Diss. hätte ausfallen lassen müssen und schon wäre ein für alle Male sichergestellt, dass kein deutscher Soldat mehr in Afghanistan ums Leben kommt. Ich verstehe auch nicht, wie man diese beiden Themen miteinander verknüpfen kann; sie haben absolut nichts miteinander zu tun. :rolleyes:

    Ich denke, wir haben in den letzten Tagen erlebt, was für ein Mensch dieser Guttenberg ist, wenn man ihn einmal losgelöst von seinem durch BILD verbreiteten "Glanz" sieht. Jeder hat sich selbst einen Eindruck verschafft, und es steht nicht zu erwarten, dass dieser Eindruck bei allen Menschen gleich ausgefallen ist.


    Man kann sich auch über seine bisherigen Leistungen als Verteidigungsminister trefflich streiten, doch zu einem einheitlichen Ergebnis wird man weder hier noch anderswo gelangen.


    Völlig unabhängig der verschiedenen Meinungen lässt sich objektiv feststellen, dass Guttenbergs persönliche Glaubwürdigkeit Schaden genommen hat und damit auch seine Rolle als scheinbar unabhängiger Querdenker in der Union. Er ist nun, eher unbemerkt von der Öffentlichkeit, zu einem Verteidigungsminister von BILDs und Merkels Gnaden geworden, der seinen akademischen Grad in diesem Zusammenhang wohl als Kollateralschaden oder Bauernopfer betrachten wird. Ein Verteidigungsminister muss kein "Dr." sein, das ist richtig, und ein "Volkstribun" wie Guttenberg erst recht nicht.


    Die Opposition demonstrierte gestern, dass sie sich kaum an diese "Lichtgestalt" herantraut. Jürgen Trittin und Karl Lauterbach attackierten zwar heftig, wurden aber z. T. sehr unsachlich, die meisten anderen begnügten sich mit ein paar harmlosen Anmerkungen. Einzig Krista Sager vermochte sowohl in der Sache als auch in der Art und Weise klarzumachen, worum es eigentlich ging, doch den gewöhnlichen BILD-Konsumenten, die Keimzelle der Guttenbergschen "Fangemeinde," erreichte sie damit sicherlich nicht. Der Gesamteindruck, den man gestern von der Opposition gewinnen konnte, erfüllte ziemlich genau die Bewertung, die ich schon vor der gestrigen Aktuellen Stunde vornahm: Die Opposition im Bundestag muss man zum Jagen tragen, sie hat keine echten Führungspersönlichkeiten und agierte, wie es ingo74 zutreffend schreibt, völlig dilettantisch. Gestern war es nicht die Stärke der Union, die Guttenberg politisch überleben lässt, sondern die eklatante Schwäche der Opposition. Zumindest aus dem Bundestag droht der schwarz-gelben Koalition gegenwärtig keinerlei Ungemach, soviel ist sicher.


    Was bleibt, ist zumindest bei den meisten sogenannten Bildungsbürgern die Erkenntnis, dass ein bis dahin für seine persönliche Integrität geachteter Mensch die Ideale eben jenes Bildungsbürgertums mit Füßen getreten hat, nur weil er sich davon einen schnelleren Aufstieg zur Macht bzw. einen Erhalt derselbigen versprach.


    Doch hat ChickenHawk schon richtig festgestellt, dass die Zahl der Stimmen dieser Bildungsbürger wohl erheblich geringer sein dürfte als die Zahl der BILD-konsumierenden Guttenberg-Anhängerschaft. Von daher auch wieder eine "Güterabwägung," die möglichen Stimmenverluste aus dem Lager der konservativen Eliten sind verschmerzbar - ein weiterer Kollateralschaden auf Guttenbergs politischem Weg.


    Von daher kann sich Guttenberg fürs erste entspannen und weiterhin - jetzt mehr denn je zuvor - seine Selbstinszenierung mittels BILD vorantreiben. Die einen werden ihm dabei Glück wünschen, andere eher das Gegenteil - das ist eben Politik. Doch eines sollte auch Guttenberg nicht vergessen: er hat seine politische Zukunft durch sein Verhalten auf Gnade und Ungnade mit dem Boulevardjournalismus und der Stimmung der Massen verknüpft. Und diese Stimmung ist bekanntlich wankelmütig. Mögen die Massen auch heute noch "Hosianna" singen, schon morgen könnte dies in ein Ohren betäubendes Gebrüll umschlagen: "Kreuzigt ihn!" So erging es nämlich auch schon diversen anderen Volkstribunen, Messiassen und heilsbringenden Lichtgestalten.

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    Original geschrieben von Robert Beloe
    Ich bin froh über das eindeutige Statement aus Bayreuth. Anscheinend ticken in Bayern die Uhren doch nicht so anders, wie hier ein User gehofft hatte. Der Täuschungsvorwurf wurde zwar nicht geprüft, aber die jetzige Stellungnahme ist auch schon eindeutig genug.


    Für sieht es eher wie ein windelweicher Eiertanz aus, den die Bayreuther da veranstalten, aber immerhin steht ja auch der Ruf des Doktorvaters, Prof. Peter Häberle auf dem Spiel. Da wird man wohl verständlicherweise auf den alten Mann Rücksicht nehmen wollen und das Verfahren so schnell wie möglich dem Rampenlicht der öffentlichen Berichterstattung entziehen wollen.

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    In seinem Brief an die Uni, in dem er selbst um die Rücknahme des Doktorgrades bat, betonte Guttenberg, er habe "zu keinem Zeitpunkt vorsätzlich oder absichtlich getäuscht". Die Hochschule wollte sich nicht darauf einlassen, die Frage nach Absicht und Vorsatz beim Täuschen zu beantworten. Es reichte ihr, dass die Dissertation den Anforderungen der Promotionsordnung schlicht nicht genügt. Wenn es sehr viele kopierte Stellen in einer Dissertation gibt, argumentieren die Verwaltungsgerichte in der Regel, dass der Kandidat gewusst haben muss, was er tat. Aber auf einen möglichen Rechtsstreit mit Guttenberg wollte es die Uni Bayreuth offenbar nicht ankommen lassen. Gleichwohl nehmen viele Forscher Guttenberg nicht ab, dass er beim Abfassen der Dissertation lediglich unachtsam war. Ob er absichtlich Regeln missachtet hat - dazu konnte oder wollte sich die Uni indes nicht offiziell äußern.


    Das heißt allerdings nicht, dass sie nun die Akte des Ministers schließt. Eine Kommission mit Namen "Selbstkontrolle in der Wissenschaft" soll den Fall weiter behandeln und alle Teile der Dissertation prüfen. Das betrifft auch Zitate aus Büchern, die nicht im Internet verfügbar sind. Diese Prüfung kann sich noch eine Weile hinziehen. Am Ende könnte dann auch ein Urteil darüber fallen, ob Guttenberg die Zitierpflichten mit Vorsatz verletzt hat.


    [small]Quelle: http://www.sueddeutsche.de/pol…er-bagatellfall-1.1064214, Hervorhebung in Fettschrift hinzugefügt[/small]


    Schauen wir mal, was daraus wird...