Dann hast du wenig gelesen oder nicht verstanden, was ich geschrieben habe.
Selbstverständlich spielt das Gehalt bei der Berufswahl eine Bedeutung. Wenn es zwei Stellen gibt, die das gleiche Einkommen bieten, die Bedingungen der Stelle A wesentlich schlechter sind, als die der Stelle B entscheidest du dich rational für die Stelle B.
Hier denke ich zweiteres.
Du vergleichst Äpfel mit Kartoffelbrei.
Eine Stelle als Möbelpacker bietet 3600€ netto. (Nur als Beispiel!!)
Eine Stelle als Krankenpfleger bietet 2700 netto€.
Du würdest also als lieber als Möbelpacker arbeiten und diese Stelle nehmen?
Für einen Beruf entscheidet man sich nicht anhand des Einkommens. Jedenfalls nicht nur.
Seinen Beruf muss man gerne machen, bestenfalls lieben.
Wer einen Beruf nur macht, weil man da mehr verdient, als in einem anderen, wird auch so arbeiten.
Es gibt solche Leute. Ja, natürlich. Aber im Pflegebereich sind das die Schlechtesten!
___________
Natürlich gibt es auch innerhalb der Berufe Stellen, bei denen mehr oder weniger verdient wird.
Umzugsfirma A bietet besseren Lohn als B. Selbstverständlich gibt es das.
Ein privates Krankenhaus bietet schlechtere Entlohnung als ein staatliches. Unbestritten.
Aber das hat doch mit der Sache nichts zu tun!
Wenn Stelle A dir ein höhres Gehalt bietet, fängst du an zu überlegen. Und wenn das Gehalt plötzlich noch höher ist würdest du dich irgendwann für A entscheiden.
Ich habe zwei erlernte Berufe. Mit Abschluss (einer sogar mit höherem) - bin also keine Hilfskraft.
Beide Berufe kann man nicht miteinander vergleichen.
Wenn ich in meinem 1. Beruf arbeiten will, kann ich das Einkommen nicht mit dem aus dem 2. Beruf vergleichen. Das geht nicht.
Wer nur wegen eines höheren Einkommens einen Beruf wählt (nicht als ungelernte Arbeitskraft, von der spreche ich nicht!) ist in einem Pflegeberuf fehl am Platze!
Gerade in der nichtmedizinischen Pflege, wie Pfleger in Pflegeheimen, merkt man das sofort. Diese Leute sind nicht nur bei den (Fach-)Kollegen unbeliebt, auch bei den zu Pflegenden!
Das sind genau die, die die Bewohner von Pflegeheimen mit mitsamt Bett in einen Abstellraum schieben, um Ruhe zu haben. Das habe ich erlebt! Mehrfach!
Das sind auch genau die, deren "Pfleglinge" aufgelegene Stellen am Rücken und Gesäß haben. Manchmal mehrere Zentimeter große eitrige Löcher!
Ich habe es auch schon mehrfach erlebt, dass im Pflegebericht Nahrungsgaben, Pflegearbeiten und Meßwerte schon bis 22:00Uhr eingetragen waren, obwohl es erst 16:00Uhr ist.
Einen Pflegeberuf ergreift man nicht wegen des Geldes! Man muss Menschen lieben und pflegen wollen!
Wie ich oben schon schrieb, habe ich 3 "Pflegekräfte" in der Familie. Keiner davon arbeitet wegen des Geldes (alleine). Alle lieben ihren Beruf und würden nie etwas anderes machen wollen.
Anstatt krude Theorien aufzustellen, die nicht haltbar sind, nenne doch einfach mal dein Hauptproblem das du siehst.
Krude Theorien?
Du meine Güte. Ich weiß, welche Belastungen eine Pflegekraft hat. Du anscheinend nicht.
Worin ich das Hauptproblem sehe, habe ich schon geschrieben!
Es ist einfach die Überlastung. Arbeit für 4 Pflegekräfte muss eine alleine erledigen.
In der Nacht ist oft nur eine Pflegekraft auf mehreren Stationen verfügbar. (Ich rede jetzt nicht von der Intensivstation!)
Wenn da ein Patient klingelt, muss die Schwester oft von einer anderen Etage des Krankenhauses kommen, die aber gerade zu tun hat.
Eine Hilfspflegekraft muss oft alleine nachts einen Patienten drehen, obwohl sie dafür gar nicht ausgebildet ist und eigentlich zwei bis drei Kräfte notwendig sind.
Am Freitag weiß man nicht, welche Schicht man am Wochenende hat oder ob man sein geplantes Frei bekommt.
Daran leidet auch das Familienleben!
Einen Sterbenden muss man alleine in seinem Zimmer sterben lassen, weil man 7 oder 9 andere Patienten in dieser Zeit zu betreuen hat. Auch das zermürbt viele Pfleger! Solche Dinge stecken nur die weg, die nur auf die monatliche Lohntüte schauen.
Oft genug kommt man früh um 8:00 Uhr aus der Nachtschicht nachhause und hat am selben Tag 13:45 Uhr zur Spätschicht zu erscheinen.
Mit "mehr Geld" ist das nicht zu kompensieren!
Von den Pflegekräften, die ich kenne, jammert keiner über zu wenig Geld. Aber alle über zu große Belastung.
_________________
Du (und einige andere auch) schaust bei der Berufswahl vielleicht nur auf das Geld.
Andere schauen auch auf das Arbeitsumfeld!
Für mich war das auch ein Grund, den Beruf zu wechseln. In meinem zweiten Beruf habe ich am Anfang sogar deutlich weniger verdient. Trotzdem habe ich den Wechsel nie bereut. Die neue Arbeit war für mich (und meine Gesundheit) einfach besser geeignet. Er hat mir dann auch mehr Spaß gemacht. Ich bin gerne zur Arbeit gegangen. Beim 1. war das nicht so.
Mittlerweile verdiene ich viel mehr als vorher. Das war beim Wechsel aber nicht vorhersehbar!
Meiner Frau (examinierte Krankenschwester) habe ich auch geraten, die Arbeit an den Nagel zu hängen! Die ständige Überlastung macht sie kaputt. Da hilft auch kein Geld.
"Unattraktiv" ist heute ein Pflegeberuf nicht, weil man "nur" X€ verdient, sondern weil man Dinge machen muss, die mit dem Beruf nichts zu tun haben.
Fachkräfte werden durch ungelernte Hilfskräfte ersetzt, die die Arbeit gar nicht bewältigen können und vieles was sie machen auch gar nicht dürften (hier hauptsächlich in Pflegeheimen, in KH weniger).
_______________
Aber es ist vielleicht nur ein Merkmal unserer "modernen" Zeit.
Für mich ist/war mein Beruf noch eine Berufung. Mein Ziel war es, in meinem Beruf gut zu sein, anerkannt zu werden.
Heute zählt mehr das Einkommen.
Viele junge Leute wollen keine vollgesch.... Bettpfannen reinigen oder blutige Verbände wechseln.
Schön im weißen Kittel am Computer sitzen und viel Geld bekommen, möglichst nur 4-6 Stunden am Tag, am Wochenende und Feiertagen natürlich frei - auch das ist ein Grund, dass es wenig Pflegekräfte gibt.
Es gibt natürlich auch Unterbezahlungen, wie in jeder Branche. Das bestreite ich nicht.
Aber grundsätzlich am Hungertuch arbeiten Pflegekräfte nicht.
Und nein, ich hätte nichts dagegen, wenn die Löhne auch im Pflegebereich angehoben werden.