Zitat
Original geschrieben von blackdragon4
Ärzte haben hier eine Sonderstellung. Verweigern diese ihre Arbeit, stehen sofort Menschenleben auf dem Spiel. Eine derartige Gefahr sehe ich bei der Bahn nicht.
Auch dort, wenn auch nicht unmittelbar. Nicht umsonst gelten schwere Eingriffe in den Bahn- und Straßenverkehr als Straftaten.
Auch wenn es absurd klingen mag und es darüber sicherlich keinerlei Aufzeichnungen gibt: Jede größere Störung unseres Verkehrsnetzes kostet Menschenleben.
Warum? Sobald das Verkehrsaufkommen auf den Straßen steigt, geht unweigerlich auch die Zahl der Verkehrsunfälle nach oben. Das muss dann noch nicht einmal etwas besonders schlimmes sein, aber jeder Unfall bindet Einsatzkräfte -- je nach Schwere des Unfalls von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienst.
Einsatzkräfte, die an anderer Stelle dann fehlen, denn das Leben geht "draußen" ja weiter. Dein Opa, der dummerweise während eines Bahnstreiks morgens zwischen 7 und 9 oder abends zwischen 16 und 20 Uhr einen Herzinfarkt erleidet, wird nicht mehr in der Geschwindigkeit in die nächste Klinik gebracht werden können, wie zu sonstigen Zeiten. Weil dummerweise die beiden Rettungswagen aus deiner nächstgelegenen Rettungswache auf der Autobahn A42 stehen, um dort die beiden Leichtverletzten zu versorgen. Also muss der nächste freie Rettungswagen von der nächsten oder übernächsten Wache anfahren. Das vorgegebene Zeitfenster von 10 Minuten kann der natürlich nicht mehr einhalten.
Dummerweise sinkt die postklinische Überlebenswahrscheinlichkeit eines plötzlichen Herztods (die häufigste Form eines Herzinfarkts mit eintretendem Kammerflimmern) mit jeder therapiefreien Minute nach dem Eintritt um 10%, so dass der Rettungswagen, der weiter als 10 Minuten von deinem Opa entfernt ist, eigentlich erst gar nicht kommen braucht.
An den Haaren herbeigezogen?
Leider nein. Das ist die brutale Realität.
Für jedes Großveranstaltung, die ein erhöhtes Aufkommen von Rettungseinsätzen provoziert, müssen die Veranstalter zusätzliche Rettungsmittel bereitstellen, damit die Versorgung außerhalb dieses Veranstaltungsorts weiterhin aufrecht erhalten werden kann.
Bei einem bundesweit stattfindenden Streik ist so etwas nicht möglich, da es kein örtlich begrenzten Veranstaltungsraum gibt, den man mit zusätzlichen Rettungsmitteln versorgen könnte.
Natürlich können solche Fälle wie oben jederzeit passieren, durch Massenunfälle und dergleichen. Der Unterschied ist jedoch, dass es sich dabei um nicht geplante Unglücke handelt.
Ein Streik, der diese Folgen provoziert, ist jedoch geplant.
Leider taucht dein verstorbener Opa nicht in der Statistik "Streiktote" auf, sondern ist einfach nur an den Folgen eines Herzinfarkts verstorben. Warum der Rettungswagen nicht rechtzeitig da sein konnte, wird nicht erfasst.
Es zeigt, wie fragil unsere öffentliche Ordnung ist. Eine kleine Störung kann in dem System große Auswirkungen haben, weshalb man jede vorsätzliche Störung tunlichst vermeiden sollte. Aber da in diesem Land ja jeder sich der nächste ist, auch wenn gewisse Gewerkschafter sich dreist "Solidarität" auf die Fahnen schreiben, interessiert es ja niemanden, welche Folgen ein solches Handeln hat. Sieht man ja, wie der Vorsitzende der GDL diejenigen verhöhnt, die unter den Streikfolgen zu leiden haben.