Du hast selbst geschrieben, dass Du jetzt wieder angestellt arbeitest (als Hausmeister).
Das macht niemand, dessen Gewerbe gut läuft 😉.
Ich weiss nicht, ob Du mal selbstständig warst in Deutschland? Ich hatte mindestens eine 6-Tage-Woche, meist 7 Tage, und 14 Tage Urlaub im Jahr, mal mehr, mal gar nicht.
Es stimmt, dass der Laden sehr lange Jahre gebrummt hat, der Verdienst extrem gut, und zum Schluss eher ok. Lag aber daran, dass ich niemanden entlassen habe. Ich habe dann den Laden an meinen Mitarbeiter übergeben, und einen Betrag mitgenommen, und jetzt 1,5 Jahre nicht gearbeitet, Privatier, Krankenkasse usw. selbst bezahlt, dem Staat nicht auf der Tasche gelegen. Mein Mitarbeiter hatte Bock auf Selbstständigkeit, und auf den Status "Chef".
Corona hat uns erst sehr spät zugesetzt, aber hat, aber das war nicht ausschlaggebend. Ausschlaggebend war einfach, dass ich mit Mitte 50 keinen Bock mehr hatte, die Luft war raus, und ich habe jetzt 6! Wochen Urlaub, auch noch bezahlt, dazu 6 Wochen Winterpause, eine Sonderzahlung im Sommer, eine Gewinnbeteiligung am Jahresende.
Ich habe den Job insgesamt 33 Jahre gemacht, seit meinem 23. Lebensjahr, als Quereinsteiger aus meinem Bauingenieurstudium angefangen, damals habe ich Aushilfe angefangen. Meine studierten Kumpels haben nicht annähernd so viel Geld verdient, wie ich, ist ja gerade Thema hier. Geldgeil war ich damals auch, aber ich brauchte die Bewegung 12 Stunden am Tag, draußen. Das war wie Therapie für mich. Ich hatte einfach viel zu viel Energie.
Zum Schluss habe ich mehr Zeit am Schreibtisch zugebracht und musste mich um irgendeinen Mist kümmern. Das hat sich in Deutschland enorm gewandelt. Hinzu kommt, fast jeder Selbstständige in Deutschland, besonders wenn er Mitarbeiter hat, steht immer mir einem Bein im Knast.
2013/2015 dann schweres Burnout, trotzdem noch weitergearbeitet, die Dame des Hauses, 2 mal Fremdgegangen, nach dem zweiten mal an die Luft gesetzt, ausgezahlt, und als Alleinerziehender meine Töchter groß gemacht.
Die eine lernt Erzieherin, fast fertig, die andere Verwaltungsfachangestellte und beendet jetzt ihr Volkswirtschaftsstudium, beide eigene Wohnung, nun bin ich dran.
Die Motivation für den Job absolut weg, eh klar. Jetzt werde ich nach TÖVD bezahlt, besser geht es nicht - für mich! Arbeiten muss man zwar, aber man macht sich nicht tot, Verantwortung wenig, keine Mitarbeiter, keine Aushilfen, kein Gelaber, Stichwort Arbeitskräftemangel. Letzteres hat am Ende den Ausschlag gegeben, das war reiner Stress, denn irgendwo anders verdienen die Leute immer mehr. Abgesehen von den Knüppeln zwischen den Beinen vom Staat. Der gewinnt bei Selbstständigen immer.
Beispiel: Ich hatte damals die 9000,- Euro Corona-Soforthilfe beantragt, einfach um mir die zu sichern, weil man nicht wusste, was kommt. Da ich aber sehr gut gehaushaltet habe, und meine Mitarbeiter teilweise von meinem privaten Geld bezahlt habe, mein Firmenkonto war noch nie im Minus - habe ich also auch keine negativen Einkünfte gehabt.
Da man von den 9000,- Euro nur Geld nehmen durfte, wenn man ein Minus vor der Zahl hatte, musste ich die 9000,- Euro zurückzahlen. Dadurch dass mir die 9000,- Euro 2020 ausgezahlt wurden, wurden diese als Gewinn angerechnet, ich musste für 2020 1800,- Euro Steuern nachzahlen, und 500,- Euro Gewerbesteuer zusätzlich. Also habe ich dem Staat 11300,- Euro zurück gezahlt.
Dadurch, dass ich nicht mehr selbstständig bin, kann ich aber die quasi "Minus 9000,- Euro" nicht mehr geltend machen, und bleibe so auf den Minus 2300,- Euro Steuernachzahlung sitzen. Danke Deutschland!
Übrigens habe ich durch Corona gelernt, was die Politiker in die Kameras sagen, ist nicht das, was sie wirklich machen, sondern oft genau das Gegenteil. Wirtschaftsminister Altmann hat, überall nachzusehen, in die Kameras gesagt, "Beantragen Sie die Coronahilfe, Sie müssen sie nicht zurückzahlen". Das war der Bund.
Der Bund hat dann die Länder beauftragt, die 9000,- Euro auszuzahlen, diese haben dann aber die Maßnahmen und Regeln des Bundes wieder einkassiert, und eigene Regeln aufgestellt. Ein Schelm, der Böses dabei denkt.
Und obwohl ich zu den Bedingungen des Bundes den Coronaantrag gestellt hatte, weil ich schnell war, musste ich zu den Bedingungen des Landes Schleswig-Holstein zurückzahlen.
Baden-Würtemberg z.B. hat wieder andere Bedingungen, ein Kollege dort muss nicht zurückzahlen, der hat nicht einmal Mitarbeiter . . . :))
Das ist kein Gejammer, nur ein Fazit.
Ich bin das jetzt alles los, am Monatsende kommt meine Kohle, ich kann schon fast 12 Monate vorher meinen Urlaub planen - Urlaub: ich arbeite nicht, und er Arbeitgeber zahlt meinen Lohn weiter - und on Top gibt es noch eine Sonderzahlung (Urlaubsgeld o.ä.) - Wahnsinn - und einfach krank! :))
Schlaraffenland Deutschland, und viele verteufeln unser Land immer . . .
Du hast selbst geschrieben, dass Du jetzt wieder angestellt arbeitest (als Hausmeister).
Das macht niemand, dessen Gewerbe gut läuft 😉.
Haustechniker, bitte, ja, so viel Zeit muss sein! LOL (Wusste ich aber auch nicht) :))