Du hattest in einem anderen Thread selbst einen Teil als Offtopic markiert. Damit mache ich mal hier weiter:
Warum der alte und der neue Vertrag bezahltechnisch parallel laufen, ist eines der vielen Geheimnisse der Telekom.
Das ist nicht normal. Sollst Du zweimal für den Anschluss zahlen oder was genau meinst Du mit parallel?
Hausverkabelungsumverdrahtung
Die Telekom vertreibt seit dem Jahr 2011 Speedports, die auch am IP-basierten Anschluss laufen. Speedports sind so designed, dass Du gar nichts ändern musst, außer den TAE-Stecker des Telefons aus dem Splitter in den Speedport zu stecken. Ja, das ist dann ein Problem, wenn der Speedport und die 1.TAE nicht nebeneinander liegen. Im Fall von ISDN steckst Du das ISDN-Kabel aus dem NTBA in den Speedport – in dem Fall brauchst Du einen ISDN-fähigen Speedport (oder diesen ISDN-Adapter).
Daher „denkt“ das Telekom-Management, dass das bei so gut wie jedem gut geht. Was viel zu oft dann doch nicht der Fall ist. Super kompliziert sind die Fälle, in denen ein nicht-ISDN fähiger Speedport vorhanden war, aber der Anschluss von ISDN auf IP-basiert umgestellt wurde. Und super kompliziert sind die Fälle, in denen der vorhandene Speedport nicht neben der 1.TAE liegt. In beiden Szenarien ist basteln angesagt. Auch hatte ich schon Fälle in denen zwei ISDN-Anschlüsse vorhanden waren, aber nicht beide gleichzeitig umgestellt wurden. Chaos pur. Dann noch die Weigerung der Telekom „DECT-Repeater“ ins Programm zu nehmen – für große Häuser ein riesiges Problem.
Aber in vielen Fällen kann die Umstellung genutzt werden, die Installation nach bis zu 30 Jahren endlich mal zu „entrümpeln“:
- ISDN raus, komplett
- Speedport, FRITZ!Box oder was man nimmt, in die Mitte des Hauses (wegen besserer WLAN- und DECT-Abdeckung)
- alle analogen Telefone durch CAT-iq 2.x fähige DECT-Telefone ersetzen (um HD-Telefonie zu bekommen)
- bei Modernisierungen eine „strukturierte Verkabelung“ verlegen – in jeden Raum mindestens zwei Ethernet-Kabel: unten bei den Steckdosen und oben an die Decke bei den Leuchten.
Je nach vorhandener Installation sind die ersten drei Faustregeln nicht anwendbar (Haus zu groß, zuviele Nebenstellen) oder finanziell zu aufwendig (zuviele Telefone). Und es entstehen neue Probleme: Wie externe Klingeln bzw. Türöffner einbinden? Auch kann die Zuliefer-Industrie bis heute keine gescheiten IP-Telefone bauen. Und noch besser: Die Speedports können mit IP-Telefonen gar nicht umgehen. Dafür braucht man eine FRITZ!Box, die wiederum keine echte Telefonanlage ist. Dafür bräuchte man eine DigiBox bzw. deren original Anlagen. Das sind Telefonanlagen die für einen Laien unbedienbar sind. Selbst Profis können nur nach Schulung auf das Modell damit irgendwie umgehen.
Es ist eigentlich unüblich, dass man von Institutionen angelogen wird. Diese Schwarze-Peter-Nummer hätte früher zu einer Abmahnung des Angestellten geführt. Und ist auch heute inakzeptabel. Hier müssen in Deutschland endlich moderne Meldesysteme her.
Bei mir hat vor der Umstellung eine Dame angerufen, die offensichtlich nichts anderes tut, als für einen reibungslosen Umstieg zu sorgen.
