Problem der Hersteller: Wenn ich in der Markt-Studie nicht die richtigen Fragen stelle, kommen auch nur zufällig richtige Ergebnisse bei raus. Das Problem sehen wir Konsumenten schon seit dem Jahr 2004 und dem Motorola RAZR V3. Was wollten die Kunden damals, warum war es so erfolgreich: Klappe, Bildschirm-Schutz, Anruf direkt annehmen, Volumen-Kompaktheit, Metall-Look oder war es in Wirklichkeit die Dünne? Einige Hersteller wie Nokia haben „das“ dann kopiert, einfach für diese „Zielgruppe“ das „Gleiche“ aufgelegt und sind völlig auf die Nase geflogen. Seitdem ist klar, wie wahnsinnig schwer die Kunden es haben bzw. wie wahnsinnig wenig die Hersteller in diese Richtung Markt-Studien machen.
Hypothese:
- Die Kunden wollen so flache Geräte wie möglich, warum auch nicht – wohin mit Akku und einer guten Hörer-Muschel oder gar einem Lautsprecher? Inzwischen sind die Geräte sogar zu flach für eine 3,5mm-Klinken-Buchse – 2,5mm-Klinken-Buchse oder gleich USB-C.
- Die Kunden wollen so schmale Geräte wie möglich, um es noch mit einer Hand zu bedienen aber auch um mal in die Gesäßtasche stecken zu können.
- Die Kunden wollen so große Bildschirme wie möglich, weil sie einfach angeben möchten.
- Die Kunden wollen Glamour, also Hochglanz-Oberflächen – wohin mit den Fettfingern?
Solche Hypothesen gibst Du dann in Markt-Studien und schaust Dir dann die „Zahlen“ an. Das nimmst Du dann als „Entscheidung“. So läuft das in vielen Firmen, bei denen alles schief geht, denn die Entscheidung ist bereits durch das Stellen der Frage bzw. Wie oder Wen Du fragst passiert – also wird so eine Entscheidung auf Fehler bzw. Inkompetenz der eigenen Mitarbeiter aufgebaut.
Was nämlich Du schilderst, ist die gesamte User-Experience. Wenn die Software nicht zum Seitenverhältnis passt, dann ist das Gesamtkonzept (aus Hardware und Software) für den Popo. Man verkauft vielleicht ein Modell, aber die Kunden sieht man ab dem nächsten Gerät nie mehr wieder.
Allerdings bzw. nach diesen Ausführungen muss ich hier eine Lanze brechen. Ich nutze ein Gerät nicht nur mit 20½:9 sondern sogar mit 21:9, das Sony Xperia 10 ohne Plus. Davor hatte ich das Sony Xperia X ebenfalls nicht breiter als 70mm. Für mich persönlich die besten „Dimensionen“, die ich bisher in meinem Mobilfunk-Leben hatte. War ich lange auf dem Volumen-Kompakt-und-Leicht-Tripp, haben mir diese beiden Modelle gezeigt, dass ich mir etwas ganz anderes gewünscht hatte. Allerdings bin ich in einer ganz anderen Geräteklasse unterwegs – was auch immer „Klasse“ jetzt wieder ist. Aber ich habe hier nicht 7 sondern 6 Zoll. Aber ich habe hier nicht das Neuste vom Neusten, sondern Prozessoren von vor drei Jahren. Vergleichbar? Fraglich. Vielleicht ist bei dieser Größe 21:9 genial. Für mich auf jeden Fall.