ZitatOriginal geschrieben von Hightower2004
ich bin auf der Suche nach einem Telefon für eine ältere Dame …
Ich mache Schulungen für Leute 60+. Mein Jüngster war bisher 91.
Ein paar Tipps:
Zeit lassen und erstmal die Motivation durchgehen (existieren Enkel, mit denen man sich regelmäßig austauschen kann; existieren Brieffreunde, mit denen man schneller kommunizieren will). Beispiel: Ich sollte jemanden E-Mail beibringen (Sohn kam auf die Idee), weil man doch Verwandte in den USA hat. Auf die Frage hin, ob man bereits Briefe oder Postkarten schreibt. Fehlanzeige. Dann schreibt man auch keine E-Mails. Also habe ich das nicht beigebracht.
Dann mache ich 3 mal 2 Stunden Einweisung in die wichtigsten Grundlagen (Menü, Tab-Bar, Entsperren) und gezielt in die Apps, die sich aus der Motivation ergaben und regelmäßig genutzt werden (Kamera, …). Wichtig ist dieses regelmäßig, damit das Gelernte nicht nur sofort Anwendung findet sonder auch auf Dauer nicht verloren geht.
zu 4. Ist nach meiner Erfahrung nicht nötig, weil das Problem die Hand-/Augen-Koordination ist bzw. andere Hilfsmittel (Brille) das bereits ausgleichen. Hier hilft üben bzw. bei den Brillen schauen das alles passt (aktuelle Dioptrien, Sauberkeit der Gläser, Brille greifbar). In iOS existieren vielfältige Optionen für Menschen mit Behinderungen. Die helfen bei älteren Menschen nur in Spezialfällen.
zu 3. Bei Apple habe ich noch niemanden erlebt, der das Menü versehentlich umgeordnet hat. Bei Android wüsste ich keinen anderen Trick außer die Hand-/Augen-Koordination zu schulen, beispielsweise mit Kniffel-Apps ala Cut-the-Rope. Bei den alternativen Launchern habe ich noch nichts gefunden, was mich glücklich gemacht hätte – oft ist das Konzept „Funktionsreduzierung“; sehe ich nicht als Lösungsweg.
zu 1. und 2. kann (und will ich) nichts schreiben. Ältere Menschen sind schlau und faul. Sie delegieren solche Aufgaben gerne und verpassen daher die Chance (dauerhaft) zu üben/lernen. Hier erkläre ich lieber, wie man sich selbst ein Hilfenetz aufbaut (Enkel fragen; Fehlermeldung Wort für Wort in Google eingeben). Bei Android ist Hand-/Augen-Koordination der Schlüssel, weil viele Tasten mehrfach belegt sind (kurz drücken, lang drücken, ganz lang drücken).
Apple iPhone SE klappt hier sehr gut, wenn man zeigt, dass man das Telefon auch quer halten kann. Dann noch erklären, wie man das Telefon putzt (kein Mikrofaser sondern Baumwolltuch, kein Reinigungsmittel sondern destilliertes Wasser). Dann noch erklären, wie man telefoniert (bei jedem Gespräch erstmal leiser machen, so lange bis es zu leise ist, dann wieder lauter). Wichtig ist auch, dass auf die SIM eine Abo-Sperre bzw. Dritt-Anbieter-Sperre gesetzt wird. Viele Spiele sind so gut gestrickt, dass das gern mal passiert – besonders am Anfang, wenn die Hand-/Augen-Koordination noch nicht so gut ist.
Wenn man sich diese 6½ Stunden nimmt, dann reicht das voll aus. Viele meiner Schüler machen inzwischen Sachen, die ich selbst noch gar nicht kannte. Eigentlich Alle muss ich während den Schulungen sogar bremsen, weil sie auf einmal laufend Neues lernen wollen. Allerdings dürfen die Einheiten nicht zu lang werden und ganz wichtig ist Wiederholen und Üben. Wichtig ist auch Einmaliges von Mehrmaligen zu trenne. Dinge wie E-Mail einrichten oder Store-Konto anlegen, macht man zwar zusammen, aber ganz klar sagen: Brauchst Du nicht lernen; das machst Du nie wieder.
Motivation erfragen und Hand-/Augen-Koordination* sind bei mir die größte Baustellen. Der Rest sind dann quasi Selbstläufer. Ist alles überhaupt nicht das was Du gefragt hast – aber sind halt meine Erfahrungen.
* Aber auch nicht immer. Ich hatte mal einen Meister in Fein-Mechanik, der hat mich sogar getoppt. Jeder Senior ist ein wenig anders, allein schon durch seinen Lebensweg. Einfach ein wenig quasseln, Interesse zeigen und schon findet sich eine Basis.