… so vorbildlich auf Deine Situation eingegangen wurde … sie hat es eigentlich auch falsch gemacht. Die Telekom müsste offen sagen, dass das Projekt „ISDN“ gescheitert ist. Die Telekom müsste offen sagen, dass sie über 20 Jahre auf das falsche Pferd gesetzt hat. Anfangs hat die Telekom DSL sogar nur zusammen mit ISDN verkauft. Die Telekom müsste von sich aus klarmachen, dass eigentlich alles ISDN heute raus muss – anders bekommt man keine HD-Telefonie. Das macht die Telekom nicht. Den schwarzen Peter hat dann der Installateur vor Ort. Auch hat die Telekom durch ihre Vollsortimenter-Mentalität (die sie bis heute nicht aufgibt), den Markt für freie Telekom-Installateure kaputt gemacht – jeder will alles kostenlos. Selbst wenn man freundschaftlich bzw. nachbarschaftlich hilft, ist das ein Drama, weil der Telekom mehr geglaubt wird.
Warum die Telekom überhaupt umstellt, ist selbst mir schleierhaft. Auch ist die „Modernisierung“ des Netzes vollkommen schief gelaufen:
- Obwohl VoIP/SIP viel leistungsfähiger ist, sehr viel, hat man sich für eine Architektur entschieden, die neue Single-Points-of-Failure heraufbeschwört (Millionen Clients, wenige Server).
- Die Störungsstellen der Telekom haben keinen Schimmer von Software und machen nur Leitungstests. Selbst wenn man bei einem etwas fähigeren Anbieter ist, muss man sich schon durchboxen, um eine Störung zu melden. Bei uns war mal die ganze Straße bezüglich DSL kaputt. Jeder wurde einzeln behandelt. Obwohl die Störung im System ersichtlich hätte sein müssen, wurden manche sogar immer noch in den T-Punkt gejagt, um sich selbst einen neuen Speedport zu kaufen. Ich bin dann die ganze Straße lang und habe jeden aufgeklärt, was zu tun ist. Am Ende wurde nicht die ganze Straße auf einmal sondern jeder einzeln repariert.
- Die Telekom arbeitet nur noch reaktiv aber nicht mehr planerisch: Ich habe hier APLs, die einfach nach Jahren aus allen Latschen fallen. Die machen je nach Witterung Probleme. Ich muss eine regnerische stürmische Woche abwarten, damit ich die Dinger überhaupt melden kann, denn ohne Störung geht gar nix.
- Das Zusammenlegen der All-IP-Netze hilft zwar, dass die Gesprächsqualität weiter steigt (HD-Telefonie), aber es bringt haufenweise Fehler in den SIP-Implementierungen zu Tage, die wir Laien nicht mehr melden können. Gesprächsabbrüche. Kein Ton. Alle macht den Software-Bugs.
Die Telekom hat ihr Netz komplett gegen die Mauer gefahren. Das kann keiner von uns ändern. Aber das kann jeder laut sagen, damit irgendwer dann doch mal was tut. Und wie im Ausgangspost erwähnt, dann auch noch seitens der Telekom angelogen zu werden: Das geht gar nicht!
Lartax1, was kannst Du jetzt machen? Erstmal nix. Ich würde an Deiner Stelle schauen, ob bei Deinen Bekannten ISDN herumschwirrt oder alles Analog ist. Wenn alles analog ist, dann reicht erstmal eine FRITZ!Box 7362 SL für keine 40 € über eBay. Mehr dazu in Deinem anderen Thread… wenn Du Dich dann aufraffen kannst, auch die Installation daheim neu zu verlegen: Bitte einen neuen Thread aufmachen, erklären welche Telefone und Kabel Du in welchem Stockwerk hast. Ich würde an Deiner Stelle auch schauen, ob Du nicht zu einem alternativen Anbieter wechselst: eazy (Kabel), Easybell (DSL) oder 1&1 (DSL). Nachteil: Du kannst kein Call-by-Call mehr machen.